Kaum bekannt sind die beiden Gedichte Jung-Stillings, die hier abgedruckt werden.

 

Jung-Stillings Kollege Johann Jakob Pfeiffer (geb. Kassel 6.10.1740, gest. 26.11.1791) war seit 1789 o. ö. Professor, Konsistorialrat und Inspektor der reformierten Gemeinde im Oberfürstentum Hessen und leitete 1787 als Prorektor die Universität. Er vollzog am 2. Oktober 1791 die Konfirmation des Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen, dem ein „A. W.“ das Karmen „Auf die Confirmation des durchlauchtigsten Herrn Erbprinzen Wilhelms alhier zu Marburg.“ (Was ist dies vor ein Tag,) widmete.

Pfeiffer hatte erstmals 1778 ein Lehrbuch herausgegeben, dessen 4. Auflage 1791 in Kassel erschien.

 

„Entwurf / zum / Unterricht / im Christenthum / von / D. Johann Jakob Pfeiffer. / [Vignette] / - / Vierte verbesserte Ausgabe. / - / 1791.“

10 ungezählte Seiten, 160 Seiten, 6 ungezählte Seiten; 8°.

 

Die Vorrede ist datiert auf den 1791-04-04 und nennt Jung-Stillings Texte:

 

„[…]  und die Anzahl der Lieder ist auch / vermehrt worden. Zwey von diesen, ein Lied / vor Tisch. O segensvoller Gott & und das: / am Schulfest, sind von unserm Herrn Hof= / rath Jung, dem ich meinen Dank dafür / hiermit öffentlich bezeuge.            Marburg am / 4. April 1791.“

 

 

  1. 135:

„[…]

  1. Vor Tisch.

O segensvoller Gott,

Wie groß ist deine Güte.

Unendlich reich bist du;

Des Wohlthund nimmer müde,

Ernährest du den Wurm,

Der in dem Staube kriecht,

Den Adler, der im Raum

Des hohen Himmels fliegt.

 

Dank sey dir, Vater, Dank

Für deine milde Gaben,

Die wir von deiner Hand

Auf unserm Tische haben.

Genießen laß uns sie

In frommer Fröhlichkeit;

Und dann sey jede Kraft,

Zu deinem Dienst bereit.

 

Schenk uns Zufriedenheit

Mit dem, was du bescherest,

Du, der du nur den Wunsch

Der Mäßigkeit erhörest!

            K         Gieb

 

136      II. Gebete und Lieder

Gieb uns ein dankbar Herz

Für jedes Stückchen Brod;

Wie manchem mangelt es

In seiner großen Noth!

 

Ach nähre alle die,

Die jetzt um Nahrung weinen1

Und dem, der hülflos ist,

Laß deine Hülf erscheinen!

Den Armen wohlzuthun,

Gieb uns Gelegenheit;

Du lohnst mit Freude dem,

Der Traurige erfreut.

 

  1. ein kürzeres.

[…]“

 

Im Angehängten Verzeichnis findet sich die Anmerkung:

 

„23. Vor Tisch.            135 / Mel. Gelobt seyst du, o Gott, / od. Nun danket allee Gott &.“

 

  1. 144:

„[…]

  1. Am Schulfest.

Der Herr ist groß! Sein Licht der Wahrheit

Erfüllt den Erdkreis weit und breit;

Erfüllt auch uns mit Himmelsklarheit,

Zeigt uns den Weg zur Seligkeit.

Des Herren Huld sey hoch gepriesen!

Kommt, Kinder, kommt vor seinen Thron1

Für alles, was er uns erwiesen,

Dankt ihm, dem Vater, in dem Sohn!

 

Preis dir für die erhabne Lehre,

Die uns dein Sohn hast offenbart!

Preis dir, daß du zu deiner Ehre

Sie bey uns gütig hast bewahrt!

                        Preis

 

  1. Gebete und Lieder. 145

Preis für die Kenntniß deiner Werke;

Für jede Kenntniß, die uns nützt,

Für jede Kenntniß, deren Stärke

Uns gegen Trug und Irrthum schützt!

 

Wie schrecklich ists, den Weg zum Leben

Zu wissen, aber nicht zu gehen!

Was kann im Tod uns Frieden geben,

wenn wir nicht thun, was wir verstehnß

Ach schenk uns Kraft, ach Kraft von oben,

Zur wahren weisen Wirksamkeit!

Heut wollen wir dir angeloben,

Zu thun, was uns dein Wort gebeut.

 

Für unsre Lehrer sey gepriesen;

Gelobt für ihren Unterricht!

Die Treue, die sie uns erwiesen,

Vegilt, o Herr, mit Kraft und Licht;

Mit Glück auf ihrem Lebenspfade;

Mit Freudigkeit, ihr Amt zu thun;

Und einst im tod mit deiner Gnade,

Wenn sie von ihrer Arbeit ruhn!

 

Schenk allen Kindern gute Lehrer,

O Vater, gieb in aller Welt

Der Lehre Jeu viel Verehrer,

Die mutig thun, was dir gefällt!

Erfüll die Obern mit dem Triebe,

Der Jugend ernstlich vorzustehn,

Und Kirch‘ und Schulen, Gott der Liebe,

Mit treuen Lehrern zu versehn!

 

Ach Vater, hör, hör unser Flehen

Für unsern Fürsten, deinen Knecht!

Laß ihn im Glanz der Wahrheit sehen

Der wahren Weisheit Licht und Recht!

Laß Völkerglück sein Herz beleben;

Nur wohlzuthun sey seine Lust!

Laß deinen Frieden ihn umschweben;

Dein Geist erfülle seine Brust!

                        Ach

 

146      II. Gebete und Lieder

Ach laß die Fülle aller Segen

Auf unserm Vaterlande ruhn;

Und jeden Bürger auf den Wegen

Der Wahrheit seine Pflichten thun!

Der hohen Andacht Adlersflügel

Trägt unser Lied hinauf zu Gott.

Ertönt ihr Thäler, jauchzt ihr Hügel,

An unserm Fest! Gelobt sey Gott!

 

  1. Beym Anfang […]“

 

Im Angehängten Verzeichnis findet sich die Anmerkung:

 

„359 am schulfest.            144 / Mel. Wie groß ist des Allmächtigen Güte &.“

 

 

 

 

© Dr. Erich Mertens

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