Neue theologische Annalen 1800

 

 
Neue theologische Annalen
 
1801

 

 
Allg. Bibl. der neuesten theol. und pädagog. Literatur

 

 
Jung-Stillings Reaktionen

 


Ankündigungen in den USA


 

Zur Rezension durch  Johann Konrad Schiede geht es hier.

 


 


Im 43. Stück der Zeitschrift

"Neue
Theologische
Annalen
1800.
-
Zweyter Band.
-
Rinteln,
in der Expedition der N. Theol. Annalen."
Liest man S. 881-888 eine weitere Rezension. In Anlehnung an eine andere Auslegung der Offenbarung durch Friedrich Adolf Lampe (1683-1729) möchte der Rezensent, sicherlich Johann Friedrich Ludwig Wachler (1767-1838), auch diese so bezeichnen, "daß nicht leicht ein schädlicheres Buch über diesen Evangelisten erschienen sey".

"-( 881 )-
Neue
Theologische Annalen
St. 43.
=
Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnützigen (?) [gemeinnützigen ist um 180° gedreht im Text eingefügt] Erklärung der Offenbarung Johannis. Nürnberg bey Raw. 1799. 606 S. 8.
Der sel. Steinbrüchel in Zürich behauptete in einem exegetischen Collegium über das Evang. Johannis, daß nicht leicht ein schädlicheres Buch über diesen Evangelisten erschienen sey, als Friedrich Adolf Lampe's Erklärung dieser apostolischen Schrift. Beynahe mögte Rec. dasselbe in Ansehung der Apokalypse von vorliegendem Buche behaupten, deßen Verf [.] S. 1985 des Allg. Lit. Anzeigers 1799 namhaft gemacht ist. Die Bengelsche Auslegung ist dabey zum Grunde gelegt, und den Ungelehrten werden durch diese Schrift in dem zuversichtlichsten Tone so tolle Ideen als göttliche Offenbarungen mitgetheilt, daß man sich über die heillose Wirkungen, welche die Lectüre einer solchen, si Diis placet, verdeutlichten Prophezeihung in dem großen Publicum eines bekannten Asceten hervorbringen muß, nicht anders als betrüben kann. Der Verf. trotzt gar sehr auf Unumstößlichkeit des astronomischen Systems des sel. Bengels, das über die Apokalypse den hellesten Aufschluß gegeben habe, und versichert, daß nach der Bengelschen Rechnung bis dahin alles auf das pünctlichste eingetroffen sey, so daß der als schlechter= / 1800 K k k ding [S. 882:] -( 882 )- dings unbelehrlich angesehen werden müße, der nun noch die Auslegung dieses hocherleuchteten Gottesmannes verwerfe. Ein Freund der Astronomie hat aber bereits in der angeführten Stelle des lit. Anz. bewiesen: 'Daß wenn die Astronomen genöthigt wären, nur ein Jahrzend diese apokalyptischen Angaben zu gebrauchen, die Astronomie am Ende desselben sich in einer gänzlichen Anarchie befinden würde', und er macht deshalb die Bemerkung, 'daß das Feld der Mathematik und der Astronomie immer eine sehr ungünstiges Terrain für oberflächliche Kenntniße und unbestimmte Declamationen bleibe, weil man mehr als in jeder andern Wissenschaft der Gefahr ausgesetzt sey, Blöße zu geben, und dann durch die wichtige Miene beym Vortrag lächerlich zu werden.' Das ist nun freilich ein schlimmer Umstand für den Hrn. Verf.; wir wollen indessen die Astronomie hier ganz bey Seite setzen, und uns nur an den exegetischen Geschmack unsrer Leser wenden, um diesen zum Richter über diese theologische Schrift eines Mediciners und Cameralisten zu machen. S. 38. wird die Legende, daß Johannes in siedendem Oele gekocht worden sey, ohne davon den geringsten Schaden zu nehmen, als gewiße Thatsache angeführt. In den sieben Sendschreiben an sieben Gemeinen findet der Verf., dem geistlichen Verstande nach, eine chronologische Schilderung des Zustandes der christlichen Kirche bis ans Ende der Welt. (Ephesus = der apostolische Zeitraum, Smyrna = der Märtyrer Zeitraum bis zum Jahre 300 oder 330; die zehn Tage Drangsal bedeuten dann die zehn Christenverfolgungen unter den römischen Kaisern Pergamus = die wahren Christen von Constantin dem Großen an bis auf Carln den Großen, oder vom Jahre 323 bis 800. Thya= / tyra [S. 883:] -( 883 )- tyra = die mährische Bruderkirche, die in der Herrnhutergemeine noch fortdauert. Sardes = die katholische Kirche von Carln dem Großen an bis zur Wiederkunft Christi. Philadelphia = die wahren Christen unter den Lutheranern und Reformirten von der Reformation an bis zur Wiederkehr Chr. Laodicea = diejenigen Protestanten, die noch keine förmlichen Deisten geworden sind.) S. 181 mögte Rec. doch gerne wissen, wie man auf dem Worte der Wahrheit reiten kann. (Reite, heißt es nach Ps. XLV, 5. mit Vortheil auf dem Worte der Wahrheit, und auf der rechtfertigenden Sanftmuth, so wird dich deine Hand erstaunliche Dinge lehren!) S. 259. Sonne, Mond und Sterne (Offenb. VIII. 12.) sind dem Herrn Verf. die christliche Religion, die philosophische Aufklärung und die Gelehrten, besonders die Lehrer und Vorsteher der Religion. Geschlagen wurde diese Sonne, Mond, und Sterne von Muhamed! Der Stern (Offenb. IX.) ist der Papst Urban, der die Christenheit zu den Kreutzzügen entflammte. Die Heuschrecken sind die Kreutzsoldaten, die ziemlich Heuschreckenartig aussahen!! Die vier Winde am Euphrat sind die Sarazenen, Dschingis=Chan, Tamerlan und die Türken. Was die 7 Donner geredet haben, weiß der Verf. genau, ob es gleich dem Johannes verboten ward, es aufzuschreiben; Rec. kann aber, als Uneingeweihter, die darüber in Demuth und Abhängigkeit von dem Herrn gegebenen Winke nicht ganz kurz aßumiren. Das Sonnenweib ist die Herrnhuterkirche, wovon der Verf. gründlich und mit Gewißheit überzeugt ist. Das Thier aus dem Meere ist eine Macht, die nach der Universalmonarchie trachtet, und das Thier aus der Erde ist die Propaganda, die für diese Macht arbeitet (dieß ist / K k k 2 noch [S. 884:] -( 884 )- noch die beste Deutung.) Die Todeswunde, die wieder heil ward, ist ohne allen Zweifel die Reformation. Hier wird auch von einer satanischen Dreieinigkeit gesprochen. Satan wird Mensch in dem Meerthiere; das Erdthier oder der Ordensgeist ist der unheilige Geist; diese Dreyeinigkeit wird einst im vollem Glanze der ewigen Glut erscheinen! Wie witzig ist dieß alles! Die 144000 auf dem Berge Sion sind keine Deisten und Moralkrämer; nein; nein, sie sind Christen; jene mögen zusehen, daß sie nicht dem Engel unter sein krummes Rebmesser fallen. Diese erste Zornschaale geht auf den Revolutionsgeist unsrer Zeit; die zweyte trift die Seestaaten, in deren Innern die Revolution theils schon wüthet, theils noch wüthen wird; die dritte geht auf Robespierre's Terrorismus; die vierte geht auf die katholischen Traditionsprediger und die protestantischen Neologen; die fünfte auf den römischen Thron, den die Franzosen umstürzten (und die Austro=Rußen wiederherstellten!) Die sechste und siebente werden nun bald ausgegoßen; denn (S. 298.. 404. - 410. 461.) 'höchst vermuthlich' (schöne Hinterthür, wenn es nicht eintrift!) wird zwischen 1800. und 1836. Christus wiederkommen und dann will der Verf. sehen, wer Recht behält! So ganz genau kann er nun zwar (und darin liegt, wie natürlich, auch große göttliche Weisheit) die Zeit nicht bestimmen, weil sich Dionysius exiguus, der die christliche Zeitrechnung einführte, um einige Jahre verrechnet hat; indessen ist so viel gewiß, daß wir noch nicht über 1807. und unter 1803. stehen. (Nun haben die Schwärmer in den nächsten 30 Jahren herrlichen Spielraum für ihre Phantasie, und wenn dann nach 39 - 40 Jahren nichts vorgefallen ist, so wird ja wohl ein andrer hocherleuchteter Mann / Gottes [S. 885:] -( 885 )- Gottes auftreten und beweisen, daß der übrigens aller Ehren werthe Bengel nur einen ganz kleinen Verstoß in seiner Rechnung sich habe zu Schulden kommen lassen, wodurch die Sache etwa bis auf das Jahr 1895. hierausgerückt wird; denn ein naher Termin, nach dessen, Verfluß die Zeitbestimmer noch leben und ausgelacht werden können, pflegt in solchen Fällen nicht gesetzt zu werden; und Hr. Verf. wird wohl auch klug genug seyn, noch vor 1836 zu sterben. Aber o ihr Menschen! die ihr Euch so von Jahrzehnd zu Jahrzehnd hinhalten lasset, und noch unduldsam gegen diejenigen seyd, die sich unmöglich mit Eurem frommen Spielzeug ernsthaft beschäftigen können, aber Euch darum doch liebhaben und Euch edelmüthig schonen und bedauern!) Ein jeder Hagelstein (Offenb. XVI. 21.) wiegt 125 Pfund; wem ein solcher Stein (S. 467.) auf den Kopf fällt, stürzt hin, und steht nicht wieder auf! (wirklich?) S. 469 macht der Hr. Verf. die 'äußerst wichtige' Bemerkung, daß die höchst merkwürdige Frage entstehe: Warum denn von dem Geiste der Weissagung gerade in diesem gegenwärtigen Zeitalter so helle Aufschlüsse über die Apokalypse gegeben werden? und er antwortet hierauf, daß die Philosophie gerade itzt alles dergestalt wegvernünftle, daß man sich kaum des Zweifels erwehren könne, ob sie wohl nicht recht haben könnte, daß also auch eben in diesem Zeitalter das Bengelsche apokalyptische Rechnungssystem, das alle Zweifel, wie die Sonne die Finsterniß, zerstreudem [sic] Zweifler die herrlichsten Dienste leiste. S. 482 möchte Rec., beynahe vermuthen, daß der Verf. einen gewissen Corsikaner [= Napoleon Bonaparte] für den Antichristen wenigstens für eine Klaue derselben hält, zumal da er die fünfe, die gefallen sind, (Offenba= / K k k 3 rung [S. 886:] rung XVII. 10.) S. 487 auf das französische Directorium hindeutet, und überhaupt noch manches der Art erstaunlich findet. Lächerlich ist es, daß er die [... psychae anthropos; grch. für Menschenseelen] (Offenb. XVIII. 13.) S. 505. auf die katholischen Seelenmessen und die päpstlichen Canonisationen und die [... somata antropos; grch. für Menschengeist] auf den Reliquienhandel bezieht! Und doch stehen noch lächerlichere Dinge in dem Buche. Eine Seite des neuen Jerusalkems beträgt 257 ½ deutsche Meilen? auch die Höhe der Stadt beträgt 257 ½ d. M. und wenn der unaussprechlich schöne Bau im gelobten Lande oder vielmehr im abendländischen Asien steht, so kann der obere Theil bequem von allen hohen Bergen Deutschlands gesehen werden. Die Statur des Engels, der die Stadt maaß, war nach S. 575. vollkommen fünf deutsche Meilen hoch!!! Da mag es wahrhaftig dem Apostel Johannes verzweifelt schwer geworden seyn, sich mit dem Engel in Rapport zu setzen, zumal da er Lemuel Gulliver's Reisen noch nicht benutzen konnte, um sich und dem Engel die Unterhaltung etwas bequemer zu machen. - Diejenigen, die es doch ein wenig hart finden mögten, wenn es eigentlich zu nehmen wäre, daß jeder, der nichtin das neue Jerusalem käme, in den feurigen Pfuhl geworfen, und daselbst in alle Ewigkeiten der Ewigkeiten gebraten würde, antwortet der liebreiche Hr. Hofrath S. 535.: 'o ihr Blinden und Tauben, wißt Ihr nicht, oder wollt Ihr nicht wissen, daß nicht unser Gott, die ewige Liebe, diesen Quaalort geschaffen hat? sondern Ihr selbst habt durch Eure Greuel diese Pfütze eingedämmt, Euern Unrath dahin geflößt, und durch Eure Wuth (?) gegen Christus und alles was heilig ist, den Schwefel angezündet; wer kann nun dafür?' - Aus diesem Berichte mögen nun unsre Leser / urthei= [S. 887:] -( 887 )- urtheilen, was von dieser Schrift zu halten ist, und ob man es nicht beklagen muß, daß ein solches Werk so vielen frommen, ehrlichen Leuten, die es nicht besser wissen, die Köpfe verdret, die Imagination mit tollen Bildern anfüllt, und das Herz lieblos gegen Andersdenkende macht. Tausendmal lieber sähe es Rec., wenn das Publicum des Hrn. Hofr. J. statt dieser willkührlichen und, wenn man es sagen soll, abgeschmackten Erklärung der Apokalypse, die Pfenningerschen Briefe über die Offenbarung Johannis (Leipzig bey Wiegand 1784) läsen, aus denen Hr D. Ewald seine Erklär. dieser biblischen Schrift schöpfte, und die unstreitig bey allen ihren Schwächen feiner und geistreicher geschrieben sind. Denn die Erklär. der Apokalypse, die man in diesen Briefen lieset, thut, obgleich Rec. sie auch für durchaus unrichtig haltenmuß, dem Aberglauben bey weitem nicht so viel Vorschub, weil sie alles als unerfüllt betrachtet, die Zeit der Erfüllung ganz unbestimmt läßt, und behauptet, daß die Erfüllung nicht angenommen werden dürfe, so lange man noch darüber streiten konne, ob sie vor sich gegangen sey. Sonderbar kam es auch dem Rec. vor, daß in dieser Schrift des Hrn J. dem Herrn, als dem Oberbischofe der Gemeinen, der Titel: Hochwürdigster S. 58 und 567. gegeben wird; gemein kam es ihm vor, daß hie und da von einer himmlischen Hofuniform, einem himmlischen Ausrufer, einem himmlischen Räucherpulver u. d. gl. gesprochen wird; anstößig und dabey auch sehr gemein fand er es endlich, daß Hr. J. S. 429. so viel Rühmens und Lobpreisens von Ludwig XVI. als von einem Manne, der von dem Geiste Jesu Christi durchdrungen gewesen sey, macht. Doch genug von diesem Buche, das eigentlich gar keine Aufmerksamkeit verdiente, wenn es nicht so / K k k 4 häufig [S. 888:] -( 888 )- häufig von den [... grch.; Sinnlichen; Sündigen] gelesen würde; nur fügt Rec. noch folgende Erklärung hinzu: "Wenn die Freunde des Verf. auch nur eine einzige Schrift irgend eines gegenwärtig lebenden deutschen Theologen, der von ihnen zu den Neuerern und, wie sichs am Rande versteht, und Schriftverdrehern gerechnet wird, in diesem Jahr noch nennen könne, die sich durch so willkührliche und das Wort Gottes den Ungläubigen verächtlich machende Erklärungen nicht etwa einzelner Stellen, sondern einer ganzen beträchtlichen Schrift des N. T. auszeichnet, und alsdann die theologische Facultät zu Göttingen, welche zur Richterin erbeten wird, das Urtheil fällt, daß die genannte neologische Schrift allerdings einer eben so willkührlichen Schriftauslegung beschuldigt werden können, so will Rec. nicht nur das Honorar dieser Recension sondern auch noch ausserdem 10 Thlr. in Golde Hrn. H. R. J. für die Armen in Marburg schicken, auch wird er in jedem Falle die Bemühungen der löbl. theol. Facult. zu Göttingen mit Vergnügen vergüten."

 

Nur wenig später schiebt die Zeitschrift einen weiteren Artikel dazu ein:

 
"Neue / Theologische / Annalen / 1801. / - / - / Erster Band. / = / Rinteln, / in der Expedition der N. Theol. Annalen."
"- ( 289 ) -
Neue
Theologische Annalen
St. 16."

"Vermischte Nachrichten.
Lavaters Urtheil über die Siegsgeschichte / der christlichen Religion. (Verglichen mit den / N. Th. Annalen 1800, S. 881-888.)
Die Rechnungen J. bey seiner Siegesgeschichte / scheinen mir völlig / willkührlich. Wo er Erfül= / lung sieht, sehe ich keine. Seine Ehrlichkeit / rührt mich; seine Frömmigkeit erbaut mich; sein / Wissen (theologisches ?) setzt mich in Erstau= / nen; (!!!) aber an seiner Erklärungsweise kann / ich durchaus keinen Geschmack finden. Mein / Urtheil hierüber ändert sich schwerlich. Ich ha= / be das Buch ziemlich studiert. (!) Ich will es / eben niemanden verleiden; (warum nicht, wenn / es sich so damit verhält ?) mir ist es aber als / Erklärung ungenießbar.
          L.
Ein bekannter deutscher Gelehrter, Hr. J[ung]. / in M[arburg]. behauptet, Lavater sey einer der Blut= / zeugen Jesu Christi, und glaubet, der Soldat, / welcher ihn verwundet habe, sey das Werkzeug / eines satanischen Complotts wider ihn, als Zeug= / gen des Herrn gewesen. Vermuthlich lässt es / sich auch aus der Apokalypse nachweisen."

 

Eine andere Rezension

"Allgemeine / Bibliothek / der / neuesten / theologischen und pädagogischen / Literatur; / - [eL] / herausgegeben / von Johann Ernst Christian Schmidt, / ordentl. Professor der Theologie in Gießen, / und / Friedrich Heinrich Christian Schwarz, / Pfarrer zu Münster im Hessendarmstädtischen. / - / Fünften Bandes Zweytes Stück. / - / - [Sl] / Gießen, 1801. / bey [sic] Georg Friedrich Heyes."
Darin S. 196-205:


196          Ueber die Apokalypse
-- [Sl]
Ueber die Apokalypse des Johannes.
-
Noch immer wird dieses räthselhafte Buch von / sehr verschiedenen Seiten betrachtet.
Erst neulich ist uns eine, schon bereits vor / zwey Jahren erschienene Schrift, über die Apo= / kalypse des Johannes, in die Hände gekommen, / von der wir unsern Lesern einige Nachrichten / schuldig sind. Sie ist folgende.
- [eL]
Die Siegegeschichte der christlichen Reli= / gion in einer gemeinnützigen Erklärung / der Offenbarung Johannis. Nürn= / berg in der Raw'schen Buchhandlung. / 1799. gr. 8. S. 606. *)
-
Der Verfasser folgt im Wesentlichen Bengeln / nach. Doch aber findet er sich genöthigt in
          vie=
*) In der neuen Berliner Monatschrift von 1801. / wird S. 217 Hr. Hofrath Jung in Marburg / als Verfasser dieser Schrift genannt.

des Johannes.          197
vielem auch von demselben abzuweichen. Bengels Erklärungen seyen, sagt der Verf. so ausserordentlich pünktlich, besonders in unsern Tagen eingetroffen, daß gar kein Zweifel mehr über die Richtigkeit derselben entstehen könne; allein vieles sey auch von Bengeln zu buchstäblich genommen, und daher falsch gedeutet worden, manches erwarte man um deswillen, de Bengelschen Erklärungen zu Folge, noch immer als künftig, was doch bereits geschehen sey. So z. B. habe Bengel die Erde in der Apokalypse mit Unrecht für Asien genommen, und man erwarte daher noch das Thier, das aus der Erde entstehen müsse, weil in Asien kein solche bis jetzt aufgestiegen sey, – und doch habe dies Thier bereits schon lange seinen Unfug getrieben. U. s. f.
Ein vollständiger Auszug aus dieser Schrift würde hier nicht ohne Schwierigkeiten gegeben werden können. Es sei daher genug, nur einiges zu bemerken.
Gewiß ists, daß manche Erklärungen, die Bengel gegeben hat, durch die neuesten Begebenheiten bestätigt scheinen können, und daß sie dies vor einigen Jahren nocht mehr scheinen konnten. Um ein Beyspiel mit des Verf. eigenen Worten zu geben. S. 473. /           Das
198          Ueber die Apokylypse
"Das Sitzen oder Reiten auf dem großen Thiere (Apok. XVII, 3.) hat Bengel schon vor fünfzig Jahren so erklärt: Die Stadt Rom werde von der Gewalt des abstes befreyt werden, dieser werde seine Macht verlieren, und das alles werde und müsse seiner Zeitrechnung zu Folge am Ende dieses Jahrhunderts geschehen. In der Einleitung zu näherer und deutlicherer Aufklärung der Offenbarung Johannis (Karlsruhe, 1784.) wird das Jahr 1130. als der Anfang der 666 Jahre der Regireung des Thieres bestimmt, wodurch das J. 1796 der Termin wird, in welchem das Weib auf das Thier steigt, und dieses in den Zustand des Nichtseyns geräth." *)
Der Verf. schrieb nun gerade zu der Zeit, wie Rom von den Franzosen war republikanisirt geworden. Soll man es ihm nun so übel aufnehmen, wenn er daher fortfuhr!
"Lieben Zeitgenossen alle, wer Ihr auch seyn mögt! dies Gesicht sah Johannes vor 1700 / Jah=
*) Es sei erlaubt, zu bemerken, daß nach Bengel die Regierung des Thieres 666 Jahre dauert, und somit das Ende derselben gegen das Ende des Jahres 1797 fällt. Somit stimmt die Rechnung noch besser mit der Geschichte.
          des Johannes.          1199
Jahren, Bengel erklärte es vor fünfzig, und der Ungenannte vor vierzehn Jahren, und in allen dreyen Zeitpunkten ließe sich doch wahrlich! aus der politischen Verfassung Europens von allem dem nicht das geringste folgern, und alle drey haben die Wahrheit gesagt, und das Ziel getroffen. Sagt nun selbst, ob man nun auch noch an der Göttlichkeit der Apokalypse zweifeln könne? – und wenn man das nun nicht kann, wer hat denn recht? – die Deisten, Illuminaten, Jacobiner, Neologen, oder wir altgläubige Christen?" U. s. f.
Freilich ist die Erfüllung der Erklärung, wie uns seitdem die Geschichte gelehrt hat, täuschend geworden. Pius VII. ist wieder im Besitze von Rom, und hat wohl nichts von der französischen Republik zu befürchten!
Den Anfang des tausendjährigen Reichs das mit der Gefangennehmung des Satans beginnt, setzt auch der Verf. in das Jahr 1836.
Dies Jahr hatte auch schon vor einigen Jahren der Prediger Thube im Mecklenburgischen bestimmt; allein, damit noch unzufrieden, hatte er sich noch nähere Zeitangaben erlaubt, und z. B. den Tag, wo der Antichrist / gefan=

200          Ueber die Apokalypse
gefangen und in den feurigen See geworfen werden sollte, als den 18. Junius angegeben, u. s. f.
Bey dieser Gelegenheit erinnern sich vielleicht einige unserer Leser an den Prediger Steingäßer im Trierischen, von dem die Bibliothek für Kritik und Exegese des neuen Testaments *) vor einigen Jahren die Nachricht mittheilte, daß derselbe die ganze Geschichte der französischen Revolution in der Apokalypse gefunden, und bereits eine Schrift darüber ausgearbeitet habe. Wir bemerken daher, daß dies Buch allerdings noch, als ein Werk von 4 bis 6 Bänden zu erwarten ist, und daß ein Freund, der das Mscrpt gesehen hat, uns versichert, der Verf. habe selbst eine auf den Tag bestimmte Weissagung von dem berüchtigten Rastädter Gesandtenmord, gefunden. Dieser unser Freund hält es der Mühe werth, das Publikum in der Bibliothek für Kritik und Exeges des N. T. nächstens etwas näher mit dieser Schrift bekannt zu machen.
Möchten doch die Ausleger dieser Klasse das Beyspiel des Verf. der hier angezeigten Siegsgeschichte &. sich mehr zum Muster nehmen! / Die=
*) Th. 1, S. 182.
          des Johannes.          201
Dieser ist nur sehr selten in den Fehler gefallen, alle zu bestimmte Anwendungen zu machen, und zeichnet sich daher gewiß vor den meisten andern zu seinem Vortheile aus.
* *
*
Eine größtentheils gleichfalls neue Ansicht von der Apokalypse hat der eine der Herausgeber dieser Bibliothek in seinem so eben erschiene=
Johann Ernst Christian Schmidt: Handbuch der christlichen Kirchengeschichte. (Darmstadt und) Gießen: Heyer 1801; ab Bd. 7 verf. von Friedrich Wilhelm Rettberg; ab Bd. 5 nur noch in Giessen im Verlag Heyer erschienen.
nen Handbuche der christlichen Kirchengeschichte genommen. Eine kurze Anzeige hiervon theilen wir gleichfalls mit. [...]

 

Jung-Stillings Reaktionen

Jung-Stillings Reaktionen auch darauf zeigen seine Briefe an verschiedene Personen; siehe z. B. Edition Schwinge S. 268; S. 271-272; S. 287-290; S. 355-356; S. 369-370; aus Karlsruhe an Johann Jacob Hess vom 22. März 1809 und 18. August 1809, Vömel S. 78-81, S. 84-87.

Auch im Grauen Mann, H. 12, 1802, S. 404 f. und 409 f. äußert er sich:
"Ich. man die Siegsgeschichte und das Heimweh, und der graue Mann wird in einer Das Heimweh liest man durch Rußland bis Astracan – folglich in Asien; in Amerika liest Amerikanischen teutschen Zeitung stückweis eingerükt. Daß auch meine Schriften am Vorgebürge der guten Hofnung in Afrika [... S. 410] war er etwas lange ausgeblieben. Nun noch ein paar Worte zum Beschluß dieses Hefts und Bandes. Ich werde unter dem Beystand des Herrn, diese Schrift unter dem Titel des grauen Mannes so lang fortsetzen als sie gelesen wird. Dann hoffe ich nun auch den ersten Nachtrag zur Siegsgeschichte vollenden zu können."
Vgl. H. 16, S. 206, S. 358.

Umfangreich hat sich Jung dann in seiner "Verteidigung gegen die schweren Beschuldigungen einiger Journalisten" gegen alle Angriffe gewehrt. Der Text der "Verteidigung" findet sich hier.


In den USA schreibt "Der Readinger Adler. Num. 572. Dienstags, den 15 December. 1807", S. 1, Sp. 1 z. B. wie in anderen seiner Ausgaben auch:

"Vorschlag / (von Johann Gruber in Hägarstaun) / Zur Herausgabe folgender zwey schönen und nüzli= / chen Büchern, nemlich das eine / Die Siegesgeschichte der christlichen Religion, / oder die Auslegung der Offenbarung Sanct / Johannes; / das andere / Theobald oder die Schwärmer. / Beyde von Dr. Heinrich Jung sonst auch / Stilling genannt. / - / Das erste soll ohngefähr 590 Seiten enthalten, / und soll für 1 Thaler 25 Cents geliefert werden. / Das zweyte wird ohngefähr 420 Seiten enthal= / ten. Preiß 1 Thaler 12 1/2 Cents. Jedes dieser / Bücher soll auf gut Papier sauber gedruckt und / schön eingebunden werden. / Jedem steht es frey für eines oder für beyde zu= / gleich einzuschreiben; und dasjenige, welches zuerst / tausend Subscribenten erhält, soll sogleich in Druck / genommen werden. / Die Hälfte des Preißes muß bey dem Einschrei= / ben bezahlt werden; und derjenige, welcher für 12 / Exemplare gut sprechet, soll eins für seine Mühe / frey erhalten. / §*§ Unterschreiber für obige beyde Werke wer= / den in der Adler=Druckerey angenommen."

Erschienen ist dann:
Die / Siegsgeschichte / der / Christlichen Religion; / in einer / gemeinnützigen Erklärung der Offenba= / rung Johannis. / - [eL 43 mm] / Nebst den ersten Nachtrag zur Siegsgeschichte. / - / Von / Dr. Johann Heinrich Jung (Stilling), / Kurbadischer Hofrath. / - [80 mm] / Reading, / gedruckt und verlegt von Heinrich B. Sage. / 1814.
und
Erster Nachtrag / zur / Siegsgeschichte / der / Christlichen Religion; / in einer / gemeinnützigen Erklärung der Offenba= / rung Johannis. / - [eL 43 mm] / Von / Dr. Johann Heinrich Jung (Stilling), / Kurbadenscher Hofrath. / - [eL 14 mm] / Zum erstenmal herausgegeben zu Nürnberg, im / Jahr 1805. / - [eL 82 mm] / Reading, / gedruckt und verlegt von Heinrich B. Sage. / 1814.


Das Niederrheinischen Wochenblatt in Straßburg/Strabourg  zeigt auch diese beiden Schriften immer wieder an. Und in seiner Nr. 74 vom 25. Mai 1805 berichtet es S. 349 von einem bisher nicht beachteten Buch:
Es sind wieder Exemplare des Taschenbuchs für Freunde des Christenthums, von Hrn. Dr. Joh. H. Jung, …
Ingleichen: Vernünftige und schriftmäsige Gedanken über die Schöpfung und Dauer der Welt, von L. H. Kelber. Nürnberg 1805, 16 S. oder 80 Cent. (Ein Beytrag zur Siegesgeschichte.) Im Zeitungs=Büreau.
Leonhard Heinrich Kelber; Nebentitel von Stück 3: Das Ende kommt, es kommt das Ende. - Neue Auflage 1812; Nürnberg: Raw 1805-1824. 222 S.

 

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