Jung-Stilling: 
Beweis für den Bürger und Landmann, daß der Caffe ein höchstschädliches Getränke sey 
 (Ohne die Auszeichnungen der Vorlage.)
 
 
Der vollständige Titel lautet: 
„Beweis / für den / Bürger und Landmann, / daß der Caffe für die Gesundheit, für die / Haushaltung und für das ganze Land / ein höchstschädliches / Getränke sey, / seinen Nassauischen Landsleuten gewidmet / von / Dr. Johann Heinrich Jung, / ordentlichen öffentlichen Professor der Land= / wirthschaft, der Fabricken=Kunde, der Handlungs= / Wissenschaft und der Vieharzney, an der Churpfälzischen / Cameral=Hohenschule zu Lautern, und ordentlichen / Mitgliede der physikalisch=ökonomischen / Gesellschaft daselbst. / - / [Motto:] Es gibt eine Zeit, da wir die Beschwer= / den Ergezungen vorziehen müssen, / wenn wir nicht die Freude durch eine un= / zeitige Liebe zu ihr töden wollen. Ein / Knecht der Wollust ist auch ein Knecht der / Qual. Du willst dir nicht die Mühe neh= / men glücklichzu seyn! / Youngs Nachtgedancken, / achte Nacht.“ 
 
 
Diese Schrift Jung-Stillings erschien in den 
Dillenburgische[n] / Intelligenz=Nachrichten, / des Jahres / 1782. / [Vignette] / - / Mit gnädigster Erlaubniß und Freiheit. / - / Zu finden zu Dillenburg im Intelligenzhause, bey den Herrschaftlichen / und Intelligenzbothen; auch auswärts, auf sämtl. löbl. Postämtern, und in / allen Buchläden. 
 
Der erste Teil findet sich Sp. 469-474 in: 
 
Dillenburgische / Intelligenz=Nachrichten. / XXX. Stück. / Sonnabends: den 27. Julii, 1782. / - / Mit gnädigster Erlaubniß und Freyheit. 
 
Die folgenden Teile des Aufsatzes erschienen in den weiteren Ausgaben Dillenburgische[n] / Intelligenz=Nachrichten“. 
 
Zum Jubeljahr 1990 wurde der Text mit vielen Anmerkungen neu ediert von Gerhard Merk: 
 
Beweis für den Bürger und Landmann, daß der Kaffee für die Gesundheit, für die Haushaltung und für das ganze Land ein höchstschädliches Getränk sei. Seinen massauischen Lansdleuten gewidmet von Dr. Johann Heinrich Jung, ordentlichen öffentlichen Professor der Landwirtschaft, der Fabrikenkunde, der Handlungswissenschaft und der Vieharzneikunde an der Kurpfälzischen Kameral Hohenschule zu Lautern und ordentlichen Mitglied der physikalisch-ökonomischen Gesellschaft daselbst. Nunmehro aber zum 250. Geburtstag des weitbelobten Herrn Verfassers in itziger deutscher Rechtschreibung und in Antiquaschrift obsorglich erneut zum Druck gebracht sowie mit höchstnützlichen Anmerkungen ausgezieret durch Dr. Gerhard Merk, der Ökonomie Professor an der Universität Siegen und der dasigen löblichen Jung-Stilling-Gesellschaft hoher Präsident. (Siegen, Jung-Stilling-Gesellschaft e. V. 1990. [30 S. u. 1 Bl.] 
 
Nicht berücksichtigt wurde hier die schon 1782 erfolge Neuedition des Aufsatzes durch Johann August Schlettwein (1731-1802). Schlettwein verdoppelt den Text durch seine äußerst kritischen Anmerkungen. Sie zeigen, wie sehr Jung-Stilling mit seinem christlichen Hintergrund unverstanden bleiben konnte, und wie sehr auch die Physiokraten von ihm Abstand hatten. So ist der Text der Neuedition durch Schlettwein sicherlich eine willkommene Bereicherung der hier abgedruckten Quellen. 
 
Nebenbei: Bereits 1784 wurden beide Texte in einem Lexikon im Stichwort "Kaffee" berücksichtigt.
 
 
Johann August Schlettweins / Hochfürstl. Darmstädtischer Regierungsrath und Prof. zu Giessen / Archiv / für / den Menschen und Bürger / in allen Verhältnissen, / oder / Sammlung / von / Abhandlungen, Vorschlägen, Planen, Versuchen, / Rechnungen, Begebenheiten, Thaten, Anstalten, Verfas= / sungen, Gesezen, Verordnungen, Länder= Aemter= und / Ortsbeschreibungen, Bücheranzeigen und Kritiken. [sic] / welche [sic] das Wohl und Wehe der Menschheit / und der Staaten angehen. / - / Fünfter Band. / [Vignette] / Leipzig, / in der Weygandtschen Buchhandlung. 1782. [Zweiter Titel:] Archiv / für / den Menschen und Bürger / in allen Verhältnissen. / - / Fünfter Band. 
 
Darin S. 347-404: Nachdruck von Jung-Stillings Aufsatz über den Kaffee. – Im nach S. 555 angefügten und unpaginierten „Verzeichniß / der im fünften Bande des Archivs enthaltenen / Aufsätze.“ liest man S. (557) diesen Aufsatz unter lfd. Nr. XV für S. 347-404. 
Hier folgt der umfangreiche Text in seiner ursprünglichen Form. (Schreibt Jung-Stilling im Original Caffe, so findet sich hier bei Schlettwein die Form Kaffe.) 
 
 
                    347 
XV. 
Beweis 
des 
Herrn Prof. Jung zu Lautern 
für den 
Bürger und Landmann, 
daß der Kaffe für die Gesundheit, für die Haushal= 
tung, und für das ganze Land ein höchstschäd= 
liches Getränke sey. 1) 
Seinen Nassauischen Landsleuten gewidmet. 
(Aus den Dillenburgischen Intelligenznachrichten von 1782. 
XXX Stück.) 
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Erster Abschnitt. 
Beweis, daß der Kaffe für die Gesundheit ein 
höchstschädliches Getränke sey. 
Die so beliebte Kaffebohnen sind ursprünglich ein 
arabisches Gewächs, sie wachsen auf Bäumen, und 
befinden sich in einer rothen schönen Kirsche, in wel= 
cher zwo auf einander liegen und zusammen den Kern 
ausmachen. Die Holländer, welche alle Winkel der 
                    Welt 
 
Anmerkungen über diesen Jungischen Beweis. 
1) Ich glaube, überzeugt zu seyn, daß die Verbote des 
Kaffeverbrauches die Länder, anstatt sie zu beglücken, im= 
mer tiefer ins Elend stürzen. Meine Gründe habe ich 
im fünften Aufsatze des zweyten Bandes dieses Ar= 
chivs der Welt vorgelegt. Da nun Herr Jung hier 
das Gegentheil darthun will, so achte ich mich verbun= 
den, ihm Punkt für Punkt zu folgen, und meine Erin= 
innrungen [sic] bey dem, was er sagt, beyzufügen. 
 
 
348 
Welt durchschiffen, wo es nur etwas zu handeln giebt, 
kamen auch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts 
auf dem rothen Meer nach dem sogenannten glückli= 
chen Arabien, und zwar nach der Stadt Mocha, 
wo eigentlich in der Nachbarschaft der Kaffebaum 
häufig wächst und auch vielfältig Kaffe getrunken 
wird. Sie suchten Pflanzen oder Saamen von die= 
sem Baum zu bekommen, und bauten in ihrer Insel 
Java in Ostindien diesen Baum an, woselbst der 
Kaffe gut geräth, und woher wir nun die berühmten 
javanischen Bohnen bekommen. Nachher bauten sie 
ihn auf der Insel Ceylon, desgleichen in Amerika 
in Surinam, und so hat dieses Gewächs sich aus 
einem Welttheil in andere fortgepflanzet, und mäch= 
tig ausgebreitet. 
Die Franzosen machten sich nun ebenfalls den 
Kaffebaum zu Nutze, ihre vornehmste Plantage haben 
sie auf der Insel Bourbon, ostwärts Afrika, daher 
die bourbonische Kaffebohnen gezogen werden; eben 
so haben sie auch auf Martinique in Amerika gute 
Erndten von dieser Frucht, so lang wir Deutschen 
noch so gute Narren sind, und sie ihnen für unser 
sauer erworbenes Geld abkaufen. 
 
Eigentlich von 1720 an, hat man in Deutsch= 
land angefangen Kaffe zu trinken, und seit dieser Zeit 
sind viele Millionen für diese Waare nach Holland 
und Frankreich gegangen. Doch von diesem schädli= 
chen Ausfluß unseres Geldes soll im letzten Abschnitt 
ausführlich gehandelt werden, jezt will ich nur die 
Würkungen erklären, die dieses Getränke in unserm 
Körper zuwege bringt. 
                    Ein 
 
 
                    349 
Ein recht guter und wohlgerösteter Kaffe ist ein 
wahres Arzneymittel, 2) durch das Rösten bekommt 
das subtile Oel, welches die Bohnen in sich enthal= 
ten eine angenehme Schärfe, die sonderlich auf die 
festen Theile unsers Körpers wirkt, den Magen stärkt, 
die Verdauung befördert, und vorzüglich die Nerven 
dergestalt reizt, daß sie mit neuer Kraft gleichsam be= 
lebt werden. Daher wird man munter auf den Kaffe, 
man verliert den Schlaf, und man wird fähiger und 
lustiger über tiefsinnige Sachen nachzudenken. 
                    Zugleich 
 
2) Damit nicht im folgenden falsche Schlüsse gemacht, oder 
leere Wortkriege erreget werden, muß ich gleich von dem 
hier gedruckten Worte: Arzneymittel, einen richtigen 
Begrif festsetzen. Ein Arzneymittel im ganz allgemei= 
nen Verstande heißt eine Materie, die durch ihre 
Grundtheile im Stande ist, heilsame Veränderungen oder 
Wirkungen in einem thierischen Körper hervorzubrin= 
gen. In diesem Verstande sind alle gute Nahrungs= 
mittel auch gute Arzneymittel. Aber im besondern 
und eigenen Verstande unterscheidet man von den Arz= 
neymitteln die Nahrungsmittel. Diese geben dem Kör= 
per Kraft zum Wachsthum, oder ersetzen dich den Ab= 
gang der Kräfte, der durch die atürliche Wirkungen 
des lebendigen Körpers erfolgt. Jene aber sind be= 
stimmt, die Hindernisse der natürlichen Wirkungen des 
lebendigen Körpers zu entfernen, oder die Ursachen der 
widernatürlichen Dispositionen des Körpers unwirksam 
zu machen. Was nun den Kaffe betrfit, so ist er ein 
Arzneymittel, wenn dieses Wort im allgemeinen Ver= 
stande gebraucht wird; aber daß ers auch im besondern 
und eigenen Verstande sey, das ist nich:; [sic] wenigstens 
hat Herr Jung dieß nicht bewiesen, und wird es auch 
nicht beweisen. Die Kaffebohnen sind nicht bestimmt, 
durch ihre besondere Grundtheile die Ursachen von wi= 
dernatürlichen Dispositionen des Körpers wegzunehmen; 
sie sind aber sehr kraftvoll, um die nährende Materie 
in dem menschlichen Körper zu vervielfältigen, wie alle 
gute Nahrungsmittel. 
 
 
350 
 Zugleich haben die Kaffebohnen ein Mehl in sich, 
so daß sie auch nähren und sättigen können. 3) Ver= 
möge der reitzenden Kräfte, welche der Kaffe besitzt, 
verdünnet er auch das Geblüte, vermehrt die Bewe= 
gung des Herzens und des Pulses, mithin auch die 
Wärme des Körpers. Dieses alles sind Wahrhei= 
ten, die sich auf Vernunft und Erfahrung gründen, 
und eben darum, weilen der Kaffe ein nützliches Arz= 
neymittel ist, ist er ein desto schädlichers Nahrungs= 
mittel 4). Wie manche ehrliche alte Hausmutter 
hält den Theriak für die köstlichste Arzney von der 
Welt, aber darum schmiert sie ihn doch ihren Kin= 
dern nicht statt Birn= oder Zwetschenmus aufs Brod, 
Zwetsche, Zwetschge: Pflaume. 
sie würde aber dann auch erfahren, daß der so liebe 
Freund Theriak es eben sogar gut nicht mit ihr 
meyne, er würde sich bald als ein betäubender tödten= 
der Feind entdecken. 5) 
                    Der 
 
3) Sie haben einen grossen Theil von Gummi in sich, 
darinnen das natürliche Gluten oder Zusammenhaltungs= 
und Verbindungsmittel anderer Materien enthalten ist. 
Dieß giebt hauptsächlich nährende Kraft für den mensch= 
lichen Körper ab. 
4) da zeigt sich nun, wie viel in dieser Sache auf den 
richtigen Begrif vom Arzneymittel ankommt. Wenn 
man das Arzneymittel im besondern und eigenen Ver= 
stande nimmt, so ist der Kaffe kein Arzneymittel zu 
nennen, nimmt mans aber im allgemeinen Sinn, so 
ist es zwar ein sehr gutes Arzneymittel, aber zugleich 
ein tüchtiges Nahrungsmittel, und eben darum, weil 
er das letzte ist, ist er ein gutes Arzneymittel im all= 
gemeinen Verstande. 
5) Dieses Exempel passt ganz und gar nicht hieher; auch 
ist der Ton, in welchem Herr Jung spricht, zu wenig 
ernsthaft für diese wichtige Sache. 
 
 
351 
Der Kaffe wirkt indessen so schleunig nicht, lan= 
ge Jahre braucht er dazu, um seinen Freund zu 
Grund zu richten, und darum ist er auch soviel ge= 
fährlicher, man merkts nicht, und da er angenehm 
schmeckt, so verfährt hier der Mensch nach den Trie= 
ben seiner verdorbenen Natur, er geniest das, was 
ihm vor der Hand angenehm ist, und bekümmert sich 
dann selten um die spätere Folgen 6). 
 
Es ist wahr: der Kaffe stärkt, das ist: durch 
seine Schärfe reizt er die Muskelfasern des Magens 
und der Eingeweyde zum Zusammenziehen. Wann 
dieses nun zur Zeit geschieht, da es der Magen nö= 
thig hat, wenn er verschlappt ist, so wird eine gute 
Wirkung davon entstehen, man wird sich wieder wohl 
befinden. Nun denke man aber nach, wenn man sich 
dieses Mittels im Ueberfluß bedient, was denn nach 
und nach daraus werden müsse? 7) – Nichts an= 
                    ders 
 
6) Ich bitte Herrn Jung recht sehr, diese Stelle noch 
einmal zu lesen und zu durchdenken. Er wird finden, 
daß sie nichts sagt, was zur Entscheidung der wichti= 
gen Frage etwas beytragen könnte. Lange Jahre braucht 
der Kaffe, um seinen Freund zu Grunde zu richten. 
Gut dann, wenn der Kaffe 60-70-80 Jahre braucht, 
um seinen Freund zu Grunde zu richten! Ist dieß 
so ist er für die Gesundheit und das Leben gewiß nicht 
gefährlich. 
7) Gilt denn dieß nicht auch von allen und zwar von den 
besten Nahrungsmitteln? Wenn man sich ihrer täglich 
in Ueberfluß bedient, was wird denn nach und nach 
daraus werden müssen? Der Ueberfluß des besten 
Nahrungsmittels wird schädlich. Stumpfheit und Un= 
empfindlichkeit des Magens, Steifheit oder Schlafheit [sic; Schlaffheit] 
und Unthätigkeit desselben ist immer die Folge von dem 
übermäßigen Gebrauche auch der vorzüglichsten Nah= 
                    rungs= 
 
 
352 
ders als eine Stumpfheit und Unempfindlichkeit des 
Magens, er wird des ewigen Prikelns gewohnt so 
gut wie die Nase des Schnupftabacks, folglich stärkt 
nun der Kaffe eben so wenig mehr, als der Schnupf= 
taback die Feuchtigkeit abführt; im Gegentheil der 
Magen wird steifer und unthätiger, man wird nicht 
mehr so hungrig, der Appetit mindert sich, folglich 
isset und trinkt man auch weniger; wenn nun aber 
der Körper seine gehörige Nahrung nicht mehr hat, 
so kann er ja auch nicht lang gesund bleiben, vielwe= 
niger alt werden 8). 
                    Das 
 
rungsmittel. Alle Genußarten, alles Fleisch, alle Sup= 
pen u. s. w., wenn sie übermäßig genossen werden, wir= 
ken Zerrüttung in dem menschlichen Körper. Auch so 
ists mit allen Getränken, selbst mit dem besten unter 
allen, dem reinen Wasser. Zuviel, oder die Unmäßig= 
keit ist bey allen schädlich. Aber wo der Punkt ist, wo 
sich Unmäßigkeit oder Ueberfluß in dem Gebrauch einer 
Speise oder eines Getränks anfängt, das ist die Haupt= 
sache, die derjenige wissen und bestimmen muß, der ei= 
ne Speise oder ein Getränk dem Menschen um seiner 
möglichen schädlichen Reizen willen, verbieten will. 
6) Herr Jung sieht es also für eine Wirkung des Kaffe 
an, daß man weniger isset und trinket, als wenn man 
keinen Kaffe genießt. Es ist auch nichts natürlicher, 
als das. Der Kaffe hat selbst nach dem eigenen Ge= 
ständnisse des Herrn Jung eine nährende und sättigende 
Kraft. Diejenige Personen nun, die täglich ihren Kaffe, 
zumal mit Milch trinken, haben so gute Nahrung und 
Sättigung von diesem Mittel, daß sie nicht soviel von 
andern Nahrungsmitteln und Getränken brauchen. 
Der Appetit mindert sich bey dem Kaffetrinken nur 
in Ansehung anderer Speisen und Getränken; aber in 
Ansehung des Kaffe und der Milch vermindert er sich 
nicht. Herr Jung hätte also nicht schliessen sollen, daß 
der Körper der Kaffetrinker seine gehörige Nahrung 
nicht mehr habe, und also auch lange gesund bleiben 
                    viele 
 
 
                    353 
Das ist aber noch nicht alles, was aus der Un= 
empfindlichkeit des Magens entsteht, er muß auch frisch 
und wacker arbeiten, damit Speiß und Trank ver= 
dauet, und ein guter wohlbereiteter Nahrungssaft, 
mithin auch ein gesundes Geblüt daraus verfertiget 
werde. Allein, das alles geschieht nun nicht, das Ge= 
schäfte der Verdauung geht träg von statten, die Ge= 
därme werden vom Gebrauch des Kaffe endlich eben 
so unthätig und steif, die natürliche Ausleerung, der 
Stuhlgang, geht langsamer, und es kommt ein un= 
reiner dicker ungesunder Nahrungssaft ins Ge= 
blüt. 8) 
                    Indes= 
 
vielweniger alt werden kann. Der Kaffe und die 
Milch geben dem Körper Nahrung und Sättigung. 
Um gesund zu bleiben und alt zu werden kommt es 
nicht darauf an, daß der Mensch Fleisch, Gemüse, Butter, 
Käß [sic; Käse, Eier], Eyer und andere solche Nahrungsmittel zu sich 
nehme, und daß er viel davon zu sich nehme; es ist 
genug, wenn er etwas geniesset, das nährt und sättiget, 
und also die durch die unmerkliche Ausdünstung und 
andere Aussonderungen verlohren gehende Theilgen wie= 
der ersetzt bekommt. Kaffe und Milch können 
den Körper durch ihre nährende und sättigende Kraft 
erhalten, gesund und stark erhalten, daß er, wenn er 
Bewegung und arbeit hat, dabey sehr alt werden 
kann. 
9) Daß der Kaffe eine Trägheit des Geschäfts der Ver= 
dauung, und Steifheit, und Unthätigkeit der Gedärme 
wirke, und die natürliche Ausleerung und den Stuhl= 
gang langsamer mache, und dadurch einen unreinen, di= 
cken, ungesunden Nahrungssaft erzeuge, behauptet Herr 
Jung; aber wo ist der Beweiß davon? In der That 
findet bey dem Kaffetrinken gemeiniglich das Gegen= 
theil von eben dem statt, was Herr Jung sagt. Die 
Verdauung und Zubereitung des Nahrungssaftes geht 
besser vonstatten, und der Kaffe wirkt vielfältig gute 
Oefnung des Leibes. Dieß ist nicht nur Erfahrung, 
Schlettw. Arch. 5. Bd.                    Z                    son= 
 
 
354 
Indessen spielt der Kaffe immer seine Rolle fort, 
er geht ins Geblüt über, kitzelt die Nerven, schmeckt 
uns gut. macht uns munter, und überredet uns also, 
daß er ein herrlicher Kerl sey, und es gar gut mit 
uns meyne, insgeheim aber belagert er immer mehr 
und mehr die edle Vestung unseres theuren Lebens, 
rückt uns immer näher, schwächt uns unvermerkt, reißt 
endlich unsere Mauern nieder, da tritt dann der 
schmalbeinige Knochenmann zu uns ein, und setzt uns 
das Messer an die Kehle 1 ). Das also ist die trau= 
                    rige 
 
sondern die Natur der Sachen legt es klar vor Augen. 
Der Kaffe reizt durch sein subtiles Oel die Nerven 
des Magens und der Gedärme, daß in den letzten die 
wurmförmige Bewegung, und in dem ersten das Zu= 
sammenziehen, der Zufluß der zur Verdauung nöthigen 
Säfte, und das Zerreiben der Speisen besser von stat= 
ten gehen, und die erwähnten Wirkungen ordentlicher 
Weise hervorbringen müssen. Freylich würde der Mensch, 
der den ganzen Tag Kaffe trinken wollte, höchst verderb= 
liche Effekte empfinden. Aber das ist ja nicht beym 
Kaffe allein, sondern bey allen, ach den Nahrungsmit= 
teln ohne Unterschied. 
10) Ich wünschte, das Herr Jung in einem ernsthaftten 
Tone diese Wirkungen, die er vom Kaffe hier behaup= 
tet, bewiesen hätte. So wie ers thut, wird er un= 
möglich das denkende Publikum überzeugen können: 
„Der Kaffe geht ins Geblüt über.“ Allerdings kommt 
ein Theil davon mit der Nahrungsmilch ins Blut; „er 
kitzelt die Nerven.“ Freylich reizt er auch durch sein 
subtiles Oel im Blute noch die Nerven, und alle Fä= 
sergen, die er berührt. Aber so lange nicht Unmäßig= 
keit im Kaffetrinken begangen wird, ist dieser Reitz der 
Fäsergen und Nerven, den der Kaffe im Blute äussert, 
keine gefährliche Belagerung der edlen Vestung un= 
seres theuren Lebens zu nennen. Alle gute Nahrungs= 
mittel ohne Unterschied müssen einen solchen effekt ha= 
                    ben 
 
 
355 
rige Würkung der stärkenden Kraft des Kaffe, wenn 
man ihn zum täglichen Getränke macht. 
 
Da denkt nun manche dicke und gesunde Bür= 
ger= oder Bauernfrau, indem sie das liest, oder lesen 
hört: Ja wenn das wahr wäre, so lebten wenig 
Leute mehr, man sieht doch nicht, daß eben darum 
mehr Leute sterben als sonst, auch werden sie noch im= 
mer so alt als vorher. Nun liebe Frau Baaß! [Base] 
darauf will ich ihr dienen. Dies ihr Urtheil zeigt, 
daß der Bezirk ihres Verstandes ein ganz kleines 
Plätzgen einschliesse; und sie sich also von mir sagen 
lassen müsse. Daß sie korpulent ist, ist eben kein sehr 
gesundes Zeichen, fette und stockende Säfte sind heim= 
liche Mörder die sich im Hauß versteckt haben, um sie 
zu ermorden, sobald sich bequeme Gelegenheit dazu 
äussert, es gehört eine sehr starke Natur dazu, um bis 
ins 70 Jahr fett und am Leben zu bleiben. Und 
was ihre Gesundheit betrift, davon muß sie nicht ur= 
theilen, sie kann sich gesund fühlen, Munterkeit und 
Wohlbehagen kann ihr der Kaffe geben, und doch 
kann der Tod in ihren Gliedern ruhen 11). 
                    Z 2                    Und 
 
ben, wenn sie unmäßig gebraucht werden. Der tägliche 
Gebrauch und der unmäßige Gebrauch sind nicht ei= 
nerlei. 
11) Dieser ganze Absatz der jungischen Schrift vermag 
auch nicht das Geringste. Er kann ganz wider eine 
Speise und alle Getränke, welche nährende und reizen= 
de Theilgen in sich haben, gebraucht werden. Wenn 
man auch niemals Kaffe getrunken hätte, und wenn der 
Mensch sich bey seinen guten Nahrungsmitteln und Ge= 
tränken noch so gesund fühlt, und Munterkeit und 
Wohlbehagen empfindet, so kann doch der Todt in den 
Gliedern ruhen. In wichtigen Sachen, wie die ist, 
davon wir reden, sollte man immer mit dem größten 
                    Ernste 
 
 
356 
Und was endlich ihr Urtheil über das Sterben 
der Menschen betrift, so muß ich ihr sagen, daß sie 
davon nichts weis; rund um uns her merken wirs 
so sehr nicht, ob alle sechs Wochen 10 oder 15 in ei= 
nem Kirchspiel sterben, allein im Ganzen sieht mans 
in den Todtenlisten, welche in den Zeitungen stehen, 
daß seitdem Kaffe und Thee so sehr getrunken wer= 
den, viel mehr Menschen sterben, als vorher, die Kör= 
per werden geschwächt, und können die Krankheiten 
nicht mehr aushalten 12). Ich glaube, daß die vielen 
                    fau= 
 
Ernste nur evidente Wahrheiten, und offenbar fasliche 
Erklärungen und Entwicklungen brauchen, und das 
Zweifelhafte, worauf es ankommt, nie als wahr vor= 
aussetzen. Eine dicke gesunde Frau, die alle Tage ih= 
ren Kaffe trinkt, und schon die Hälfte oder das Viertel 
ihrer Lebenszeit getruncken hat, wird immer mit Recht 
sagen können: „Ich habe nun seit so vielen Jahren 
alle Tage meinen Kaffe getruncken, und habe die ganze 
Zeit über, meine häußliche Verrichtungen, auch meine 
Garten= und Feldarbeiten aufs beste gethan, und nichts 
widriges an meiner Gesundheit gespürt: daher will ich 
ferner diese meine Diät in Absicht auf den Gebrauch 
des Kaffe und der Arbeiten beybehalten.“ Eine ande= 
re, dicke gesunde Frau die keinen Kaffe trinkt, aber alle 
Tage ihre gute Biersuppe isset, oder ein halbes oder 
ganzes Maaß gutes Bier trinkt, und davon, wie die 
erste, zur Arbeit munter und stark bleibt, kann auch 
nicht anders sagen als jene. Bey beyden aber gilt es 
immer: Sie sind dick und fühlen sich gesund, und 
doch kann der Tod in ihren Gliedern ruhen. Wie 
leicht können sie nicht beyde am Schlagflusse oder andern 
plötzlichen Zufällen sterben? 
12) Ich fodere hier Herrn Jung auf, solche Todeslisten 
beyzubringen, aus welchen man sehen kann, daß im 
Ganzen, wegen des Kaffe viel mehr Menschen ster= 
ben, als vorher. Seitdem Thee und Kaffe getrun= 
ken werden, sind an sehr vielen Orten die Bedrückun= 
                    gen 
 
 
357 
faulen Krankheiten, die so häufig seit einigen Jahren 
graßirt haben, ihren Grund im Trinken des Thees 
und des Kaffes haben 13). Daß es noch immer alte 
Leute giebt, ist kein Beweis, daß der Kaffe der Ge= 
sundheit nicht schade, denn wer jezt alt ist, hat sich 
gewiß in seiner Jugend mit diesem Getränke nicht 
verdorben, denn damals war er noch nicht so allge= 
                    mein, 
 
gen des Volks sehr gestiegen, also die Sorgen und 
der Gram so sehr gewachsen, daß eine unzählige Men= 
ge von Menschen, die keinen oder wenig Kaffe trinken, 
ihr Leben vor der Zeit einbüssen müssen, und so schwa= 
che Kinder erzeugen, die wegen der Entkräftung, die der 
Kummer ihrer Eltern in ihnen wirkte, ehe man sichs 
versieht, wieder fort müssen. Seit der Zeit da Thee 
und Kaffe getrunken wird, hat sich auch manche ande= 
re Art des Luxus, des unmäßigen Wohllebens und 
des Müßigganges in den Städten eingeschlichen, wo= 
durch allerdings bey sehr vielen Menschen die Gesund= 
heit und die Lebenskräfte so geschwächt werden, daß die 
Sterblichkeit dadurch zunehmen können und müssen. Ich 
fodere also den Herrn Jung nochmals auf, aus den 
Sterbelisten seinen Satz gründlich und detailliert darzu= 
thun, daß seitdem Thee und Kaffe getrunken wird, die 
Sterblichkeit der Menschen im Ganzen grösser worden, 
und daß die Ursach davon sonst nirgends als in dem 
Thee= und Kaffetrinken zu finden sey. 
13) Es muß in einer solchen wichtigen politischen Sache 
nicht darauf ankommen, was ein Schriftsteller für sich 
glaubt, sondern nur darauf, was er aus unläugbaren 
evidenten Erfahrungen und Grundsätzen empfindbar 
machen kann. Das kann Herr Jung also wohl glau= 
ben, daß die vielen faulen Krankheiten ihren Grund 
im Trinken des Thees und Kaffees haben. Aber das 
hat noch niemand faßlich zur Ueberzeugung dargelegt, 
und ich für meinen Theil glaube auch, daß es niemand 
wird thun können. Der Ursachen sind erstaunlich vie= 
le, welche diese gefährliche Krankheiten zu wirken im 
Strande waren, und noch im Stande sind. 
 
 
358 
mein, und ob die jetzigen Kaffetrinker alt werden, das 
ist ja noch nicht ausgemacht. Ich behaupte fest, daß 
von hundert Kindern, die mit Kaffe und Thee sind 
erzogen worden, kein einziges über 50 Jahr kommen 
wird 14). 
Noch eine andere Kaffeschwester wendet ein: 
sie müsse ihn trinken, sonst sey sie krank. – Nun den= 
ke sie, wie weit sie ins Verderben gerathen ist! so 
weit sind ihre Nerven schon gekommen, daß sie von 
dem natürlichen Feuer des Lebens nicht mehr entzün= 
                    det 
 
14) Diese Behauptung, daß von hundert Kindern, die 
mit Kaffe und Thee sind erzogen worden, kein einzi= 
ges über 50 Jahr kommen wird, sollte hier gar nicht 
stehen. Denn erstlich würde, wenn Kaffe und Thee 
diese Sterblichkeit der Kinder bewirkte, nur dieß fol= 
gen, daß man die Kinder nicht mit Kaffe und Thee 
erziehen dürfe, aber das folgt nicht daraus, daß das 
Kaffetrinken auch erwachsenen Personen, die schon ein 
gewisses Alter und gewisse Grade ihrer Kräfte er= 
reicht haben, schädlich sey. Kinder darf man auch 
nicht mit Fleisch, Fleischsuppen und andern guten 
Nahrungsmitteln erziehen. Ist denn aber das Fleisch= 
esse, oder der Gebrauch der übrigen guten Nahrungs= 
mittel schädlich für die Erwachsenen, und also in den 
Staaten ganz abzuschaffen? Zum andern wird schwer= 
lich jemand die angenommene Behauptung mit Heftig= 
keit als allgemein rechtfertigen können. Nach dem 
Süsmilch sind überhaupt um das 50 Jahr von 1000 
 
Johann Peter Süßmilch, geb. Berlin 3. September 1707, gest. ebd. 22. März 1767; sein Hauptwerk machte ihn als Bahnbrecher der Bevölkerungsstatistik berühmt: „Die göttliche Ordnung in den Veränderungen des menschlichen Geschlechts aus der Geburt, dem Tode und der Fortpflanzung desselben erwiesen“ Faks.-Ausg. [der Ausg.] Berlin, 1741: Berlin: Kulturbuch-Verl. 1977; siehe auch: Düsseldorf: Verlag Wirtschaft und Finanzen 2001 = Die Handelsblatt-Bibliothek "Klassiker der Nationalökonomie" Bd. 1-6; Faksimile und Kommentare. 
 
Gebohrnen nur 300 noch übrig; dieß macht auf 100 
Gebohrne nur 30. Ob aber nun der Thee und Kaffe 
auch diese 30 mit aufreiben werde, ohne einen oder 
andere übrig zu lassen, das ist ein Faktum, das noch 
nicht ins Klare gesetzt worden ist. Unter den 100 Ge= 
bohrnen, die Süsmilch annimmt, sind vermuthlich schon 
viele, die wo nicht vom ersten Jahr an, doch vom 5ten 
oder 6ten an Kaffe oder Thee bekommen haben, und doch 
bleiben um das 50 Jahr bey 30 derselben übrig. 
 
 
                    359 
det werden, sie müssen fremdes Feuer, sie müssen Kaffe 
haben; 15) und es ist hohe Zeit! daß sie sich alle 
Monate täglich eine Tasse abzieht, und des Mittags 
über Tisch ein Glaß Bier an die Stelle trinkt, bis 
sie ganz davon ab ist. Findet sich auch hier und 
dort eine einzelne Person, welche bey allem dem alt 
wird, und sich beym Kaffe immer wohl befindet, so 
denke sie nur immer an des wahre Sprüchwort, daß 
Eine Schwalbe keinen Sommer mache. 
 
Der Kaffe stärkt die Nerven, aber nur dann, 
wann sie wirklich schwach sind, wenn das Geblüt arm 
an Lebensgeistern, oder das Nervenmark nicht stark 
genug ist, um die Lebensgeister zu bewegen 16). Wen= 
det mir ein Kaffetrinker ein, ich habe schwache Ner= 
ven, darum trinke ich Kaffe, so antworte ich: wenn 
ein Arzneymittel zur Gewohnheit geworden ist, so 
wirkt es nicht mehr zum Nutzen, sondern zum Scha= 
den, die Nerven werden des immerwährenden Reitzes 
                    eben 
 
15) Aber hat denn der Kaffe diese Wirkungen gethan, 
daß die Nerven nicht mehr von dem natürlichen 
Feuer des Lebens entzündet werden können? So 
was muß man ja nicht voraussetzen, wenn man es 
den Menschen erst einleuchtend machen will, daß der 
Kaffe ihnen schädlich sey. Wie viel hundert Ursachen 
giebt es nicht, die das natürliche Feuer des menschlichen 
Körpers schwächen? Wenn nun das Kaffe beym mäßi= 
gen Gebrauche, und, wie es bey allen guten Nah= 
rungsmitteln auch seyn muß, bey damit zu verbinden= 
der Bewegung und arbeit, das geschwächte Lebensfeuer 
wieder angezündet und verstärkt; so ist dieß ja offenbar 
ein erwünschter Effekt. 
16) Aber diese Bedingung findet wirklich bey den aller= 
meisten Menschen statt. Bey den allermeisten fehlts an 
Lebensgeistern, oder an der Thätigkeit; und also stärkt 
der Kaffe gewiß die Nerven der meisten Menschen. 
 
 
360 
eben so gewohnt wie der Magen, und daher nach 
und nach eben so überspannt und unthätig, 17) diesß 
alles ist aber der Zustand des Alters, wenn ich also 
die Sache so erkläre: Der Kaffe macht die Men= 
schen alt vor den Jahren, so hab ich alles gesagt, 
was ich zu erinnern habe. Da nun das Alter an 
sich eine verdrießliche Sache ist, besonders wenn es 
jemand übereilt ehe man noch sein Haus bestellt hat, 
so kann mir niemand absprechen, daß der Kaffe ein 
gefährlicher Feind sey. 
 
Der Kaffe verdünnt das Geblüt, wenn nemlich 
jemand kalte schleimigte Säfte hat; diese Art Menschen 
können auch am längsten ohne sonderlichen Schaden Kaf= 
fe trinken. Im Gegentheil gesunden Leuten, deren Geblüt 
ihre ordentliche Mischung hat, macht er bey immerwäh= 
rendem Gebrauch, das Geblüt dick und stockigt; denn 
da er das Geschäfte der Verdauung hindert 18), so 
                    wer= 
 
17) Wenn das Arzneymittel ein wirkliches Nahrungsmit= 
tel ist, und nicht als blosses Arzneymittel im eigentlichen 
Verstande wirkt, so fällt das, was Herr Jung hier 
sagt, ganz weg. Wird das Nahrungsmittel nur nicht 
in Unmäßigkeit gebraucht, wovon aber der tägliche 
Gebrauch wie schon N. 10 bemerkt worden ist unter= 
schieden werden muß, so werden die Nerven dadurch 
nicht überspannt und unthätig. Das Nahrungsmittel 
selbst macht die Menschen für sich nicht alt, aber ne= 
ben dem mäßigen Gebrauch der besten Nahrungs= 
mittel schleicht doch das Alter heran. So ists mit dem 
mäßigen und täglichen Gebrauche des Kaffe auch. 
18) Alles was in diesem Absatze gesagt worden, fällt weg, 
da es ganz gewiß ist, daß der Kaffe, wenn er nicht un= 
mässig getrunken wird, bey den meisten Menschen die 
Verdauungsgeschäfte befördert, und gute Nahrungssäfte 
erzeugen hilft, wie oben N. 9 gezeigt worden ist. Bey 
gesunden Personen, die nicht im Müßiggange, oder 
                    in 
 
 
                    361 
werden lauter rohe Nahrungssäfte erzeugt, die Mus= 
kelfasern werden des ewigen Prickelns gewohnt, so 
daß sie in den Adern ihre gehörige Bewegung nicht 
mehr verrichten, hingegen das Herz, als das aller=  
reizbarste Werkzeug im Körper, wird den Kaffe noch 
immer empfinden, daher treibt es das Geblüt durch 
die verengten Adern, wodurch dann bey vielen nach 
dem Kaffetrinken eine fliegende Hitze ohne Ausdün= 
stung entsteht, die in allem Betracht ein gefährliches 
Zeichen eines phlogistischen verdorbenen Geblüts ist. 
 
Allein noch eine traurige Wirkung dieses schädli= 
chen Getränkes äussert sich bey dem weiblichen Ge= 
schlecht, besonders zur Zeit der Schwangerschaft. War= 
um hat man, besonders in den Städten, jetzt mehr 
den Arzt bey den Geburthen nöthig als ehemals? – 
blos das hat man den warmen Getränken zuzuschrei= 
ben 19). Alle obige Unordnungen in der Natur 
                    wir= 
 
in unmäßiger Ruhe ihr Leben zubringen, die sich viel= 
mehr gute Bewegung in freyer Luft machen, und nicht 
durch unordentliche Leidenschaften ihre Kräfte verderben, 
macht der Kaffe, wenn er mäßig getrunken wird, zuver= 
lässig kein stockigtes Blut, sondern im Gegentheil erhält 
er dasselbige in seinem Umlaufe, und in seiner Flüßig= 
keit. Aber es ist immer, wie bey den besten Nahrungs= 
mitteln und Getränken allen; keines muß unmäßig, be= 
sonders unter solchen Umständen gebraucht werden, 
darin die Disposition des Leibes zu Annehmung eines 
solchen Nahrungsmittels oder Getränks nicht geschickt ist. 
19) Daß die warmen Getränke zur Zeit der Schwanger= 
schaft, und gleich nach der Gebuhrt [sic; Geburt] während der Zeit 
des Kindbettes nachtheilige Wirkungen nach sich ziehen, 
wenn sie in Absicht auf die Quantität unmäßig gereichete 
werden, das ist eine unumstößliche Wahrheit. Zu war= 
me Zimmer und Betten sind ebenfalls schädlich. Ob die 
Kindbetterin, oder die Schwangere viel warme kräftige 
                    Sup= 
 
 
362 
wirken mit gesamter Kraft auf die Geburtstheile, und 
spielen daselbst ebenwohl ihre traurige Rollen. 
 
Die armen Kinder empfangen in ihrem ersten Keim 
den Kaffegeist 20), und mit ihm all sein Gefol= 
ge, daher sind auch unsere Kinder viel weichlicher, 
und erliegen allen auf sie stürmenden Feinden, dem 
Freysam, dem Zahnen, der schweren Krankheit, den 
Rötheln, den Pocken u. s. w. um so viel eher. 21) Da 
                    her 
 
Suppen isst, oder heissen Thee trinkt, oder heisse nahr= 
hafte Brühen nimmt, oder heissen starken Kaffe genießt, 
das ist alles einerley. Alle diese heissen Fruchtigkeiten 
setzen die Säfte des Körpers in stärkere Bewegung, und 
können dadurch, zwar nicht immer, aber doch gar zu 
leicht Schaden thun. Allein dieß alles beweißt nicht, 
daß das Kaffetrinken besonders für die Gesundheit nach 
theilig sey. Alle warmen Getränke, und gute Brühen, 
die sonsten dem menschlichen Körper nicht schaden, kön= 
nen und müssen zu bestimmten Zeiten, da die Dispo= 
sition der Maschine anders ist, vermieden werden. 
Schwangere Weiber, die gesund sind, Kräfte haben, 
und arbeiten, können ihrer Gesundheit unbeschadet einen 
guten Kaffe trinken, jedoch mit Mäßigkeit, und ohne 
ihn ganz heiß und zu schnell hinter einandern in den Ma= 
gen zu schütten; auch Kindbetterinnen sogar können 
es, wenn sie gesund sind, und nicht in zu warmen Bet= 
ten und Zimmern gehalten werden. Die Erfahrung 
selbst lehrt dieses durch die häufigsten Beyspiele. 
20) Den Kaffegeist nicht anders, als den Gemüs= und 
Fleischgeist auch; und so wenig als diese Geister etwas 
nachtheiliges sind, so wenig ist es der Kaffegeist auch. 
Alle diese Geister sollen aber nicht anders als mässig be= 
friediget werden. 
21) Der Satz ist in den meisten Fällen wahr, daß 
unsere Kinder viel weichlicher sind, und weniger 
ausdauren können, als die Kinder der Vorfahren. 
Allein es ist der gröbste Irrthum, wenn man die 
Ursach davon in Kaffe setzet. Der Kaffe ist es so we= 
                    nig, 
 
 
                    363 
her kommts auch, daß Knaben und Mädchen von 11 
und 12 Jahren schon mannbar werden, mehr Verstand, 
Vorwiz und verdorbene Lüste haben, als unsere Vor= 
fahren in ihrem zwanzigsten Jahr 22). So verjäh= 
reifen unsere armen Würmer, und wem wird der Vat= 
 
ter der Menschen schwere Rechenschaft darüber abfor= 
dern? – wem anders, als uns Eltern? 
 
Mir fällt da gerad noch ein wahnsinniger Einfall ein, 
den mir oft einer machte, wenn vom Verkürzen des 
Lebens die Rede war. Unter den gemeinen Leuten 
giebts viele, die sagen: All das Geschwätz da ist 
nichts, Gott hat den Menschen ein Ziel gesetzt, das 
kan er nicht überschreiten, ich mag nun Kaffe trin= 
ken oder nicht, so sterbe ich nicht eh bis meine Stun= 
de kommt. Das ist ein erschrecklicher Misverstand! 
Jeder menschliche Leib ist so eingerichtet, daß er, wenn 
ihn kein Zufall kränkt, alt werden kann, und Gottes 
gnädiger Wille ist, daß er auch alt werden soll, er 
soll alles vermeiden, was sein Leben verkürzen kann, 
hinge= 
 
nig, obs alle unsere gute Nahrungsmittel und Getränke 
es sind. Die herrschende Sinnlichkeit, die ungemäßig= 
ste Leidenschaften, die Sittenlosigkeit, besonders die im 
Schwange gehende Unkeuschheit und unmäßige Wollust, 
die sind die wahre Ursachen der Weichlichkeit der heuti= 
gen Menschen, und bey vielen trägt auch die Trägheit 
und der Müßiggang einen grossen Theil dazu bey.  
22) Vom Kaffe kommt das alles ganz gewiß nicht. Die 
Schwäche des Körpers durch Wollüste der Eltern; die 
Erziehung der Kinder zur Sinnlichkeit, zur Galanterie, 
zum Brilliren, die machen unsere Jugend so vorwizig, 
so lüstern, so süchtig nach Wollust. Die Mannbarkeit 
der Knaben und Mädgen vom 11ten und 12ten Jahre 
an ist mehr eine Folge von vorzüglicher Gesundheit und 
Stärke; als von einem kränklichen und schwachen Zu= 
stande. 
 
 
364 
hingegen alles dessen sich bedienen, was es verlängern 
kann, das ist ein Gesez, welches Gott dem Menschen 
geboten hat: endlich wenn der Körper vor Alter nicht 
mehr leben kann, so kommt dann der Tag, oder das 
Ziel, das dem Menschen gesezt ist, und das er nicht 
überschreiten kann; aber so oft ein Mensch früher stirbt, 
so rührt das entweder von den Zufälligkeiten der Na= 
tur, oder durch des Menschen ihm angeborne verdor= 
bene Lüste und Neigungen her, die ihn unmässig ma= 
chen, so daß er auf seine eigene Gesundheit losstürmt. Frey= 
lich würkt auch hier die Vorsehung Gottes zum Be= 
sten des menschlichen Geschlechts mit, und so fern der 
Mensch sich ohne sein Wissen das Leben verkürzt, so 
schadets ihm an seiner Seeligkeit auch nicht, allein 
Gottes wohlgefälliger Wille ist es nie, daß der Mensch 
früh sterben soll 23), und wer es nun weis, daß der Kaf= 
fe ihm und seinen Kindern das Leben verkürzt, und ihn 
doch trinkt, dem ohngeachtet seinen Stolz und 
und seine Lust nicht überwindet, der wird sich nicht am 
Tage des Gerichtes damit los schwätzen können, daß 
ihm sein Todestag bestimmt gewesen. 
 
In den Niederlanden trinkt man den Kaffe sehr 
schwach mit vielem Wasser, in dem übrigen Deutsch= 
land und andern Ländern sehr stark 25), und desto  
                    weni= 
 
23) Daß es Gottes wohlgefälliger Wille sey, daß 
der Mensch früh sterben soll, das räume ich dem Herrn 
Jung nicht ein; allein ich will hier darüber nichts bemer= 
ken, weil es ganz und gar nicht hieher gehört. 
24) Die Verkürzung des Lebens durch den mässigen Ge= 
brauch des Kaffe ist noch nicht bewiesen. 
25) Die meisten gemeinen Leute in Deutschland trinken 
den Kaffe nicht stark, sondern schwach, und dabey sehr 
viel Milch. 
 
 
                    365 
weniger; in Ansehung der Wirkung ist eines so schäd= 
lich, wie das andere. Was der Kaffe in den Nieder= 
landen schwächer und unschädlicher ist, das verdirbt die 
Menge des warmen Wassers, womit er getrunken 
wird, der Körper wird dabey so bleich, mager und 
schwammigt, daß es ein Elend ist; daher sieht man 
auch dort eine so grosse Menge Kinder mit dicken Kö= 
pfen, dicken Bäuchen, alten Mannsgesicht, und Ar= 
men und Beinen, wie die Stecken, sonderlich bey 
den armen Leuten, welche den magern Kaffe in gros= 
ser Menge täglich dreymal hineinschlurfen, und ihre 
tägliche Nahrung daraus machen 26). 
 
Der Thee ist gar nicht besser als der Kaffe, er 
richtet seine Anbeter eben so gut zu Grund, nur daß 
er vielleicht noch, ein wenig unmerklicher wirkt. Seinen 
größten Vertheidiger den berühmten Bontekoe tödete 
 
Bontekoe hielt 50 Tassen Tee für eine angemessene Tagesration und gab an, selbst 200 Tassen Tee zu trinken. 1678. - Vgl. seine „Kurtze Abhandlung von dem menschlichen Leben, Gesundheit, Kranckheit und Tod... von den Mitteln, das Leben und die Gesundheit zu unterhalten und zuverlängern, die meisten Kranckheiten aber... durch Speise, Tranck, Schlafen, Thee, Coffee, Chocolathe, Taback, und andere dergleichen zur Gesundheit dienliche Miteel [sic], eine geraume Zeit zu verhüten“ ... Rudolstadt: Löwe [für Bautzen: Arndt] 1692. kl-8°, gest. Titelportr. 7 Bll., 553 SS., 3 Bll. – "B. war ein fanatischer Anhänger des chemiatrischen Systems und empfahl, wie vermuthet wird, von den holländ. Theehändlern bestochen, Thee als Universalmittel gegen die Bluteindickung, als die Grundlage aller Krankheiten" (Hirsch). - Drey neue curieuse Tractätgen von dem Trancke Cafe, sinesischen The, und der Chocolata in die hochdeutsche Sprache übers. von dem, welcher sich jederzeit nennet Theae Potum Maxime Colentem; a. d. Franz.: Traitez nouveaux & curieux du café, du thé et du chocolate. Budißin: Willisch 1701; als Verf. werden neben Philipp Sylvestre Dufour auch Jacob Spon u. Cornelis Bontekoe genannt; Faks. nach der Ausgabe Bautzen: Arndt 1686 mit e. Nachwort von Ulla Heise, München: Richter 1986 = Klassische Kochkunst Bd. 11, ISBN 3-923090-33-1. 
 
er zur Belohnung durch einen Schlagfluß. 
 
Der Kaffe ist allein noch nicht schädlich genug, 
er muß noch einen Waffenträger haben, und das 
ist der Zucker. Dieses süsse Salz ist ein schleimiges We= 
sen, welches eine saure Schärfe in sich verschließt, und 
zur Gährung sehr geneigt ist. Wenn man ihn häufig 
braucht, so bringt er allerhand Uebel in den Körper, 
Scharbock, allerhand unreinen Ausschlag, und kalte 
fauligte Krankheiten. Er ist also ein eben so schäd= 
liches Mittel zum täglichen Gebrauch als der Kaffe 27). 
                    Dieß 
 
16) Armuth und Sorgen sind in den meisten Fällen die 
Hauptursachen der angegebenen Uebel. 
27) Der Zucker ist allerdings sehr schädlich, und kann 
mit dem Kaffe nicht in Vergleichung gesetzt werden. Ich 
habe bisher in meinen Anmerkungen gezeigt, daß die 
Schädlichkeit des Kaffe, wenn man ihn nicht unmäßig, 
                    und 
 
 
366 
Dieß mag nun von der Schädlichkeit dieses Getränkes 
in Absicht auf die Gesundheit genug seyn, ich will nur 
noch folgende Erinnerung hinzusetzen: Wer sich ein= 
mahl stark an den Kaffe gewöhnt hat, der muß nicht 
auf einmahl damit aufhören, sondern nach und nach, 
weilen die Natur solche heftige Veränderungen in der 
Lebensart nicht ertragen kann. Der Bürger und 
Handwerksmann, der in Städten wohnt, und durch 
fleißige Arbeit etwas nahrhaftes braucht, kann sich 
Morgens warm Bier machen lassen, und des Nach= 
mittags kaltes Bier trinken 28); denn auch der Wein, 
wo er nicht einheimisch, und daher theuer ist, gehört 
für eine Klasse Menschen nicht, deren Einkünfte nur 
zur äussersten Nothdurft des Lebens zureichen 29). 
Welch Verderben ist es nicht für einen Bürgersmann, 
der glaubt, er müsse sich schämen, wenn er keinen 
Wein tränke? Sollte er sich nicht vielmehr schämen, 
                    daß 
 
und zur Unzeit trinkt, noch nicht erwiesen ist. Zucker 
ist hauptsächlich wegen der beygemischten lau= 
genhaften und kalkigten Theile, die sich mit einander 
vereinigen, und das Zuckersalz ganz scharf und fressend 
machen, dem Körper schädlich. Er soll deswegen in 
de, Kaffe, und andern Speisen, und Getränken nur 
zu kleinen Portionen gebraucht, und sehr verdünnt wer= 
den. Honig im Kaffe würde gesunder seyn, als Zucker. 
Je weisser dieser ist, desto nachtheiliger ist er. 
28) Es ist sehr gut, wenns der Bürger so macht; aber 
er muß nicht gezwungen werden; ein Nahrungsmittel, 
wie der Kaffe ist, mit einem andern zu vertauschen. 
Es muß von ihm abhängen, zu essen und zu trinken, 
was er will und bezahlen kann. 
19) Der Wein gehört für alle Menschen, die ihn mit ich= 
ren Arbeiten, oder Gelde bezahlen können, und sich an 
ihren übrigen Bedürfnissen, wenn sie sonst nich anders 
können, etwas abbrechen wollen. 
 
 
                    367 
daß er den dritten Theil seines Taglohns in Wein ver= 
trinkt? Das ist eine wahre Schande 30). 
 
Ein reines starkes wohlgegohrnes Bier gehört 
für den Bürger, eine gute Milchsuppe, oder gebrann= 
te Mehlsuppe für den Bauren 31). 
 
Es ist ein Unglück, daß bey dem Kaffe und dem 
Wein immer eine unzeitige Schaam mit unterläuft. 
Mancher ehrliche Mann stellte gern den Kaffe ab, 
wenn er sich nicht für seinem Nachbarn schämte, keinen 
zu trinken. Das heißt eben so viel, als wenn ich 
                    meinen 
 
30) Allerdings ist es Schande, wenn ein Bürger und 
Handwerksmann den dritten Theil seines Taglohnes in 
Wein vertrinkt, und die übrigen zwey Drittel nicht hin= 
reichend sind, seinen Verbindlichkeiten Genüge zu thun. 
Kann aber das letzte geschehen, so ist es offenbar un= 
recht, wenn ihm jemand das Weintrinken verargen will. 
Um die herrschende Sinnlichkeit unter den Menschen zu 
schwächen, müssen die Erziehung der Jugend und die 
Schulen anders eingerichtet, und das Kirchenwesen un= 
endlich verbessert werden. Eher kommts nicht dahin, 
man mag machen, was man will, daß ein jeder Mensch 
seine Konsumtion nach Gerechtigkeit, Weisheit und Men= 
schenliebe einrichtet. Zwangsgesetze können dieses alles 
nicht wirken. 
31) Das möchte ich nicht so reguliren. Bürger und Bauren 
die uns übrigen allen die Produkte, und die nothwen= 
digen Arbeiten verschaffen, sollen allerdings ihr ange= 
bohrnes Recht behalten, alles Gute zu geniesse, [sic] das sie 
hervorbringen, oder mit ihren Arbeiten erwerben kön= 
nen. Nur sollen sie nie ungerecht seyn. Sie sol= 
len nicht blos Milch= und gebrannte Mehlsuppen 
haben, ihr Wohlstand soll so zunehmen, daß sie auch, 
wie Heinrich der Vierte in Frankreich, sagte, ihr 
gutes fettes Huhn essen, das ist, die Freuden des Lebens 
geniessen können. Gott bewahre jedes Land für solchen 
Politikern die dem Bürger nichts, als Bier=, und dem 
Bauern nichts als Milchsuppen oder gebrannte Mehl= 
suppen gönnen wollen! 
 
 
368 
meinen Freund sähe ins Wasser fallen, und in Gefahr 
de[s] Vertrinkens gerathen; und ich wollte mich dann 
schämen, nicht auch hineinzuspringen, um mit ihm zu 
vertrinken – Nein ehrliche deutsche Männer! ver= 
einigt euch einmahl mit euren Nachbaren, macht ein= 
mahl einen Bund mit einander, keinen mehr zu trin= 
ken, und zeigt euch wieder in eurem alten Heldenmuth. 
Was! sollen wir uns denn von schlechten Bohnen un= 
sere theure Gesundheit nehmen lassen? Sollen uns 
diese arabische Räuber früh ins Grab bringen? 32) 
Die Herren Holländer lachen in ihre Faust, daß wir 
ihnen unsere sauer erworbene Kreutzer so mit ganzen 
Säcken voll nach Amsterdam schicken, sie selber aber 
wissen sich wohl in Acht zu nehmen, daß sie sich nicht 
arm daran trinken 33). 
 
Mir ist ein wackerer Mann bekannt, der einmahl 
einen Kaufmann in Amsterdam besuchte, welcher we= 
nigstens etliche Millionen reich war, nun sagte der 
Holländer: Jetzt, Frau! mußt du noch von den 
besten Kaffebohnen ein Loth ansetzen lassen, weil 
ein Freund uns besucht. Der Holländer wollte nun 
doch einmahl recht verschwenderisch seyn, und seinem aus 
der Ferne kommenden Freunde ein Loth vom besten 
Kaffe geben, und doch war er nichts weniger als gei= 
zig. So sind nun feylich die Holländer nicht all, 
aber daß sie klüger und geschickter sind, als wir, reich 
zu werden, das ist gar nicht zu bezweifeln 34. 
                    Zweyter 
 
32) Dieß ist schon beantwortet. 
33) Wegen dieses politischen Punktes kommen die Anmer= 
kungen im folgenden. 
34) Nichts ist gewisser, als dieses. Die Holländer sehen 
die Freyheit der Gewerbe und der Geniessungen für das 
größte Hülfsmittel zur Bereicherung eines Volks an. Sie 
                    verbie= 
 
 
                    369 
Zweyter Abschnitt 
Beweis, daß der Kaffe für die Haushaltung ein 
höchst schädliches Getränke sey. 
Es geht den Aerzten wie den Predigern; man hört 
sie an, und thut doch, was man will. Ich habe 
während dem Schreibens daher oft gedacht: jetzt wer= 
den alle, die dieß lesen, und mich ehmals kannten, 
und wußten, daß ich recht gern Kaffe trank, sagen: 
wie kommt der dazu, so gegen den Kaffe zu predigen, 
da er doch ein Freund davon war? – Hört, lieben 
Leute! darauf will ich euch dienen: Wer einen Weg 
gegangen hat, kann ihn einem andern am besten zei= 
gen, habt ihr mit mir Kaffe getrunken, so hört auch 
nun mit mir auf, denn ich kenne seine Schädlichkeit, 
und wenn ich kein Verräther an mir selbst werden will, 
so muß ich ihn meiden, auch habe ich das Heimweh nach 
dem lieben Kaffe schon ganz überwunden. Bey 
mir trifts also nicht, was ihr so oft von euren Pre= 
digern sagt: Man muß nach ihren Worten leben, 
aber nicht nach ihren Werken. 
 
Ueber das alles denkt noch immer der gemeine 
Mann: Ja wer kann das alles so genau nehmen, die 
Gelehrten müssen etwas zu sagen haben, und folgt al= 
so gutem Rath nicht; ich fürchte sehr, so wird es mir 
auch mit meinem vorhergehenden Beweis gehen. Ja, 
denkt und sagt da mancher: ich befinde mich wohl bey 
dem Kaffe, der mag da schreiben was er will. Nun 
                    ja 
 
verbieten nicht, wie die meisten deutschen Fürsten bisher 
thaten, den Ausfluß des Geldes, auch nicht die Ein= 
fuhr fremder nur zjm Wohlleben dienender Waaren. 
Sie lassen Geld und Waaren bey sich ein= und ausdliessen, 
und das isr der Hauptgrund ihres Reichthums. 
Schlettw. Arch. 5. B.                    A a 
 
 
370 
ja guter Freund! ich habe dann doch das Meinige ge= 
than 35). 
Aber ihr seyd doch durch die Bank mit einander 
grosse Liebhaber von einem wohlgespickten dicken Beu= 
tel 36); nun laßt uns dann einmal untersuchen, ob 
da nicht auch der Kaffe ein heimlicher Dieb sey? ich 
hoffe, dieser Beweis wird euch begreiflicher seyn, als 
der vorige, und wollte Gott! er wirkte zu eurem 
Besten! 37) 
Wir können den Kaffe nicht geringer anschla= 
gen, als das Loth, wenn er gebrannt ist, einen Kreu= 
zer. Ich weis wohl, daß schlechteste dermalen 
2 Kreuzer kostet, und daß auch bey denen wohlfeilsten 
Zeiten der beste höher kommt, aber nur der Sache nicht 
zu viel zu thun, so will ich bey dem 1 Kreuzer stehen 
bleiben. Die Maaß fette Milch kann der Bauer zum 
wenigsten auf 3 Kreuzer benutzen; nun will ich gar 
nicht in Anschlag bringen, daß viele puren süssen 
Rahm zum Kaffe brauchen, sondern ich will aufs Loth 
Kaffe nur für Milch und Zucker anderthalb Kreuzer 
                    rech= 
 
35) Daß keine Ueberzeugung durch die Jungische Vor= 
stellungsart bewirkt werden könne, das habe ich bisher 
gewiesen. 
35) Der Geitzhals ausgenommen, so lieben die meisten 
Menschen das Geld, um sich um den Ihrigen damit 
was zu gute zu thun, nicht um Geld zu haben, und zu 
behalten. 
37) Herr Jung meint es mit unsern lieben Mitmenschen 
sehr gut: aber ich hoffe, daß er die Kaffeverbote nicht 
mehr als ein zuverlässiges Mittel zur Erhlatung des 
Wohlstandes und des Reichthums der Menschen, son= 
dern bey unsern itzigen Umständen für ein Mittel, die 
Armuth zu vergrössern ansehen soll, wenn er meinen 
oben angeführten Aufsatz im zweyten Bande meines 
Archivs, und die gegenwärtigen Anmerkungen mit ernst= 
licher Beherzigung lesen wird. 
 
 
                    371 
rechnen. Sollte nun einer oder andrer den Kaffe 
magerer trinken, als auf den Mann ein Loth, so trinkt 
er statt dessen 4 bis 5 Köpfchen, und es geht also an 
Milch und Zucker noch darzu; mithin der geringste 
Anschlag, den ich machen kann, ist: Ein Mensch, 
der ordentlich Kaffe trinkt, verzehrt zween und einen 
halben Kreuzer, ich hätte füglich können einen Batzen 
anschlagen, allein wie gesagt, ich will den geringsten 
Anschlag nehmen. Eine Person also, die alle Tage 
Kaffe trinkt, verzehrt im Jahr blos an diesem Geträn= 
ke 15. fl. und noch drüber, trinkt sie ihn täglich zwey= 
mal, so gehen jährlich 30. fl. darauf, und merkt wohl! 
so viel kostet nur eine Person, und zwar aufs gering= 
ste genommen. Nun rechnet Mann und Frau zu= 
sammen, so habt ihr 60 fl.; noch ein paar Kinder 
dazu, deren ich eins auf die Halbscheid anschlagen will, 
so kommen 90 fl. im Jahr zum wenigsten heraus. 38) 
                    A a                    Wird 
 
38) Was Herr Jung hier ausgerechnet hat, das ist mir 
lange noch nicht so klar, als es ihm geschienen hat. 
Jede Familie von Mann und Frau nebst 2 Kindern 
soll im Jahr wenigstens 90 fl. im Kaffetrinken verzeh= 
ren. Ich habe aber sehr vieles dabey zu sagen: Erst= 
lich setzt Herr Jung voraus, daß die erwachsenen Per= 
sonen täglich ein Loth, ein Kind aber die Hälfte oder ½ 
Loth, und also die Familie von Mann und Frau nebst 2 
Kindern 3 Loth gebrannten Kaffe brauche, wenn nur einmal 
Kaffe getrunken wird. Aber wer kann so was wohl an= 
nehmen, um eine politische Rechnung darauf zu grün= 
den. Ich brauche täglich für mich, meine Frau, ein 
Kind, eine Kinderwärterin, und vier studirende Jüng= 
linge, die bey mir speisen, vier Loth gebrannten Kaffe, 
ein jedes trinkt zwey ordentliche Schaalen, und der Kaffe 
ist gewiß nicht schlecht, sondern sehr wohlschmeckend. 
Nach Herrn Jung sollte ich 7 ½ Loth Kaffe nehmen; 
es kommen also hier schon 3 ½ Loth Kaffe auf jede vier 
                    Loth 
 
 
372 
Wird denn auch mit diesem Getränke Essen oder 
Trinken verspart? Nein! blutwenig, das Nachmit= 
                    tags 
 
Loth, in der Jungischen Rechnung zu viel. Das heißt, 
man braucht nur vier Loth, wo Herr Jung 7 ½ Loth 
rechnet. Voraus gesetzt, daß das Kind die Hälfte von 
der Portion eines Erwachsenen brauchen soll; so würde 
in meinem Exempel ein Kind 1 1/15 Quentchen, oder 
ein erwachsener Mensch 2 3/15 Quentchen Kaffe brau= 
chen. Mit Zuverlässigkeit aber darf man sagen, 
daß von gemeinen Leuten eine Familie von einem Man= 
ne und zwei Kindern nicht einmal das Quantum an 
Kaffe verbrauchen, das ich mir den Meinigen verzehre. 
Sie werden meistentheils kaum 1 ½ Loth Kaffe nöthig 
haben, oder kaum die Hälfte von dem, was Herr Jung 
angesetzt hat. Es braucht also diese angenommene Fa= 
milie an Kaffe täglich 1 ½ Kreuzer aufzuwenden. Dies 
macht jährlich 9 fl. 7 ½ Kr. 
Zweytens rechnet Herr Jung aufs Loth Kaffe für 
Milch und Zucker 1 ½ Kr. dies würde demnach auf 1 ½ 
Loth Kaffe für die ganze angenommene Familie 2 ¼ 
Kreuzer betragen. Im ganzen Jahre macht dies 13 fl. 
41 ½ Kr. 
Werden nun beyde Posten zusammen geschlagen, so 
würde die angenommene Familie in allem durch tägli= 
ches einmaliges Kaffetrinken jährlich 22 fl. 49 Kr. ver= 
zehren. Das doppelte macht 45 fl. 38 Kr. Ein sehr 
grosser Abschlag von der Summe, die Herr Jung mit 
90 fl. und noch dazu als das wenigste anszusetzen be= 
liebt hat. 
Drittens müssen die angerechneten Kosten für die 
Milch beym Kaffe schlechterdings abgerechnet werden. 
Wenn die angenommene Familie von 4 Personen täg= 
lich bey zweymaligem Kaffetrinken nur für einen einzi= 
gen Kreuzer Milch braucht, so beträgt dies jährlich schon 
6 fl. 5 Kr. Diese bleiben in den Händen der Landleute 
selbst, und haben im Lande ihren sichern Umlauf, oder 
werden auch ganz und gar nicht ausgegeben. Kaffe 
                    und 
 
 
                    373 
tagstrinken spart einmal nichts, und wer brav dabey 
arbeiten muß, der muß auch Morgens noch ein tüch= 
tiges Butterbrod darauf essen, wenn ers bis Mittag 
aushalten will 39), wenn er auch den Appetit stillt, 
                    und 
 
und Zucker würden also einer solchen Familie, als Herr 
Jung angenommen hat, jährlich in allem 39 fl. 33 Kr. 
kosten. Eine sehr mässige Summe für 4 Personen! 
 
Viertens endlich muß ich beyfügen, daß unter den 
armen gemeinen Leuten, Bürgern und Bauern am 
Kaffe und Zucker nicht einmal die bestimmte Summe 
gebraucht wird. Gewiß nehmen sehr viele solcher armen 
Familien oft nur ein Loth gebrannten Kaffe, kochen da= 
zu den Kaffesatz ab, den sie zusammen sparen, oder von 
andern wohlhabenden Leuten bekommen, sie kaufen auch 
nur wenig Kandelzucker, den sie bey ihrem Kaffetrinken 
Kandel = Candis, Kandis: gereinigter, kristallisierter Zucker. 
nicht in die Schale thun, sondern im Munde halten, 
um mit wenigem auszukommen. Das meiste aber, das 
sie brauchen, ist Milch, die sie in so grosser Maasse bey 
ihrem Kaffe verbrauchen, daß es oft eher einer Milch= 
suppe, als einem Kaffe ähnlich sieht. An der Summe 
für Kaffe und Zucker, die vorher auf 39 fl. 33 Kr. be= 
rechnet worden, gehen demnach zuverlässig noch für Kaffe 
bey 6 fl. und für Zucker wenigstens eben so viel wieder 
ab, und es bleiben also die eigentlichen Geldausgaben 
ohngefähr 17 fl. 
39) Herr Jung hat hier gewiß nur ganz bestimmte Fälle 
im Sinne, vielleicht von Siegenischen Hammerschied= [sic; Hammerschmieden] 
ten? Aber unwidersprechlich richtig ist es allgemein, 
daß durch das Kaffetrinken andre Speisen und Ge= 
tränke ersparet werden. Der Kaffe selbst hat eine näh= 
rende und sättigende Kraft, die recht merklich wirkt. 
Herr Jung geseteht sie zu, ob er gleich, wie bereits oben 
in der dritten Anmerkung erinnert worden, den vollstän= 
digen Grund nicht darlegte. Die Erfahrung lehrt es 
durchaus, daß ein Kaffetrinker, der noch dazu wenig 
Milch dabey braucht, nach ein paar eingenommenen 
Schaalen, den ganzen Vormittag, ohne weitere Speise 
zu sich zu nehmen, aushalten und arbeiten kann. Wer 
viel mit Menschen aller Klassen umgeht, oder mit ihnen 
                    be= 
 
 
374 
und zu sättigen scheint, so stärkt er doch den Arbeits= 
mann nicht, und man verliert nach und nach doppelt 
an der Arbeit, was man an der Kost zu gewinnen 
scheint 40). Es ist also ausgemacht, daß die Kosten, 
welche man an den Kaffe wendet, am Essen und Trin= 
ken nichts ersparen, mithin ist dies Geld schlechterdings 
so gut als auf die Gasse geworfen 41). 
                    Nun 
 
bekannt ist, der wird diese Bemerkung häufig machen 
können. Daß das Nachmittagskaffetrinken nichts er= 
spare, ist ganz wider die Erfahrung. Sehr viele Leute, 
die nach Tische, oder auch etwas später ihren Kaffe 
trinken, nehmen entweder bis auf den Abend gar nichts 
mehr zu sich, oder nur ein wenig Brod. Ohne Kaffe 
würden sie mehr essen und trinken. Wenn auch ein Ar= 
beitsmann, der saure Arbeiten zu thun hat, wie ein 
Hammerschmiedt, des Morgens nach dem Kaffe noch 
ein tüchtiges Butterbrod darauf esset, so erspart ihm der 
Kaffe doch gewiß viel. Wer keinen trinkt und nicht 
bloß besonders nichts oder wenig zu essen gewohnt ist, 
der kann solche harte Arbeiten mit einem biessen Butter= 
brod gewiß nicht aushalten, sondern muß, wie es vor? 
mals, nach Herrn Jungs eigenen Beschreibungen in 
 
Siehe: „Staatswirtschaftliche Anmerkungen über das Hammerschmieds=Eisen= und Stahlgewerbe des Siegerland nebst einer Beschreibung der Methode des Stabschmiedens von Dr. Joh. Heinr. Jung.“ – In: Bemerkungen / der / Kuhrpfälzischen / physikalisch=ökonomischen Gesellschaft, / vom Jahre 1778. / - / [Vignette] / - / Lautern, / im Verlage der Gesellschaft. / - / 1779. S. 321-378, hier S. 327 ff.: „Weil nun diese Leute sehr schwere Arbeit thun musten, so verschwendeten sie vieles auf ihren Tisch, sie liebten nicht den Pracht, viel weniger Leckereien; aber kraftvolle Speiß und Trank muste vollauf und im Ueberflusse da seyn; morgends eine Biersuppe, mit Ram [Rahm] und ein paar Eyern [Eier], steif gebrockt mit gutem Roggenbrod, dazu einen fetten Pfannkuchen von Weizenmehl mit Speck und Eyern, und darauf ein Butterbrod, auf welches die herrlichste süße und schmackhafteste Butter Fingers dick gestrichen war: dieses zusammen machte das Frühstück des Hammerschmedes aus. Des Mittags eine kraftvolle Fleischbrühe von Weisbrod steif gebrockt, mit allerhand Kräutern und Gewürzen reichlich versehen, dabei eine grose Schüssel des schönsten Gemüses auf die fetteste und bese Weise zubereitet, nebst einem mächtigen Stück Ochsenfleisch, das auf der Schüssel von Fettigkeit zitterte, und dann wieder ein gutes Butterbrod zum Schluß. Des Abends endlich machte ein nusbfaun gebratenes groses Kalbviertel, mit Salat und Eyern den Beschluß. Das fette und kostbare Siegensche Bier wurde dabei den ganzen Tag nicht gespart. Diese Leibespflege erhielte diese Männer bei Kraft, […]“. 
 
Siegen auch gewesen ist, Biersuppe mit Ram [Rahm] und 
ein paar Eyern [Eier] steif gebrockt mit gutem Reckenbrod, 
dazu einen fetten Pfannenkuchen von Weizenmehl mit 
Speck und Eyern, und darauf ein Butterbrod, auf 
welches die herrlichste und schmackhafteste Butter Fin= 
gerdick gestrichen ist, zu seinem Frühstück nehmen, 
der Kaffe besonders, wenn er mit Milch getrunken wird, 
nährt und sättiget also sehr. 
40) Das kann unmöglich bewiesen werden, der Kaffe scheint 
nicht zu sättigen; er sättigt wirklich, und giebt wegen 
seines aromatischen Oels und des gummösen Schleimes, 
den er bey sich hat, Munterkeit und Kräfte. Der 
Kaffetrinker arbeitet gewiß eben so gut und ausdaurend, 
und nochmuthiger als ein anderer von gleicher Konsti= 
tution, der keinen Kaffe trinkt. 
41) So gut als auf die Gasse geworfen? das Geld, 
da auf einen Genuß für die Menschen verwendet 
                    wird? 
 
 
                    375 
Nun stelle man sich einmahl vor, ein ehrlicher 
Handwerksmann, der jährlich 60 bis 90 Gulden so 
verschwendet, ob das nicht zu beklagen sey? 42) wendet 
er ein, es mache nicht so viel, er bestreite seinen Kaffe= 
aufwand des Tags mit 6 Kreuzer. Wohlan! ich 
will es einmal zugeben, so haben wir doch 36 Gulden. 
Freylich müßte er etwas anders an die Stelle haben, 
aber das würde ihm auch mehr Stärke geben, und 
ihm nicht halb so viel kosten, eine Mehlsuppe des Mor= 
gens, oder auch eine Biersuppe bereitet er sich aus sei= 
ner und seines Nachbarn Küche, das Geld bleibt un= 
ter den Einwohnern eines Orts, einer kann den andern 
bezahlen, und also Handlung und Gewerbe richtig 
                    fort 
 
wird? Geld verdienet gewiß verflucht zu werden, das 
dem Menschen seine Geniessungen nicht vermehrt. 
42) Das soll zu beklagen seyn, daß ein ehrlicher Arbeiter 
das Geld, das er verdient, und das ihm zugehört, ver= 
wendet, um sich ein frohes Leben zu verschaffen? Ob 
er die 60 bis 90 Gulden, oder in den meisten Fäl= 
len die 45 fl. auf Kaffe, Zucker und Milch; oder 
auf Bier, Wein und Branntewein; oder auf Butter, 
Pfannenkuchen und Eyer; oder auf gutes fettes Ochsen= 
fleisch und ein delikates Gemüse verwendet, das ist für 
ihn, noch einmal gesagt, für ihn in Ansehung der Aus= 
gabe völlig einerley. Es ist Verwendung des verdien= 
ten Geldes zu seinen Geniessungen, und das soll zu 
beklagen seyn, daß der Mann mit seinem Gelde ver= 
gnügt leben will, so wie er es als rechtmässiges Ver=  
gnügen empfindet. Beklagt den vielmehr, der entweder 
nichts verdient, um sich durch rechtmässigen Genuß frohe 
Stunden zu machen, oder das verdiente Geld zusam= 
men spart, und sich und andern das Leben nicht froh 
macht. Die Hauptsache einer ächten Regierung besteht 
darin, ihrem Volke den Geldverdienst auf alle mögliche 
Art zu erleichtern, damit es mit dem Gelde viel genies= 
sen kan, [sic] alles geniessen, was ihm nicht offenbar schäd= 
lich ist, es mag bestehen, worinnen es wolle, und aus 
Osten oder Westen hergekommen seyn. 
 
 
376 
fortdauern. Der Schuhmacher giebt sein Geld dem 
Bierbrauer und Becker [Bäcker, diese bringen es wieder dem 
Schuhmacher und dem Taglöhner; der Tagelöhner, an= 
statt sich zu behelfen, ist nun im Stande, dem Schu= [sic; Schuh] 
macher mehr Verdienst zu geben, und ihn zu bezah= 
len. Beyde essen nun zu ihrer Stärkung Fleisch. 
Der Metzger, der Becker erhalten die zu ihrer Hand= 
thierung erforderliche Waaren bey den Bauern. So 
siehet es aus, wenn man den sonst aus dem Lande ge= 
gangenen Kaffeaufwand für eine Kaffehaushaltung nur 
auf 36. fl. rechnet. 43) Wie wird es aber aussehen, 
                    wann 
 
43) Was Herr Jung hier von dem Schaden des aus dem 
Lande gehenden Kaffegeldes sagt, gehört nach seinem ei= 
Plane nicht hieher, sondern in den dritten Ab= 
schnitt. Jetzt fragt sichs nur, ob der Kaffeaufwand der 
einzelnen Haushaltung zum Schaden gereicht. Wenn 
der Handwerksmann die 34, 45, 65, oder gar 90 fl., 
die er für Kaffe, Zucker und Milch ausgiebt, auf gutes 
Ochsenfleisch für seine Küche, oder auf gutes Gemüs 
und Butter und Eyer verwendet, diese Waaren mögen 
einheimische oder fremde seyn, so sind sie für ihn aus= 
gegeben, und aus seiner Haushaltung fort. Wenn er 
aber einträgliche Gewerbe treibt, und nicht gehindert 
wird, sie zu vervollkommnen, und damit hin zu handeln, 
wohin er will, und wo er den besten Absatz seiner Waa= 
ren und Arbeiten findet, so erwirbt er alle Jahre diese 
ausgegebene Summe mit Ueberschuß wieder, und kann 
seine Depensen fernerhin bestreiten. Fehlt’s ihm aber 
 
Depens: Ausgabe, Aufwand, Verschwendung. 
 
am Erwerbe, so bleibt er stecken, er mag die bestimmte 
Geldsumme für Kaffe, Zucker und Milch, oder für Och= 
senfleisch, Weizenmehl, Butter, Eyer u. s. w. ausge= 
geben haben. Herr Jung wird gewiß den Rath nicht 
geben wollen, der dich aus seine Grundsätzen folgt, 
daß der beste Zustand eines Ortes und eines Landes sey, 
wenn ein jeder mit den Geniessungen zufrieden ist, die 
er selbst hat, und für andere Geniessungen, die er nicht 
hat, kein Geld ausgiebt? da würden wir bald die Län= 
der zu völligen Einöden und Wüsteneyen machen, die 
zu Paradiesen für die Menschen bestimmt sind. 
 
 
                    377 
wann eine grössere Haushaltung täglich 10 Kr. und 
also jährlich 60 fl. verbraucht, oder wenn solche grosse 
Haushaltungen des Tages zweymal Kaffe trinken, und 
sogar das Gesinde Morgens damit regaliren; hier 
berechne man, wie viel an baarem Gelde aus einem sol= 
chen Haushaltung gehe. Das ist doch eine wahre 
Schwindsucht der Glückseeligkeit eines Hauses, und in 
der Folge des ganzen Landes. Ist es wohl möglich, 
daß es auf die Länge Stand halten könne? 44) 
 
Wenn ein ehrlicher Mann das Geld, welches 
jährlich auf solche Weise unnöthig verschwendet wird, 
zurücklegte, so könnte er jedem Kind bey seiner Aus= 
steuer eine gute Summe mit geben. 45) Laßt uns hier 
 
44) Nein! nicht Schwindsucht der Glückseligkeit der Fa= 
milien und der Länder! Die Glückseligkeit erfordert 
Genuß von allen arten, dazu die Menschen die Or= 
ganen haben. Im Genusse des ihrigen, sie mögen es 
unmittelbar oder mittelbar geniessen wollen, müssen sie 
nicht willkührlich und mit Zwang gestört, sondern weis= 
lich und mit Vaterliebe geleitet werden, Sie sind glück= 
selig, sie mögen essen und trinken, was sie wollen, wenn 
es ihnen gesund ist; so lange sie nur die Mittel er= 
werben können, ihre Geniessungen sich zu verschaffen. 
Da aber fängt sich ihre Unglückseligkeit ab, wo man sie 
im Erwerb oder im Genusse blos nach willkührlichen 
Ideen und mit Zwang einschränkt. 
45) Dieser ehrliche Mann könnte freylich mit dem Gelde 
wenn es er zurücklegte, gar vielerley machen; aber wo= 
zu soll er denn alle Mühe und Sorge, Geld zu erwer= 
ben, die man mit zurückgelegtem Gelde ins Werk se= 
tzen kann, wenn der Genuß des Menschenlebens nicht 
erhöhet wird, oder wenn jeder solcher Gelderwerber nur 
mit den ersten Nothwendigkeiten des Lebens zufrieden 
seyn soll? oder, wenn mans ihnen als eine unnöthi= 
ge Verschwendung verbieten will, mehr als die noth= 
wendigsten Lebensmittel zu geniessen? Wenn ein ehr= 
                    licher 
 
 
378 
auch einmal eine Rechnung anstellen: Gesetzt ein 
Handwerksmann heirathet, und er fängt nun mit sei= 
ner Frau an täglich zweymal Kaffe zu trinken. Nach 
Verlauf eines Jahres haben sie schon 60 Fl. zuviel 
verzehrt, 46) doch da sie Morgens statt des Kaffe et= 
                    was 
 
licher Bürger nur Wasser= und Mehlsuppen, höchstens 
Biersuppen und Käse und Brod essen, und meistens 
Nachbier oder Kofent trinken will, und das Geld, das 
 
Cofent, Kovent, Kofent: Nach-, Halb-, Dünnbier. 
 
für Eyer, Buter, gutes Bier, Fleisch, allerley gute Ge= 
nüsse unnöthiger Weise ausgegeben oder verschwendet 
wird, zurücklegte; und wenn der Bauer diese Waaren 
alle zu Gelde machte, und solches Geld zusammen= 
sparte; so könnte er jedem Kinde bey seiner Aussteuer 
eine gute Summe mitgeben, und hundert tausend an= 
dere grosse Dinge thun. Wenn der Minister nur mit 
einer guten Fleischsuppe, mit einem fetten Stück Och= 
senfleisch und einem guten wohlschmeckenden Gemüse, 
und einem guten Glaß Bier sich begnügte und keinen 
Kaffe, Thee, Zucker, Chokolade und Wein tränke, wenn 
er kein gutes Tuch= oder Zeugkleid trüge, und kein 
Gold und Silber auf seine Kleider setzen liesse, keine 
seidenen Stoffe kaufte u. s. w. sondern alle das Geld, 
welches er jährlich auf solche Weise unnöthig verschwen= 
det, zurücklegte: so könnte er nicht nur jedem Kinde 
bey seiner Austeuer eine gute Summe mitgeben, son= 
dern auch für seine Nachkömmlinge schöne Güter kaufen 
und noch viele nützliche Sachen ausführen. Freylich 
ist das alles wahr, daß man mit dem Gelde viele an= 
dere Sachen machen kann, wenn man es nicht auf 
Geniessungen verwendet. Aber dazu ist das Geld ei= 
gentlich bestimmt. Man soll Geniessungen damit kau= 
fen, um das Leben fröhlich zu machen. Man soll bey 
den Regierungen nur solche Maaßregeln ergreifen, daß 
die Unterthanen immer mehr Geld erwerben, um ihre 
Geniessungen erweitern und vervielfältigen zu kön= 
nen. 
 
45) Warum zuviel verzehrt? Wann ist zuviel verzehrt, 
und wann gerade genug? Der verzehrt nicht zuviel 
                    Geld, 
 
 
                    379 
was haben müssen, so will ich ihnen dafür 15 Gulden 
nachlassen, folglich rechne ich ihnen nur 45 Fl. jährlich 
an. Nach einem Jahr bekommen sie einen Sohn, 
wenn dieser 24 Jahr alt ist, verheurathen sie ihn; 
nun sind die Eltern 25 Jahr verheurathet gewesen, 
und nun haben sie schon für l125 Fl. Kaffe getrun= 
ken, 47) und zwar nur die beyden Eltern allein, die Kinder 
                    habe 
 
Geld, der das ausgiebt für Geniessungen, was er aus= 
geben kann, ohne einer grössern Nothwendigkeit für ihn, 
oder einer höhern Pflicht genüge zu thun. Wer also 
alle Jahr durch sein Gewerbe immer seine nothwendige 
Erfordernisse, und die Gegenstände seiner Wünsche er= 
wirbt, ohne ungerecht zu seyn, der darf immer 60 und 
mehr Gulden in Kaffe, oder Chokolade, oder Wein, oder 
gutes Bier, oder bessern Essen u. s. w. verzehren. 
47) Wenn sie nun alle Tage für 6 oder 9 Kreutzer ein, oder 
1 ½ Pfund Ochsenfleisch, und für 2 Kr. Gemüsse geges= 
sen, und für 3 Kr. Butter und Eyer verbraucht, und 
dabey nur ein Maaß gutes Bier für 4 Kr. getrunken 
hätten, so machte dieß jährlich bey 90 Fl. und in 25 
Jahren auf 2250 Fl. Wenn ich nun fortrechne, wie 
Herr Jung gethan hat, so haben diese zwey Eheleute, 
wenn sie 40 Jahre in der Ehe leben, durch Vermei= 
dung des Fleisch= Gemüsse= Butter= und Eyeressens, 
und des guten Biertrinkens 3600 Fl. erspahrt. Ihren 
Kindern, wenn sie die auch nicht zu diesen Speisen ge= 
wöhnen, sondern sie mit Wasser= und Mehlsuppen, und 
Käse und Brod speisen, werden sie ein Ansehnliches zur 
Aussteuer mitgeben können, gewiß weit mehr als 360 Fl. 
die Herr Jung angesetzt hat. Ich wiederhohle es noch= 
mal: es ist ja nicht nöthig, daß der gemeine Bürger 
eben Gemüsse, Butter und Eyer und Ochsenfleisch isset, 
und alle Tage sein gut Bier trinket. Er kann mit we= 
nigerm sein Leben durchbringen. Der Bauer aber kanns 
auch so machen, und soviel Geld alle Jahr mehr ge= 
winne, wenn er nichts in sein Haus schlachtet, son= 
dern alles verkauft und zu Gelde macht, wenn er von 
                    seiner 
 
 
380 
habe ich noch nicht gerechnet. Nun will ich ihnen 
4 Kinder geben, alle sollen zwey Jahr von einander 
gebohren worden seyn, das älteste Kind wird im 24sten 
Jahr verheyrathet, nach dem sechzehnten will ich ihm nur 
die Hälfte des Kaffeverzehrens zurechnen, und we= 
gen der stärkern Zehrung im 14, 15 und 16ten die 
ersten Lebensjahre mitlaufen lassen. Von da aber bis 
ins 24ste rechne ich das ganze, folglich hat er 16mal 
11. u. 1 Viertel Gulden und 8mal 22 und ½ Gul= 
den darinnen verthan, das macht zusammen 360 Fl. 
folglich da der Vater den ersten Sohn verheyrathe= 
te, hätte er ihm 360 Fl. Aussteuer mitgeben können, 
wenn er keinen Kaffe getrunken hätte, und die Eltern 
selbst hätten schon 1125 Fl. vor sich gebracht. Wenn 
wir nun jedes der 4 Kinder so berechnen, so verhey= 
rathen sie das lezte, nachdem sie 32 Jahr in der Ehe 
gelebt haben, jedem hätten sie 360 Fl. Aussteuer ge= 
ben können, und sie würden nun schon blos durch 
Erspahrung des Kaffe 1140 Fl. übrig haben, und da 
rechne ich die Mitgift der Kinder nicht dazu, die 
zusammen 1140 Fl. beträgt; leben nun die Alten nur 
noch 8 Jahre, in allem 40 Jahre in der Ehe, so 
                    haben 
 
seiner Butterund seinen Eyern nicht selbst einen Theil 
verbraucht, sondern alles in die Stadt verhandelt u. s. w. 
Was können die Leute da ihren Kindern nicht nachlas= 
sen? Kurz! Jedermann kann viel Geld erspahren, und 
seinen Kindern und Erben viel hinterlassen, wenn er 
nur mit den Nothwendigkeiten des Lebens sich befriedi= 
get, und keine Freuden für seine Organe sucht; aber 
wenn man von Seiten der Regierungen dieses Enthal= 
ten von Geniessungen der Freuden erzwingen wollte, 
so würde gewiß das gröste Ressort aller menschlichen 
Thätigkeit für dieses Leben dahin seyn, und wir wür= 
den die Länder zu traurigen Eiöden und Wysteneyen 
umgeschaffen sehen. 
 
 
                    381 
haben sie blos durch Vermeidung des Kaffetrinkens 
1800 fl. erspart. Wo giebt aber ein Handwerksmann 
einem jeden seiner Kinder 360 fl. zur Aussteuer mit? 
Glücklich würden sie seyn, wann ein jedes zu Anfa= 
hung seines Gewerbs nur 200 fl. erhielte. Ge= 
schähe dieses, so hätte der Vater bey jedem Kin= 
de 160 fl. für sich erspart, thut bey allen vier 
Kindern 640 fl. diese zu obigen 140 Fl. gerech= 
net, macht 2080 fl. Warlich! man bedenke das 
einmal, das ist keine übertriebene Rechnung, sie 
ist grundwahr, was dünkt euch ehrliche Bürger? Das 
ist doch wirklich ein rechtschaffener Handwerksmann, 
der seinen Kindern ausserdem von seinen Eltern er= 
erbten, ausserdem durch seinen Fleiß gewonnenen über 
100. Gulden erspartes nachläßt, und das könnt ihr alle, 
Im Original steht „2000. Gulden ersparte“. 
wenn ihr nur das elende Kaffetrinken nachlaßt. Wir 
leben in Zeiten, wo was zu verdienen ist, und wo wir 
alle reich werden können, wenn wir nur Hauszuhal= 
ten wüßten 48); klagt nicht darüber, daß das Geld 
so rar ist, ihr sollt im letzten Abschnitt hören, wo das 
herkommt. 
                    Be= 
 
48) Reichwerden an Gelde, durch Enthaltung von Ge= 
niessungen ist Thorheit, oder gar Laster. Die Men= 
schen müssen reich zu werden suchen, um viel geniessen, 
und sich und andern ein frohes Leben verschaffen zu 
können, nicht um Geld zu haben, und den Geniessun= 
gen zu entsagen. Die Kraft zum Reichthum ist Ein= 
sicht, Fleiß und Gewerbsamkeit, und die Triebfeder 
zur Anstrengung dieser Kraft, ist das Interesse, und 
die Bedingung, ohne welche weder Interesse noch Kraft 
ihre Thätigkeit vollkommen äussern kann, ist Freyheit 
in Erwerbung und Geniessung. Die wahre Haushal= 
tungskunst besteht nicht in Ersparung des Geldes durch 
Enthaltung von Geniessungen, sondern in der Ord= 
nung, in welches alles zusammenstimmt, immer mehr 
zu erwerben und mehr geniessen zu können, ohne die 
Kraft, die Triebfeder, und die Bedingung des Reich= 
thums zu schwächen. 
 
 
382 
Bedenkt nun; wenn ein solcher Mann, wie ich 
ihn oben zum Exempel gestellt habe, noch mit seinem 
Geld ordentlich in seinem Handwerk gehandelt, oder 
es auf Interesse gethan hätte, so hätte ers auf 4000 fl. 
bringen können 49). 
Dieß ist noch lang der ganze Schaden nicht, 
den ein Hausmann vom Kaffetrinken hat, es muß 
auch Geschirr dazu da seyn; man muß einen Kaffe= 
kessel haben, oft auch eine meßingene, kupferne oder 
zinnerne Kaffekanne, nebst einem Milchkänngen: Im 
Anfang behülft man sich, so gut man kann, nach und 
nach muß aber auch die Hausfrau damit prunken, 
sie muß dann anstatt des halben Porzellan, gutes 
ächtes haben, das alles ist nun zerbrechliche Waare. 
Wie oft sieht man bey Bauersleuten, wenn man in 
ihre Stube kommt über die Schäfter, oder in be= 
sondern dazu gemachten Schränken, dies Geschirr der 
Reyhe nach glänzen, ist das aber nicht ein todtes Ka= 
pital, das immer an sich selbst verzehrt? denn so oft 
ein Schälgen zerbricht, muß wieder ein neues da 
seyn 50). 
                    Zum 
 
49) Wenn nun aber die Menschen alle anfangen wollten 
der Regel zu folgen, sich aller Geniessungen der Freu= 
den zu enthalten, um viel Geld zu sammlen und 
aufzuhäufen: Wer würde dann Geldkapitalien aufneh= 
men, um Interessen davon zu bezahlen? Das würde 
wohl ein höchstseltener Fall seyn. 
50) Alles das gilt nicht nur von dem Kaffegschirr der 
Bürger und Bauern, sondern es gilt von dem Kaffege= 
schirr, und von hundert Arten von Geräthschaften und 
andern Kostbarkeiten der meisten Bedienten der Staaten 
noch weit mehr. Was haben nicht diese für todte Ka 
pitalien in ihren Häusern, die wirklich die Masse und 
den Umlauf des Geldes in der Gesellschaft vermindern, 
                    oder 
 
 
                    383 
Zum äussersten Schaden der Haushaltung wird 
auch bey solchen Umständen die Milchnutzung ver= 
dorben, der fette süsse Rahm geht unnütz verlohren, 
man trinkt die süsse Milch mit Thee und Kaffe, wie 
kann man da Butter machen, und eben so wenig 
Käse? und darinnen besteht doch der einzige Nutzen, 
den man neben der Dung von der Viehzucht hat 51). 
Wir wollen auch dieses Verderben näher beleuchten: 
                    Gesetzt 
oder kleiner machen? Mit dem Kaffegeschirr der Bür= 
ger und Bauern ist es selten so. Es sind gemeiniglich 
lauter Geräthschaften, die selbst kein umlaufendes Geld, 
auch keine Materien zum umlaufenden Gelde sind, son= 
dern nur Waaren, die durch das dafür gegebene Geld 
vergütet worden, und also den Geldzirkel unter den 
Menschenunterhalten. Wahr ist es, dem Haushälter 
trägt die Geldausgabe für solche Geräthschaften nichts 
unmittelbar ein. Aber trägt denn das Geld, das man 
für jede andere Geniessung wirklich ausgiebt, für Brod 
sogar, trägt dieses Geld dem, ders ausgiebt, was ein? 
Und doch ist es ihm gut, daß ers ausgiebt. Was man 
ausgiebt, eine nicht schädliche Geniessung dafür zu ha= 
ben, das soll und kann nicht unmittelbar neues Geld 
einbringen; es ist genug, daß es die Triebfeder des 
Menschen erhält oder vergrösert, seinen Fleiß in Erwer= 
bung des Geldes fortzusetzen oder zu erhöhen. 
51) Ist es denn nothwendig, daß jeder Wirth aus seiner 
Milch Butterund Käse mache? Wenn ihm nun die 
Milch nützlicher ist; soll er sie doch nicht verbrauchen? 
Und ist es denn nicht einerley für den Wirth, ob er 8 
bis 10 Maaß Milch selbst in seiner Haushaltung isset 
und trinket; oder ob er sie erst in Butter und Käse 
verwandelt, und nun diese zu seinem eigenen Genuß 
verwendet? Vielmehr ist für den Haushalter offenbar 
vortheilhafter, wenn er das bestimmte Milchquantum 
zum Essen und Trinken verwendet, als wenn er erst 
mit Mühe ein Pfund Butter und ein Paar Käse macht, 
und nun doch von dieser Butter und diesen Käsen lan= 
ge nicht die Nahrung und Sättigung hat, die er von 
8 bis 10 Maaß Milch haben kann. 
 
 
384 
Gesetzt ein Hausmann hält so viel Kühe, daß er ne= 
ben dem Kaffetrinken noch so viel Butter macht, als 
er selber braucht, denn das ist ein Unglück, man spart 
mit dem Kaffe nicht einmal die Butter, sondern ein 
Arbeitsmann muß noch ein Butterbrod dazu haben, 
und beym Nachmittagstrinken, welches ganz unnütz 
ist, wird dies kostbare Fett ganz verschwendet, Mit= 
tags und Abends geht dem ohngeachtet all die But= 
ter drauf, die auch ohne das Kaffetrinken gebraucht 
wird 52). Ein solcher Hausvater also, der dem ohn= 
geachtet mit seiner eigenen Butter auskommt, hätte 
jährlich so viel verkaufen können, als im Kaffetrinken 
verschwendet wird, dieß wird wohl niemand leugnen 
können? Von 9 Maaß Milch hätte doch ein Pfund 
Butter gemacht werden können, die abgerahmte Milch 
nebst der Buttermilch hätte des Morgens anstatt des 
Kaffe Suppen gegeben, wie den Bauersleuten gar 
wohl bekannt ist. Sollten nun nicht alle 14. Tage 
in einer Haushaltung wo Kaffe getrunken wird 9 
Maaß fette Milch drauf gehen? Ich glaube ganz 
gewiß, daß man selten damit auskommt: folglich 
verliert man alle 14 Tage 10 Kreutzer; denn so hoch 
darf ich doch das Pfund Butter rechnen. Will ich 
aber den Werth der Milch anschlagen, so kostet die 
fette Milch in den Städten nie unter 3 Kreutzer, mit= 
hin hätte man aus den 9 Maaß Milch 27 Kreutzer 
lösen können, doch nicht ein jeder kann sie in die Stadt 
tragen, ich bleibe also bey den 40 Kr. stehen, die ab= 
gerahmte saure Milch will ich nicht rechnen, weilen 
der Kaffe ihre Stelle ersetzt, und man verliert also 
jährlich 26 Pfund Butter, oder 4 Fl. 40. Kr. baar 
                    Geld; 
 
52) Daß dies nicht so sey, ist vorher schon gezeigt worden. 
Wärs aber auch, so hat der Mann nun mehrere Ge= 
niessungen seines Lebens, als er sonst hatte. 
 
 
                    385 
Geld; 53) dadurch wird aber auch im ganzen Lande 
der Butter so viel weniger, folglich wird sie auch 
theurer 54). Die übrige Butter, welche also der 
Hausmann verzehrt, vertheuert er sich durch sein 
Kaffetrinken selbst, und was noch das ärgste ist, für 
eben diese Butter gehet das Geld ausser Lands, wo= 
durch der Schaden verdoppelt wird 55). 
 
Endlich macht der Kaffe den Arbeitsmann zärt= 
lich und weichlich, und dieß wirkt in den Haushal= 
tungen, wie ein schleichendes Uebel; das Nachmittags= 
                    trin= 
 
53) Die 26 Pf. Butter kosten dem Wirthe 234 Maaß, 
oder dem Gewichte nach, wenigstens bey 1200 bis 1400 
Pfund Milch. Wenn eine oder mehrere Haushaltun= 
gen täglich 3 bis 4 Pfund Milch in Suppen essen oder 
mit dem Kaffe trinken;; so können sie zuverlässig an 
andern Nahrungsmitteln und Getränken eben soviel 
Pfund ersparen, und diese Ersparung ist offenbar mehr 
werth als die 4 fl. 20 Kr. Geld, die man aus der 
Butter erlöset. 
54) Es muß ein jeder Wirth mit seiner Milch machen 
könne, was er Lust hat. Will er sie als Milch selbst 
verbrauchen oder verkaufen, oder erst Butter und Käse 
daraus machen, das alles muß ihm überlassen bleiben, 
wie ers nach seinem Interesse, und seinen Geniessungs= 
rechten gut findet. Die Butter muß man im Lande 
dadurch zu vermehren suchen, daß immer mehr Milch 
gewonnen werde, als die Landleute in ihren Haushal= 
tungen zu ihren rechtmäßigen Geniessungen selbst auf= 
zehren. 
55) Von dem Ausfluß des Geldes in fremde Lande wird im 
dritten Abschnitte das Nöthige bemerkt werden. Hier 
nur soviel, daß um Butter genug im Lande zu haben, 
die Viehzucht immer vermehrt werden muß, und daß 
es sehr gut seyn kann, jährlich 1400 Pfund Milch im 
Lande selbst aufzuzehren, und dagegen 26 Pf. Butter, das 
Pfund zu 10 Kr. ausser Landes zu kaufen. 
Schlettw. Arch. 5 B.                    B b 
 
 
386 
trinken nimmt ebenfalls Zeit weg, und dadurch ent= 
steht in dem Fleiß und in der Wirksamkeit ein uner= 
setzlicher Schaden, der grösser ist, als man denken 
kann 56). 
Lasset uns dieß alles nun einmal ruhig miteinan= 
der überlegen! – Kann wohl ein vernünftiger Mann 
so thörigt seyn, eine schädliche Mode, wovon er ganz 
und gar keinen Nutzen, aber einen höchstverderblichen  
Schaden hat, länger mitzumachen? Haben wir denn 
doch ein einziges wesentliches Vergnügen vom Kaf= 
fe? – Gewiß ich weis keines. Ihr sagt er schmecke 
gut; ey gewiß nicht so gut, als ein gutes warmes 
Bier mit Honig versüßt, und etwas Gewürz veredelt! 
und dieß stärkt. Laßt euch auch das Bier eben soviel 
kosten, 57) ich habs schon einmal gesagt, das Geld  
                    bleibt 
 
56) Wenn keine Unmäßigkeit im Kaffetrinken begangen 
wird, sondern alle Tage in einer Haushaltung von 4 
Personen nur 1 bis 1 ½ auch 2 Loth Kaffe mit der nö= 
thigen Milch getrunken werden, so hat sich niemand für 
einer schädlichen Weichlichkeit zu fürchten, und die Zeit, 
die man zum Nachmittagstrinken nimmt, ist gerade die, 
welche andere, die keinen Kaffe trinken, zum sogenann= 
ten Halbabendsbrodte verwenden. Der Mann, der diese 
 
Halbabendsbrot: In Mitteldeutschland für Vesperbrot gebraucht. D. i.: Zwischen Mittagessen und eigentlichem Abendbrot genossene Speise. – Siehe Grimm: Deutsches Wörterbuch. 
 
Geniessungen hat, und dadurch Munterkeit und Kräfte 
erlangt, arbeitet nachher destomehr. 
57) Gewiß kostet ein solches gutes warmes Bier in den 
meisten Fällen ebendas, und noch mehr, als der Kaffe. 
Es ist aber hier die Rede nur von den Wirkungen 
solcher Ausgaben in der Haushaltung des Bürgers, 
und diese sind immer die nemlichen, ob man jährlich 
45, oder gar 90 Fl. für Kaff und Milch oder für gu= 
tes gewürztes warmes Bier ausgiebt. In beyden 
Fällen hätte der Mann den ganzen Geldbetrag zurück= 
legen, und seinen Kindern dereinst mitgeben können, 
wenn er sich der Geniessungen ganz enthalten hätte. 
Meine Leser werden das Nöthige schon aus dem vor= 
hergehenden wissen. 
 
 
                    387 
bleibt doch in der Nachbarschaft, und ihr könnts wie= 
der verdienen, aber für Kaffe und Zucker gehts in an= 
dere Länder, so daß ihrs nie wieder bekommt. 
Wollt ihr einwenden, der Wohlstand erfodere es, 
daß man die Mode mitmache; nun so macht dann 
noch eine Weile mit, bis euch die Armuth wie ein 
gewafneter Mann übereilt, und dann ists um den 
Wohlstand geschehen, das heißt ja aus lauter Wohl= 
stand den Wohlstand verjagen. Das ist fein, und 
das steht wohl, wenn ein ehrlicher Mann seine Kin= 
der mit Ehren gesund und groß gezogen hat, und 
ihnen dann ein hübsches Stück Geld zum Anfang mit= 
geben kann. 
Und das verhaßte Weintrinken! – Das Für= 
stenthum Nassau-Siegen ist ein von Gott gesegne= 
tes Land; dieß will ich nur einmal zum Beyspiel se= 
tzen. O möcht ich hier meinen lieben Landsleuten die 
Augen öfnen können! Die mächtige Stahl= und Ei= 
senfabrik, welche dort blühet, könnte das ganze Land 
mit Geld anfüllen, 58) allein die mehresten Einwohner 
kämpfen mit ganzer Macht gegen den Reichthum. 
Die Fabrike ist ganz in den Händen der Landleute, so 
daß ein grosser Theil des Fürstenthums aus fabrizi= 
renden Bauern bestehet. Durch Erbschaftstheilungen 
werden die Güter klein, und eben so der Antheil an 
der Fabrike; diese Mittelleute zwischen Bauern und 
Bürgern gerathen seit einigen Jahren her, in den 
schädlichsten Grad der Ueppigkeit; diese herrliche Fa= 
brike, mithin das Glück des ganzen Landes, geht bin= 
                    B b 2                    nen 
 
58) Es ist wirklich vieles Geld in Siegen vorhanden. 
Der beste Beweis ist, daß man das Geld zu 4 Pro= 
zent und noch geringer in der größten Menge dort ha= 
ben kann. 
 
 
388 
binnen kurzer Zeit ganz gewiß zu Grund, wenn deren 
Genossen sich nicht bald besinnen und umkehren. Es 
ist so weit gekommen, daß viele täglich im Wirthshaus 
liegen und Wein trinken, indessen das Weibgen zu 
Haus ihren fetten Kaffe trinkt, und gar oft trinkt 
der Mann noch oben drein mit, ehe er ins Wirthshaus 
geht, da wird nun die Arbeit versäumt, und das 
Geld verschwendet. Freylich leben nicht alle so, aber 
doch sind die Beyspiele nicht selten. Daher ist nun 
die verderbliche Mode eingerissen, daß ein ehrlicher 
Mann dieser Klasse, der ins Wirthshaus kommt, 
sich schämen muß, etwas anders als Wein zu fo= 
dern. 
Im ganzen Lande wächst kein Wein, er muß 
also in grosser Menge vom Rhein und der Mosel 
verschrieben werden, welche ungeheure Summen Geld 
dadurch unnöthiger Weise aus dem Land gehen, ist 
leicht zu denken 59). Doch davon will ich nun im 
folgenden Abschnitt reden. 
 
 
Dritter Abschnitt. 
Beweis, daß der Kaffe endlich auch für das ganze 
Land ein höchst schädliches Getränke sey? 
Wenn man bey den Landleuten in Deutschland 
herumreiset, und mit ihnen zu reden kommt, so 
                    hört 
 
59) Ob das Glück des Fürstenthums Nassau Siegen, 
durchs Wein= und Kaffetrinken der Eisen= und 
Stahlfabrikanten zu Grunde gehen müsse, oder was 
für Ursachen zur Degradation desselben wirksam sind, 
und noch befürchtet werden müssen, das soll im folgen= 
den Abschnitte, wohin es eigentlich gehört, hinlänglich 
auseinander gesetzt werden. 
  
 
                   389  
hört man überall die bittersten Klagen über Geld= 
mangel. Fragt man sie, woher es komme, daß 
das Geld so rar sey? so ist die gewöhnliche Antwort: 
Alles was man auf= und beybringen kann, muß man 
der Obrigkeit geben 60). Nun freylich, es giebt ley= 
der Herrschaften, welche die Unterthanen bis aufs 
Blut aussaugen, allein deren giebts gottlob! weni= 
ger, als der gemeine Mann glaubt. 
Nein, ihr guten Leute! das ist der allgemeine  
Fehler in Deutschland nicht. Wenigstens gehören 
die Churpfälzische Lande, in welchen ich wohne, und 
die Nassauischen Länder, mein geliebtes Vaterland, 
andere zu geschweigen, nicht unter diese Zahl. Die 
Milde derer höchsten Beherrscher derselben sind ganz 
Europa bekannt. Von diesen will ich aber nicht 
reden. Ich will nur bey denen stehen bleiben über de= 
ren Regenten der Landmann zu seufzen Ursache zu 
haben glaubt. Auch in diesen vertrinket ein grosser 
Theil der Einwohner dreymal mehr in Kaffe, als er 
der Obrigkeit zu geben braucht. 
                    Kann 
 
60) Wegen des Geldmangels geben die Landleute nicht 
einerley Ursachen an. An einem Orte halten sie ihn 
für eine Folge der allzu sehr vervielfältigten Auflagen; 
an dem andern für eine Wirkung des schlechten Absa= 
tzes ihrer Waaren; an dem dritten für einen Effekt 
von dem Mangel verkauflicher Produkte. Wenn 
man aber die Wahrheit sagen soll, so weis man mei= 
stentheils nicht recht, wo man den Grund des immer 
weiter einreissenden Geldmangels suchen soll. Viele, zu 
welchen auch Herr Jung selbst gehört, glauben, daß 
der Verbrauch des Kaffes, Zuckers und Thees eine 
Hauptursach vom Geldmangel in Deutschland sey. Er 
will es in dem Exempel von dem Nassauischen Sie= 
gerlande zeigen. 
 
 
390 
Kann man hier wohl, ohne sich zu ver= 
sündigen der Obrigkeit die Schuld gebe? Ist es 
billig der Obrigkeit die Schuld beymessen, die auf 
euch lieget? Ein Unglück für euch, wenn eure 
Herren, über die ihr euch beschweret, nicht die wah= 
re Quelle eures Verderbens auf= und diese zu ver= 
stopfen suchen. Gute Fürsten, die um das Wohl 
ihrer Unterthanen bekümmert, sind, und ihre Noth 
fühlen, wissen und kennen die Ursache des Verder= 
bens, und sie sind auf Mittel bedacht, ihre Unter= 
thanen bey Vermögen und Brod zu erhalten, und 
sind bekümmert, wenn sie beynahe kein ausgiebiges 
Mittel finden, der Kafferaserey Einhalt zu thun. 
Diesem Unwesen zu steuren haben einige Fürsten ein 
gänzliches Verbot des Kaffetrinkens versucht, allein 
vergeblich. Der grosse und weise Friederich [Friedrich II.] hat 
diesen Gegenstand ebenfalls einer besonderen Auf= 
merksamkeit werth geachtet. Er hat durch ein königl. 
Monopolium und aufgelegten fernern Accis, den 
weisen Endzweck zu erreichen getrachtet; und doch 
wird Kaffe getrunken! 
Soll man Aufseher bestellen, die keinen Kaffe 
ins Land lassen dürfen, so müßte man das ganze Land 
mit Wachen umzingeln, und ein grosser Theil von ich= 
nen würde sich gar gerne bestechen lassen, folglich wür= 
de der Kaffe vor wie nach getrunken werden. 
 
In dieser Erwägung haben andere grosse Fürsten 
andere und mildere Mittel eingeschlagen, welche denen 
Unterthanen zu eigenem Nachdenken Gelegenheit ge= 
ben. So schränkte die Königl. Großbrittanische 
Churbraunschweig=Lüneburgische Verordnung den 
Verkauf des rohen Kaffe auf ein Pfund ein, und ver= 
bietet den Verkauf des gebranntem Kaffe im Kleinen. 
                    In 
 
 
                    391 
In denen fürstl. Hildesheimischen Landen ist der Ver= 
kauf des ungebrannten auf 2 Pfunde, und in dem 
Churcöllnischen Herzogthum auf 50 Pfund einge= 
schränket, der Verkauf des gebrannten aber ebenfalls 
verboten. 
Das beste und wirksamste Mittel wäre: wenn 
der Bürger und Landmann selber so klug würde, und 
dies höchst schädliche Getränke abschafte. Doch ich 
eile zu meinem Zweck, um klar zu zeigen, woher es 
komme, daß das Geld unter denen gemeinen Bürgers= 
und Handwerksleuten in Deutschland so rar ist? Ich 
will das sonst glückliche Siegerland zum Muster 
nehmen, obgleich dieses in Ansehung des baaren Gel= 
des unendliche Vorzüge vor vielen andern hat. 
 
Die Stadt Siegen mag nahezu 1000 Haus= 
haltungen haben, nun thue ich gewiß der Sache nicht 
zu viel, wenn ich jede Haushaltung jährlich für Kaffe= 
Verzehr, Zucker und Milch mit eingerechnet, auf 90 fl. 
anschlage; denn, wenns auch einige arme Häuser giebt, 
oder wo kleine Haushaltungen sind, die weniger ver= 
thun, so giebts ihrer dreymal so viel, die gewiß ein 
weit mehreres verbrauchen. 61) Also 90mal 1000 
macht 90,000 Gulden, die alle Jahr grösten Theils 
aus der Stadt Siegen nach Holland gehen. 
 
Nun rechne ich das Land auch auf 1000 Haus= 
haltungen, die Kaffe trinken, und das ist gewiß nicht 
zu viel, da haben wir abermal 90,000 Gulden; folg= 
                    lich 
 
61) Ich habe schon oben in der 38ten Anmerkung darge= 
than, daß Herr Jung über den Betrag des Kaffever= 
brauchs in den Haushaltungen der Bürger und Bau= 
ren sehr falsch gerechnet habe, und zuverlässig braucht 
auch nicht jede Haushaltung in der Stadt und auf dem Lan= 
de Siegen jährlich 90 fl. dazu. Wenn im Durchschnit= 
te die Hälfte oder der dritte Theil gerechnet wird,, so 
wird es gewiß das höchste seyn. 
 
 
392 
lich schickt das Siegerland blos für Kaffe und Zucker 
in einem Jahr 180,000 Gulden nach Holland. Frey= 
lich bleibt der fünfte Theil davon für Milch im Lande, 
aber diesen können wir füglich für fremde Butter rech= 
nen, welche dagegen von aussen in das Land gebracht 
werden muß, oder für Thee, oder endlich für Zucker, 
der noch ausserdem unnöthiger Weise in den Speisen 
verthan wird. 180,000 Gulden jährlich aus einem 
so mässigen Lande, aus einem Theil der Nassau! das 
ist doch erschrecklich! 62) 
                    Was 
 
62) Wenns auch als wahr angenommen wird, daß jede 
Haushaltung des ganzen Fürstenthums Siegen jährlich 
an Kaffe, Thee und Zucker 90 fl. dem Geldwerth nach 
verbraucht, und daß also von 1000 Haushaltungen 
180 000 fl. gerechnet werden müssen, so ist es doch ein 
sehr irriger Schluß, daß von des Landes baarem Gelde 
jährlich 180,000 fl. nach Holland und Frankreich aus= 
gehen müssten. Gewiß kann das Herr Jung nicht be= 
weisen. Wenn ein grosser, der vielleicht der größte 
Theil dieses Geldbetrages, oder des Kaffe’s, Thee’s und 
Zuckers,. mit Naussau=Siegenschen, oder Dillenbur= 
gischen Produkten und Waaren bezahlt wird, so geht 
doch kein baares Geld aus dem Lande fort. Die Sie= 
genschen Krämer, die mit Kaffe, Zucker und Thee han= 
deln, können von den Siegenschen oder Dillenburgi= 
schen Eisen= und Stahlhändlern Wechselbriefe nach Hol= 
land und über Holland auf französische Plätze kaufen, 
und mit diesem Papier ihren Kaffe, Zucker und Thee 
bezahlen, das baare Geld aber an ihre Mitbürger die 
Eisen= und Stahlhändler entrichten. Auf diese Art 
wird doch die Masse des Geldes, die schon da ist, nicht 
vermindert. Es ist wenigstens keine nothwendige Fol= 
ge, daß das Siegerland durch den Verbrauch des Kaffe, 
Thee und Zuckers von seiner baaren Geldmasse eine 
jährliche Summe von 180 000 fl. verlieren. Aber viel= 
leicht spricht man, auch dieses sey Abnahme des baaren 
Geldes, wenn das Siegerland für seine Produkte und 
Waaren, die es in der Fremde verkauft, kein baares 
                    Geld 
 
 
                    393 
Was meinet ihr wohl ihr lieben Landsleute! 
wenn diese Summe Geld jährlich im Lande bliebe, soll= 
te man über ein paar Jahr noch wohl nöthig haben, 
                    über 
 
Geld ziehe, sondern Kaffe, Thee und Zucker damit ver= 
güte. Allein erstlich redet Herr Jung von dem Falle 
ausdrücklich, daß das Geld immer rarer werden müsste, 
wenn nicht alles, was da wäre, im Lande bliebe; zum 
andern aber ist die Frage, ob das Siegerland so viel 
Eisen= und Stalwaaren für baares Geld an fremde 
Staaten, z. E. nach Mainz und den Rhein weiter hin= 
auf, und nach Holland würde verkaufen können, wenn 
es nicht erst für eine bestimmte Summe Kaffe, Zucker 
und Thee oder Wein von den fremden Staaten einge= 
kauft hätte. Wenn lauter baares Geld für den Kaffe, 
Zucker und Thee oder Wein aus dem Siegerland fort= 
gehen sollte: ist es denn nicht das nemliche Geld, 
das die Ausländer für die Siegensche und Dillenbur= 
gische Produkte und Waaren wieder zurück bezahlen, 
und nicht würden bezahlen können, wenn sie es nicht 
erst für Kaffe, Zucker, Thee und Wein eingenommen 
hätten? Wer kann das wohl darthun, daß das Fürs= 
tenthum Siegen, wenn es nicht alle Jahr für Kaffe, 
Zucker und Thee die Summe von 180,000 fl. wegschickt, 
für seine Produkte und Waaren von den Ausländern 
180,000 fl. baares Geld wieder einnehmen würde. In 
der ganzen Regierungskunst ist es eine der ersten Fun= 
damentalwahrheiten; der Umsatz ist das Band der Ge= 
sellschaft. Es ist nicht die Masse der Produkte oder 
des Geldes, welche einen Staat reich und glücklich macht, 
sondern alles Glück hängt von dem Umsatze der Pro= 
dukte unter sich und gegen das Geld ab. Wenn ein 
Land viel Geld durch den Umlauf oder Handel haben 
will, so muß es auch selbsten andern Staaten das Geld 
im Umlauf nicht vorenthalten. Das nemliche Geld 
muß Vergütungsmittel der Waaren des einen und des 
andern Landes seyn, wenn nicht der Gang des Glücks 
gehemmet werden soll. Wenn also auch das Sieger= 
land alle Jahre wirklich 180,000 fl. baares Geld für 
Kaffe, Zucker und Thee n ach Holland schickte, so würde 
                    die= 
 
 
                    394 
über Geldmangel zu klagen? 63) Gewiß nicht! Nun 
laßt uns weiter gehen. Bis daher ist im ganzen Sie= 
                    ger= 
 
diese Geldsumme doch nicht ohne Rückkehr aus dem 
Lande gehen. Ganz gewiß kommt sie alle Jahre für 
inländische Eisen= und Stahlwaaren &. wieder ins Land 
zurück. 
63) Ja, ganz gewiß! denn wenn die bestimmte Summe 
itzt wirklich für Kaffe, Zucker und Thee fortgeht, und 
nun im Lande zurückbliebe, so würde sie bey andern 
fremden Völkern, z. E. bey den Holländern &. den Zir= 
kel im Handel nicht machen, den sie itzt macht. Wenn 
die Summe nur 10mal umgekehrt wird, so wäre jähr= 
lich der Betrag von 1,800,000 fl. Um so viel Werth 
geht also der fremden Völker Handel zurück. Sie snd 
als warlich nicht mehr im Stande, den Siegenschen 
Handelsleuten ihre Eisen= und Stahlprodukte und Waa= 
ren mit baarem Gelde abzukaufen, wie’s bisher gescha= 
he; denn wie’s uns geht, so geht’s andern, und wie’s an= 
dern geht so geht’s uns. Wir fühlen Ohnmacht, wenn 
anderer Staaten uns kein Geld zufliessen lassen, wir kön= 
nen ihnen in diesem Falle nicht mehr so viele Waaren 
abkaufen. So ists auch andern Staaten. Wenn wir 
ihnen das Geld nicht mehr zufliessen lassen, das sie bis= 
her von uns bekamen, so fühlen auch sie diese Schwä= 
chund ihrer Einnahmen, und können nun uns unsere 
Waaren nicht mehr wie vorhin abkaufen. Eben dar= 
aus entsteht der grosse Geldmangel, wenn der Umsatz 
oder Umlauf gehemmet wird. Des Prinzen von Ora= 
nien Hochfürstl. Durchlaucht wissen ganz zuverlässig aus 
Höchstdero eigenen Erfahrungen in Holland, daß je 
freyer der Aus= und Einfluß des Goldes und Silbers, 
oder des Geldes für Waaren aller Arten ist, desto mehr 
Geld in einem Staate sey, und desto weniger der Geld= 
mangel befürchtet werden dürfe. Holland hat unsägli= 
ches Geld, und einen erstaunlich weiten Geldzirkel, es 
lässt aber seine Dukaten, seine Albertusthaler, seine Lö= 
 
Albertus-, Kreuz-, Kronen-, Brabantertaler: nach Erzherzog Albert 1598; 9 ¼ auf die Mark; Mark = ½ Pfund, 24 Karat, 16 Lot Silber. 
 
wenthaler u. s. w. in den größten Summen für aller= 
 
Löwentaler: Silbermünze für den Handel mit der Levante; 42 Stüber kurant; "Ein geharnischter Mann in ganzer oder halber Figur hält den Wappenschild mit dem gekrönten Löwen vor sich; Rückseite mit aufrechtem Löwen in gekröntem Schilde." 
 
ley Waaren in alle femde Staaten ausfliessen. Wenn 
man Holland auch aus dem gemeinen Prinzipio, das Herr 
                    Jung 
 
 
                    395 
gerland keine einzige Tabackspflanze gebaut worden, 
und doch rauchte oder schnupfte fast ein jeder. Das 
läßt sich an den Fingern zählen, daß das Siegerland 
jährlich mehr als 20,000 fl. dafür ausser Land schickt, 
dieses zu obiger Kaffesumme gerechnet, macht 200,000 
fl. 64) Für den Wein rechne ich auch nur 25,000 fl. 
                    Ich 
 
Jung hier beybehält, kein baares Geld in fremde Staaten 
mehr schicken, und auch alle fremde entbehrliche Waaren nicht 
mehr kommen lassen wollte: würden andere Staaten, 
und selbst die Nassauischen, so viel baares Geld im Zir= 
kel haben können, als itzt, und würden die Holländer 
von andern Staaten so viel wieder bekommen, als itzt; 
würde also der Handel und die Gewerbsamkeit und die 
Produktion noch so fortgehen können, wie itzt, oder gar 
grösser werden können? 
64) Das war wahrhaftig bisher ein wahres Glück für 
die Nassau=Dillenburgischen und auch die nun dazu 
gehörigen Siegenschen Lande, daß keine Tabackspflan= 
ze darinnen gebauet wurde. Diese Kultur ist eine der 
schädlichsten und kostbarsten. Sie fodert die beste Zu= 
bereitung des Landes, sehr vielen guten Dünger, und 
ausserordentlich viele Arbeiten, in Ansehung der Tabacks= 
pflanze selbst; und was giebt sie dann? Sie füllt den 
besten Boden, der die schönsten Getränke, Gemüse und 
Futterarten, die fruchtbarsten Bäume aller Gattun= 
gen, die einträglichsten Fabriken=Gewächse, Flachs, 
Hanf u. s. w. mit wenigerm Aufwande zum Glück einer 
grössern Menge Menschen hervorbringen würde, mit ei= 
nem Gewächse an, das weder zur Ernährung, noch zur 
Kleidung, noch zu andern Bedürfnissen der Menschen 
das Geringste beyträgt, sondern nur als Dampf in die 
Luft geblasen, und als Staub zum Reiz, und meistens 
nur, um galant zu scheinen, in die Nase gezogen wird, 
und den nützlichen Menschenklassen die Nahrung und Er= 
haltung beschwerlicher und theurer macht. Ein Land= 
wirth kann mit dem nemlichen Aufwande, mit welchem 
er einen Morgen Taback bauet, einen grössern Werth 
an Getraide, Kopfkraut, Flachs, Hanf und Oelgewäch= 
sen und andern Produkten auf den gleichen Morgen 
                    bauen 
 
Ich könnte gewiß noch einmal so viel nehmen, folglich 
haben wir schon 225,000 fl. die blos für nichts aus 
lauter Verschwendung 65) alle Jahre fortgehen, sollte 
                    das 
 
bauen, kann also, wenn er nicht ohne Taback seyn kann 
oder will, gerade so viel Taback aus andern Ländern 
kaufen, und sich noch einen Ueberschuß an den desagten [sic; besagten] 
Gewächsen erziehen. Hat also die Nassau Düngung, 
um einen Theil der Felder zum Taback zu bestimmen, 
so baue sie lieber die guten Getraide= und Gemüsarten, 
odere Flachs, oder Hanf, und schaffe sich dadurch die noth= 
wendigen Nahrungs= und Unterhaltsmittel, davon sie 
alle Jahre eine so grosse Quantität mit mancherley Ri= 
siko aus fremden Orten kommen lassen. Es ist un= 
endlich besser, daß sie diese nothwendigen, und für das 
Glück der Menschen diensame Produkte gewiß, und mit 
mehrerer Sicherheit hat, und den Taback, den sie brau= 
chen will, kommen lässt, als daß sie diese wesentliche 
Ordnung umkehrt. 
65) Kaffe und Wein sollte Herr Jung nicht mit dem Ta= 
back in eine Klasse als Verschwendung setzen. Kaffe und 
Wein geben den Menschen Nahrung und Stärke, Ta= 
back aber ganz und gar nicht. Und wer wird Kaffe= 
und Weintrinken so geradehin Verschwendung nen= 
nen? Auf die nemliche Weise würde alles Verschwen= 
dung seyn müssen, was der Mensch als Geniessung, 
aber nicht zu seinen Nothwendigkeiten braucht. Die 
Nassau, welche nicht Kaffe und Wein trinken soll, weil 
sie es nicht zu ihrer Nothdurft braucht, wird auch keine 
gute Gemüser, kein Waizenbrod, keine Braten essen 
dürfen, weil auch diese nicht zu den Nothwendigkeiten 
gerechnet werden können? Sollte man den Kaffe und 
Wein darum für eine Verschwendung in der Nassau an= 
sehen, weil sie beyde ausländische Produkte sind; so ists 
immer die unrichtigste und verderblichste Idee, die man 
zum Grunde legt. Verschwendung ist Unmässigkeit in 
den Ausgaben, wodurch die Wiedereinnahe zur Fort= 
setzung der Geniessungen gehemmet, oder unmöglich ge= 
macht werden. Ein Land, das noch so viele fremde Produkte 
verzehrt, verschwendet doch nicht, wenn es durch seine 
                    Art 
 
 
                    397 
das wohl lange dauren können? Nun man denke: 
wenn ein so kleines Land, das nicht den dritten Theil 
aller Fürstl. Nassauischen Reichslande ausmacht, alle 
Jahre 225000 fl. ja ich will nur 150,000. fl. sagen, 
von einem weit überwiegenden Gewinst, dadurch er= 
sparet, wenn es den Kaffe und Wein abschaffet, 
und sich seinen Taback selber bauet; sollte da noch 
wohl Geldmangel seyn? Dieß Geld würde im Lande 
bleiben, und unter den Unterthanen zirkuliren, 66) 
alle Jahr würde diese zirkulirende Geldmasse um so viel 
vermehrt, 67) mithin das Land in kurzen Jahren un= 
                    er= 
 
Arbeiten und Gewerbe die nöthigen Mittel zur Fort= 
setzung und Vermehrung seiner Geniessungen immer wie= 
der erwirbt und vervielfältiget. 
66) Ich habe bereits hierauf geantwortet. Wenn die Nas= 
sau den Kaffe und Wein abschaft, so giebt sie nicht so 
viel Geldeswerth aus, als bisher; aber sie nimmt auch 
nicht mehr so viel Geldeswerth wieder ein. – S. die 
62te und 63te Anmerkung. 
67) Wo soll diese alljährliche Vermehrung herkommen? 
Wenn die Nassau in [sic] Jahre 1783 anfienge, den Kaffe 
und Wein ganz abzuschaffen, und sie hätte bisher dafür 
an baarem Gelde 150,00 fl. ausgegeben, so würde 
sie in solchem Jahre nicht mehr die 150,000 fl. ausge= 
ben. Im Jahr 1784 wird wieder kein Kaffe getrun= 
ken; da werden also wieder keine 150 000 fl ausgege= 
ben. Aber die Vermehrung des wirklichen Geldes ist 
nicht Folge von dem blosen Nicht-Ausgeben. Das 
Nicht-Ausgeben kann die Ursache seyn, daß man nicht 
einmal 150,000 fl. hat, und nicht haben kann. Die 
Nassau wird deswegen nicht 150,000 fl. mehr haben, 
weil sie solche nicht für Kaffe und Wein in fremde Län= 
der ausgiebt. Denn gerade aus der Ursache können nun 
die fremden Länder veranlasset, gereizet, und gar genö= 
thigt werden, nicht mehr die 150,000 fl. in die sie bisher 
alle Jahr in die Nassau für Eisen, Stahl und Kupfer 
schickten, der Nassau zuzuwenden. Es ist also noch 
                    nicht 
 
 
398 
ermeßlich reich werden. Gehet noch weiter, rech= 
net die Ersparniß und den Vortheil des ganzen 
Nassau. 
 
Ein jedes Land hat seine Handlungsbilanz, das 
ist: ein jedes Land schickt jährlich eine gewisse Menge 
Waaren ausser Land, und bekommt Geld dafür, dies 
ist die Landeseinnahme, und alles Geld, welches im 
Land zirkulirt, rührt daher, wenn der Fürst nicht 
selber münzt. 68) Ferner: alle ausländische Waaren, 
                    die 
 
nicht so klar, daß die Nassau, wenn sie keinen Kaffe 
und Weinmehr trinkt, so viel baares Geld mehr ha= 
ben, und behalten wird, als diese Geniessungen betra= 
gen. – Und gesetzt, die 150,000 fl. blieben wirklich 
baar in der Nassau, wie soll daraus mehr Geld wer= 
den? doch gewiß nur durch den Handel mit fremden 
Staaten? Wenn aber nun diese fremde Staaten ihre 
Produkte, ihren Kaffe und Wein nicht in der vorigen 
Menge verkaufen können, so können sie zuverlässig nicht 
mehr so viel Geld durch den Handel in fremde Länder 
schicken. Die Nassau kann sich also auch keine Hofnung 
machen, von Ausländern mehr baares Geld zu er= 
halten. 
68) Es thut mir leid, daß auch Herr Professor Jung hier 
die theils unbestimmte und schwankende, theils unrich= 
tige Begriffe gebraucht hat, die so häufig gänge und 
gebe sind. Landeseinnahme überhaupt ist die ganze 
Masse von Produkten aller Arten, welche das Lans 
jährlich empfängt. Alle Materialien und Geniessungen 
aus allen 3 Naturreichen, und also auch Gold und Sil= 
ber, als die Materien des Geldes, sind mit darunter 
begriffen. Diese Landeseinnahme kommt theils aus den 
eigenen Grundstücken des Landes her, theils aber auch 
aus fremden Ländern. Die grossen Kupfer= Eisen= 
und Stahlquants, die in den Dillenburgischen und Sie= 
 
Stahlquant = Stahlquantität: Stahl-Menge. 
 
gischen alle Jahre nun aus den Bergwerken hervorge= 
zogen werden, sind eine wahre Landeseinnahme, und 
alle das Holz, als Kohlen, die Getraidemenge u. s. w. 
                    wel= 
 
 
                    399 
die man im Lande braucht, werden an die Ausländer 
bezahlt, und das ist die Landesausgabe. 69) Nun ist 
                    klar 
 
welche die gesamte Nassau alle Jahr aus ihren Wal= 
dungen und Getraidefeldern erndet, gehören alle zur 
wahren Landeseinnahme. Wenn aber auch in das 
Land jährlich so oder so viel hundert, oder tausend Cent= 
ner fremdes Getraide, fremdes Eisen, fremdes Gold 
und Silber eingeführt wird, so ist auch dies eine wirk= 
liche Landeseinnahme. Wie man aber in den Kame= 
ralrechnungen Natural= und Geldeinnahme unterschei= 
det, so ist es auch im Grossen bey den Landeseinnah= 
men. Es giebt die Natural= und Geldeinnahme. 
Folglich ist es nicht genau gedacht, wenn man unter der 
Landeseinnahme nur das Geld versteht, welches ein 
Staat für seine Waaren aus fremden Staaten jährlich 
bezieht. Dieses Geld ist nur eine Art von Landesein= 
nahme. Denn auch das ist Landeseinnahme, wenn ein 
Staat mit seinen Arbeiten von den Ausländern nicht 
Geld, sondern Getraide und andere Naturalien er= 
kauft. – Alles baare Geld, welches in einem Lande 
zirkulirt, wird entweder von dem Staate selbst gemün= 
zet, oder hat ein fremdes Gepräge. Dieses letzte kommt 
nur von aussen in das Land, und kann theils durch den 
Handel, theils durch Subsidien, theils durch Fremde, 
 
Subsidien: Hilfsgelder. 
 
z. E. Reisende und Gesande in den Staat gebracht wer= 
den. Das erste aber, das der Regent selbst prägen lässt, 
kommt entweder dem Gold und Silber nach aus den 
Landesbergwerken, oder es kommt als rohes, ausländi= 
sches Gold und Silber, oder als fremdes gemünztes 
Geld in den Staat, und wird in diesem Falle von dem 
Fürsten nur umgemünzet. 
69) Die Landesausgabe heißt überhaupt die ganze 
Masse von Produkten aller Arten, welche ein Land jähr= 
lich ausgiebt. Auch hier sind beydes Naturalien, Gold 
und Silber und baares Geld zu verstehen. Nicht allein 
das Geld, das ein Land einem andern zufliessen lässt, 
ist Landesausgabe, sondern auch alle die rohen Metalle, 
edle und unedle, alle Getraidearten, alles Holz, alle 
Weine, alle Fabrikaten, die das Land in fremde Staaten 
schickt, sind Ausgaben des Landes. 
 
 
400 
klar, wenn die Landesausgabe grösser ist, als die Lan= 
deseinnahme, so muß das Geld immer rarer und das 
Land endlich bettelarm werden. Nimmt aber das 
Land mehr ein, als es ausgiebt, so wird es immer 
reicher. 70) 
 
Das heißt man nun die Handelsbilanz eines 
Landes, wenn man die Einnahme und die Ausgabe 
mit einander vergleicht, und darauf beruht das grosse 
Kunststück der Regierung: daß sie den Ackerbau, die 
Handwerker, und die Handlung so zu regieren verste= 
he, daß immer der Gewinn der Handlungsbilanz auf 
Seiten ihres Landes, das ist: die Einnahme grösser 
als die Ausgabe sey 71). 
                    Zu 
 
70 und 71) Der wahre letzte Zweck in der grossen Wirth= 
schaft eines Landes besteht in der größtmöglichen 
Menge glücklicher Menschen. Je mehr Mittel in 
dem Lande sind, das glückliche Menschenleben zu verviel= 
fältigen; desto vollkommener ist die Wirthschaft des 
Landes; aber jemehr diese Mittel sich vermindern, 
desto unvollkommener ist die Wirthschaft des Landes. 
Wenn nun ein Staat seine Abgaben so besorgt, daß da 
durch die Einnahmen der Mittel zur Vervielfältigung 
des glücklichen Menschenlebens immer mehr wachsen, so 
wirthschaftet er gut; wenn er aber seine Ausgaben  
nicht auf diese Weise macht, sondern durch die Mit= 
tel zur Vervielfältigung eines glücklichen Menschenlebens 
vermindert, so wirthschaftet er offenbar schlecht. Es 
kommt ganz und gar nicht auf Einnahme und Aus= 
gabe des baaren Geldes an, wenn man von der Rea= 
lität der grossen Haushaltung der Länder urtheilen 
will, sondern alles beruht auf den Einnahmen und 
Ausgaben der Mittel, die zur Erhaltung und Ver= 
vielfältigung glücklicher Menschen dienen. Ein Staat 
A, der zehnmal mehr Geld hat, als der Staat B, 
ist doch offenbar glücklicher als der letzte, wenn er alle 
Jahr mehr Produkte und Waaren ziehet, durch wel= 
                    che 
 
 
                    401 
Zu dem Ende sucht ein weiser Regent den Acker= 
bau, durch Einführung des Kleebaues und der Stall= 
                    für= 
 
che er die Anzahl glücklicher Unterthanen vermehrt, 
der letztere hingegen, bey seinem mehreren Gelde, doch 
die Produkte zum glücklichen Leben mehrerer Menschen 
bey sich vermindert haben muß. Ich will bestimmt re= 
den. Wenn die Nassau=Oranischen deutschen Lande, 
nemlich Dillenburg, Siegen, Dietz und Hadamer, die 
jezt ohngefähr 75 bis 80,000 Menschen haben, die meh= 
rere hundert tausend Thaler, die sie alljährlich für ihr 
Kupfer, Eisen und Stahl aus fremden Landen zu zie= 
hen haben, nichtin Gold und Silber oder Golde, 
sondern in Lebenserfordernissen und andern Geniessun= 
gen von der Art empfangen, so können diese Länder 
noch 10, 15, 20 und mehrere tausend glückliche Men= 
schen ernähren, die im Stande sind, theils die Kultur, 
theils aber auch die Fabrikenarbeiten zu vermehren, und 
dadurch noch mehrere Hülfsmittel zur Vergrösserung 
der Volkszahl zu erwerben. Wenn sie aber die meh= 
re 100,000 Thaler in baarem Gelde beziehen und 
das Geld zusammensammlen, so haben sie zwar eine 
grössere Geldmasse, aber eine kleiner Anzahl glückli= 
chen Volkes. Welches ist nun besser? Im Handel 
gewinnt nicht dasjenige Land, welches das meiste Geld 
empfängt, sondern dasjenige, welches die meisten Hülfs= 
mittel zur Vergrösserung einer glücklichen Menschen= 
zahl erhält. 
 
Es ist wahr, wenn ein Staat mehr Geld einnimmt, als 
ausgiebt, so wird er immer reicher, aber nur am Gelde, 
noch nicht deswegen an Produkten und andern Geniessun= 
gen zur Beglückseligung des Menschenlebens, und also 
auch noch lange nicht an glücklichen Volke. Wenn 
hingegen ein staat mehrere Lebenserfordernisse einzu= 
nehmen hat, als er ausgiebt, so kann er unmittelbar 
dadurch eine grössere und glücklichere Volksmenge 
unterhalten, und wird sie ganz gewis haben, wenn er 
die Geniessungsrechte derselben nur nicht einschränkt. 
 
Ferner ist es schlechterdings unmöglich, daß ein Staat 
mehr baares Geld im Ganzen ausgiebt, als er wirklich 
Schlettw. Arch. 5. B.                    C c                    baar 
 
 
402 
fütterung zu verbessern, damit man destomehr Frucht, 
Tabak und andere Geldkostende Gewächse im Lande 
selber erziehen könne. Aus eben diesen und andern 
Rücksichten ist er bedacht, die Viehzucht zu vermehren 
                    und 
 
baar hat. Wenn er alle Jahr eine Million Thaler 
baar ausgeben soll, so muß er gewis alle Jahre diese 
Million baar haben, und also dieselbe entweder aus 
sich selbst oder aus fremden Ländern einnehmen. Das 
ist also ein wirklicher Widerspruch, daß ein Staat, der 
keine eigene Gold= und Silberbergwerke hat, an alle 
andere Staaten zusammengenommen, alljährlich mehr 
baares Geld ausgeben soll, als er wirklich von denselben 
baar eingenommen hat. 
 
Es ist gewiß das abgeschmackteste System unter der Son= 
ne: daß ein jeder Staat suchen soll, blos durch den 
Handel über andere Staaten die Geldbilanz zu ge= 
winnen, oder mehr baares Geld einzunehmen als 
auszugeben. Denn ein Staat, der kein Gold und Sil= 
ber aus seinen Bergen zieht, kann gerade nur soviel 
baar an andere geben, als er von andern baar em= 
pfängt. Also kann von allen diesen Staaten, die keine 
Gold= und Silberbergwerke haben, kein einziger mehr 
ausgeben, als er von den andern empfängt, oder welches 
eins ist: keiner empfängt weniger von dem andern, 
als er an sie ausgiebt, das ist; keiner unter ihnen 
kann an die andern die Handlungsbilanz verlieren, 
und also kann sie auch keiner an den andern gewin= 
nen. Daher ist die Gewinnung der Handlungsbilanz 
im Ganzen, die größte Chimäre. Das geht nur an, 
daß der Staat, welcher alle Jahr aus den Eingewei= 
den seines Gebieths eine gewisse Anzahl von so oder 
soviel Millionen Mark an beyden edlen Metallen ein= 
nimmt, mehr von diesen Metallen an die übrigen Staa= 
ten ausgebe, als er von ihnen empfängt. Allein da 
die Bergwerke ihm alle Jahre gerade soviel wieder ge= 
ben, als er an andere Staaten mehr ausgiebt, so ist 
auch im Grunde zwischen ihm und den übrigen Staa= 
ten in Absicht auf das baare Geld keine Gewin= 
nung der Handlungsbilanz möglich. 
 
 
                    493 
und zu verbessern. Daher kommts, daß man so sorg= 
fältig bemüht ist, Bier und Brandweinbrennereyen, 
auch andere Fabriken in den Ländern zu errichten, 
die Handwerke und Künste zu befördern und zu ver= 
bessern, damit man, soviel möglich, selber bereite was 
man braucht, ohne es aus der Fremde kommen zu 
lassen, 72) und eben darum ist es auch des Bürgers 
und Landmanns Pflicht, der Obrigkeit gern zu gehor= 
chen, wenn sie Verordnungen macht. Sehr selten 
seht ihr guten Leute den Nutzen ein, den solche Ver= 
ordnungen haben, und dann murret ihr dagegen, ge= 
rad so machen es auch eure Kinder, wenn ihr ihnen 
ihren Willen nicht thut. 
                    C c 2                    Seht 
 
72) Eine weise Regierung sucht alle diese innern Verbesse= 
rungen in ihren Landen, aber nicht wie Herr Jung will, 
um die Geldausgaben an fremde Staaten zu ersparen, 
und um von allen andern Staaten immer unabhängi= 
ger zu werden, sondern um immer mehr Materialien 
und Produkte, zur Vervielfältigung glücklicher Menschen 
zu gewinnen, ihnen immer mehr Arbeitenund Gewerbe 
zu schafffen, und nach dem Plan des unendlichen Gesetz= 
gebers, durch Tausch und Umsatz, der das Band der 
Gesellschaft ist, Glück von andern Staaten zu ziehen, 
und Glück an sie mitzutheilen. Sobald ein Staat zum 
Prinzipio annimmt, nichts mehr von andern zu kaufen, 
um das Geld bey sic zu behalten; so schätzt er nicht 
nur das Geld offenbar höher, als Geniessungen für die 
Menschen, und kehrt also die festgesetzte Ordnung der 
Natur ganz um, sondern macht auch eben dadurch an= 
dere Staaten unvermögender, wiederum seine Produkte 
und Arbeiten einzukaufen. Da wird also die wechselsei= 
tige Nachfrage nach Produkten und arbeiten, und die 
Konkurrenz der Käufer der Produkte und übrigen Waa= 
ren verringert, und mithin die Triebfeder der nützlichen 
Emsigkeit in den Kultur= Fabrikations= und Handelsge= 
schäften geschwächt, und die schönste Völkerverbindung, 
die durch reziproke Bedürfnisse und Hülfsleistungen 
geknüpft und unterhalten werden muß, zum Unglück 
aller Staaten immer mehr verhindert. 
 
 
                    404 
Seht! da habe ich euch die drey versprochenen 
Beweise geliefert, sie sind wahr und richtig, bedenkt 
nun auch, daß es eine schwere Sünde sey, blos 
aus verwegener Wollust seine eigene Haushaltung 
und ein ganzes Land zu Grunde zu richten, und kein 
Kaffetrinker kanns läugnen, daß er nicht alle diese drey 
Stücke thut 73). Geht einmal mit tapferm Muth 
gegen diese gräuliche Gewohnheit an, und wenn ihr 
sie überwunden habt, so werdet ihr finden, daß Got= 
tes Seegen über euch und eure Kinder walten, und 
daß Flor und Wohlergehen sich über das ganze Land 
ausbreiten wird 74). 
 
73) Nein! Herr Jung hat keinen von seinen drey Sä= 
zen überzeugend dargethan, wie meine bisherige An= 
merkungen zur Genüge zeigen können. 
74) Die hier den Nassauischen Landen geschehene Zusiche= 
rung des göttlichen Seegens, wenn sie keinen Kaffe 
mehr trinken würden, ist wahrhaftig ganz ohne Grund. 
Da kommt gewis der göttliche Seegen nicht, wo man 
Gottes Stiftung und Ordnung zuwider, die Rechte der 
Menschen, für ihren Verdienst oder für ihr Geld sich 
ein froheres Leben zu verschaffen, Zwangsweise einschrän= 
ket, den Gold= und Silberklumpen für etwas grösseres an= 
sieht. als ungehinderten Genuß der Gaben der Natur, 
und das grosse Bruderband unter den Staaten zer= 
reißt, das Gott selbst durch die Gleichheit der Wün= 
sche und Bedürfnisse aller Erdbewohner durch die 
Ungleichheit der Produktionskräfte der Länder und 
der Menschen, und durch die hergestellten vielfachen 
grössern und kleinern Kommunikationswege geknüpft 
hat. 
-- 
 
 
                                        405 
XVI. 
Neue Kaffeverordnung 
im Nassau=Dillenburgische, 
vom 19ten May 1782. 
-- 
Von Gottes Gnaden Wilhelm Prinz von Oranien, 
[...]  
Das Nachwort Schlettweins S. 214 gibt an, dass diese Verordnung einer Kurhannöverischen Verordnung vom 24. Oktober 1780 entspricht. Schlettwein empfiehlt, diese Verordnung mit seinen Vorschlägen in Bd. 2 und Jung-Stillings Aufsatz sowie seinen Bemerkungen dazu zu vergleichen. – Hauptproblem: Wie will man die Verordnung überwachen?