Jung-Stilling und die Melodien

zu den Romanzen in der Lebensgeschichte

und
 
Jung-Stilling und seine Lieder in Gesangbüchern
 
 

Hinweis

 

Die Vertonungen 1811/1814

 

Würdigung

 

Vortrag von Liedern 1999

 

Literatur

 

Jung-Stilling und seine Lieder in Gesangbüchern

 

Eine Empfehlung für Michael Müller

 
 
 
Unklar muss das Verhältnis Jung-Stillings zu dem Schwärmer, Kapellmeister und Freund Goethes bleiben, von dem man sagte:
"auch Jung-Stilling [konnte] seine Bewunderung über seinen Landsmann [nicht] zurückhalten, und wiederholt erklärte er ihn für das ausgezecihnetste Talent seiner Zeit, wenn er auch Müllers Religionsansichten verwerflich finden mußte."
Gemeint ist der am 20.02.1716 in Wissenbach bei Dillenburg geborene (Johann) Daniel Müller, auch Elias oder Elias Artista genannt.
Eine Verbindung zwischen beiden konnte jedoch bisher nicht nachgewiesen werden. Ein Hinweis auf Müller, der nach 1785 starb, konnte (bisher) auch nicht im Roman "Theobald" gefunden werden.
   
 
 
Siehe zum Thema jetzt vorläufig:
Zuccalmaglio, Jung-Stilling und die Musik. – In: Leiw Heukeshoven. Mitteilungsblatt Nr. 41 des Bergischen Geschichtsvereins – Abteilung Hückeswagen e. V. (ISBN 3-87707-601-7) 2002, S. 35-50 (mit 5 Abb.: Zuccalmaglio, Jung-Stilling nach Lips, Fouqué, Titelblatt dt. Volkslieder und Exlibris Hoffmann von Fallersleben.)
 
 
Leopold Hirschberg beklagte bereits 1916, dass bisher keiner Ausgabe der Lebensgeschichte "die unbedingt notwendige Komposition von vier in den Texten eingestreuten Liedern, deren Melodie vom Dichter selbst stammt, beigefügt" ist.
Leopold Hirschberg: Von Dichtern, die in schwachen Stunden komponierten – und umgekehrt. Nebst einer erstmaligen Gesamtausgabe der Gedichte Mozarts, Beethovens, Webers [,] Schuberts und Schumanns zu eigenen Weisen. Mit vier Beilagen auf zwei Tafeln. - In: Zeitschrift für Bücherfreunde. Organ der Gesellschaft der Bibliophilen (E. V.) des Vereins Deutscher Buchgewerbekünstler (E. V.) und der Wiener Bibliophilen-Gesellschaft. Begr. v. Fedor von Zobeltitz. Neue Folge. Hrsg. V. Carl Schüddekopf und Georg Witkowski. 8. Jg., 1. Hälfte, Leipig: Seemann 1916, S. 1 ff. [Zu Jung-Stilling S. 1-2.]
Zwar untersucht
G[otthilf]. Stecher: Jung Stilling als Schriftsteller. Berlin: Mayer & Müller 1913
S. 49 ff. Jung-Stillings Romanzen, aber auch er geht auf die Vertonungen nicht weiter ein.
 
Erst 1940 wurden die Noten dann einer breiteren Öffentlichkeit mitgeteilt durch
Hans Kruse: Jung-Stillings Lieder. - In: Siegerland. Blätter des Vereins für Heimatkunde und Heimatschutz im Siegerlande und Nachbargebieten 22. Jg. 1940, H. 3, S. 48-52. (S. 52 der Brief an Fouqué v. 28. Februar 1810. Notennachdruck).
Gustav Adolf Benrath verweist auf beide Literaturstellen in seiner Ausgabe der Lebensgeschichte auf S. 707 in der Anmerkung zu S. 16; er verzichtet aber auch auf die Melodien.
 
Sie erschienen im Jahre 1811 bzw. 1814 in:
"Die Jahreszeiten. / - / Eine Vierteljahrsschrift / für / romantische Dichtungen. / - / Herausgegeben / von / Friedrich Baron de la Motte Fouqué / u. a. m. / - / 1811. / - / Frühlings=Heft. / - / Mit Musik von J. H. Jung, genannt Stilling. / - [engl. Linie] / Berlin, bei J. E. Hitzig."
Eine Autopsie des Heftes (auch in der BDL erschienen) zeigt den:
"Inhalt. / Undine. [...] / Musik zu den Romanzen aus Stillings Jugend / und Jünglingsjahren. Mit einer Zugabe von / Liedermelodieen, und einem Vorwort vom Her= / ausgeber."
Seite 189 endet Fouqués Text der "Undine"; Seite (190) ein Hinweis; und Seite (191) dann:
"Musik zu den Romanzen / aus / Stillings / Jugend und Jünglingsjahren. / - / Mitgetheilt / von J. H. Jung, genannt Stilling. / - / Zugabe. / - / Zwei Lieder ebendaher."
S. (192) vakat.
S. (193) "Vorwort / zu Stillings Liedermelodien. / -"
S. (194) Ende unterz. Fouqué; dann 4 Blatt Noten.
 
Später erschien dies unter dem Titel:
Die / Jahreszeiten. / - / Ein Cyclus / romantischer Dichtungen / von / Friedrich Baron de La Motte Fouqué. / - / Frühling: Undine. / Sommer. Die beiden Hauptleute. / Herbst. Aslauga's Ritter und Alpin und Jucunde. / Winter. Sintram und seine Gefährten. / - Mit dem Bildniß des Verfassers. / - / Berlin, / - bei Julius Eduard Hitzig / 1814.
bzw.:
Die Jahreszeiten. / - / Eine Vierteljahrsschrift / für / romantische Dichtungen. / - / Herausgegeben / von / Friedrich Baron de la Motte Fouqué u. a. m. / - / Frühlings=Heft. / - / - Mit Musik von J. H. Jung, genannt Stilling. / Berlin, bei J. E. Hitzig, / 1814.
Jung-Stilling schreibt "Carlsruhe, den 12. Mai 1810." An Friedrich Baron de la Motte Fouqué:
"Was meine Romanzen oder Volkslieder betrifft, so dient Ihnen zur Nachricht, daß ich sie alle, keins ausgenommen, selbst gemacht habe. Meine Tanten sangen ähnliche Lieder, allein ich wußte sie nicht mehr auswendig, ich hörte sie zwar bis in mein 14. Jahr, aber Stillings Jugend schrieb ich in meinem 34., damals hatte ich alle vergessen; ich ersetzte sie also durch ipse fecits. Die facta in Stillings Jugend, Jünglingsjahren und Wanderschaft, sind alle reine Wahrheit, aber hin und wieder mit romantischen Ideen ausgeschmückt; aber das häusliche Leben und die Lehrjahre sind reine durchaus faktische Biographie. Meine Führung und meine Geschichte sind durchaus wahr. Sie wünschen die Melodien zu haben, liebster Bruder! Wir leben in einer so hoch raffinierten Menschheit, welcher alles anekelt, was nicht mehr Mode ist; ich bin überzeugt, daß meine Melodien nicht mehr gefallen würden, und da ich nicht Musiker genug bin, um sie selbst in Noten zu setzen, so würde ich einen Tonsetzer darum ersuchen, und sie ihm vorspielen müssen, und dazu fehlt es mir wieder an Zeit. Vielleicht erfülle ich doch noch mit der Zeit Ihren Wunsch."
Bd. 2, S. 170-173 in: (Fouqué, Albertine Baronin de la Motte [Hrsg.]): Briefe / an / Friedr. Baron de la Motte Fouqué. / Mit einer Biographie / von / Julius Edward Hitzig / und / einem Vorwort und biographischen Notizen / von / Dr. [Gustav] H[ermann]. Kletke / herausgegeben von / Albertine Baronin de la Motte Fouqué. / Erste [(bis:) Zweite] Abtheilung. / Berlin, 1848. / Adolf & Comp. / - [2. Titelblatt:] Briefe / an / Friedrich Baron de la Motte Fouqué / von / Chamisso, Chezy, Collin, Eichendorff, Gneisenau, Heine, / E. T. A. Hofmann, Fr. Horn, Immermann, Jung- / Stilling, Just. Kerner, H. v. Kleist, Wilh. Müller, Nicolovius, / Jean Paul, Rückert, Schelling, A. W. v. Schlegel, Friedr. v. Schlegel, Dorothea v. Schlegel, Schwab, F. L. Stolberg, / Uhland, Voß, u. s. w. / Mit einer Biograpie Fouqué's von Jul. Ed. Hitzig / und / einem Vorwort und biographischen Notizen / von / Dr. H. Kletke / herausgegeben / von / Albertine Baronin de la Motte Fouqué. / Berlin. / W. Adolf & Comp. / 1848." - Neudruck Bern: Lang 1968.
 
Jung-Stilling, der selbst das Klavier spielte, übersandte dann die Melodien.
 
 
Hirschberg a. a. O. meint S. 2:
Vieles "weist auf die geringe Erfahrung und Schulung des Dichters in der musikalischen Satzkunst deutlich hin. Trotz alledem dürfte es selbst dem gelehrtesten Fachmann durchaus nicht schaden, sich diesen bescheidenen Gaben Jung-Stillings zuzuwenden."
 
 
Während der Eröffnungsveranstaltung der Jung-Stilling-Ausstellung in der Universitäts-Bibliothek in Siegen am 19. Oktober 1999 mit dem Titel "Goethes Jugendfreund Johann Heinrich Jung-Stilling im Siegerland und im Bergischen Land" (siehe Hauptseite) musizierten mit ihren Blasinstrumenten Sibylle Schwantag und Rudolf Heinrich und am Klavier Anton Werner nach den leicht für die Musikinstrumente bearbeiteten Noten Jung-Stillings.
 
 
Einen guten Einblick in Jung-Stillings Verwendung der Musik "zum Zweck der Rührung" bei "einer religiös-moralisch fundierten Empfindsamkeit mit pietistischen Wurzeln" gibt unter Einbeziehung auch seiner Romane
Ruth E. Müller: Erzählte Töne. Studien zur Musikästhetik im späten 18. Jahrhundert. Stuttgart: Steiner 1989. (Zugl. Diss. Berlin 1988, Berlin 1989.) = Beihefte zum Archiv für Musikwissenschaft. Hrsg. v. Hans Heinrich Eggebrecht [...] Bd. 30
in dem Kapitel "III. Johann Heinrich Jung-Stilling: Musik und Religion" S. 57-67.
 
 
 

Jung-Stilling und seine Lieder in Gesangbüchern

Bisher steht auch noch eine umfangreiche Untersuchung über Jung-Stilling in den Gesangbüchern aus. An vereinzelten Stellen ist hier jedoch bereits etwas geleistet. Genannt sei nur beispielhaft
(Wilh[elm].) Nelle: Das Kirchenlied bei Jung Stilling. – In: Siona. Monatsschrift für Liturgie und Kirchenmusik. Zur Hebung des kirchlichen Gottesdienstes begr. v. L. Schoeberlein und unter Mitwirkung von Gelehrten und Fachmännern hrsg. v. Max Herold. 27. Jg., Gütersloh: Bertelsmann 1902, S. 41-43, 71-72, 100-102. (Hefttitel: Siona. Monatsschrift für Liturgie und Kirchenmusik Nr. 3, 1902, S. 41-43; Nr. 4/5, 1902, S. 71-72; Nr. 6, 1902, S. 100-102.)
Eduard Emil Koch: Geschichte des Kirchenlieds und Kirchengesangs der christlichen, insbesondere der deutschen evangelischen Kirche. Erster Hauptteil. Die Dichter und Sänger. Sechster Band. Dritte umgearbeitete, durchaus vermehrte Auflage. Stuttgart: Belser 1869
Koch informiert S. 527-534 über Jung-Stillings Vita und schreibt abschließen über die 1821 erschienenen "Gedichte" Jung-Stillings:
"Während eine vermischte Gedichte in sich fassende Abtheilung Romanzen und 73 Räthsel enthält, giebt eine andere, nebst Gebeten in metrischer Form, 33 ‚geistliche Lieder' in gebildeter Sprache, worunter manche nach Kirchenmelodien gedichtet sind. Obwohl davon Lieder, wie: ‚Jesus Christus! Sieh, ich Armer' (Sonntagsfeier) – ‚Mein Heiland, mein Erlöser' (vom J. 1809) – ‚Seraphinen steigen nieder' (Weihnachtlied) – ‚Vater! König aller Welten' (Gebetlied in schweren Zeiten), dessen längst schon werth gewesen wären, so hat doch bis jetzt nur das Eine Aufnahme in Kirchen=G.G. gefunden: ‚Vater, deines Geistes Wehen' – Missionslied. (Pfälzer G. 1858/60 und Entwurf eines neuen evang. G.'s für das Großherzogthum Hessen. 1855.)"
Man vergleiche auch die Texte in
Johann Heinrich Jung-Stilling. Tägliche Bibelübungen. Hrsg. v. Gustav Adolf Benrath. Giessen u. Basel: Brunnen (1989. ISBN 3-7655-5751-X.)
Johann Heinrich Jung-Stilling. Herr, zeig mir stets die rechte Spur. Geistliche Erzählungen und Gedichte. Zum 250. Geburtstag des 'Patriarchen der Erweckung' ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Lahr-Dinglingen: St.-Johannis-Druckerei C. Schweickhardt (1990. ISBN 3-501.00953.4) = Telos-Bücher Bd. 615. Telos-Taschenbuch
Bibliographisch nachgewiesen werden konnten neben den Vertonungen in den Gesangbüchern auch andere. Dazu gehört auch:
Der alte Schäfer. Musik: Heinrich Jung-Stilling, arranged bey Friedrich Gernsheim in: Neues Volksliederbuch für gemischten Chor. Leipzig: Heinrich Peters (o. J.)
Gernsheim geb. Worms 17. Juli 1839, gest. Berlin 11. September 1916 (n. A. 10. September) [DBA NF 442, 409 f.]
(Hier sind nur wenige Hinweise gegeben, die sich ergänzen lassen!)
 
 

Eine Empfehlung für Michael Müller

 
Empfehlung der Forte=Piano’s von M. Müller. [geb. 1758]
Seit ohngefähr acht Jahren hat sich hier in
Marburg ein ganz vorzügliches Künstlergenie ent=
wickelt. Ein hiesiger Bürger, Namens Michael
Müller, wurde durch den Anblick eines englischen
Fortepiano’s aufgeregt, dieses Instrument nachzu=
machen, welches ihm auch dergestalt gelungen ist,
daß seine gegenwärtigen Arbeiten, nachdem er nun
schon einige zwanzig Stück verfertiget hat, jenem
Urbild nicht mehr nachstehen, sondern gewiß mit
ihm in der Reinigkeit des Tons, in der Genauig=
keit und Beständigkeit der Mensur und des Bezugs,
und in schönem Geschmack der Schreiner= und Ebe=
nisten=Arbeit, wetteifern können. Da nun dieser
Mann die Verfertigung solcher Instrumente zu sei=
nem Berufe gewählt hat, und dazu eine sichere und
untrügliche Empfehlung bedarf, so haben wir En=
desunterschriebene uns zu dieser Empfehlung gern
und willig entschlossen, weil wir gewiß sind, daß
wir dadurch sowohl allen, die Fortepiano’s bey dem
hiesigen Instrumentenmacher M. Müller bestellen
werden, als auch ihm selbst eine wahre Gefälligkeit
erzeigen.
Die Instrumente werden sowohl in gewöhn=
lichem Clavier= als auch Flügel=Format mit der
gehörigen Dämpfung, welche durch das Knie geho=
ben wird, verfertiget. Jeder Hammer fällt, so
bald er die Saite erreicht hat, schnell wieder zu=
rück, spricht bey dem stärksten Anschlag des Fingers
nicht öfter, als einmal an, und man kann ohne
Züge, bloß durch den Druck des Fingers, nachdem
man stark oder schwach anschlägt, den Ton vom
feinsten, unmerklichsten Grade hindurch wachsen
lassen. Der Umfang der Tastatur ist von Contra F
bis zum dreymahl gestrichenen G, auch wenn es ver=
langt wird, bis zum viermahl gestrichenen C. Ohne
eingelegte Arbeit aus bloßem glatten aber sauberen
Holze, nach gewöhnlicher Art, kostet ein recht schön
tönendes Fortepiano 8 Carolin oder 9 alte Louis=
d’or. Von diesem Preis steigen diese Instrumente,
je nach der Feinheit und Kostbarkeit der Arbeit und
auch größerer Vollkommenheit des Tons, bis zu 20
Carolin oder 22 alte Louisd’or. Die Bestellungen
geschehen postfrey unter oben angeführter Adresse.
Marburg, den 6ten Julius 1799.
Dr. Johann Heinrich Jung, Hofrath
 und Professor.
Rudolph August Koch, Cantor und
 Mudikdirector.
Beck, Cantor an der Reformirten
 Kirche.
 
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