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Auf den 1818-05-22 datiert Fouqué sein Nachruf-Gedicht „An Max v. Schenkendorf.“ Dieser hatte ihm 1814 das Gedicht "Auf der Wanderung in Worms" gewidmet.

 

Seine Bemühungen um eine neue Ausgabe der Gedichte Max von Schenkendorfs finden sich hier dargestellt.

 

Aber schon vor diesen Bemühungen erinnert er sich an den Ostpreußen in seinem Reisebericht 1823:

„Reise=Erinnerungen von Friedrich de la Motte Fouqué und Caroline de la Motte Fouqué, geb. von Briest. – Zweiter Theil. – Dresden, 1823, in der Arnoldischen Buchhandlung.“

„Reise=Erinnerungen von Friedrich de la Motte Fouqué und Caroline de la Motte Fouqué, geb. von Briest. – Zwei Theile. – Dresden, 1823, in der Arnoldischen Buchhandlung.“ – Darin: Perlen; Familie Blüher; S. 107-268: „Proben aus den Reiseerinnerungen“ von Caroline mit Gedichten von Friedrich.

Ohne Nennung von Max von Schenkendorf in:

[NN nach Wenzel Bolemir Nebesky (1818-1882) in Časopis Českého Museum 1852/53]: VII. Die Uebersetzer der Königinhofer Handschrift (Schluss.) – In: Jahrbücher für slavische Literatur, Kunst und Wissenschaft; Red.: J. E. Schmaler, Jg. 1854, NF Bd. 2, Bautzen: Schmaler 1854, H. 1, S. 53-57, bes. S. 55-56; S. 55: „Fouqué, schwärmte mit absonderlichen romantischen Enthusiasmus für die Königinhofer Handschrift“; S. 56 Anm. * zu Liedespfeils, nach Pindars Liebespfeilen.

Legis-Glückselig, [August Anton (1806-1867)]: Wenceslaw Hanka, ein Beitrag zur Geschichte der Cultur und National-Literatur Böhmens und der Slawen überhaupt. – In: Libussa. Jahrbuch für 1852, hrsgg. v. Paul Aloys Klar, 11. Jg., Prag [1851], S. 285-369; mit Porträt. – Hanka geb. Horiniewes 10.06.1791, gest. Prag 12.01.1861. – Fouqué widmete ihm und dessen Übersetzer Wenzel Aloys Swoboda (geb. Nawarow 8.12.1791, gest. Prag 8.01.1849) im Jahr 1820 die „Lieder in böhmischen Maaßen“, die hier S. 311-314 nachgedruckt werden.

Vaclav Nebeskeho: Kralodvorsky Rukopis. – In: Časopis Českého Museum 1853. Red.: Vaclav Nebesky, Bd. 27. S. 116-167; S. 165-167 zu Fouqué; S. 166: Klangreich Böhmenland!

Fouqué zitiert „Die Preußen an der kaiserlichen Grenze, August 1813.“

TEXT:

FOUQUE: Reise Bd 2, S. 121, 132-135. - Die Texte VI, VII und VII [im Original verdruckt zu VII !]. - Hier S. 121 und 133 f. mit VII bis!

  1. 121-134:

Prag.

-

Lieder in böhmischen Maaßen, an die

Herren Professoren Wenzel Hanka und

Wenzel Swoboda von Nawarow.

-

Von

  1. L. M. Fouqué.

[S. 123:]

D’ran Schwerin verblutet war, - wo Scharnhorst

Hat verhaucht sein Leben,

Edles Opfer eines heil’gen Bundes!

 

[S. 133:]

 

VII.

Stammelnd in den Liedesweisen

Räthselhafter Böhmensprache,

 

[S. 134:]

 

Sang ich diese Lieder

Von der schönen Riesin,

Von der edlen Prag.

Hanka nun und Swoboda,

Böhmens edle Kinder, nehmt mir

Diese Lieder freundlich an

In der Riesenmutter Namen.

Ist was dran nicht recht gesungen

Nach des tief geheimnißreichen

Böhmenlandes Weise, -

Lehrt es bessern mich! -

Aber du, o Böhmenland,

O wie hat mit schönem Rechte

Schenkendorf, mein edler Man [sic], Dich

Zu der Zeit des grossen Kampfes

„Klangreich Böhmenland“ geheißen!

Lebe, sieg’ und blühe,

Land der schönen Liedespfeile,

Klangreich Böhmenland!

 

1830 sprach Fouqué so über Max von Schenkendorf:

„Mit vollem Recht also durfte unser früh gen Himmel geschwebter Krieges=Sänger Max von Schenkendorf den edlen Scharnhorst bei seinem Eintritt: ‚Zu dem alten Helden: Rathe, / Den im ritterlichem Staate / Ewig Kaiſer Karl regiert.‘ – sprechen lassen: ‚Grüß Euch Gott, Ihr edlen Helden! […]“

 

1815 erschienen bei Cotta in Stuttgart Max von Schenkendorfs Gedichte.

Im Zuge späterer Ausgaben finden sich im Cotta-Archiv auch Unterlagen zu Henriette ("Jettchen") Elisabeth Barklay (1794–1865), die in Bendorf am Rhein am 8.02.1822 den preussischen Offizier Carl Ernst von Heineken (1794–1857) ehelichte.

 

Von dieser Ausgabe nahm man in Frankreich zu Beginn des Jahres Kenntnis:

„Gedichte, etc. Poésies de Maximilien de Schenkendorf. Vol de 189 pag. in-8°. Tubingue. 1815. Cotta. 1 fl. 24 kr.2

 

Umfangreich rezensierte Matthäus von Collin (1779-1824) diese Cottasche Ausgabe innerhalb einer Sammelrezension; er schreibt:

"Die Gedichte Max von Schenkendorf’s zeigen, bey gleichem Streben wie jene Freimund Raimar’s [Friedrich Rückert], von einem durch die Verhältnisse der Zeit wohl zu hoher Kraftanstrengung aufgeregten, in sich aber nicht getrübten Geiste, Sie gehen nicht aus von dem Elende und der Noth der Gegenwart, in der sie entstanden, sondern von der bereits mächtig waltenden Gegenwirkung, die dieses Elend und diese Noth aufhebt und vernichtet. Nicht Mißmuth über gekränkte Würde des Lebens, sondern helle Freude über dessen Wiederveredlung ist ihre vorzügliche Quelle. Sie ruhen, Obgleich immer auf die Gegenwart sich beziehend, und kräftig auf dieselbe einwirkend, dennoch mit ihrem geheimsten Leben auf der bereits geahneten Zukunft, einer Zukunft nach jener glorwürdigen Herrlichkeit gebildet, welche deutscher Vorzeit eigen war. Diese Vergangenheit, in welcher das, was dem Vaterlande wesentlich eigenthümlich genannt werden muß, bereits zur Vollendung reichhaltig ausgebildet erscheint, hat das Gemüth des Dichters mit heitern Strahlen der Schönheit durchdrungen, und sich ihn ganz angeeignet. So heißt es S. 101.

Und wie die Epheuranke

Den Felsenbau umzieht,

Ist’s auch nur ein Gedanke,

Der unser Herz durchglüht:

Die Lust an den Geschichten

Von alter Kraft und Treu,

Der Glaube, daß wir neu

Der Väter Haus errichten.

Die Form altdeutschen Volksgesangs ist daher auch die, welche der Dichter ausschließend wählt, um zu einem Volke zu reden, welches die Herrlichkeit vergangener Jahrhunderte wieder neu in sich erzeugen soll. Einfach, wie seine Weisen, sind daher auch die Empfindungen des Dichters, und selbst die Ausbrüche seines Zorns, auf so edler Grundlage ruhend, tragen, fern vom Gefühle einer ungewissen Beängstigung, bey voller Kraft der Rede doch einen gewissen Charakter der Milde, welcher Sicherheit des Seyns und seiner Verhältnisse edlen Geistern zu gewähren pflegt. Hohe Begeisterung weht über diesen Dichtungen in gleich bleibender Wärme hin, nicht vertilgende Wuth athmend, wohl aber kräftigen Entschlußes voll, und allen Reichthum männlicher Schöne dem froh überraschten Blicke in immer neuer Entfaltung darbiethend. Fern aus dem Hintergrund ragt über das Ganze des Werkes diese Herrlichkeit deutscher Vorzeit in erhebender Rückerinnerung hervor, und weiht die Gegenwart zu der mühevollen Arbeit ihrer Wiedergeburt und neuen Veredlung. Lyrisch im edelsten Sinne des Worts tragen diese Dichtungen unverkennbar das Gepräge epischen Ebenmaßes, und sind eigentlich nichts anderes als ein großer, die Begebenheiten der letzten Jahre feyernder Heldengesang.

Den Geist dieser Sammlung herrlicher Gedichte glauben wir durch die hier gegebene kurze Darstellung nicht unrichtig bezeichnet zu haben; schwerer dürfte es seyn, aus einundsiebzig Liedern, denn so viele empfangen wir von dem reichen Sänger, das Vorzüglichste herauszuheben, und zu beleuchten. Wir enthalten uns um so mehr eines so gewagten Unternehmens, da die Sammlung nicht nach einzelnen Theilen, sondern nach dem Eindruck des Ganzen gewürdigt seyn will; da sie so sehr ein in sich zusammenstimmendes Ganzes bildet, als nur immer ein Gedicht größeren Umfangs. Nur auf Weniges wollen wir im Einzelnen hindeuten, was uns den Geist des Werks am klarsten und unzweydeutigsten zu verkünden scheint. Der frische lebendige Muth, die Seele des Ganzen, jenes sichere Weiterschreiten zu einner beglückteren Zukunft, ist wohl jedem Liede der Sammlung eigen; er verläugnet sich aber auch selbst dann nicht, wenn die Hoffnungen gescheitert scheinen. So S. 165 in dem Liede Antwort, da des Dichters Erwartung der Wahl eines deutschen Kaisers nicht in Erfüllung geht, beruft er sich auf die Natur deutschen Daseyns, welches sich nur auf diese Weise vollenden werde, und schließt mit den schönen und denkwürdigen Strophen:

Es kann das Herz nur eines

Ein Einziges nur seyn,

Drum soll sich des Vereines

Auch jeder Deutsche freun:

Wenn wieder sich gestalten

Das alte Deutschland soll,

So sey es nicht zerspalten,

Nicht Schmach- und Wundenvoll.

 

Ich weiß, an wen ich glaube,

Ich kenn ein holdes Bild;

Dem Teufel nicht zum Raube

Wird, was mein Herz erfüllt.

Von einem deutschen Throne,

Von einem Eichenbaum

Der schirmend flicht die Krone -

Das ist kein Dichtertraum.

In der Beichte S. 59. einem Gedichte voll so großer Wahrheit, verweilt er wohl bey den Gebrechen der nächsten Vergangenheit, nicht aber um in heiligen Zorn darüber aufzuwallen, sondern um sich an dem erhebenden Gedanken, daß Gott diese Schuld, um die er Deutschland in Schmach gestürzt, vergeben habe, wieder empor zu richten: ¦

Du hast uns Herr der Schuld entladen,

Der Schmach entlad’ uns unser Schwert;

O fließ’ uns ferner, Quell der Gnaden,

Wir sammeln uns um freyen Herd etc.

und eine Strophe früher:

Du ziehst o Herr im Siegesfluge

Vor deinen treuen Schaaren her;

Man glaubt nicht mehr dem fremden Truge,

Man glaubt der guten alten Mähr:

Die Donau braust’s auf ihrem Zuge

Von Schwaben bis in’s schwarze Meer,

Daß Deutsche nun für Deutsche fechten,

Nach alter Sitte, alten Rechten.

Das Lied: die Preußen an der kaiserlichen Grenze (August 1813) ist lange bevor diese Sammlung erschien, als fliegendes Blatt in die entferntesten Winkel Deutschlands gedrungen; lebensmuthig, froher Hoffnung voll, und den neu geschloßnen Verein deutscher Völker mit jubelvoller Stimme verkündend, hat es alle Gemüther der Erwartung einer schönen Zukunft zutrauend geöffnet. Alle Kriegsgesänge des Dichters sind ähnlicher Art, obwohl durch den Eindruck der besonderen Lage, in der sie gedichtet wurden, hinlänglich unter sich verschieden. Nicht nur Krieg und Gefahr aber preiset der Siegestrunkne Sänger, die Geister hingeschiedner Lieben grüßt er oft und feyerlich mit frommen Gruße, er wendet sich an seine Hausfrau, an geehrte Freunde, und verflicht in seine Gesänge den Zuruf sorgenvoller Aeltern an ihre nach Paris gezognen Söhne. Seine Liebe für das Vaterland bewährt sich durch die Begeisterung, welche dessen heiliger Boden ihm einflößt, auf eine zum Herzen liebevoll sprechende Weise. Wald und Flur, und Gebirg, und die reichen Flüsse der vaterländischen Erde preist er mit hin sich gebender Entzückung; all die ruhmerfüllten Städte Deutschlands läßt er in einem eignen Gesange im langen Zuge vorüberwallen, jede ansprechend, und ihr eigenstes Lob verkündigend. Besonders schön, und mit wohlthuender Wehmuth die Brust erfüllend, sind seine Betrachtungen über Ruinen der Vorzeit und jene mächtigen Bauwerke, die sich bis zu uns herüber gerettet. Er kettet an sie die Geschichte der Vorzeit selbst. Das Gedicht, der Dom zu Speier, das letzte der Sammlung, entläßt zwar den Leser im heiligen Zorn über die entweihte Stätte seiner Kaiser, und rechtfertigt alles in früheren Gedichten geäußerte Streben gleichsam durch diesen Rückblick auf die schmachvolle Entwürdigung des Ehrwürdigsten und Heiligsten; die frühern um die Ruinen des Vaterlandes schwebenden Lieder sind aber einer viel sanftern Art, und, wie gesagt, mehr da, um diese neue Zeit der alten, die uns aus jenen Ruinen anspricht, wieder gleich bilden zu helfen, als den Unmuth über verlorne Größe in den Gemüthern fest zu halten. so reiches Leben, als uns aus diesen Liedern anspricht, so heiteren Sinn in Gefahr umzogener Zeit mag freylich nur der seinen Liedern einzuhauchen gewußt haben, der diese Gefahren selbst männlich bestand, und mit den Heldensöhnen des Vaterlands sein Leben für die gute Sache freudig einsetzte.

 

 

Als „M.-s.“ nutzte er seine Rezension der „Sängerfahrt“, um Max von Schenkendorf einen Nachruf zu geben.  Collin schreibt u. a.:

„Sechs Lieder von Mar Schenkendorf, dem großen Meister eines mit voller Ueberschauung seiner einfachen [S. 205:] Pracht geführten Volksgesangs, erinnern schmerzlich an den Verlust, den das Vaterland durch den Tod dieses edlen Sängers erlitten: wie Stimmen, vom Grabe eines geliebten Freundes her: über tönend, erfüllen sie das Herz mit Wehmuth und Freude zu: gleich. Max Schenkendorf hat das Lied aus dem Gebiete idealer Sehnsucht in das Getümmel des öffentlichen Lebens herüber geführt, und demselben dort ganz neue Bahnen eröffnet. Was früher in dieser Hinsicht geschehen war, Gleims Kriegslieder mit eingeschlossen, kann man wohl gut gemeinte Versuche nennen; sie verrathen aber, wenn sie wirklich mit Ernst ihren Gegenstand ergreifen, und nicht zur eigenen Ergötzlichkeit niedergeschriebene, poetisch seyn sollende Elaborationen sind, größtentheils entweder Unsicherheit des Dichters, oder zeigen die Spuren nicht müheloser Arbeit. Alles aber, was Schenkendorf dichtete, ist freyer Erguß eines von der Herrlichkeit des ihn umgebenden Daseyns erhobenen Gemüths: selbstständig, kraftvoll und zart zugleich, voll Innigkeit und voll Bedürfnis nach Mittheilung, strömt er die ungetrübte Flut seiner Gefühle in unbesorgter Kühnheit aus, gewiß, theilnehmende Hörer zu finden. Es ist an ihm nichts jugendlich überspanntes, nichts halb empfundenes, oder halb wahres, alles ist echt, gediegen, männlich: die Begeisterung eines von dem stürmevollen Andrange des Lebens nicht in der Zartheit seines Wesens gekränkten oder niedergedrückten, sondern zu rüstigerer liebevoller Thätigkeit emporgetragenen Geistes. Dichter, wie dieser war, hat Deutschland wenige gehabt, es wird daher um so mehr Pflicht seyn, sein Andenken zu ehren.“

 

Einen größeren Überblick findet man hier. Siehe hier. Zur Ausgabe von 1815 hier.

Die Ausgaben von 1832, 1837 und 1862 ff.:

HAGEN S. 246 f. schreibt zur Druck- und Verlagsgeschichte.

Wahrscheinlich war damals die erste Ausgabe von 1815 noch nicht vergriffen. Ein Nachtrag zu dieser als „poetischer Nachlaß“ erschien im anderen Verlage erst 1832. Fünf Jahre später erst die sogenannten „sämmtliche Gedichte“, durch die die Frau v. Schenkendorf nicht befriedigt wurde. […] Von dieser Ausgabe hatte sich bis jetzt noch ein Rest von Exemplaren erhalten. […] Die Aufrechterhaltung eines Verlagsrechts war der Druck, der auf dem Andenken des gefeierten Sängers lastete. Als die erste Auflage 1836 verkauft war, fand sich ein neuer Verleger in Berlin in dem Besitzer einer „plastischen Kunstanstalt“. Die zweite Auflage empfahl sich vor der ersten nur durch weißeres Papier. Denn mit der Vermehrung war bei ihr auch eine Bereicherung an Druckfehlern verbunden. Mißliche Verhältnisse und ein langwieriges Krankenlager des Unternehmers waren Veranlassung, daß die noch nicht abgesetzten Exemplare aus seinen Händen in die eines anderen Buchhändlers in Berlin übergingen, um einen so geringen Preis, daß dieser seine Rechnung fand, wenn jährlich auch nur einzelne Exemplare verlangt wurden; er sparte deßhalb die Kosten, etwas zur Verbreitung zu thun. Die Gedichte wurden also in der Klausur gehalten und der Welt, deren Interesse nur durch Anregung wach zu erhalten ist, gleichsam entrückt. Der leidige Zustand und das damit verknüpfte Verbot, sie in angemessener Form den Freunden der Poesie wieder vorzuführen, wäre noch längere Zeit fortbestanden, wenn nicht der Geheime Regierungsrath Freiherr v. Stockhorn die Einleitung getroffen, um das, was Eigenthum des Cotta’schen Verlags gewesen, ihm zurückzugeben und so einem Schenkendorf die Vorzüge der deutschen Klassiker angedeihen zu lassen.

 

Ergänzen läßt sich:

Johann Georg Scheffner hatte bereits vor dem 1818-04-27 Karl von der Groeben gebeten, die Gedichte Max von Schenkendorfs zu sammeln, zumal „die Zeitläufte viel hässliche Risse in die Einnahme der Witwe gemacht, über die sie sich der Jungschen Frömmigkeit unerachtet nicht freuen wird.“

1819-05-06 schreibt Friedrich Lange im Namen der Witwe Max von Schenkendorfs an Senator Smidt und bittet um seine Unterstützung bei einer erweiterten Neuausgabe der Gedichte. Desgleichen fragte 1824-01-24 Ernst Moritz Arndt in Langes Auftrag nach bei dem Bonner Buchhändler Eduard Weber (geb. Magdeburg 17.10.1791, gest. Bonn 28.02.1868; durch Vermittelung Ernst Moritz Arndts seit 20.06.1818 selbständiger Sortimentsbuchhändler und Verleger zu Bonn, Fürstenstraße; 1869-01-01 kam seine <firman an Rudolph Weber, der Mathias Hochgürtel als Partner nahm, neuer Firmenname: Eduard Weber’s Buchh. („R. Weber & M. Hochgürtel“.))

Arndt schreibt:

„S. T. Regierungsrath Lange in Koblenz fragt mich, Ob Sie wohl geneigt wären, den Verlag von Schenkendorfs nachgelaß (!) Gedichten zu übernehmen? Und ich frage Sie hiedurch; und werde mir morgen Ihre Antwort ausbitten.

Diese Gedichte, welche Lange ausgewählt und geordnet hat, sind deswegen so spät nach des Verfaßers Tode fertig geworden, weil ein gr. Thl. (!) derselben in Handschriften bei Freunden, z. Thl. (!) in dem fernen Preußen und anderswo, nur übrig oder wenigstens von daher zu vergleichen war. Ich habe den vorigen Sommer einen guten Theil davon gelesen; und es sind zum Theil treffliche Sachen darunter: so daß ich glaube, daß bei den vielen Freunden, welche der Name des Seligen besitzt, die Sache gefahrlos seyn wird.

Von dem Verleger wird nichts verlangt als anständiger Druck, und Theilung des Gewinns, wenn dabei gewonnen wird. 6 Freiexempl. (!) f. (!) die Wittwe.

Das Ganze würde etwa 15-16 Bogen gedruckt machen, wenn so viel.

Ihr EMArndt.“

Am 1825-02-23 schreibt die Witwe Schenkendorfs aus Mannheim an Fouqué: „Vor ganz kurzer Zeit erhielt ich durch die Generalin Pfuel zwei Gedichte von einem theuren Freunde meines verklärten  Schenkendorfs, dessen äußre Erscheinung mir zwar nicht bekannt,  [der mir] aber durch die Liebe die ihn mit dem Verewigten verband,  lange nicht mehr fremd ist.“ Bei diesem unbekannten Freund dürfte es sich um Jean Baptiste Rousseau (1802-1867) handeln, der sich seit dem 1824-01-06 um eine neue Lyrikausgabe bemühte.

Henriette Wilhelmine Luise Amalie von Paalzow (geb. Wach; geb. Berlin 22.02. 1792, gest. ebd. 30.10.1847; ehel. 1816 Artil.-Major Carl Philipp von Paalzow, Scheidung 1821) schreibt am 1831-11-29:

„will ich ferner Ihnen eine Anfrage machen, die Sie vielleicht besser als Viele, und auch lieber beantworten.

Es fehlt nämlich ganz an Notizen aus dem Leben von Max vonSchenkendorf - eine bedeutende Sammlung seiner zerstreut gewesenen Gedichte ist jetzt verständig gesammelt, und soll mit einigen Notizen über sein jugendliches Leben an der Stirn sich gemeinnützig machen. Man glaubte mich im Besitz von Notizen über ihn, dies beruhte auf einem durch meinen Aufenthalt in Coblenz veranlaßten Irrthum. - Es konnte aber nicht fehlen, daß Sie als sein mir wohlbekannter Freund und Waffenbruder mir zunächst einfielen, und ich übernahm es, Ihnen Frage und Bitte darum zugleich vorzulegen.

Das Conversations-Lexicon enthält - Gott sei’s geklagt - Namen genug – aber nicht eine Andeutung des jugendlichen Helden, dessen Namen in Aller Deutschen Herzen lebt.

Also wo er geboren, wo möglich wer ihn gewiegt und ihm die ersten Lieder gesungen - denn wer darf läugnen, daß ihre Weisen durch das ganze leben klingen. Wo er später gelernt, geliebt und gelitten, wo gefochten und wo gestorben. Dies Letztere denke ich geschah just in Coblenz, an seinem Geburtstag - ich sah die Wittwe - sie ging ihn zu wecken und in das mit Blumen geschmückte Geburtstagszimmer zu führen, aber sein Festtag war schon angebrochen, er ließ sich nicht zurückführen. Ist es so?“

Am 1831-12-10 antwortet Fouqué:

„Holdselige Schwester, […] Hierbei, was ich über meinen herzlieben Max Schenkendorf zu sagen vermag. Wenden Sie es ganz nach Ihrem Wohlgefallen und Ermessen an. Ich wüßte es wohl lieber noch still bei Ihnen verwahrt, als in die Welt hinausgesendet; - in eine Welt, die mir jetzt noch weit mehr als ein Schauplatz für mein Schwerdt, oder allenfalls meinen wissenschaftlichen Schreibe=Griffel, als für meine Zither erscheint. Wie Gott will. Und Ihrem liebefrommen emporlauffenden Sinn wird Er das Beste ofenbaren. Historisches über Max vermag Obrist Graf Karl Gröben am Besten zu liefern. Und [..] er wird es gerne thun. Ich weiß darüber eben nicht mehr, als Jedermann: es müßte denn höchstens noch etwa eine kleine Nachlese [von Erinnerungen] aus seinem und meinem FeldzugsLeben im Jahre Dreizehn gelten."

Sie wurden dann aber doch „in die Welt hinausgesendet“ und erschienen in: Preußische Provinzial-Blätter Jg. 12, Königsberg 1834, S. 100-110. (Siehe Bd. 20 der von Christoph F. Lorenz hrsg. Werke Fouqués, II. Abteilung, 2018.) 

Zu Fouqué siehe man hier.

Die in Berlin 1829 gegründete und präsente Buchhandlung des Verlegers und Antiquars Gustav Eichlers (1801-1877), der Freund und Agent Rietschels, Sortimens- und Verlagsbuchhändler war zunächst erfolgreich, ging dann in Konkurs und wurde erworben von Carl Heinrich Wilhelm Besser (1809-1848) und weitergeführt unter dem Namen „Besser‘sche Buchhandlung Gegr. 1837“. Besser vereinigte damit sein 1835 in Hamburg gegründetes Geschäft. Ein Kauf- und Fusionsvertrag vom 1837-10-01 mit der Unterschrift von Wilhelm Besser und Wilhelm Thome hat sich erhalten.

Eichler besaß schon mit Sitz in Berlin und Wien eine „Kunstanstalt f. plastische Arbeiten u. Gypsgiesserei“ (bestand noch 1883) und war 1831 durch Hermann in Frankfurt vertreten als „Buch- u. Kunsthandlung sowie Kunstanstalt f. plastische Arbeiten u. Gypsgiesserei in Berlin. Gegr. 1831.“

1847 erwarb Wilhelm Ludwig Hertz (geb. Hamburg 26.06.1822, gest. Berlin 5.06.1901) von Wilhelm Besser (diese Berliner Sortiments-Buchhandlung.(Hertz war der er Sohn von Adelbert von Chamisso und Marianne Hertz (der jüdischen Ehefrau des jüdischen Apothekers Joseph Jacob Hertz. Nunmehr firmierte man unter der Bezeichnung „Bessersche Buchhandlung (W. Hertz)“.

 

Christina Rathgeber zeigt 2015 die Mitarbeit von Eichler und ein Martin Matthias Kampfmeyer/Kampffmeyer im Berliner „Hauptverein für christliche Erbauungsschriften in den Preußischen Staaten“ (gegr. 1816-10-21) bzw. der Preußischen Hauptbibelgesellschaft an. Julius Eduard Hitzig amtete hier und Eichler war Erzieher in seinem Hause.

Literatur:

O[tto]. A[ugust]. Schulz / [Bearb.:] Hermann Schulz: Allgemeines Adressbuch für den Deutschen Buchhandel … Leipzig 1870, S. 23 (Gips); S. 23S Verzeichnis (mit Zeichenerklärung), darin S. 59.

Rupp, Gerhard: Gustav Eichler (1801-1877), Berliner Freund und Kunsthändler des Bildhauers Ernst Rietschel. – In: Ernst Rietschel zum 200. Geburtstag . Aufsätze, Pulsnitz: Ernst-Rietschel-Kulturring 2004, S. 72-101, 147-148; zur Ausstellung v. 24.10.2004 bis 31.01.2005.

 

1832 erschien die durch Georg Philipps herausgegeben Ausgabe:

  Max von Schenkendorf’s / poetischer Nachlaß. / - / = / Berlin, / bei Gustav Eichler. / 1832.

Über verwandtschaftliche Verbindungen mit dem Hause Barkley gelang dann die Herausgabe der Gedichte Max von Schenkendorfs. Georg(e) Phillips wurde Herausgeber; andere Verbindungen verwiesen auf den Verlag:

Elisabeth Henriette Barkley (geb. Königsberg 12.02.1754, gest. ebd. 19.09.1788) ehel. 15.09.1770 George Hay (geb. House of Kirkland (East Wemyss) 26.09.1743, get. 1.10.1743. gest. Königsberg 1812); deren Tochter Eleonore Hay ehel. James Phillips; eines ihrer Kinder war George Phillips (geb. Königsberg 6.01.1804, gest. Aigen (Salzburg) 6.09.1872), der 1827 Charlotte Housselle (gest. 1865, konvertierte mit ihm zum Katholizismus 1828) und 1868 in Wien seine bisherige Wirtschafterin Veronica Dirr ehelichte.

„Vorrede.

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Im Jahre 1815 erschien zu Tübingen die erste Sammlung der Gedichte Max von Schenkendorf‘s. Die reiche Nachlese, welche hiermit dem Publikum übergeben wird, besteht aus solchen Gedichten, die entweder schon zerstreut an andern Orten gedruckt, oder, wie dieß bei dem größten Theile der Fall ist, im handschriftlichen Nachlasse des Verewigten enthalten waren. Weß Geistes aber dieser war, davon lebt noch jetzt die Kunde nicht bloß im Gedächtnisse seiner Freunde und nähern Bekannten, sondern, mit voller Ueberzeugung kann es gesagt werden, in dem besseren und besten Theile des Deutschen Volks. Darum ist hier aller lobpreisende Nachruf überflüßig; er hat sich selbst durch ein schönes Leben, dem die Gottesgabe ergrefender Dichtung verliehen war und durch einen christlichen Tod ein schöneres Denkmal gesetzt, als ihm hier er: richtet werden könnte. Was Tiefes und inniges, was Hohes und Hehres in ihm sich regte, es ist in diesen Liedern ausgesprochen, die verwandte Seelen um so freudig wehmüthiger berühren werden, weil in ihnen der letzte Ton

   IV  

aus einer Zeit erklingt, die dem Deutschen wohl in mannichfacher Hinsicht als eine heilige und große erscheinen mag; denn es war die Zeit der frommen und reinen Vorsätze, die der harte Druck der fremden Zwingherrschaft entstehen ließ. Die später folgenden bösen Nachtfröste, in denen so viele edle Blüthen erstarben und dann die schlimmen Tage, wo das Gemeine breit wuchernd zu verkünden schien: jetzt sey sein Reich gekommen, hat Gott, dessen Rath und Führung immer die besten sind, unsern Dichter nicht erleben lassen. Allein wie roh und fühllos auch die Masse an dem duftenden Strauße vorübergehen mag, den innige Verehrer des Entschlafenen hier auf dem litterarischen Markte ausstellen, - noch findet des Dichters rührend fromme Weise in vielen Herzen freundlichen Wiederhall und Vielen wird sein Lied zum Troste und zur Erhebung in einer Zeit gereichen, die der falschen Begeisterung mehr als der wahren Poesie zugewandt seyn dürfte. Wer sich aber daran jetzt oder künftig erquicken mag, gedenke in Liebe des Entschlafenen, dessen sinnige Liebe ihm diese Freude bereitet hat. Friede und Heil seinem Gedächtnisse!

Berlin, im September 1831.“

 „Gedruckt bei den Gebrüdern Unger.“ heißt es dort. – Auf Seite „223“ im Inhaltsverzeichnis folgt verdruckt Seite „324“ (Paginierungsfehler).

Die Gebrüder Unger, Carl Otto Ludwig Unger (1786-1853), Julius Friedrich Ferdinand Unger (1795-1862), hatten 1824 die Druckerei des Carl August Platen von dessen Witwe und Sohn Carl Wilhelm erworben. Sie führten die Druckerei zunächst unter dem Namen des Faktors Johann Georg Friedrich Kniestädt weiter, nahmen aber dann den Namen Gebrüder Unger an. Kniestädt blieb als Faktor bis 1839, worauf ihn Gustav Lange aus Brandenburg ablöste, er blieb bis 1854. Carl Johann Friedrich Unger (geb. 1824), der seit 1848 stiller Teilhaber gewesen war, trat nach dem Tode des Onkels 1853 an seine Stelle. Nach dem Tode seines Vaters 1862 führte er die Druckerei allein unter dem bisherigen Namen fort. – Vgl.: Potthast, August: Geschichte der Buchdruckerkunst zu Berlin im Umriß. Für den Verein Berliner-Buchdruckerei-Besitzer herausgegeben von Ernst Crous. Berlin: Selbstverlag 1926, S. 51, 82, 87, 106.

Es heißt dazu  in der JALZ, Bd. 2, Nr. 115, 1833-06, Sp. 433-444; Sp. 444:

„Trefflich ist von dem ungenannten Herausgeber (sollte es der wissenschaftlich gebildete Buchhändler Hr. Eichler selbst seyn? – ) das Wort J. Rückert’s vorangestellt: Das ist von Schenkendorf, der Max,“.

 

Am 1833-03-13 wurde diese Ausgabe so rezensiert:

„[…] Aber die Vorrede ist von Schenkendorf’s guten Freunden geschrieben, gute Freunde aber verfahren auch mit Gedichten äußerst milde und zart. Die Kritik aber darf sich dadurch nicht entwaffnen lassen. Unter diesen sämmtlichen Gedichten des Nachlasses Schenkendorf’s, wie sie hier in Masse vor uns liegen, ist auch kein einziges, was den Namen eines Gelungenen verdient; ganz schlecht und mißrathen ist freilich auch kein einziges; sie sind durch die Bank an Werth so ziemlich alle gleich. Wer eine neue Blumenlese aus der poetischen Literatur herausgeben wollte, würde aus diesen Beeten keine einzige Blüthe hineinverpflanzen; ja, diese Literatur wäre um nichts ärmer, wenn Schenkendorf gar nicht gedichtet hätte. Er ist ohne Zweifel ein biedrer, tapfrer frommer Mann gewesen; als einen solchen müssen wir ihn lieben und ehren; seine Gedichte aber sind nur Wortgeklingel und Reimereien in einer widerlich süßen, sentimentalen Manier; ¦ selbst im Versbau ist durchaus keine Mannichfaltigkeit vorhanden; alles geht im einfachen Schlendrian so fort, und ermüdet legt man das Buch bei Seite, wenn man nur einige wenige Gedichte gelesen hat.

 

Eine weitere Rezension:

Kritische Blätter der Börsen=Halle, Hamburg, Nr. 88 v. Mo 1832-03-05, S. 81, Sp. 3 bis S. 82, Spalte 3; Einleitung und Druck „Seinem ältesten Freunde / Karl Grafen von der Gröben / als er sich mit dem / Fräulein Selma von Dörnberg / vermählte / sang dieses Lied / Max von Schenkendorf / zur Johanniszeit 1816.“; nur für kleinen Leserkreis, da der Zeitgeschmack sich geändert hat.

 

Fünf Jahre später, 1837, erschien, „Gedruckt bei Julius Sittenfeld, / Burg-Straße No. 25.“ Die durch Lange bearbeitete Ausgabe. Das Kaysersche Bücherlexikon vermerkt dazu:  „Berlin 1837 (Thome)“ erschienen.

Max von Schenkendorf’s / sämmtliche Gedichte. / Erste vollständige Ausgabe. / Berlin, / bei Gustav Eichler. / 1837. 

Lange lobt S. V die  „von einem geliebten Jugendfreunde des Entschlafenen herrührende Darstellung“.

Dieser Freund ist Samuel (Ludwig Hermann) Friedländer (geb. Königsberg 29.08.1790, gest. Halle 10.12.1851). Friedländer bestätigt dies in seinen „Erinnerungen“ S. 2: „Fr[iedländer]. hat den Lebensabriß verfaßt, der Schenkendorfs ‚Sämtlichen Gedichten‘ (1837) vorgesetzt ist.“

Sein biographischer  Artikel findet sich ebenfalls in dem Conversations-Lexikon der neuesten Zeit und Literatur. Bd. 2: F-L. Leipzig: Brockhaus 1833, S. 110-112. In ebd. Bd. 4, S. VII ist als Mitarbeiter Friedländer in Halle genannt.

Zuvor war dieser Artikel über Max von Schenkendorf (mit leichten Änderungen in der Orthographie) erschienen in:

Conversations-Lexikon der neuesten Zeit und Literatur. In vier Bänden. Bd. 4: S bis Z. Leipzig: Brockhaus 1834, S. 159-160.

Das Original lautet:

„Schenkendorf (Ferdinand Gottfried Max von) wurde den 11. Dec. 1784 in Tilsit geboren, in dessen Nåhe sein früher im Militairdienst gewesener Vater ein kleines Landgut besaß. Ungünstige Familienverhältnisse entfernten ihn, als er kaum die Schwelle des Jünglingsalters betreten, aus dem ålterlichen Hause, aber sie führten ihn glücklicherweise in das sogenannte preußische Oberland, welches die eigentliche Wiege seiner Bildung ward. Die freundliche Aufnahme, die er hier in den durch christliche Frömmigkeit und hohe Geistesbildung ausgezeichneten Kreisen der gräflichen Familien von Dohna fand, der Umgang mit den edelsten Frauen, der Aufenthalt in dem gemüthlichen Hause des Prediger Wedeke (nachmals Oberhofprediger und Professor zu Königsberg) und die Umgebung einer schönen Natur trugen unstreitig dazu bei, seinem Geiste schon frühe eine poetische, aber auch ernste Richtung zu geben, welche immer, trotz manchen Kreuz= und Quergången, zu welchen seine lebendige Phantasie ihn hinzog, trotz der heitern Laune, mit welcher er jeden Scherz gern auffaßte und weiter auszuspinnen suchte, sein schönes, bis zu seinem Ende bewahrtes Eigenthum blieb. Nachdem er noch einige Zeit auf der Universität Königsberg sich mit dem Studium der Kameralwissenschaften, vorzüglich unter Kraus, beschäftigt hatte, brachte er ein Jahr (1805) im Amte Waldau zu, um sich nach der damals bestehenden Anordnung praktisch mit der Landwirthschaft bekannt zu machen. Um diese Zeit lernte er seine nachherige Gattin, eine mit allen Reizen åußerer und innerer Schönheit und echt weiblicher Würde reich ausgestattete Frau kennen, und von dem ersten Augenblick dieser Bekanntschaft war das Glück seines Lebens entschieden. Er trat nun seinen Referendariendienst bei der Regierung zu Königsberg an, und verlebte hier im Genusse des Schönen und Guten eine äußerst glückliche Zeit. In der reizenden Gartenwohnung seiner Freundin, wo sein Herz die Fülle des Zarten und Süßen in sich sog, nahm er jede Gelegenheit wahr, die sinnigsten Feste mit reichen Ergüssen poetischer Begeisterung zu verherrlichen, im Kreise junger, strebender Freunde, deren poetischer Übermuth gegen alles Philisterthum ankämpfte, war er der heiterste Gast [S. 160:] und sein Humor ergötzlich und belebend für Alle; im Hause der Ältern, welche jetzt das nahgelegene Gut Nesselbeck bewohnten, übte er, trotz mancher harten Geduldprüfung, mit kindlicher Unterwürfigkeit die Pflichten des Sohnes. Einflußreich für seine geistige Entwickelung wurde die Freundschaft, welche einige hochgebildete, geistvolle Frauen in Königsberg ihm zuwendeten; daß Frau von Krüdener, die damals dem Irdischen noch nicht ganz entfremdet, mehr im Ruhme der romantischen Schriftstellerin als der Missionairin glänzte, auch eine große Anziehungskraft auf S. ausübte, ist begreiflich. Mit dieser merkwürdigen Frau begab sich seine Braut 1811 nach Karlsruhe; 1812 folgte S. nach und feierte dort am Altare die heißersehnte Verbindung. Im reinsten Genusse des ehelichen Glücks und im Umgange mit Jung-Stilling, Ewald und andern ausgezeichneten Männern wurden ihm hier halcyonische Tage zu Theil; als aber im folgenden Jahre der Freiheitskrieg Alles unter die Waffen rief, verließ er den kaum gegründeten Herd, und obwol ihm eine Lähmung des rechten Arms die Waffen selbst zu tragen nicht gestattete, so folgte er doch seinen tapfern Landsleuten ins Feld. Im Gefolge des damaligen Generalmajors von Röder, Brigadechefs der Reservecavalerie, nahm er, ohne eigentliche Anstellung, Theil an allen Beschwerden des Felddienstes, bald muthig im Feuer, bald seinen Freunden bei den Arbeiten des Generalstabes Hülfe leistend. Dieser großen und heiligen Zeit, die ihn mit Allem in Berührung brachte, was damals durch Geist, Muth und jede ritterliche Jugend den Glanz der siegreichen preußischen Waffen erhöhte, sind seine schönsten Lieder entsprossen. Nach beendigtem Kriege ward er Rath bei der Regierung zu Koblenz, aber nicht lange sollte derselben seine unermüdliche, erfolgreiche, von den besten Geschäftsmånnern gepriesene Thätigkeit gewidmet sein. Ein schon längst gehegtes Übel, das mit unerträglichen Kopfschmerzen und Brustbeklemmungen verbunden war, endete das jugendliche Leben unsers S. an seinem Geburtstage, den 11. Dec. 1817. Seinen Namen hat die Muse des Gesanges den Freunden deutscher Poesie theuer und unvergeßlich gemacht. Alles, was jene Zeit der allgemeinen Begeisterung so groß und denkwürdig machte, fand in seiner Seele den reinsten, vollsten Anklang, und in reinen trefflichen, tiefempfundenen ,‘Gedichten‘ (Stuttgart 1814) den bei aller Schlichtheit großartigsten Ausdruck. Ein 1832 in Berlin erschienener ,Poetischer Nachlaß‘ hat noch eine Fülle der schönsten und innigsten, namentlich religiösen Lieber ans Licht gebracht, und wird das Bild unsers S. im reinsten Farbenglanze der Nachwelt überliefern helfen. Aber wie herrlich er auch in seinen Gesängen erscheinen mag, sein ganzes reines und reiches Wesen ist darin nicht ausgeprägt. Welch einen unerschöpflich reichen Schatz von Liebe er in seinem kindlich-harmlosen Herzen trug, welche Treue und Anhänglichkeit an seine Freunde, welche Milde und unverfälschte Religiosität, und welchen Zorn gegen alles Schlechte, das wissen nur Die, die so glücklich waren, ihm im Leben nahe zu stehen.     (23)“

Lange fügt jetzt noch S. V bis VI an:

„das wissen nur Die, die so glücklich waren, ihm im Leben nahe zu stehen.

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Die obige, aus dem Conversations=Lexicon der neuesten Zeit und Literatur (Leipzig 1834) entlehnte, von einem geliebten Jugendfreunde des Entschlafenen herrührende Darstellung möge bei dieser von einem andern Freunde Schenkendorf‘s besorgten Ausgabe seiner sämmtlichen Gedichte als erklärende Einleitung gelten; sie wird hoffentlich hinreichen, den Lesern das eigenthümliche Leben begreiflicher

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zu machen, welches sich in diesen Gedichten abspiegelt und dem Dichter auch nach seinem Tode durch ganz Deutschland so viele Herzen gewonnen hat. Die am Schluß beigefügten Erläuterungen rühren größtentheils noch von Schenkendorf selbst her und haben die Absicht, einzelne, den großen Zeitbegebenheiten entfernter liegende Beziehungen verständlicher zu machen.

Als Anhang sind dieser Sammlung die ‚Sternblumen‘ beigefügt worden, welche zuerst im Jahre 1812 als Manuscript für Freunde gedruckt wurden und seitdem vielen ‚einfältigen Christen‘ zur Erbauung und Erquickung gereicht haben. Diese sinnigen Gedichte sind das Werk einer bereits im Jahre 1809 zu Königsberg gestorbenen hochbegabten Frau, welche auf Schenkendorf‘s geistige Bildung einen bedeutenden Einfluß übte; sie werden daher hier wohl an ihrer rechten Stelle und den Freunden unsere Dichters eine erfreuliche Zugabe sein.

         Berlin im April 1837.“

 Buchdruckerei Julius Sittenfeld (geb. 1801, gest. vor 1880), Berlin, gegr. 1832, wurde 1875-10-01 übernommen von Otto Loewenstein für den 1815 gegründeten Carl Heymanns Verlag übernommen (für 1877 liegt ein gedruckter gemeinsamer Tätigkeitsbericht der beiden Verlage vor). – Vgl.: Julius Sittenfeld. Buchdruckerei … Berlin 1890, S. 51 ff.

Der Buchhändler Wilhelm Carl Heinrich Thome war 1844 Sekretär der „St. Johannis- Loge zur Beständigkeit“ in Berlin (Nachweis der Grossen Landesloge, Berlin 1845, S. 54) und schied 1867 aus dem Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig aus (Börsenblatt Nr. 167 v. Mo 1867-07-22, S. 1810).

Die Gattin Max von Schenkendorfs schreibt an NN im Oktober 1837 (HAGEN S. 246):

„Es ist jetzt eine neue vollständige Auflage der Gedichte im Druck erschienen. Neues ist freilich nicht hinzugekommen, außer dem Vermächtniß einer mir sehr theuern Freundin: „Die Sternblumen“. Ich bin mit dem Druck nicht ganz zufrieden; es sind viele Druckfehler darin. Manches ist weggelassen, was mir sehr lieb ist.“

 

Eine Rezension findet sich in:

Der Adler. Eine literarische Zugabe zu den süddeutschen Blättern für Leben und Kunst, hrsgg. v. Friedrich Mayer, Nr. 4 v. 1837-07-15, S. 15, Sp. 2 bis S. 16, Sp. 1: Rez. Von „Dr. R.“; nur für kleinen Kreis, welcher Mann verläßt schon seine Gattin, um in den Krieg zu ziehen.

Repertorium der gesammten deutschen Literatur Bd. 14, Leipzig: Brockhaus 1837, [= H. 1, 1837-10-30, Nr. XX, S. 92;] S. 684, Nr. 5689; angezeigt von „27.“: Neuer Abdruck, Berlin: Thome: [1762] Max von Schenkendorf's sämmtliche Gedichte. Erste vollständ. Ausgabe. Berlin, Eichler. 1837. XII u. 394 S. 8. (2 Thlr.)

 

1838 rezensiert diese Ausgabe Guido Görres, der als Autor durch eine Aussage Georg von Jochners bestätigt wird.

Zur Ausgabe von 1832 meint der Rezensent noch:

„Nicht den weitesten Kreis von Lesern dürften diese Lieder erwarten“, denn „Der Geschmack der Zeit wendet sich von einer so anspruchlosen Gabe mit einer Gleichgültigkeit ab“.

Jedoch: Die Zeiten ändern sich – immer.

Der Cottasche Verlag warb zur Neuauflage 1862 mit den Worten:

„Es ist nichts zufälliges oder gemachtes, wenn man die Sangesgeister aus der Zeit der Freiheitskriege heute wieder auferstehen läßt. Vieles Heutige ist damaligen Zuständen so auf ein Haar ähnlich, daß man den Parallelen gar nicht ausweichen kann; - und gottlob auch der Haß gegen undeutsches und deutschfeindliches Wesen hat noch nicht die Kraft verloren, der Glaube an eine Erhebung gegen die Herrsch= und Ländergier, die seit alter Zeit immer gute Beute in Deutschland erkannte, ist nicht aus der Mode. Aber Stärkung thut dem patriotischen Haß und Glauben noth, denn das Geschlecht der Gegenwart hat sich in vielen Stücken blenden und bethören lassen durch die verlockende Sprache des Feindes. Und diese Stärkung – wer könnte sie zündender vollbringen als derjenige der Freiheitssänger der vor allen durch unversöhnlichen Zorn gegen den Vaterlandsfeind, durch unverlierbares Vertrauen auf Wiederbringung deutscher Kraft und Hoheit sich kennzeichnet? In Max von Schenkendorf sind Leben, Liebe, Gott und Vaterland unzertrennliche Begriffe, seine Religion ist patriotisch, und sein Patriotismus ist religiös. Die Glorie des ‚deutschen Kaiserthums‘ ist ihm der Krystallisationspunkt aller nationalen Würde, alles nationalen Glücks; er ist von Geburt wie von Herzen ein treuer Preuße; aber das engere Vaterland ist ihm nur dadurch schön und herrlich daß er es nicht anders denken kann, und denken will, als eins mit dem was ihm Deutschland als Gesammtmacht und Gesammtehre ist. Ein solcher Sänger wird sich einer Zeit, wie die unsrige von selbst empfehlen, und es wird uns der Beweis erspart seyn daß die Schenkendorf’schen Lieder durch eigenes Gewicht den Weg in Tausende deutscher Herzen noch heute und noch lange zu finden fähig seyen.“

Bereits am 1857-12-03 hatte Varnhagen in seinem Tagebuch notiert: „Dann geht der General Graf von der Groeben fort, der sich sehr freundlich bezeigt, und gern hört, daß mich ihm einen Mann zuweisen will, der die Gedichte von Schenkendorf neu herausgeben wird. [...]“.

So erscheint dann die Ausgabe von Hagen im Jahr 1862, wozu die Dokumente sich in Marbach (s. u.) befinden.

Elsa von Klein vergleicht in ihrer Dissertation S. 30-35 die Lesarten in den 21 herangezogenen Werkausgaben. S. 35 resümiert sie, dass zwischen den drucken in Zeitschriften und der Ausgabe von 1815 – wahrscheinlich durch undeutliche Erinnerung – bedeutende textliche Unterschiede bestehen. Die Ausgabe von 1837 beruht auf denen von 1815 und 1832, und erst Hagen ist „verdienstvoll“ in den Ausgaben von 1862 und 1871 (die Ausgabe von 1878 kennt sie nicht), wenn er auch Änderungen vornimmt.

„Max von Schenkendorf’s / Gedichte. / Dritte Auflage. / Mit einem Lebensabriß und Erläuterungen / herausgegeben / von / Dr. A. Hagen, Professor der Universität zu Königsberg. / Stuttgart. / Cotta’scher Verlag. / 1862.“ – S. (I)-XXII und (1)-548; (1)-492 Text; S. 493-510 Anhang, S. (511)-548 Erläuterungen.

„Gedichte / von / Max von Schenkendorf. / Vierte Auflage. / Mit einem Lebensabriß und Erläuterungen / herausgegeben / von / Dr. A. Hagen, / Professor der Universität zu Königsberg. / - / Stuttgart. / Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung. / 1871.“ – S. (I)-XXII und (1)-287; (1)-237 Text; S. 238-259 Anhang, S. (260)-287 Erläuterungen.

„Gedichte / von / Max von Schenkendorf. / Fünfte Auflage. / Mit einem Lebensabriß und Erläuterungen / herausgegeben / von / August Hagen. / – / Stuttgart. / Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung. / 1878.“ – S. (I)-XX und (1)-237; (1)-237 Text; S. 238-259 Anhang, S. (260)-287 Erläuterungen.

Nicht leicht macht es HAGEN bei der Identifizierung des „v. Stockhorn“, wenn er auf die Übergabe der Rechte an den Verlag von Cotta hinweist.

HAGEN S. 239, 245: „Die Personen, mit denen Schenkendorf in Umgang stand, sind, […] General=Lieutenant v. Stockhorn, dessen Sohn Geh. Regierungsrath v. Stockhorn.“, S. 247: „wenn nicht der Geheime Regierungsrath Freiherr v. Stockhorn die Einleitung getroffen, um das, was Eigenthum des Cotta’schen Verlags gewesen, ihm zurückzugeben“, S. 251: „Geh. Regierungsrath Freiherr v. Stockhorn in Carlsruhe“.

In Betracht kommen

Karl (Ludwig Wilhelm Christian Heinrich Franz) Freiherr von Stockhorn-Starein, geb. Kirchberg/Hohenlohe 05.09.1773, gest. Mannheim 08.09.1843 (n. A. 7.09.; Guntersblum (Rheinhessen)) als (seit 1814) Generalleutnant; ehel.: 13.07.1811 Elisabethe Auguste Margarethe Gräfin von Leiningen-Heidesheim-Falkenburg in Guntersblum (18.09.1790).

Dieser scheidet aus, der der Ehe keine Söhne sondern 3 Töchter entstammen.

Anders ist es bei:

Joseph Ernst Freiherr von Stockhorn-Starein, geb. Stuttgart 17.03.1754, gest. Karlsruhe 28.08.1834; trat 1781 als Leutnant in die Dienste des Markgrafen Karl Friedrich von Baden. 1808 Generalmajor; ehel. 17.02.1791 Christiane Euphrosina von Sponeck; 8 Kinder.

Sohn:

Joseph Ernst Freiherr von Stockhorn-Starein, geb. Stuttgart 20.01.1794, gest. 20.02.1876; ghz. bad. Kammerherr und geh. Regierungsrat; ehel. 29.07.1824 Freifrau Wilhelmine von Watter.

Dessen Sohn (neben Hermann Joseph Carl Friedrich Julius Wilhelm (geb. Durlach 6.06.1825) und 3 Töchtern).

Joseph Ernsts (1794-1876) Bruder:

Karl Friedrich Freiherr von Stockhorn-Starein, geb. Karlsruhe 5.03.1804, gest. Freiburg i. Br. 9.11.1873; ghz. bad. Kammerherr und Hofgerichtsrat zu Rastatt, zeitweise Abgeordneter der zweiten Kammer des Landtags; ehel. 9.08.1834 Freifrau Maria von Fischer.

 

DLA Marbach

Das Archiv verwahrt keine Handschriften des Dichters Max von Schenkendorf (eine Unterschrift).

Es lassen sich dort aber Dokumente nachweisen, die aus der Stiftung der Stuttgarter Zeitung, dem Cotta-Archiv, stammen. Das sind Druckverträge mit Henriette von Schenkendorf und deren Tochter Jettchen von Heineken, insgesamt etwa 100 Seiten.

  • 11 Briefe und 1 Brieffragment Hagens mit Antwortkonzepten von Cotta, 1861 bis 1878
  • 20 Briefe v. Stockhorns und Antwortkopien und ein Brief Hagens
  • Honorarquittungen Henriette von Heinekens geb. Barklay, 1862, mit einem Begleitbrief v. Stockhorns
  • Vertrag zwischen v. Stockhorn und Hagen
  • Verlagsabrechnungen von Cotta und Kampfmeyer [Buchhändler (Johann Georg Eusebius) Theodor (ev.; geb. Berlin 14.08.1821, gest. 6.07.1888) ehel. (Marie Emilie) Bertha Kampffmeyer, geborene Schmidt (21.121828-5.01.1879)]

 

Nachlaß Ernst August Hagens.

Elf Briefe Ernst August Hagens und ein Brieffragment betr. der Ausgabe von 1862; Antwortkopien Cottas von 1861 bis 1878; Honorarquittungen der Stieftochter Henriette von Heineken (1862), Begleitbrief Stockhorns; 20 Briefe des Freiherrn von Stockhorn; Verträge Stockhorns mit Hagen; die Vollmacht der Henriette v. Heinecken für Cotta und Hagen, ein Papier über die Verlagsübernahme von Cotta von Kampfmeyer. Etwa 100 Seiten.

Alle Antworten Cottas könnten anhand der Antwortkopierbücher Cottas festgestellt werden.

 

 

 

Auszug aus einem Entwurf.

Max von Schenkendorf – Porträts - Denkmale - Würdigungen

Grundlegend ist wie immer Hagens Biographie.

HAGEN S. 239 berichtet über vorhandene Bildnisse Max von Schenkendorfs.

„Die Bildnisse Schenkendorf’s sind: ein Miniatur=Gemälde, zwei Zeichnungen und eine Silhouette. Wenn das erste in Königsberg gemacht ist, so wahrscheinlich von J. F. Mäckelburg. Nach Schenkendorf’s Tode hatte die Wittwe die Absicht, danach einen Kupferstich fertigen zu lassen, um ihn in einer neuen Ausgabe der Gedichte vorzusetzen. ‚Herr v. Stein, so schreibt sie, Koblenz 23. November 1819, war auch dafür und ich habe es ihm zugeschickt, um sein Urtheil über die Aehnlichkeit desselben entscheiden zu lassen. Er findet es sehr gut.‘ Eine kleine Tuschzeichnung, Profil=Ansicht, empfing seine mütterliche Freundin von dem Zeichner Grafen E. v. Kanitz 5. April 1821 zum Geschenk. Nach der Aeußerung eines Freundes von Schenkendorf wird in dem Bilde ‚der jugendliche liebenswürdige Uebermuth vermißt, der sich in seinen Zügen ausgesprochen‘. Eine Bleistiftzeichnung stellt etwas unter Lebensgröße das volle Gesicht ganz von vorn dar; sie wurde in Aachen 1814 vom General Grafen v. d. Gröben an einem heiter verlebten Abend gemacht. Obgleich von ihm Karrikatur genannt, wurde das Bildniß von einem Freunde treffend ähnlich genannt, mit Ausnahme der Augen, die stier sind, während sie im Leben etwas Liebgewinnendes hatten und selbst, wenn ein Lächeln durchblickte, Gutmüthigkeit nicht verkennen ließen. Die Silhouette besitzt der Geheime Regierungsrath v. Stockhorn in Carlsruhe, ihm vom Dichter selbst verehrt.“

Mäckelburg: Johann Ferdinand Mäckelburg (auch Meklenburg), geb. Ripkeim bei Wehlau 30.04.1777, gest. Königsberg 24.03.1840; Porträtmaler erhielt an der Berliner Akademie. – Vgl. Krollmann in APB, Bd. 1, S. 415, Sp. 1. – „Der Freimüthige oder Ernst und Scherz“, Nr. 185 v. Mo 1806-09-15, S. 224: „Ueber die Kunstausstellung im Moskowiter=Saal zu Königsb. In Pr. Schreiben eines Reisenden.“ nennt Sp. 1: „Hier lebt noch [… sowie]; die Mahler Wienz, Mäkelburg, Schulz und andere“.

So ergibt sich

ein Miniatur-Gemälde: durch Mäckelburg

zwei Zeichnungen

     a) Tuschezeichnung: als Geschenk 1821-04-05 durch v. Kanitz

     b) Bleistiftzeichnung: Aachen 1814 durch v. d. Gröben

eine Silhouette: Besitz v. Stockhorn.

 

Max von Schenkendorf wird mit Ludwig van Beethoven verwechselt

Theodor Frimmel hatte gerade im Jahr 1888 sein Werk „Neue Beethoveniana“ herausgegeben, dessen Kapitel „Beethoven’s äussere Erscheinung, seine Bildnisse.“ als vollständig und grundlegend gewürdigt wurde. Da tauchte ein neues Bildnis Beethovens im Kreis der Freunde des Komponisten auf und führte zu einer Auseinandersetzung zwischen Fachleuten, an denen sich „Die Redaktion der Zeitschrift Daheim. Ein deutsches Familienblatt mit Illustrationen (27. Jg., (1890-10 bis 1891-07), Nr. 40 v. 1891-07-04, S. 642) ebenso beteiligte wie die Redaktion von „Velhagen & Klasings Neuen Monatsheften“ im August 1891: „Zur Kritik Dr. Frimmels über das neue Beethovenbildnis“ Stellung zu nehmen.

Fimmel geriet damit in eine Konfrontation mit Gerhard von Breuning (geb. Wien 28.08.1813, gest. ebd. 6.05.1892) und Paul von Bojanowski (geb. Schwedt 24.01.1834, gest. Weimar 19.06.1915), die die Beethovenähnlichkeit nahezu beglaubigten. Frimmel dagegen hielt es für ein Porträt Max von Schenkendorfs.

Theodor Frimmel (Frimmel von Traisenau) [geb. Amstetten 15.12.1853, gest. Wien 25.12.1928); DBA 74, 79-197] berichtete umfangreich an verschiedenen Orten über diese Verwechselung, die durch Sir George Henschel, geb. Georg Isidor Henschel (geb. Breslau 18.02.1850, gest. Aviemore, Schottland 10.09.1934) ausgelöst wurde.

Das Beethoven-Haus in Bonn zeigt heute auf seiner web-site kommentiert diese Porträts Max von Schenkendorfs.

Abb.

Im „Heidelberger Fremdenblatt“ publiziert 1958 Walther Eggert dieses Porträt:

Abb.   EGGERT: Max S. 6; im Oval; Unterschrift: "Max von Schenkendorf / Nach einer Tuschzeichnung des / Grafen Karl von Egloffstein-Arklitten".

Eggert, Walther: Max von Schenkendorf in Heidelberg. Im Rückblick auf den 175. Geburtstag des Dichters am 11. Dezember 1958. – In: Heidelberger Fremdenblatt 1958/59, Nr. 18, S. 5-7; Nr. 19 v. 1958 v. 1959-04-01, S. 7-9. = EGGERT: Max.

 

Aus diesem Streit lässt sich Vieles zu Max von Schenkendorf entnehmen.

Am 1891-04-24 las man in einer englischen Zeitung folgenden Bericht:

“The Likenesses of Beethoven.

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The Berlin Allgemeine Musik Zeitung states: that at a meeting held at the Scientific Club, in Vienna, Dr. Theodor Frimmel gave an interesting lecture on Beethoven's likenesses. The speaker showed the cast taken from the relief of a medal made by Leopold Heuberger, uncle of the great composer and a die-sinker. This medal shows Beethoven's bust, nearly seen full-faced taken in his young days, and it seems to be the original of the medal executed later on (in 1827 or 1828) by Kern, the Silversmith. Only a short time ago, Frimmel discovered the connection of this medal with others, and thus could fix its date. The speaker described and spoke of a great number of likenesses, which have been erroneously taken for originals. The most important are: the oil-painting, seen at the Grillparzer Exhibition in Vienna, and the miniature of Kügelgen, belonging to the singer, George Henschel, in London. The painting at the Grillparzer Exhibition represents some contemporary of Beethoven, but not the great master himself— there is a complete want of similarity. — Henschel’s miniature does not represent Beethoven, but the poet Max von Schenkendorf. Frimmel showed one of Schenkendorf's original likenesses which agree in every essential feature with Henschel’s miniature so closely, that it might be considered a copy. Several other Beethoven portraits were discussed. The speaker informed his audience that during his search of the last years, no other original portrait of the composer could be discovered, as he regarded the Heuberger medallion as the only authentic portrait we possessed.”

 

Tatsächlich hatte Erich Prieger (1849-1913), der Herausgeber des Bonner Katalogs in dessen „II. Abtheilung. – A. Originalbildnisse und deren Nachbildungen.“ auf S. 15-16 als Nr. 62 detailliert das Porträt vorgestellt:

Katalog der mit der Beethoven-Feier zu Bonn am 11. - 15. Mai 1890 verbundenen Ausstellung von Handschriften, Briefen, Bildnissen, Reliquien Ludwig van Beethoven's sowie sonstigen auf ihn und seine Familie bezüglichen Erinnerungen. Bonn: Verlag des Vereins Beethoven-Haus 1890; 75 S. (Nachtrag 4 S.).

Es heißt dort:

„791 – 1792   62 ** Miniaturbild (wahrscheinlich von Beethoven's Freund Gerhard von Kügelgen in Bonn gemalt): Beethoven im Alter von 21–22 Jahren.

Nach der mit Beginn der französischen Revolution aufkommenden Mode hängen die Haare über die Stirn, an Stelle des Jabots ist ein grosser Umschlagkragen getreten. Das kleine Meisterwerk stammt aus altem Privatbesitz, wurde in Coblenz (oder Bonn) vor etwa 40-50 Jahren von der verstorbenen Kunst-Sammler Herrn Litzinger (Vater des bekannten Sängers F. Litzinger) erworben, und ging dann in den Besitz des Concertsängers Georg Henschel in London über. Das Bildchen galt stets als Jugendporträt Ludwig van Beethoven's.

Dass es dies wirklich auch ist, dafür seien hier die Worte des gewichtigsten Kenners unter den Lebenden, Dr. G. von Breuning in Wien, angeführt. Derselbe schreibt am 14. Jan. 1886:

‚Auf den ersten Blick habe ich erkannt, dass Ihr mir freundlich übersandtes Bild Beethoven ist. Es kann hierüber durchaus kein Zweifel obwalten. Knochenbau des Kopfes (Schädelformation), Mund und Nase stimmen bei genauster Betrachtung und Vergleiche überdies vollkommen mit der von dem lebenden Beethoven i. J. 1812 durch Klein abgeformten Gesichtsmaske überein. Zumal die Nase ist auf diesem Bilde Kügelgen's so naturgetreu wiedergegeben, wie auf keinem der anderweitigen Porträts Beethoven's. …

Ich erkenne in Ihrem Bilde Beethoven's charakteristische Züge vollkommen wieder, wie sie noch deutlich, wie überhaupt dessen ganze Erscheinung in meiner Erinnerung sind‘ u. s. w.

(Das Original dieses Briefes ist mit ausgestellt.) [S. 16:]

Für die Bezeichnung des Bildes als Werk G. von Kügelgen's spricht

1) der Umstand, dass Beethoven und Kügelgen grade in den Jahren 1789-1792 als Freunde vielfach mit einander verkehrten;

2) dass Kügelgen auch die Angehörigen der Familie von Breuning in ähnlichen Miniaturen damals aufgenommen;

3) die Malweise des Bildchens selbst. Namentlich die Behandlung der Augen stimmt auffallend überein mit der Goethe-Miniatur G. von Kügelgen's, wie dies Dr. von Bojanowski in Weimar, der beide Miniaturen verglichen, bekundet.“

 

Ferdinand August Schmidt (geb. Bonn 25.07.1852, gest. ebd. 14.02.1929) Mitbegründer des „Verein Beethovenhaus“ und später auch Vorsitzender des „Beethovenhauses“ schreibt:

Schmidt, F. A.: Die Beethoven-Ausstellung in Bonn. (Hiezu das Bildnis Seite 757.) – In: Über Land und Meer, Deutsche Illustrirte Zeitung Bd. 64; Nr. 37, Oktober 1889-1890, S. 746, Sp. 3 unten bis S. 747, Sp. 2; mit Abb. S. 757: Porträt Max von Schenkendorf als Beethoven.

„In der freieren Tracht, wie sie mit Beginn der französischen Revolution auch am Rheine sich schnell einbürgerte, erblicken wir sodann den einundzwanzigjährigen Jüngling auf einer köstlichen Miniatur, die wahrscheinlich von G. von Kügelgen, einem Jugendfreund Beethovens, gemalt ist. Dies bisher unbekannte Bildnis ist hier zum erstenmal öffentlich ausgestellt. Dieser Kopf mit seinen etwas verschleierten Augen, en kraftvollen Formen von Nase, Mund und Kinn, übt einen ganz eigenen Reiz aus (siehe unsere Abbildung). Hinter diesem melancholischen Blick schlummert etwas wie verhaltene Leidenschaft und Stärke. Daß wir es hier, trotz des ersten etwas befremdenden Eindrucks, mit einem echten Beethovenbildnis zu thun haben, lehrt ein aufmerksamer Vergleich mit den besten Bildnissen aus seinen kräftigen Mannesjahren.“

Nun folgt noch das was Gerhard von Breuning und Paul von Bojanowski über die Beethovenähnlichkeit im Bonner Katalog nahezu beglaubigten.

Abschließend zu Bild heißt es hier noch:

„Der Verein Beethovenhaus hat dies schöne Jünglingsbildnis in Facsimile=Lichtfarbendruck, sowie in vergrößertem Maßstab in Heliogravüre vervielfältigen lassen.“

Abb.  

 

Am 1891-03-21 widerlegt Frimmel die Zuschreibung, die Bilder parallel setzend, in der Zeitschrift

Daheim. Ein deutsches Familienblatt mit Illustrationen, 27. Jg., Nr. 25, 1891-03-21 [= Jg. 25 v. 10.1890 bis 03.1891], S. 395, Sp. 2 bis S. 396, Sp. 2: Frimmel, Theodor: Das sogenannte Beethovenbildnis von G. v. Kügelgen. [Mit 2 Abb.: Porträt Max von Schenkendorfs.]

Abb.   Das Bild, das

„als Geschenk des Grafen Egloffstein (eines Zeitgenossen Schenkendorffs) an den bekannten Litterarhistoriker Dr. Robert Koenig übergegangen ist. Koenig schreibt darüber: ‚Der verstorbene Graf hat es mir selbst bei Lebzeiten geschenkt und versichert, das es ein gutes Bildnis (Schenkendorffs) sei, was er beurteilen konnte, da er mit Schenkendorff 1813 vor Leipzig gestanden und auch seitdem viel mit ihm verkehrt hatte.‘ Das Bildnis gilt als eine Arbeit des Grafen Egloffstein selbst. ‚Daß der alte Graf das Bildnis selbst gezeichnet,‘ so fährt Koenig fort, ‚hat mir sein in Potsdam lebender Schwiegersohn, Oberst v Schmeling, bestätigt; nur vermochte er nicht zu entscheiden, ob es eine Originalzeichnung oder eine Nachbildung seil Das letztere ist jedoch das Wahrscheinlichere, da der alte Herr sehr viele solcher Kopien gefertigt hat.‘“

 

Damit hat Frimmel hochqualifizierte Zeugen auf seiner Seite.

Dieser Robert Koenig (auch König) ist nicht nur der bekannte Literaturwissenschaftler und langjährige Redakteur der Zeitschrift "Daheim". In Danzig am 15.11.1828 geboren (gest. Potsdam 8.04.1900), gab er 50jährig seine zweibändige Literaturgeschichte heraus, die 1930 in 37. Auflage erschien. Das Herder-Lexikon S. 43, Sp. 1. - Hier auch die 29. Auflage 1903 genannt. Man nennt sie "prot[estantisch].-konservativ", und sie ist durch ihre reiche Illustration bis heute eine Augenweide und Fundgrube. Max von Schenkendorf findet sich z. B. in der 3.-5. Auflage, 1879, S. 550; 8. Auflage, 1880, S. 565 ff.;12. Auflage, 1882, S. 576 ff., 698; 20. Auflage, 1889, S. 583 ff., 699. – Aber noch eine weitere Spur ist zu nennen:

Der älteste Freund Max von Schenkendorfs, Ferdinand von Schrötter, ehelichte im Jahre 1814 Elisabeth Maria Wedeke. Eines ihrer Kinder war die am 28.12.1825 geborene Maria von Schrötter (gest. 12.05.1885). Zweimal war diese Maria verheiratet: Erstmals heiratete sie den königl. preuß. Oberlandesgerichtsassessor [Claudius Heinrich] Robert Maul aus Groß-Waldeck bei Domnau (; 1833 Abitur am Altstädtischen Gymnasium in Königsberg; 1837 als Rechtskandidat befördert zum Auskultator, 1840 vom Auskultator zum Referendar befördert [Amtsblatt der Regierung in Potsdam (1837, 1840 ); HARTUNG: Albertina 1844, S. 110, Ostern 1834, Nr. 11; Karl Ludwig Struwe: Altstädtischen Gymnasium, H. 10, Königsberg 1834]), dann als Witwe in zweiter Ehe Ernst Rothe (geb. Görlitz 3.07.1822, gest. Osche 1.09.1858), Pfarrer in Osche, Kreis Schwetz in Westpreußen von1852 bis 1858. Wiederum verwitwete sie.

 

Aus der ersten Ehe entstammte sicherlich die Tochter Gertrud Maul. Diese ehelichte später in dessen zweiter Ehe Robert Koenig (1.: 1851 oder 04.1854 Adele Mellet, dann deren Freundin. – Hans Ferdinand Helmolt in Anton Bettelheim (Hrsg.): Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Bd. 5, Berlin: Georg Reimer 1903, S. 121-123. – Vgl. Schrötter, Robert (Leopold Otto Erdmuth): Beiträge zur Geschichte der Freiherrlich von Schrötterschen Familie. Berlin: Unger 1905; S. 30; Stammtafel. – Vgl. von Lehnerdt in APB S. 350, Sp. 1.

Einige der Abbildungen in Koenigs Literaturgeschichte sind dem Stammbuch Schrötters entnommen. Wahrscheinlich hat die zweite Gattin dieses wertvolle Buch mit in die Ehe gebracht, wo es der Gatte nun gut zur Bebilderung seines Werkes verwenden konnte. Die Eintragung von Fouqué mit (eigenhändiger) Zeichnung, die Zacharias Werners und die Max von Schenkendorfs belegen den Wert dieses Stammbuchs.

Genannt wird dies als ursprüngliche Tuschezeichnung des mit Max von Schenkendorf befreundeten Grafen Egloffstein-Arklitten. Dies ist der schon mehrfach genannte Carl IX. August Graf von und zu Egloffstein (geb. Weimar 24.10.1795, gest. Arklitten 25.12.1887).

Egloffstein heiratete am 25.06.1823 in Neuwied Charlotte Sophie Freiin von und zu Egloffstein (5.02.1796-23.02.1864 in Arklitten), die Tochter des preußischen Regierungsrates Christian II. August Friedrich Dietrich Rudolf Carl Freiherr von und zu Egloffstein. 83jährig schrieb er als „Carl Graf von Egloffstein, Senior des eisernen Kreuzes.“ Sein „Scheidewort“, in dem er Max von Schenkendorf „Du läßt dich wiedersehen“ zitiert.

Tochter von Carl August Graf von Egloffstein-Arklitten und Charlotte Sophie Gräfin von Egloffstein war die am 5.12.1827 geborene Marie Gräfin von Egloffstein, diese ehelichte 11.10.1853 Wilhelm von Schmeling, k. preuß. Major im Westf. Feldartillerieregiment Nr. 7. – Sie ist Schwester von Henriette Gräfin von Egloffstein und Carl Graf von Egloffstein.

 

Unbekannt ist, wie das Bild in den Besitz von Franz Litzinger (geb. 1855, gest. Düsseldorf 21.12.1913, roter Adlerorden um 1906), gekommen ist, dessen Vater es in Koblenz erworben hatte. – Vielleicht ist dieser Vater Hermann Joseph Litzinger (1803–1887), der 1829-02 von Koblenz nach Essen versetzt und von 1840 bis 1868 Lehrer am Burg-Gymnasium in Essen war und der 1868 in den Ruhestand ging.

 

Im Gegensatz zu Koenig findet sich das Porträt 1887 bei Gustav Könnecke (1845-1920) und 1890 bei Ludwig Bechstein (1801-1860).

Abb.

Könnecke, Gustav:

Bilderatlas zur Geschichte der Deutschen Nationallitteratur. Eine Ergänzung zu jeder Deutschen Litteraturgeschichte. Enthaltend 1675 Abbildungen. Nach den Quellen bearbeitet.

Marburg: Elwert 1887, S. 267 unten.

1895, S. 361 oben, 1912, S. 361 oben.

 Die Beschriftung: Nach der (falschen) Unterschrift:

„Max von Schenkendorf. / Anonymer Stahlstich, welchen der Biograph Schenkendorfs, Professor A. Hagen in Königsberg, nach nicht angegebener Vorlage fertigen ließ.“

Es folgt ein biographischer Abriss.

 

Alexander Drescher, 1873-04-01 aus Krefeld von der städt. Realschule zum Gymnasium nach Mainz versetzt und 1893 zum Professor am Gymnasium in Mainz ernannt, macht 1888 auf eine Tatsache aufmerksam: „es fehlt bis jetzt selbst in den grösseren Litteraturgeschichten von Koberstein, Kurz, König“ ein Faksimile der Unterschrift des Dichters Max von Schenkendorf.

Ein Beitrag zu einer Biographie Max von Schenkendorfs. – In: Programm des Großherzoglichen Gymnasiums zu Mainz. Schuljahr 1887-1888. Mainz: Buchdruckerei H. Prickartz. [4. Jg.] 1888, S. 3-35 = Programm Nr. 596/1888, S. 4 in der Anm.

Er faksimilisiert diese, aber man nahm keine Notiz von dieser Neuerung.

Josef Nadler, (geb. Neudörfl bei Reichenberg, Österreich-Ungarn 23.05.1884, gest. Wien 14.01.1963) österreichischer Germanist und Literaturhistoriker, der insbesondere zur Zeit des Nationalsozialismus als Protagonist einer „neuen nationalsozialistischen Dichtung“ bekannt wurde. – Das Porträt gedruckt z. B. in der 4. Aufl., Bd. 2, S. 620: London, Privatbesitz.

Abb.  Dreihundert Bildnisse und Lebensabrisse berühmter deutscher Männer. Begonnen von Ludwig Bechstein. Neu bearb. Und fortgef. Von Karl Theodor Gaedertz. Die Porträts gezeichnet und geschnitten von Hugo Bürkner. Fünfte verb. Und verm. Aufl. Leipzig: Georg Wigand’s Verlag (1890-09-02), S. 207 Bildnis Schenkendorfs. – Leopold Hugo Bürkner (geb. Dessau 24.08.1818, gest. Dresen 17.01.1897); Karl Theodor Gaedertz (geb. Lübeck 8.01.1855, gest. Berlin 8.07.1912). – Register XVI Karte 077.

Biographischer Abriss; Nennung einiger Lieder, kein Quellenhinweis.

Abb.

Seitdem wird dieses Porträt, zumeist nach Könnecke, gezeigt. So z. B.

  • In Velhagen & Klasings Monatshefte, hrsg. v. Hanns von Zobeltitz und Paul Oskar Höcker, 31. Jg., 1916/1917, H. 4, S. 569-574, den Artikel „Max von Schenkendorf“ von C[arl]. A[lexander]. Pfeffer schmückend,
  • In Das Ostpreußenblatt 9, 1958, Folge 49 v. 6.12.1958, S. 11-12, den Artikel „Wenn alle untreu werden ..." Zum 175. Geburtstag des Freiheitssängers Max von Schenkendorf.“ Von „s-h“ zierend,
  • bei W[aldemar]. Thalmann. Vom Kleinstadtkind zum Reichsherold. Altes und Neues von Max von Schenkendorf und seinen Eltern. (Selbstverlag. Druck: Otto v. Mauderode. Tilsit 1933.)
  • in Band 16, S. 607, Sp. 2; Unterschrift: "Max von Schenkendorf (Stahlstich nach einer Zeichnung von K. v. Egloffstein)". (Brockhaus Enzyklopädie in zwanzig Bänden. 17. völlig neu bearb. Aufl. des Grossen Brockhaus. Bd. 1 - 20. Wiesbaden: Brockhaus 1966-1974, Erg.-Bde. 1974 ff.
  • im Durlacher Tageblatt. Durlacher Wochenblatt, 114. Jg., Nr. 291 v. Fr. 1942-12-11, S. 3, Sp. 2-3, zum Beitrag von Oskar G[eorg]. Foerster: „Sänger des Freiheitskampfes / Zum 125. Todestage Max von Schenkendorfs am 11. Dezember“ mit der Unterschrift: „Unser Bild zeigt Max v. Schenkendorf nach einem Gemälde von Hader. Scherl=Archiv=M.“

 

Häufig wird das Bild mit dem Vermerk „(Gemälde von Hader) / Scherl: Archiv“. LUX: Geburtstag gedruckt. Dazu zählt sicherlich der Vermerk: „Aus dem Verlag der Neuen Photographischen Gesellschaft, Berlin=Steglitz“.

 

Das Bildarchiv der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz besaß ebenso Rechte wie verschiedene andere Archive. Das Mittelrhein Museum Koblenz verwahrt unter der Signatur „G 1972/70“ ein Porträt, eine Xylographie – wie die Berliner – von 1883. Diese hat denselben Ursprung:

Die „Illustrierte Zeitung“ präsentiert am 1883-12-08 auf dem Titelblatt ihrer Ausgabe eine Xylographie des Kopfs von Max von Schenkendorf, der den Aufsatz von Ludwig Salomon ergänzt.

Abb.   Salomon, Ludwig: Zu Max v. Schenkendorf's 100. Geburtstag. - In: Illustrierte Zeitung, Leipzig, Bd. 81, Nr. 2110 v. 1883-12-08, S. 520, Sp. 1-2. = SALOMON: Centenar

Dieses Bild wird häufig im Antiquariatshandel angeboten.

Die Süddeutsche Zeitung hatte diese Rechte entsprechend auch, und Friedrich Neubauer benutzte wohl die gleiche Vorlage:

Abb.   Neubauer, Friedrich: Preußens Fall und Erhebung 1806-1815. Mit zahlreichen Abb. im Text, 19 Karten und 14 Beilagen. Berlin: Mittler 1908; S. 355; Unterschrift: "Gestochen von A. und Th. Weger. / [... Unterschriftfaksimile] / Max von Schenkendorf." = Register XVI Karte 111-112.

Friedrich Neubauer (geb. Erfurt 26.02.1861, gest. 14.04.1953) fügte der Abbildung Max von Schenkendorfs Unterschrift hinzu, die sich deutlich von den bekannten unterscheidet.

 

Auch der Verlag Velhagen & Klasing besaß eine Zeitlang die Rechte für dieses Bild, wie die Quellenangabe beim Bild verdeutlicht. Die Coblenzer Zeitung zeigte das Porträt Max von Schenkendorf  nach „WTB 4792“, wohl Wolff’s Telegraphisches Büro in Berlin.

Abb.   ANON: Egbrink Sp. 2. – Register XVI Karte 30. = Anonymus: Schenkendorf – Feier der Stadt Coblenz. Vaterländischer Abend in der Festhalle aus Anlaß seines 100. Geburtstages [recte: Todestag]. Coblenz, 11. September [sic; unter Mitteilung der Rede von Johannes Heinrich Carl Egbring; m. 1 Abb.] – In: Coblenzer Zeitung Nr. 628. Morgenausgabe v. 1917-12-11, Sp. 2-3; Abb. Sp. 2 = ANON: Egbring Sp. 2.

[Johann] August Weger (geb. Nürnberg 28.07.1823, gest. Leipzig 27.05.1892), Grafiker, Stahlstecher und Drucker; bekannt für seine Bildnisse berühmter Personen, betrieb mit dem Stahl- und Kupferstecher Theodor Weger jun. (1838–1892) ein Atelier in Leipzig, wo sie auch gemeinsam als Drucker fungierten

Ernst Hader (geb. vor 1866, gest. Swinemünde zwischen 1911 und 1922); Porträt- und Genremaler. – Vgl.: Verzeichniß der Werke lebender Künstler, welche in den Sälen des Königl. Akademie-Gebäudes zu Berlin 1866 ausgestellt sind. XLV. Kunstausstellung der Königlichen Akademie der Künste, geöffnet vom 2. September bis 4. November [...]. Berlin: Decker 1866, S. 25 verzeichnet „Ernst Hader in Berlin, Prinzenstr. 57.“ als Nr. 257 und 258.

Heinrich Sanden (geb. Berlin 2.10.1877, gest. Biesdorf/Berlin 28.06.1946) gründete 1919 die Firma Atlantic Photo, ab 1930 „Atlantic“ Photo-Gesellschaft mbH, die erste Firma in Deutschland, die sich ausschließlich mit Pressephotographie beschäftigt, bestand bis 1941.

August Hugo Friedrich Scherl (geb. Düsseldorf 24.07.1849, gest. Berlin 18.04.1921); Pressebildarchiv des Scherl-Verlages in Berlin.

Bernhard (Benda) Wolff (1811-1879) gründete 1849-11-27 in Berlin die „Continental-Telegraphen-Compagnie, Wolff’s Telegraphisches Büro A. G. (WTB)“.

Die IBA, die Internationale Bilder-Agentur, Zürcherstraße 54, CH-8102 Oberengstringen bei Zürich, hatte die Rechte an dem Bild (wie bei Groß 1912 und KÖNNECKE: Bilderatlas S. 361) erworben von der Atlantic Photo Gesellschaft in Berlin. Ein Reproduktionshonorar von 50,00 DM zahlte ich. Die Gesellschaft existierte 1990 anscheinend nicht mehr; sie war unbekannt verzogen.

 

Ein Miniatur-Gemälde: durch Mäckelburg (?)

Karl Friedrich Gustav Könnecke (geb. Kroppenstedt 17.10.1845, gest. Marburg 24.10.1920) publizierte 1909 durch Christian Fürchtegott Muff (1841-191) in seinem „Literaturatlas“ neben der (falschen) Unterschrift diese „Miniatur aus Familienbesitze. Hier zum ersten Male veröffentlicht / (Aus den Sammlungen des Herausgebers.)“

Könnecke, Gustav: Deutscher Literaturatlas. Mit einer Einführung von Christian Muff. 826 Abbildungen und 2 Beilagen. Erstes bis zwanzigstes Tausend. Marburg: Elwert, Wien: Konegen, New York: Stechert & Co 1909, S. IX, Nr. 585-588; S. 125, rechte Spalte (= Sp. 3) im Kapitel „XIX Jahrh., erstes Drittel.“ Im Abschnitt „Körner; Arndt; Schenkendorf.“  = KÖNNECKE: Lit. Christian Fürchtegott Muff (1841-1911); Register XVI Karte 118-121.

Abb. …

Aus dem Besitz von Gustav Könnecke scheint diese Miniatur in das Eigentum des Museums für Literatur am Oberrhein in Karlsruhe übergegangen zu sein.

Abb. …

Katalog zur ständigen Ausstellung des Museums für Literatur am Oberrhein Karlsruhe. Hrsgg. v. d. Literarischen Gesellschaft/Scheffelbund. Karlsruhe 1998, S. 20.

   

Aus der Sammlung Könneckes übernahm dieses Bild 1977 Helmut Motekat und nach diesem Ernst-Edmund Keil im Jahr 1983.

Motekat, Helmut: Ostpreußische Literaturgeschichte mit Danzig und Westpreußen. (München:) Schild Verlag (1977). = Bd. 2 der Publikationsreihe von der Ost- und Westpreußenstiftung in Bayern "Prof. Dr. Ernst Ferdinand Müller" e. V. ISBN 3-88014-053-1; S. 239, wo er auf die Sammlung Könneckes verweist.

(Keil, Ernst-Edmund (Hrsg.):) Ostdeutsche Gedenktage 1984. Persönlichkeiten und historische Ereignisse. [Hrsg:] Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen. (Redaktion: Ernst-Edmund Keil. Druck: Wienand, Köln 1983, S. 144. ISBN 3-88557-027-0.) [Auszug aus MOTEKAT.]

 

Denkmalseinweihung in Tilsit – Sonntag, 21. September 1890 

Der „Express. Journal de Mulhouse” zeigte in seiner Nr. 221 v. 1890-09-21/22 unter „Tilsit, 22 septembre“ an: „On a inauguré hier le monument du poète Max Schenkendorf en présence du premier président M. Schliechmann.”

Die gesamte Festfolge einschließlich der Reden von Wilhelm Baur, Albrecht, Schenckendorff, Lucanus, Agidi, Engelke, Schulenburg, Wittko, Wander, Eulenburg-Prasen, Thesing, Knaake, Schlieckmann, B. Klein, W. Wolff, Schlicht, Tilsiter Abend sind ebenso wie die Festfolge mit Plänen des Festplatzes und des Standortes der beteiligten Gruppen genannt und abgedruckt in  der kleinen Schrift:

Die Feier der Enthüllung des Denkmals für Max v. Schenkendorf in Tilsit am 21. September 1890. Tilsit, 1890. Druck und Verlag von J. Reyländer & Sohn in Tilsit.

 

Die Herme im Berliner Viktoria-Park

Zu Beginn der 1890iger Jahre dachte man in Berlin über eine Ehrung der Freiheitsdichter nach. So lautet eine Journalnotiz am 1891-10-15:

„*** Denkmälerchronik. Den deutsch-nationalen Dichtern Th. Körner, E. M. Arndt, Schenkendorf, Fr. Rückert, Heinrich v. Kleist und Klopstock sollen am Fuße des Kreuzbergs in Berlin Denkmäler errichtet werden. Dem Komitee gehört Fürst Bismarck an.“

1891-09-05 erschien ein Aufruf, der auch dem Verein für die Geschichte Berlins vorgelegt wurde:

Aufruf

zur Errichtung von Denkmälern für

die deutsch-nationalen Dichter in Berlin.

Seitdem Berlin die Hauptstadt des Deutschen Reiches geworden ist, hat es die Ehrenpflicht übernommen, große nationale Verdienste durch Ehrendenkmäler zu verherrlichen. So hat es bereits unsern Dichterheroen, den großen Forschern und Denkern, den epochemachenden Künstlern, den großen Feldherren, Staatsmännern und Königen solche Standbilder geschaffen, nur den deutsch-nationalen Dichtern, den Propheten der Morgenröte eines neuen Tages nach trüber Zeit, die an der Wiederaufrichtung des deutschen Kaisertums festhielten und den Funken der Begeisterung in Millionen zu heller Flamme anregten, ist die Schuld der Dankbarkeit in der Hauptstadt des deutschen Reiches noch nicht abgetragen. Allen voran als der treue Eckwart alles deutsch=nationalen Lebens steht der Dichter des Vaterlandsliedes Ernst Moritz Arndt, den das deutsche Volk bis zu seinem hohen Greisenalter als das ‚deutsche Gewissen‘ mit Recht gepriesen hat. Ihm zur Seite strahlt in ewiger Jugendschönheit der Heldenjüngling Theodor Körner, der sein Herzblut freudig dem Vaterlande zum Opfer brachte und dessen Lieder wie eine Flammensäule unseren Heeren voranleuchteten und sie in allen Kämpfen zu Mut und Todesverachtung begeisterten. Neben ihm ragt zu gleichem Opfertode bereit der Herold des deutschen Kaisertums Max von Schenkendorf, der uns in seinen Liedern für Vaterland, Recht und Freiheit ein unvergängliches Erbe hinterlassen hat, das von Geschlecht zu Geschlecht zu wahrhaft deutschem Sinn und Geist die deutsche Jugend anfeuert. Nicht minder bedeutend erfüllt uns mit gerechter Bewunderung der kerndeutsche Dichter Friedrich Rückert, dessen geharnischte Lieder wie Schwerthiebe sausten, und den Mut und die Entschlossenheit unseres Volkes zum Entscheidungskampfe stählten. Auch Heinrich von Kleist, der an dem Unglücke des Vaterlandes selbst zu Grunde ging, hat in seinen Heldenliedern und patriotischen Dramen die Vaterlandsliebe mit voller Wucht und markiger Sprache gepredigt, und so Herz und Gewissen unseres Volkes zu neuer Thatkraft belebt. Endlich verdient auch der eigentliche Vater des deutsch=nationalen Gedankens, der begeisterte Herold der Vaterlandsliebe Gottlieb Klopstock ein Ehrendenkmal, weil er seine deutsche Gesinnung zuerst in herrlichen und unsterblichen Gesängen zum Ausdruck brachte und dadurch als bahnbrechender Prophet auftrat. Diesen wahrhaft deutsch-nationalen Dichtern wollen wir am Fuße des Kreuzberges, auf dessen Gipfel das Monument zum Gedächtniß an die große Zeit der deutschen Freiheitskriege emporragt, Denkmäler errichten, um damit anzudeuten, daß diese Dichter die Herolde der Erhebung des deutschen Volkes waren, welche Begeisterung in seinem Herzen schufen, so daß es befähigt ward, jene großen weltgeschichtlichen Kämpfe siegreich zu bestehen und endlich das deutsche Kaisertum in vollem Glanze wieder herzustellen. Alle Diejenigen, welche den Eindruck ihrer Dichtungen an sich empfunden haben, in deren Herzen das hohe Gut der Vaterlandsliebe lebendig rege ist, werden aufgefordert, ihr Scherflein zur Errichtung würdiger Denkmäler für diese Propheten und geistigen Bahnbrecher unseres Volks beizusteuern.

Alle Geldeinsendungen ersuchen wir an die ‚Deutsche Bank‘ Berlin, Mauerstr. zu richten, oder an das Bureau des Denkmal-Comités Dr. A. Zehlicke, Berlin S. W., Katzbachstraße 19 II.

Geschäftsausschuß des Denkmal-Comités. E. O. Heinzelmann, Director des Centralbureaus für Landwirtschaft, Berlin., M. Schön, Redacteur, Berlin. Dr. A. Zehlicke, Schriftsteller, Berlin.“

 

Adolf Zehlicke (geb. Ludwigslust 7.07.1834, gest. Berlin 9.04.1904).

Der „Verwaltungs-Bericht des Magistrates zu Berlin für die Zeit vom 1. April 1897 bis 31. März 1898“ zeigt an, dass in der Sitzung vom 1896-07-14 auf Anregung des Stadtverordneten und Baurats Walter Kyllmann (geb. Weyer, Gemeinde Merscheid (heute im Solinger Stadtteil Wald) 16.05.1837, gest. Berlin-Wannsee 10.07.1913) die Aufstellung der Hermen im Viktoriapark beschlossen wurde. Dazu schreibt die

Deutsche Bauzeitung, 30. Jg., Berlin, Nr. 58 v. 1896-07-18, S. 371, Sp. 2: unter der Überschrift „Die Thätigkeit der Berliner städtischen Deputation für Kunstzwecke“ heißt es: „Neuerdings hat die Deputation beschlossen, in dem vortrefflich angelegten und sich schön entwickelnden Viktoriaparke die Hermen der Dichter der Freiheitskriege Ernst Moritz Arndt, Theodor Körner, Kleist, Uhland, von Schenkendorf und Rückert nach einem Plane aufstellen zu lassen, den Hr. Brth. Kyllmann verfassen wird.“

Dies waren dann die Hermen von Ernst Moritz Arndt (1899 von Hans Latt), Heinrich von Kleist (1898 von Karl Pracht), Theodor Körner (1899 von Ernst Wenck), Friedrich Rückert (1899 von Ferdinand Lepcke), Max von Schenkendorf (1899 von Alfred Reichel) und Ludwig Uhland (1899 von Max Kruse). Nur die drei Meter hohen Hermen von Kleist, Rückert und Uhland überstanden  den Zweiten Weltkrieg.

Schöpfer des aus wetterfestem Marmor geschaffenem Denkmals von Max von Schenkendorf was Alfred Reichel (Gnadenfrei 1856 – Berlin 1928) „im Waffenrock der Lützower, eine Schriftrolle in der linken Hand haltend, während die Rechte den Mantel rafft“ (Sier).

Deutsche Kunst. Illustrirte Zeitschrift für das gesammte deutsche Kunstschaffen. Central-organ Deutscher Kunst- und Künstlervereine, hrsg. von Georg Malkowsky, Bd. 1, 1896, S. 53: Beschluss; S. 209: wetterfester Marmor; S. 529.

Richard Sier: Deutschlands Geistes-Helden. Ehren-Denkmäler unserer hervorragenden Führer auf geistigem Gebiet in Wort und Bild. Auf Grund geschichtlicher Unterlagen und authentischer Quellen und Mitwirkung zahlreicher Behörden. Berlin: Verl.-Anst. Universum [1904].

„Die Herme Max von Schenkendorfs von Alfred Reichel erschien im Waffenrock des Lützowschen Freikorps und war mit einer Rolle als Dichter gekennzeichnet; hierin sollte ‚die geistige Spannung des jugendlichen Dichters‘ ausgedrückt werden.“ (Selbmann)

Otto Weddingen schreibt 1904

„Der Dichter, auf dessen Stirn das Haar lockig herabfällt, trägt freie, männliche Züge. Angetan ist er mit dem Waffenrock des Lützower Jägers, darüber der Mantel, dessen Faltenwurf die Linke zusammenhält. Die Rechte faßt in schwungvoller Bewegung eine Rolle, auf der man des Sängers Namen liest.“

Camillo Karl Schneider meint über die „doch nicht übel wirken[den]“ Hermen: „so wünschenswert es an und für sich ist, gute Werke der Plastik in Anlagen aufzustellen, so ist doch im vorliegenden Falle die ganze Art der Unterbringung nicht besonders glücklich erfolgt“.

Schneider, Camillo Karl: Aus deutschen Gärten. Aus dem Viktoria-Parke zu Berlin. – In: Die Gartenwelt. Illustriertes Wochenblatt für den gesamten Gartenbau, Jg. 5, Nr. 24 v. 1901-03-16, S. 277-282, Teil 2: S. 294-296; mit Plänen und Abb. – S. 281: “Auf Magistratsbeschluß wurden vor etwa zwei Jahren sechs Hermen-Bildnisse von Sängern der Freiheitskriege aufgestellt. Auf unseren Bildern ist nur die Körner-Herme […] zu sehen. Ich meine, so wünschenswert es an und für sich ist, gute Werke der Plastik in Anlagen aufzustellen, so ist doch im vorliegenden Falle die ganze Art der Unterbringung nicht besonders glücklich erfolgt“. – S. 282: “Während wir dann noch an den Hermen von H. v. Kleist (3) und Schenkendorf (4), die beide übrigens doch nicht übel wirken, vorbeiwandern, […] möchte ich die Bepflanzungsfrage nochmals berühren.“

 

Literatur:

Selbmann, Rolf: Dichterdenkmäler in Deutschland. Literaturgeschichte in Erz und Stein. Mit 196 Abbildungen. Stuttgart: Metzler 1988; ISBN 3-476-00640-9. – S. 164 Abb. der Herme; S. 163: „Die Herme Max von Schenkendorfs von Alfred Reichel erschien im Waffenrock des Lützowschen Freikorps und war mit einer Rolle als Dichter gekennzeichnet; hierin sollte ‚die geistige Spannung des jugendlichen Dichters‘ ausgedrückt werden.“

Hermann Müller-Bohn: Die Denkmäler Berlins in Wort und Bild: nebst den Gedenktafeln und Wohnstätten berühmter Männer. Ein kunstgeschichtlicher Führer. Spaeth 1905.

 

Drei künstlerische Bildnisse

Zeichnung von Adolf Glattacker aus dem Jahr 1912

Eine Zeichnung der biographischen Episode, Max von Schenkendorf als Wanderer vor der Marienburg und bei Wedeke, existiert. Sie wurde gezeichnet von Adolf Glattacker (geb. Wehr 30.06.1878, gest. Tüllingen 28.06.1971). Beigegeben ist sie dem Werk von Petrich, Hermann: Max von Schenkendorf, Theodor Körner und die Dichter. – In: Ders.: Für Freiheit und Vaterland. – Deutsche Männer, deutsche Frauen, deutsche Schlachten vor 100 Jahren. Mit Originalzeichnungen von A(dolf). Glattacker. Hamburg: Agentur des Rauhen Hauses 1912. S. 145-158.

 

Kupfer des Grafikers und Malers Heinrich Wolff

Nach 1900 schuf der Grafiker und Maler Heinrich Wolff (geb. Nimptsch, Niederschlesien 18.05.1875, gest. München 03.1940) ein Kupfer, dessen Verkaufserlös für den Erhalt der Marienburg bestimmt war. Das Porträt zeigt Max von Schenkendorf mit seinen bekannten Gesichtszügen. Das Archiv der Marienburg verwahrt die Druckplatten zu Wolffs Stich.

Siehe:

Aleksandra Siuciak, Przywracanie historii. Losy malborskich zbiorów po II wojnie światowej. Katalog wystawy czasowej pod redakcją Aleksandry Siuciak. (tłumaczenie Aleksander Masłowski.) Muzeum Zamkowe w Malborku. Malbork 2015, S. 22 f. – Ibid. S. 70 ff., 242 ff., 245 ff.

 

Der Graphiker und Maler Heinz Georg Podehl (geb. 7.04.1919, gest. 30.08.2000; vgl. Das Ostpreußenblatt v. 2000-05-06) publizierte nach diesen Vorlagen ein Porträt im von Georg Hermanowski hrsgg. „Ostpreußen-Lexikon für alle, die Ostpreußen lieben“ [(Mannheim:) Kraft (1980) = Deutsche Landschaften im Lexikon Bd. 3. ISBN 3-8083-1162-2].

 

Die Fenster in Karlsruhe

Siehe dazu:

Die Malerei von Hans Adolf Bühler im Bürgersaal des Rathauses zu Karlsruhe. Text von Jos[eph]. Aug[ust]. Beringer [geb. Niederrimsingen 27.01.1862, gest. Mannheim 6.12.1937]. Karlsruhe: A. Gräff 1926; 12 S. mit 9 [1 farb.] Bildern [auf 8 Taf.] nach d. Orig., mit 1 eingedr. Pl. – Vorh.: BLB Karlsruhe, Signatur: O43B 97

 

Hans Adolf Bühler (geb. Steinen im Wiesental 4.06.1877, gest. Burg Sponeck bei Jechtingen 19.10.1951), Maler und nationalsozialistischer Kulturpolitiker, der die Ausstellung „Regierungskunst 1919-33“, eine Vorläuferin der Ausstellung „Entartete Kunst“ organisierte. 1926: Abschluss der (gemeinsam mit seinen Schülern) 1924 begonnenen Ausmalung des Karlsruher Bürgersaales im Rathaus; an der Westwand das Gemälde: Die Herren von Schenkendorf, Jung Stilling, Hebel, von Reitzenstein, Brauer, Karl Friedrich, Tulla, Drais und Weinbrenner (= Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, 498-1 Nr. 4711).  – DBA NF 16-22.

 

 

Aquarell „Max von Schenkendorf“ von Werner Kroener

1991 erfüllte Werner Kroener den von mir an ihn herangetragenen Wunsch nach einer „Doppelinter-pretation“ des Poeten Max von Schenkendorf durch eine textliche Ergänzung seines Aquarells. Dies hatte Werner Kroener in seiner Reihe „Rheinische Köpfe“ ausgestellt.

Abb.

Vgl. [Katalog zur Ausstellung:] „Werner Kroener. Mittelrhein-Museum Koblenz. 25. Oktober bis 24. November 1985“. – Kurzbiographie S. 47.

 

 Werner Kroener erfüllte meinen Wunsch, tat dies und schrieb den folgenden Text. [Copyright by Werner Kroener.] – In der ganzen Zeit seitdem ist es mir nicht gelungen, einen würdigen Rahmen (Publikationsort) für dieses Werk zu finden. Ich danke Werner Kroener für sein Verständnis, die Erfüllung meine Bitte und die Erlaubnis zur Publikation!

 

„Bitte, malen Sie ein Aquarell von Schenkendorf“

„Soll ich das sein?“

Häufiger und verlegener Vorwurf an den Paßbildautomaten.

Wieso das Hadern mit einem technisch einwandfreien Gerät, dem unzweifelbar Perfekten? Wirklichkeitsgetreue Porträts, aber nicht getroffen.

Die Karikatur: Drei Striche charakterisieren den Präsidenten: getroffen!

Dem realitätsgläubigen Medienzeitalter sei das Wesen des Porträts erinnert, das meint die Schwäche des Dokuments gegen die Potenz der Deutung. Ein Foto er-scheint falsch und ist doch real richtig, eine Karikatur erscheint richtig und ist doch falsch und verzerrt. Dies ist eine einfache und zudem alte Einsicht, daß der momentane vorübergehende Gesichtsausdruck einer wirklichkeitsgetreuen Wieder-gabe enttäuscht, wenn Ausdruck, Charakter und Wesen gesucht werden: Die Haare sind frühzeitig ergraut, die Stirn fragend gerunzelt, spöttisches Lächeln auf eine Frage, plötzliche Arroganz im Blick, Erschöpfung auf Erregung: dieses Gesicht flackert von Augenblick zu Augenblick in vielerlei Gefühlsausdrücken.

Was sollen wir wählen? Und was besagt diese momentane Genauigkeit? Wie merkwürdig schwer fällt es doch dann auch, sich Augenfarbe und Ohrenform selbst von nah bekannten Menschen zu merken.

Das Naturgetreue gerät in den Verdacht des Unwesentlichen.

Begegnung mit Schenkendorf: Was tue ich, wenn ich grotesk verfärbe, was sind angstvolle Verzerrungen, wilde Striche, gewalttätige, vorsichtige, schmerzhafte, ta-stende, bohrende, verrätselnde, fragende Eingriffe? Veränderungen?

Dieser Kopf ist eine Schmiererei: ein Hieb in die Stirn, flackerndes Licht über ungleichen Augen zweier ungleicher Gesichtshälften, der angstvollen introvertier-ten, der hellen visionären, Widerstand und Lauer in der Haltung des Kopfes bei Suche eines weiten Horizonts ...

Oder sehen Sie es anders? Sie sollen es, sollen gefühlsmäßig Anteil nehmen aus Ihrer Person heraus, sich mobilisieren angesichts der Fülle visuellen Materials. Diesen scheinbar sinnlosen Kritzeleien schreiben wir Ausdruck, Affekt und emotio-nale Haltung bei, entsprechend der eigenen Erfahrung, der Menschenkenntnis und des Selbstverhältnisses. Sie reagieren emotional und affektiv, Sie geraten auf die Suche nach Ausdruck und Charakter. Der Betrachter stellt selbst zusammen, son-diert und erfährt.

Zudem: ein poetisches, hier malerisches Porträt heute ist anders als ein Porträt früher. Wer denn ist heute porträtwürdig im Zeitalter demokratischer Gleichheit? Selbst der Papst und die Filmschauspieler scheuen. Nicht Erinnerung, Überliefe-rung, Hervorhebung einer Physiognomie. Der Funktionswandel einer künstlerischen Gattung ist deutlich.

Das Medium ist die message: die Tatsache einen Kopf gemalt zu haben macht sich zur Aussage: das anscheinend unzeitgemäße Medium mutet dem Betrachter eine ungewöhnliche und hochaktuelle Erkenntnisarbeit zu, nämlich die nichtratio-nale Recherche und den emotionalen Nachvollzug. Intuition ist die Aufgabe. Dies wird vor allem da brisant, wo es sich um scheinbar faktisch gesichertes Terrain handelt, die Historie.

Historische Malerei ist eine für heutige Erkenntnisweisen ungewohnte Archäolo-gie.

Die Beteiligung der Phantasie bei der Herstellung (!) der historischen Wahrheit! Welch ein Wahnsinn, welch ein Sinn des Wahns!

So sagt die Postmoderne, und auch das ist nur relativ neu.

„Macht des Bildes - Ohnmacht der rationalen Sprache“ nennt Ernesto Grassi sein Buch über den Humanisten. Lorenzo Medici hielt seine Regierungserklärung noch in Gedichtform. Aktuell ist der Gedanke, eine dürre und emotionslose wissen-schaftliche Wahrnehmung zu entgrenzen und somit auch positivistisches Ge-schichtsverständnis. Emotion liefert Erkenntnisbeiträge zur Geschichte. Foucault, Baudrillard, Lyotard, Bataille, Sloterdijk u. a. lehren heute das Pathos als Mittel der wissenschaftlichen Erkenntnis.

Begegnung mit Schenkendorf. Ich kreuze seinen Weg hier in Koblenz, auf der Promenade am Rhein sah er die malenden Engländer, zur Zeit der literarischen Salons der Bettina von Arnim am selben Ort, er sinnt religiös mystische Lieder um Freiheit und Vaterland, die Realität Napoleon sprengt in seinem Hirn die Empfind-samkeit der späten Aufklärung, kollidiert schmerzhaft mit seinen romantischen Sehnsüchten.

Ich sehe heute den zerschossenen Stumpf des Deutschen Eck, ich sehe heute wie sich überall die Moderne dekoriert: Neonfarben, Lichtschranken, digital gesteuerte Geräte, Bankautomaten, der allgegenwärtige Motorentakt technischer Zivilisation synchronisiert jede Erinnerung. Gegenwart wird zur Folie.

Schenkendorf ist Schütze. (11.12.1783)

Pistolenduell und Ästhetikvorlesungen.

Politische Entschiedenheit und sentimentales Verlorenheitsgefühl.

Er unterwirft sich keiner sozialen Ordnung, gleichwohl bleibt seine Beziehung zur Gesellschaft schwärmerisch abstrakt. Bei allem politischem Idealismus sucht er immer den Selbstausdruck. Er symbolisiert den Sprecher, der leidet. Dualität und Ambivalenz werden zu einer fruchtbaren Haltung bei Schenkendorf: freiheitslie-bend und liebenswürdig, überschwenglich und kämpferisch. Weisheit vor Wissen, Weltverständnis vor Taktik. Er unterscheidet das Reale vom Idealen, ist an Bewußtseinserweiterung mehr interessiert als an Details des Alltagslebens und seinen Zwängen.

So bilden sich meine Gesichter Max von Schenkendorfs, seines kurzen intensiven Zeitrafferlebens, das eines pathetischen Realisten.

Mit denselben Mitteln des Ambivalenten, mit dem gleichen extremen, explosiven, unvereinbaren, unzeitgemäßen Selbstausdruck entsteht sein Bild: Ein historisches Aquarellporträt aus der Perspektive des Jetztzeitalters.

Was tue ich dabei? Es werden Zutaten angerichtet, es werden Farben und Formen serviert: Und Sie beginnen Ihr gefühlsmäßiges Verhältnis zu bestimmen, die Intensität und Hitze der Expression zu übernehmen, Sie beginnen die Suche im vi-suellen Material, die Assoziation, die Einbringung des Subjektiven.

Bei Vermeidung aller momentaner und beliebiger Gesichtsausdrücke sind durch komplexe visuelle Reizmuster eine Menge möglicher Bilder übereinan-dergeschichtet worden. Das Bild wird leichter verständlich und informativer als eine wirklichkeitsgetreue Fotografie.

Hier allerdings beginnt erst die Beschreibung des künstlerischen Handwerks, die Betrachtung eines Gesichts mit abstrakten Mustern, die Findung von Reichtum und Komplexität der Ausdrucksmittel, worin sich erst ästhetischer Wert begründen läßt.

Das zu beschreiben verbietet sich, da es ja sichtbar sein müßte, wie das alte Künstlersprichwort sagt: „Maler male, rede nicht!“

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Denkmal in Königsberg 

Am 1901-03-22 verlas Hermann Ehrenberg (1858-1920) in der Sitzung der Altertumsgesellschaft Prussia (= EHRENBERG: Max S. 488 f.) den Antrag, dass

„Mit Rücksicht darauf, daß die Pietät und das eigenste Interesse der Stadt es gebieten, diejenigen Stätten kenntlich zu machen, wo einst berühmte Männer gewohnt haben, […] nach dem Vorbilde so zahlreicher anderer Städte – Erinnerungstafeln an den betr. Häusern anzubringen.

Vorgeschlagen wurden Kleist, Schenkendorf und Ludwig von Baczko. Zu Max von Schenkendorf liest man:

„Max v. Schenkendorf, der neben dem Hause wohnte, das jetzt Herr Direktor Dr. Albrecht bewohnt (Mitteilung des Herrn Czygan).“

Dieser Antrag endete mit dem Satz: „Der Vorstand wird sich der Sache annehmen.“

 

Ein Aufruf zu einem Denkmal in Königsberg erschien dann im Februar 1917. Es heißt hier:

 

„Ein Ehrenmal für Max von Schenkendorf, dessen hundertjähriger Todestag am 11. Dezember 1917 ist, wird in Königsberg errichtet werden. Professor Czygan hielt neulich in einer Sitzung der Altertumsgesellschaft ‘Prussia’ einen Vortrag über die Beziehungen Schenkendorfs zu Königsberg während seines 14jährigen Aufenthalts in der ostpreußischen Hauptstadt.

Am 16. Februar wurde in Königsberg ein Arbeitsausschuß gebildet und in ihn berufen: Geh. Archivrat Dr. Joachim (Vorsitzender), Prof. Czygan (Schriftführer), Prof. Cauer von der Kunstakademie, dem die Ausführung des Denkmals übertragen werden soll. Provinzialkonservator Prof. Detlefsen, Stadtbaurat Glage, Schriftleiter Dr. Goldstein, Direktor May von der Kunst- und Gewerkschule und Bankier Werner. Den Vorsitz im Ehrenausschuß hat Oberpräsident von Berg übernommen. Als Platz für das Ehrenmal kommt entweder das Haus Kalthöfische Straße 21 in Betracht, wo Schenkendorf längere Zeit gewohnt hat, oder das Gelände Hintertragheim 4. Man ist sich noch nicht darüber einig, ob ein ‘Schenkendorf-Platz’ mit einer Monumentalbank oder nur eine Gedächtnistafel mit dem Relief des Dichters gestiftet werden soll.“

 

Im 1917-03 erschien ein umfangreicher (Sonder)druck, der lautet:

 

„Auf den 11. Dezember dieses Jahres fällt der hundertjährige Todestag unseres Landsmannes Max von Schenkendorf, der Sängers der Freiheitskriege. Uns Königsbergern steht er deshalb besonders nahe, weil er fast die Hälfte seines kurzen Lebens in unserer Stadt zugebracht hat. Hier hat er während der unglücklichen Zeit der tiefsten Erniedrigung des preußischen Staates und des deutschen Vaterlandes unentwegt Mut und Hoffnung auf eine bessere Zeit aufrechterhalten. Während der Freiheitskriege aber erklang seine Stimme freudig und stark in reicher Fülle schöner Lieder und begleitete die Ereignisse der Befreiung Deutschlands mit vollen, herzlichen Tönen. Im ganzen deutschen Vaterlande erklangen schon zu seinen Lebzeiten seine Lieder. Aber nicht nur bei seinen Zeitgenossen fanden sie dankbare Aufnahme, sondern auch bei den Nachlebenden, ganz besonders bei der deutschen Jugend. Gottesfurcht und Freiheit, Vaterland und ein einiges starkes Deutschland, das er sich nie anders als mit einem Kaiser an der Spitze hat denken könne, darin hoch in Ehren die deutsche Muttersprache – dafür schlug sein Herz!

Um alle diese uns so teuren Güter stehen wir nun schon so lange im Kampfe; sie unsern Nachkommen zu erhalten, ist uns allerheiligste Pflicht, ernstester Vorsatz. Und so wirkt der Geist unserer großen Männer aus jener Zeit vor hundert Jahren noch ungeschwächt in uns und unsern Söhnen, Brüdern und Vätern fort; alle Kräfte des Geistes und des Gemütes, der Vergangenheit und der Gegenwart haben sich so zu Schutz und Trutz dabei zusammen gefunden.

Werke des Friedens aber werden auch in dieser Zeit auf allen Gebieten weiter gepflegt. Es erscheint uns daher als eine Ehrenpflicht der Bewohner Königsbergs, den hundertjährigen Todestag des ‚Kaiserheroldes‘ nicht unbeachtet vorüber gehen zu lassen, sondern ihm ein in bescheidenen Grenzen gehaltene Ehrenmal auch hier in unserer Stadt zu begründen, als einen Ausdruck der Dankbarkeit seiner engeren Heimat und seines Vaterlandes und als ein Zeichen dafür, wie nahe verwandt wir unsere Zeit der seinigen fühlen. Eine monumentale Steinbank in unmittelbarer Nachbarschaft des Hauses, in dem Schenkendorf hier gewohnt hat (Ecke Hintertragheim und Nachtigallensteig, Nähe des Oberteiches) soll einen platz zieren, der fortan den Namen des Dichters erhalten wird.

Und so erwarten wir, unsere Hoffnung nicht getäuscht zu sehen, wenn wir selbst in diesen schweren Tagen unsere Mitbürger, arm und reich, hoch und niedrig bitten, ihre Dankbarkeit gegen diesen unsern großen Landsmann zu beweisen, indem sie diese Absicht durch Beiträge unterstützen. Herr Bankier Werner (Samter Nachf., Münzstr.) hat sich erklärt, Beiträge in jeder Höhe entgegenzunehmen. Die Tageszeitungen werden die Beitragsliste s. Zt. Veröffentlichen.

Königsberg, im März 1917.

 

Der Ausschuß für die Errichtung eines Schenkendorf-Erinnerungsmals in Königsberg.

Ehrenvorsitzender:

  1. Berg, Exzellenz, Oberpräsident der Provinz Ostpreußen.

Arbeitsausschuß:

Dr. Joachim, Geh. Archivrat, Direktor d. Königl. Staatsarchivs, Vorsitzender d. Vereins f. d. Gesch. v. Ost= und Westpreußen. – Cauer, Professor an der Kunstakademie. – Czygan, Prof. an der Städt. Oberrealschule, Schriftführer des Arbeistausschusses. – Prof. Dr. Dethlefsen, Baurat und Dombaumeister. – Dr. Goldstein, Schriftl. D. Hart. Zeitung, Vorsitz, des Göthebundes [Goethe]. – Glage, Stadtbaurat. – Prof. May, Direktor der Kunst= und Gewerkschule. – Werner, Bankier, i. F. Samter Nachf.

Ehrenausschuß:

Dr. Armstedt, Geh. Studienrat, Direktor d. Kneiph. Gymn. – Univ.=Prof. Dr. Baumgart, Geh. Reg.=Rat, Vorsitz. D. Königl. Deutschen Gesellschaft. – Graf v. Brühl, Direktor d. Kunstakademie. – Dr. v. Brünneck, Landeshauptmann der Provinz Ostpreußen. – Prof. Dr. Dirichlet, Direktor d. Altstädt. Gymn., Stadtverordnetenvorst. – Artur Ebhardt, Kaufmann. – Gerst, Rektor, Vorsitz. Des Königsberger Lehrervereins. – Dr. Gerschmann, Geh. Re.= und Prov.=Schulrat. – Univ.=Prof. Dr. v. Giercke, Magnifizenz, Prorektor der Alb.=Universität. – Prof. Dr. Hansen, Geh. Reg.=Rat, Direktor des Landw. Instit. D. Alb.=Universität. – Dr. Hoffmann, Oberreg.=Rat. – Dr. Kehlert, Prof. a. d. Städt. Realgymn., Vorsitz. Des Königsb. Philolog.=Vereins. – Dr. Körte, Oberbürgermeister. – Univ.=Prof. Dr. Krauske, Geh. Reg.=Rat. – Dr. Krollmann, Archivar, stellv. Direktor der Stadtbibl. Und des Stadtarchivs. -Listowsky, Hauptschriftsteller d. Hart. Zeitung. – Prof. Dr. Loch, Direktor der Königin=Luise=Schule. – Otto Meyer, Generalkonsul a. D., Obervorsteher d. Kaufmannschaft, M. d. H. – Landesrat Robert Passarge, Geh. Reg.=Rat. -Univ.=Prof. Dr. Peiser, Vors. d. Alt.=Gesellschaft Prussia. – Dr. v. Plehwe, Exzellenz, Kanzler des Königreichs Preußen. – Rosikat, Prof. a, Altstädt. Gymnasium. – Heinr. v. Schenkendorff, Major im General=Stabe des IV. A.=R. – Max v. Schenkendorff, Major, Leiter eines Kompanie=Führer=Kursus. – Schoettler, General=Superintendent d. Prov. Ostpreußen. – Dr. Schultze, Geh. Reg.=Rat, Direktor d. Königl. u. Univers.=Bibl. – Prof. Dr. Walter Simon, Geh. Reg.=Rat, Ehrenbürger der Stadt Königsberg. – Prof. Dr. Stettiner, Stadtschulrat. – Tromnau, Stadtschulrat. – Wyneken, Hauptschriftl. d. Königsb. Allgem. Zeitung.“

 

Ein Aufruf zu Spenden für ein Denkmal für Max von Schenkendorf in Königsberg wird noch im Dezember 1917 im Anschluss an den Artikel von Paul Fischer „Max v. Schenkendorf. Zum 100jährigen Todestage des ostpreußischen Sängers der Freiheitskriege“ gedruckt:

 

„Ein Schenkendorf=Erinnerungsmal soll in Form einer Steinbank mit hoher Rücklehne und einem Relief des Dichterkopfes in Königsberg auf dem ‘Schenkendorfplatze’ errichtet werden. Die Stadtbehörde von Ostpreußens Hauptstadt, in der ja Max v. Schenkendorf fast die Hälfte seines kurzen Lebens zugebracht hat, nannte auf Ersuchen des Denkmalsausschusses (S. S. 116 des Märzheftes 1917 ‘Aus dem Ostlande’) den bisher namenlosen Platz in der Nachbarschaft des Hauses, in dem Schenkendorf gewohnt hat (Ecke Hintertragheim und Nachtigallensteig, in der Nähe des Oberteiches) Schenkendorfplatz. Dem Bildhauer Professor Cauer aus Königsberg wird vom Denkmalsausschusse, an dessen Spitze als Ehrenvorsitzender Oberpräsident v. Berg steht und dessen Ehrenausschuß der Landeshauptmann der Prov. Ostpreußen, Dr. Brünneck angehört, die Ausführung des Denkmals, das einen Kostenaufwand von etwa 6000 Mk. erfordert, übertragen werden. Dem Arbeitsausschuß gehören folgende Herren an: Dr. Joachim, Geh. Archivrat, Direktor d. Königl. Staatsarchivs, Vorsitzender d. Vereins f. d. Gesch. v. Ost- und Westpreußen. – Cauer, Professor an der Kunstakademie. – Czygan, Prof. an der Städt. Oberrealschule [.] – Prof. Dr. Dethlefsen, Baurat und Dombaumeister. – Dr. Goldstein, Schriftl. d. Hart. Zeitung, Vorsitz. des Goethebundes. – Glage, Stadtbaurat. – Prof. May, Direktor der Kunst- und Gewerkschule. – Werner, Bankier.

Der Schriftführer dieses Arbeitsausschusses, Professor Czygan, hat durch Vorträge in der Altertumsgesellschaft ‘Prussia’ (deren Begründer Prof. August Hagen gewesen ist, der Hauptbiograph Schenkendorfs, der 1863 in Berlin ‘Schenkendorfs Leben, Denken und Dichten’ herausgab) in Vorträgen in Lehrervereinen und Schulen, sowie im Oberpräsidium die Teilnahme an der Errichtung des Denkmals besonders erweckt. Ebenso hat ein Schenkendorfabend, veranstaltet im Börsensaale durch den Goethebund, zur Verwirklichung dieses Planes viel beigetragen. Ein Aufruf hat in dieser Zeit der Kriegsanleihen und so vieler anderer Sammlungen noch nicht den erwarteten Erfolg gehabt, obwohl es sich doch um eine sehr bescheidene Summe handelt.

Beiträge in jeder Höhe nimmt noch das Auschußmitglied Bankier Werner (Samter Nachf., Königsberg i. Pr., Münzstr.) entgegen; wir sind überzeugt, daß besonders diejenigen unserer Leser, die Beziehungen zu Königsberg haben, aber auch alle Ostmärker, die jenem schönen Gedanken, dem Sänger der Freiheitskriege, dem ostpreußischen ‘Kaiserherolde’ ein Ehrenmal aus Anlaß des 100jährigen Todestages zu errichten, Beifall geben, ihr Scherflein beitragen werden

Die Grundsteinlegung auf dem Schenkendorfplatze wird am 11. Dezember 1917 stattfinden.“

 

So ließ sich 1917-12-09 sagen: „daß die Hauptstadt Ostpreußens recht daran tut, dem vaterländischen Sänger ein Ehrenmal zu errichten.“

 

Am 1917-12-09 schreibt Paul Czygan auch: „Diesen Platz hat die Stadt nunmehr mit der Benennung Schenkendorfplatz für alle Zeiten unter ihre Schmuckplätze aufgenommen. Die Ausführung aber der auf etwa 5-6000 Mark Kosten durch Professor Cauer veranschlagten und künstlerisch verzierten Bank auf diesem Platz mußte einer späteren Zeit vorbehalten bleiben, da die Zeitumstände die Verwirklichung des Planes an dem bestimmten Tage leider verhindert haben.“

1967 erinnert sich Wilhelm Matull, dass es an der Einmündung des Hintertragheims und des Nachtigallensteiges stand.

Näheres ist mir nicht bekannt geworden; die Reiseführer der Zeit könnten noch Auskunft geben.

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Denkmale und Feiern in Koblenz und Tilsit

Am 1933-12-04 eröffnete Franz Lüdtke (Pseudonym Frank Hinrich Brastatt; geb. Bromberg 5.08.1882, gest. Oranienburg 30.04.1945) im früheren Berliner Warenhaus Jonaß die Ausstellung „Der Osten – das deutsche Schicksalsland“.

„Eine weitere Belebung erhält die Ostausstellung dadurch, daß in ihrem Rahmen besondere Kundgebungen und Feiern veranstaltet werden wie die Schenkendorf=Feier, bei der Dr. Lüdtke aus Anlaß des 150. Geburtstages dieses ostmärkischen Freiheitsdichters er Eigenart und Kraft seiner Lieder gedachte.“ (Ostland. Halbmonatsschrift für den gesamten Osten. Berlin, 14. Jg., Nr. 51 v. 1933-12-16, S. 549, Sp. 2.)

 

Mit dieser Ausstellung sollte der Blick auf den Osten gerichtet werden.

 

Und wie Lüdtke in Berlin des 150. Geburtstags Max von Schenkendorfs gedachte, so fanden ebenfalls in anderen Städten Gedenkfeiern statt.

 

Am Denkmal in Koblenz geschah dies am 13. Dezember 1933, und ein Zeitungsbericht vermerkt:

„Im Anschluß an die Ansprache legte Beigeordneter Klaeber [Rudolf Klaeber(1889-1966)] im Namen des Oberbürgermeisters Wittgen [Otto Wittgen (1881-1941)], der am 150. Geburtstage Max von Schenkendorfs, in dessen Geburtsstadt Tilsit weilt, um dort im Namen der Stadt Koblenz einen Kranz zu Ehren des Dichters niederzulegen, zum Zeichen der engen Verbundenheit zwischen Ost und West an dem Denkmal des Dichters in den Rheinanlagen einen Kranz nieder. Nach der Gedenkrede verschönte die Kapelle des Freiwilligen Arbeitsdienstes die Feier mit einer ausgezeichneten Wiedergabe des Vorspiels aus den „Meistersingern“ von Richard Wagner. Mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes und des Horst Wessellieds fand die eindrucksvolle Gedenkfeier einen würdigen Schluß.“

 

Gleichzeitig fanden die Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag am Denkmal in Tilsit statt. Eine Zeitung berichtet:

Auftakt zu den

Schenkendorf=Feiern in Tilsit

(Eigener Drahtbericht)

 

Ag. Königsberg, 11. Dezember.

Am Sonntag nahmen die Schenkendorffeiern in Tilsit, der Geburtsstadt des Dichters, anläßlich seines 150. Geburtstages ihren Anfang mit einer machtvollen Kundgebung vor dem festlich geschmückten Schenkendorfdenkmal. Die nationalen Verbände, S.A., S.S., Stahlhelm, ferner die Reichswehr und die Schutzpolizei, waren durch größere Abordnungen vertreten.

Gegen Mittag erschienen die Ehrengäste vor dem Denkmal. Unter ihnen sah man den Generalleutnant a. D. Max v. Schenkendorf=Hannover und seinen Sohn Oberleutnant Max v. Schenkendorf, dann den Dichter und Komponisten Leopold v. Schenkendorf aus Berlin, weiter den Oberbürgermeister Wittgen, Koblenz, der Stadt, in der Schenkendorf die letzten Jahre seines Lebens verbrachte und am 11. Dezember 1817 gestorben ist.

Nach einem Musikstück der Kapelle des Reiterregiments hielt Generalleutnant Max von Schenkendorf als der Älteste der Familie eine kurze Ansprache, in der er Gott dankte, daß er uns in Adolf Hitler einen Führer geschenkt hat, der die Ideen und Bestrebungen des Freiheitsdichters Max v. Schenkendorf verwirklicht hat, und es ist eine Freude, daß der 150. Geburtstag dieses Dichters im geeinten Deutschland gefeiert werden kann. Er schloß seine Rede mit dem Wunsche, daß die Lieder Max v. Schenkendorfs in unserem Volke weiterleben möchten und daß seine Taten uns zur Nacheiferung anspornen möchten. Er legte dann einen Kranz an dem Denkmal nieder. Weitere Ansprachen hielten Oberbürgermeister Wittgen und der Oberbürgermeister von Tilsit, Dr. Salge. Anschließend hielt Studiendirektor Dr. Gloger die Festansprache, in der er betonte, daß Schenkendorf für Ostpreußen mehr als der Künder der deutschen Einheit war, denn er war es, der in seinen Werken als erster Ostpreußen als deutsches Reichsland verkündete.

 

Die Rundfunksendung aus Tilsit am 1933-12-17 ist als Mitschnitt nicht im Rundfunkarchiv in Frankfurt vorhanden.

 

Am 1935-01-15 schrieb eine Zeitung:

 

„Das Tilsiter Heimatmuseum.

In Tilsit wurde vor kurzem das Heimatmuseum eröffnet. Damit ist in der nordöstlichsten Stadt Deutschlands eine wertvolle kulturelle Einrichtung geschaffen worden. Vor einigen Jahren schon war ein Heimatmuseum privater Natur geschaffen worden, das jedoch eine für den Laien gänzlich unübersichtliche Sammlung von Ausstellungsstücken geblieben war und jetzt den Grundstock zu dem neuen Städtischen Heimatmuseum gebildet hat. In den Räumen der Stadtbibliothek stehen ihm acht Räume zur Verfügung Durch Ausstellungen bei besonderen Anlässen, wie der Schenkendorf=Erinnerungsfeier und der Erinnerungsfeier an die Befreiung Tilsits von der Russenherrschaft, wurde das Interesse der Bevölkerung an dem Museum geweckt. Es gingen ständig neue wertvolle Stücke ein, die eine Sammlung haben entstehen lassen, die sich getrost neben denen anderer Städte sehen lassen kann. Zur Bearbeitung der Aufgaben des Heimatmuseums wird neben dem Bund Deutscher Osten noch der NS. Lehrerbund tätig sein. Auch werden aus Lehrern und Geistlichen der Umgebung Tilsits überall Vertrauensleute gebildet werden.

Das Museum gliedert sich in drei Hauptabteilungen. In der ersten sind die Natur0 und Erdgeschichte der Heimat vereinigt, wozu noch die Vorgeschichte bis zur kulturellen Besitzergreifung durch den Deutschen Ritterorden kommt. Die zweite Hauptabteilung ist dem Volkstum gewidmet. Sitten und Gebräuche, Volkstrachten und das Bauernhaus werden hier veranschaulicht Die Stadtgeschichte Tilsits und der engeren Umgebung der Stadt wird in der dritten Hauptabteilung dargestellt. Hier werden Dokumente über das Leben der Tilsiter in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht gezeigt, ferner Erinnerungsstücke an die geschichtliche Vergangenheit der Stadt, wie an die Schweden=, Russen= und Franzosen=Stadt werden gezeigt. Geplant ist eine Abteilung, die sich mit dem besonderen Charakter der Memellandschaft befaßt. In ihr sollen durch Bilder die schönsten Teile der engeren Heimat festgehalten werden. Eine Anzahl Bilder des Heimatmalers Muttray und von Frau Sziteck, die in einem Vorraum des Museums ausgestellt sind, bilden den Grundstock für diese Abteilung, die später auch für die Fremdenverkehrswerbung ein wertvolles und reichhaltiges Archiv abzugeben verspricht. — Das Gedenken an bedeutende Persönlichkeiten und ihre Umgebung soll in einer besonderen Abteilung wachgehalten werden. In Erinnerungsstücken an Hermann Sudermann wie z. B. seiner eindrucksvollen Totenmaske, an Johanna Wolf, Max von Schenkendorf und K. T. Thielo ist auch hier bereits der Anfang gemacht.“

 

 

Während mir zu „Frau Sziteck“ nichts bekannt ist so sind die anderen Genannten zu identifizieren:

 

„Heimatmalers Muttray“: Henry Viktor Muttray, geb. Oletzko 24.05.1854, gest. Tilsit 2.01.1941 (vgl. z. B. Tilsiter Rundbrief 30, 2000/2001, S. 42; 32, 2002/2003, S. 104 ff.) – Fritz Brix: Tilsit-Ragnit: Stadt u. Landkreis, 1971, S. 132 : „der Landschaftsmaler Henry Muttray , der am 14. Mai 1854 in Treuburg geboren wurde , aber Tilsit als seine Heimat ansah“.

Hermann Sudermann, geb. Matzicken (Macikai), Kreis Heydekrug, 30.09.1857, gest. Berlin 21.11.1928.

  1. „K. T. Thielo“: d. i. Kurt Midoleit (Mickoleit), geb. Tilsit 11.08.1874, gest. Berlin 4.07.1934, Pseud.: Alwin Theodor Kurt Tielo).

Johanna Wolff, geb. Kielich, geb. Tilsit 30.01.1858, gest. Orselina, Tessin 3.05.1943

 

 

Vielleicht hilft die Beschäftigung mit dem Dichterjuristen Max von Schenkendorf dazu, Caroline Pichlers Freude über Schenkendorfs Wort „Nicht mehr nun trennt uns Süd und Norden“ zu ergänzen durch „Ost und West“, zu einem gemeinsamen Europa zu gelangen.

 

Dazu helfen natürlich Übersetzungen. Lagen schon lange derartige Übertragungen in lateinischer, englischer und französischer Sprache vor, so gilt es nun, eine neue Sprache hinzuzufügen: Seit kurzer Zeit existieren die Translationen von 40 Gedichten Max von Schenkendorfs in russischer Sprache. Max von Schenkendorfs Heimatstadt erinnert sich wieder an den Sohn dieser Stadt. Man gedenkt, das alte Schenkendorf-Denkmal zu erneuern. Bilder des Denkmal-Modells von Andrej Schewzow finden sich in der Zeitschrift Das Ost¬preu¬ßen¬blatt (Preußische Allgemeine Zeitung) Nr. 1 v. 2015-01-03, S. 13, Sp. 5-6.  Der Direktorin des Museums für Stadtgeschichte, Angelika Spiljowa, ist dafür zu danken! Allerdings:  Im Jahr 2018 wurde Angelika Spiljowa entlassen, weil sie nach Meinung der Behörden die deutsche Vergangenheit der Stadt zu sehr herausgestellt habe.

 

 

 

 OAMDG

 

 

 

Schenkendorf-Heinersdorf 

Ralf Klausnitzer macht 1998 auf die NS-Rassenlehre und die in dieser Zeit veröffentlichten Stammbäume aufmerksam, die „Die Rezeption der deutschen literarischen Romantik im Dritten Reich“ unterstützen. Dazu zählt die von Eduard Grigoleit bearbeitete „Ahnentafel des Freiheitsdichters Max von Schenkendorf“ (1943). Grigoleit verweist auf die „Collectio Koenig“, die er benutzt. Im „Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland“ von Otto Titian von Hefner (Bd. 2, 1863, S. 130, Sp. 1-2, Bd. 3, 1865, S. 310, Sp. 2, S. 312, Sp. 1-2) wurde ebenfalls auf diese Quelle Bezug genommen.

 

Es handelt sich bei den in der Collection Genannten um folgende Personen:

 

König, Anton Balthasar (geb. Berlin 13.12.1753, gest. ebd. 14.01.1814) Collectio genealogica Koenigiana; ehem SPKB, jetzt Krakau, Inhalt verzeichnet in: Deutscher Herold 6, 1875 bis 11, 1880; nach TRANSFELD: Quelle S. 9.

 

Köhne, Karl Bernhard Wilhelm (gest. 27.05.1860): “Collectio genealogica ex dono Koehnii”; ehem. SPKB, jetzt Krakau. Inhalt verzeichnet bei a) VjSchrift Wappen-, Siegel- und Familienkunde 27, 1899, S. 263-286; b) Ahnenerbe 1928, H. 6, S. ?; nach TRANSFELD: Quelle S. 10.

 

Friedrich Wilhelm Ockel (1763-1833). – Karl Friedrich Ballhorn, Kammergerichtsrat und Pupillenrat, 1742-1813.

 

Die Collectio Koenig:

Ehem.: "Ex / Bibliothek. Regia / Berolinensi.", jetzt in Krakau.

 

Rückenschild des Bandes: "Collectio / genealogica / Koenigiana / 83 / Schach - Scheurich". Vorsatzseite: "Ms. geneal. Fol. 83."; das Inhaltsverzeichnis ebd. nennt v. Schenckendorff unter der lfd. Nr. "20. v. Schenkendorf (Heinersdorf)".

Ziemlich am Ende des Bandes ein grün-blaues Vorsatzpapier mit der Aufschrift: "Ad. Genealogiam derer von Scheckendorff". Danach folgt eine Sammlung von Zettel, Schautafeln, Zeichnungen zum Wappen, Buchausrissen (z. B. Lausitzissche Monatsschrift 1793, S. 297 [„IV. Kurze historisch topographische Beschreibung von Rennersdorf. (*)2 – In: Lausitzer Monatsschrift 1793, H. 11, 1793-11, S. 290-297; S. 297: „Wilhelm Heynersdorf 1480.“]) und von Briefen; insgesamt etwa 41 unpaginierte Blätter, etwa 82 Seiten.

Die folgenden Briefe dürften alle an den Johanniter-Ordensrat König gerichtet sein! Die erwähnten Schreiben usw. sind alle hier vorhanden.

 

  1. Ein Brief Carl Gottlob von Schenckendorffs, Oberst-Lieutenant, Schönau bei Zielentzig, 1796-02-27. Darin heißt es u. a.: "Nun aber wünschte ich wohl, zum Besten meines Sohnes und Tochter den Stambaum in Ordnung zu bringen, und für den Sohn gerne, auf 32 Ahnen. Zu 16 Ahnen, wird es wenig Schwierigkeiten finden. Zu 32 aber, <ko> habe ich nicht erfahren können, waß und wo mein Ur=älter Vater gewesen; auch nicht, wo mein Älter Vater George Albrecht geboren worden."
  2. Ein Brief desselben Berlin, 16.02.1796. Er ist verh. mit einer v. Dörnberg, die "in den Vollbürtigen Stifts Lehden alß Chanoines aufgenommen." (des Johanniter bzw. Deutschen Ordens <?>). Er war an 32 Ahnen interessiert, um seinen Sohn im Domstift zu Brandenburg und Minden unterzubringen. In dem Brief heißt es weiter: "so viel, dieß ist auch gewiß, daß keine Polnische, und noch weniger eine Französische Familie <...> in meinem Stambaum vorkommen." Er verspricht, seine genealog. Sammlung von Schönau aus an den Ordens-Rat zu senden, was er dann unter dem 26.02.1796 auch tat. Welche Unterlagen der Sammlung es sind, ist nicht ersichtlich.
  3. Derselbe an den "Geheimer Secretair" Herrn König in Berlin; Berlin, 13.02.1796. Es heißt u.a.: "Ich wünschte für meinen Sohn einen Stammbaum anfertigen zu lassen, um ihn in ein Vollbürtiges Dom-Stift zu bringen"; er selbst bezeichnet sich als Probst zu St. Walburg.
  4. Ein Brief Hardenbergs vom 1803-05-25 aus Berlin an König; er fragt nach genealog. Bescheinigungen für einen Herrn von Adeleben. Dieser Brief ist auf der Rückseite als Konzept für genealog. Notizen zu v. Schenkendorf genutzt. Friedrich Wilhelm v. S. ist der Sohn des Carl Gottlob v. S.
  5. Ein gesiegeltes Schreiben mit Gebührenmarke 6 Groschen an ORat König: "Von Gottes Gnaden Friedrich Wilhelm König von Preußen / Unsern gehörigen Gruß zuvor. Hochgeehrter Rath. Lieber Getreuer / Unter Zufertigung der von dem Justiz Director Ockel zu Cremmen mittelst Bericht vom 25. Januar c: in der von Schenckendorffschen Vormundschafts Sache, bei 2tens eingereichten Ahnentafel, der von Schenckendorffschen Familie, nebst den dazu gehörigen Nachrichten, erwarten Wir endlich den Stammbaum dergestalt zu vervollständigen, daß er unbedenklich zur Aufnahme in den Orden oder Nachweisung der Stiftsfähigkeit gebracht werden kann. <...> Berlin den 7. Februar 1804. Königl. Preuß. Churmärk. Pupillen Collegium     Ballhorn". – Vgl. dazu Max von Schenkendorf: Warnungsanzeige von Wannovius im Königsberger Intelligenz-Zettel, 1804.
  6. Eine Abschrift des Nobilitationspatentes "für die beyden natürlichen Söhne des gewesenen Justitz-Raths von Schenckendorff, Johann Friedrich und Carl Wilhelm mit Beybringung des adlichen Namens von Heinersdorff", Berlin, 20.11.1782 folgt hier auf drei Seiten. Ebd. am Fuße die Notiz: Johann Friedrich: gest. Heinersdorf, im Sommer 1816, Carl Wilhelm: gest. Möstchen 1822-06-24.

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Zedlitz-Neukirch und Hellbach verweisen in ihren Artikeln zu Max von Schenkendorf auf:

              "A. Schrenckendorff" :

“D. D. E. A. / Ut. / Orationem. / De. Nobilitate. Gentis. / Quam. / Et. Gentis. Et. Mentis. Nobilitate. / Florentiss. Juvenis. / Christianus. / Gottlieb Reichbrod / [sic] / A. Schrenckendorff. IN. Pesterwitz. / Ad: Illustre. Collegium. / Quod. Tubingae. Celebratur. / Concessurus. / Cras. / Finitis. Sacr. Antemerid. / Habebit. / EiqV. Gratias. / Benefactoribus. Suis. Quas. Debet. / AdJiciet. / Patroni. Promotores. Fautores: / Benevole. Auscultare. / Ne. Graventur. / Ea. / Qua. Par. Est. / Observantia. / Omnes. Singulos. Eorum. / Invitatum. It. / Gymnasii. Freiberg. / Rector. / ----------- / Excudente. Beuthero.“ – Unterz.: „M. Michael Schirmerus. / Gymnasii Patr. Rector.“

 

 

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