Den Text dieses Werkes mit Kommentar finden Sie hier.

Den Text des Nachtrags aus dem Jahr 1805 finden Sie hier.

 

Wie schon dargestellt, erarbeitet Jung-Stilling einen Nachtragsband, den er bewußt als ersten Nachtrag bezeichnete. Seit Mai 1801 schrieb er "abends am ersten Nachtrag zur ‚Siegesgeschichte'."

Nachdem dieser erschienen war, arbeitete er für sich noch an einem weiteren Nachtrag, wie sein Brief vom 7. Februar 1809 zeigt (Edition Schwinge S. 420-421). Am 18. August 1808 schreibt er "Könnte mir aber jemand die Jubelära [Halljahr; vgl. 3. Mose 25, 8 ff.] als richtig beweisen, so bin ich gleich bereit, einen zweiten Nachtrag zu meiner Siegesgeschichte zu schreiben und meine vorherigen Ideen zu berichtigen." (Vgl. 28. Dezember 1809; Edition Schwinge S. 436-438; ebd. S. 444; ebd. S. 450 "Daß ich in der Siegesgeschichte des römischen Kaisers nicht gedachte, daran war meine Vorsicht schuld, damals existierte er noch <nicht>." [Zu ebd. Anm. 6: Das Wort <nicht> fehlt bei Vömel; erst am 6. August 1806, nach dem Reichsdeputationshauptschluss von Regensburg 1803, legte Franz II. (1792-1806, 1804 Annahme des Kaisertitels für Österreich, reg. als Franz I. bis 1835)] die Kaiserkrone ab und beendete damit das Heilige Römische Reich deutscher Nation. Somit gab es einen Römischen Kaiser auch beim Erscheinen des Nachtrags zur Siegsgeschichte. – Leider liegt mir diese Handschrift zum Vergleich nicht mehr vor.]; S. 541-542. - (Wahrscheinlich erschien aufgrund seines Alters jedoch kein weiterer Ergänzungsband.)

Da er als Verfasser der "Siegsgeschichte" von 1799 bereits im Publikum bekannt war, setzte er bei dieser Ausgabe seinen Namen dazu.

Im Laufe der Zeit wurde Jung-Stilling immer vorsichtiger bei seinen Angaben zur Parusie. Sie schreibt er am 18. April 1810: "Ich werde immer behutsamer: nur deucht mir doch, ich dürfte wohl ins allgemeine sagen, daß die Zukunft des Herrn nicht mehr weit entfernt sein könne."

 


Erster Nachtrag
zur
Siegsgeschichte
der
christlichen Religion
in einer
gemeinnützigen Erklärung
der
Offenbarung Johannis.
- [eL 40 mm]
Von
Dr. Johann Heinrich Jung Stilling
Kurbadenscher Hofrath.
- [eL 82 mm]
Nürnberg,
im Verlag der Raw`schen Buchhandlung
1805.

S. 1-238.
Seitentitel Seitenziffer und Doppellinie. - Format: 84 x 135 (157) mm; 8°.
Bogensignaturen A-P.

 

Rezension des Nachtrags

Die "Neue[n] / Theologische[n] Annalen / und / Theologische / Nachrichten. / - / September und October / 1808. / -"           und rezensieren S. 579-586 den "Ersten Nachtrag zur Siegesgeschichte".
"Erster Nachtrag zur Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnützigen Erklärung der Offenbarung Johannis. Von Dr. Joh. Heinr. Jung Stilling, kurbadenscher (m) Hofrath (e). Nürnberg, b. Raw. 1805. 238 S. 8. Die Siegsgeschichte d. chr. R. ward schon 1800 in den N. theol. Ann. S. 881 fg. angezeigt"; S. 579: "Das Schwankende der Deutung [in der Bestimmung des Zeitpunkts der Parusie] fällt in dieser Jungschen Schrift am meisten auf." Auf die Übersetzungsprobleme von Wörtern wird S. 584 f. hingewiesen. Im Vergleich zur "Siegesgegeschichte", so stellt der Rezensent S. 586 fest, daß Jung "nichts hinzuzusetzen und nichts davon zu thun wußte." zumindest in Bezug auf den "fünf teutsche Meilen hohen" Engel.

Übersetzungen der Siegsgeschichte

Christna religionens seger, historisket afhandlad uit en allmaennytig foerklaring oefcwer Johannes Uppenbarelse oefwersaettnung. Teil 1 und 2. [Siegsgeschichte der christlichen Religion.] Historisk afhandlad uti en allmaennyttig foerklaring oefwer johannis Uppenbarelse. Oefwersaettning Goetheborg, Sam Norberg. 1806. 2 Bde in 1.

Christna religionens seger. Historiskt afhandlad i en allmän-nyttig förklaring öfver Johannis uppenbarelse. Af doct. Joh. Heinr. Jung. ... Öfversättning. [Siegsgeschichte der christlichen Religion.] Götheborg, tryckt hos Sam. Norberg.1809


1815 kam in Rußland ebenfalls eine Übersetzung heraus:

Probednaja povest' ili torzestvo very christianskoj [Siegsgeschichte der christlichen Religion.] Übersetzt von A. F. Labzin. Morsk. tipogr., St. Petersburg. 1815.


Die oben erwähnte Übersetzung in die holländische Sprache findet sich erst im Jahr 1816:

Geschiedenis der overwinning van de christelijke godesdienst, in eene verklaring der openbaring von Johannes; uit her Hoogduitsch. 2 delen. Amsterdam, J. C. Sepp en Zoon. 1801. Vervolgt of nadere opheldering van het voorgaande werk. Amsterdam. J. C. Sepp en Zoon. 1816.

"Der apokalyptische Schullehrer."

1801 erscheint der mit "Y." unterzeichnete Aufsatz "Der apokalyptische Schullehrer.", der auch Christian Gottlob Thube nennt, in der "Neuen Berlinischen Monatschrift", 1801, Bd. 5, H. 1, S. 217 – 228:
218          1801 März: 6.
--
die Worte: "Der Jesuitenorden hinderte die
"Aufklärung. Nun ist er weg; und sie strömt
"mit vollen Fluthen einher: und wird Religion
"und Staatsverfassungen wegspülen *)."
Wer sich unter den Protestanten bis zu der
Schändlichkeit erniedrigt, die Aufklärung zu
verläumden, und den Jesuitenorden als die
Schutzmauer der Religion und der Staatsver=
fassung anzupreisen; bei dem ist Kopf und
Herz so beschaffen, daß die tiefste Tiefe worein
er versinken mag, nicht mehr Wunder nehmen
kann. So ist den auch dieser Heinrich Stil=
ling, oder, mit deutlichern Worten, Hr Hof=
rath Jung zu Marburg, anitzt ein Prophet,
ein apokalyptischer Seher, geworden. Was
kann aus einem Jesuitenfreunde, aus einem An=
kündiger einer neuen Geheimen Gesellschaft,
nicht Alles werden **)?
Ein andrer Thor dieser Gattung, Hr Pre=
diger Thube in Mecklenburg, ist bekannt. Die
ältere Berl. Monatschrift gab in dem nehmli=
*) Das Heimweh, von Heinrich Stilling. Frank=
furt und Leipzig. Bd 3 (1795), S. 416, 417.
**) Berl. Monatschrift, Bd 27. Daselbst ist im
Aprilstück 1796 Nr 3, von dem "Jerusalems=
"orden des Hrn Stilling" die Rede.

Apokalyptische Seher.          219
chen Bande von ihm Nachricht, wo sie den
Jesuitischen Geheimen Orden a priori und des
Hrn Stilling Geheimen Orden anzeigte.
Ein sonderbarer Umstand, worin beide über=
einkommen, veranlaßt mich von beiden zusam=
men hier zu reden. Das neue Jahrhundert
begann, und es ist doch merkwürdig, zu wissen
was uns in demselben bevorstehen soll. Beide
Propheten nun nennen ein Jahr, und zwar
beide das nehmliche, in dem gegenwärtigen Sä=
kulum, als das allerwichtigste für die Begeben=
heiten des Himmels und der Erde, als das ei=
gentliche Ziel ihres Prophetenauftrages, ihres
Seheramtes. Noch dazu ein Jahr, welches
nicht so entfernt ist, daß nicht viel Leser ei=
warten können dasselbe noch zu erleben: Das
Jahr 1836.
Hr Jung hat ganz genau *) die Größe des
nun bald fertigen Neuen Jerusalems ausgemes=
*) der Titel seines Buchs heißt: "Die Sieges=
"geschichte der Christlichen Religion, in einer
"gemeinnützigen Erklärung der Offenbarung
"Johannis. Nürnberg, bei Raw. 1799." –
Nicht lange nachher, ward dessen Uebersetzung
ins Holländische angekündigt; und bei der Ge=
legenheit, der Name des Verfassers zuerst ge=
nannt. Man s. den Allg. Literar. Anzeiger, vom

220          1801 März: 6
==
sen. Diese Stadt ist,, wie man weiß, ein voll=
Siehe den gezeichneten Stadtplan des neuen Jerusalems von Johann Adam Müller von 1816.
kommenes Viereck: von gleicher Länge, Breite,
und sogar Höhe. Jede Seite beträgt 257 ½
Deutsche Meilen. Er setzt deshalb wohl mit
Recht hinzu: daß, wenn der unaussprechlich
schöne Bau (von Jaspis, Gold, Perlen, und
Edelsteinen) fertig sein wird, der obere Theil
bequem von allen hohen Bergen Deutsch=
lands gesehen werden kann. Der Engel, wel=
cher mit Johannes sprach, und die Mauren die
ser Stadt maß, war fünf Deutsche Meilen
hoch! – Die Französische Revoluzion ist nicht
nur für Politiker, sonder auch für die Erklä=
rung der Offenbarung, ein ergiebiges Feld. Die
dritte Zornschale geht auf Robespierre's Terro=
rismus; die fünfte, auf den Römischen Thron
den die Franzosen unterstützt haben. Wer aber
ist der mächtige furchtbare Widerchrist? Das
sagt Hr Jung nicht ganz deutlich; doch läßt es
sich beinahe daraus errathen, daß die "Fünf"
welche "gefallen sind" (Kap. 17, Vers 10),
17 Dezemb. 1799, Nr 198: wo die Fehler und
die Unwissenheit des prophetischen Hofraths in
Absicht der astronomischen Berechnungen, wor=
auf er sich soviel zu gute thut, aufgedeckt
werden.

Apokalyptische Seher.          224
==
das Direktorium bezeichnen. – Die Hauptstelle
über die Zeit lautet so: "Höchst vermuthlich
"wird Christus zwischen 1800 und 1836 wie=
"derkommen." Wenn die beiden ersten Worte
noch einige Ungewißheit anzuzeigen scheinen, so
sieht man doch, wie sicher der Verfasser seiner
Sache ist, aus dem selbstgefälligen prophetischen
Lächeln, womit er, im Gefühl seiner Ueberle=
genheit gegen uns Unbegeisterte, hinzusetzt: daß
"man alsdann sehen werde wer Recht behält."
Hr Thube ist *) in den Zeitangaben noch
bestimmter; über den Widerchristen aber, eben
so halbdunkel. Der Widerchrist, heißt es, wird
drei Könige von den Thronen stürzen, und sich
ihrer Reiche bemächtigen; wird Konventsdekrete
erlassen; wird die Länder des Türkischen Reichs
erobern, u. s. w. Rom, welches seit 1801 zur
mächtigsten und weit und breit gebietenden Han=
delsstadt geworden ist, wird belagert, einge=
nommen, und verbrannt werden: nicht aber bloß
von dem menschlichen Feuer der Feinde; sondern,
wo die prächtige Stadt Rom stand, da ist so=
dann ein immer bleibender Vulkan! – Die Gläu=
bigen verbinden sich zu einem Kriegsheere, wer=
*) Berl. Monatschrift, 1796 Junius, Nr 3.
[...]
Apokalyptische Seher.          223
==
verkannten Stillinge, Thube, und andere apo=
kalyptische Prediger, Professoren, und Schulleh=
rer, als Könige auf goldenen Thronen sitzen
werden.
Die äußere Polizei mag bei solchen Streife=
reien in das Gebiet des Wahnsinns sorgen, daß
im Staate kein Schaden geschehe (ne quid res
publica detrimenti capiat); die literarische Auf=
merksamkeit kann nur darauf gerichtet sein, durch
welche Schritte der menschliche Verstand nach
und nach so zu verwildern im Stande ist. Wie
sehr der Marburgische Professor sich von jeher
allen fantastischen und fanatischen Grillen hin=
gab, ist aus seinen zahlreichen Stillingsbüchern
bekannt. Von dem Mecklenburgischen Geistli=
chen weiß man weniger; und ich muß zu eige=
ner Beschämung gestehn, daß ich sogar eine
Zeitlang mit ihm an einem Orte gelebt habe
ohne nur von seiner Existenz zu hören. Als die
Jahreszahl 1836 mir neulich in der Stillingschen
Prophezeihung zu Gesichte kam, fiel mir der
Pastor in Baumgarten wieder ein, welcher die=
selbe Zahl angiebt; und ich befragte einen Freund
in Mecklenburg über diesen ehmaligen Rektor
der Bützowschen Stadtschule. Hier ist seine
Antwort.