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Hormonell bedingtes Irresein in Marburg

 

„Ein ungestümer Brautwerber im Hause Jung-Stilling[s]“ fand sich im Jahr 1791 in Marburg ein. Es ist dies der Schwager des Dillenburger Johann Hermann Steubing (1750-1827), seit 1777 mit Christine Margarethe Dorothea Schraff, der Student bzw. Kandidat Schraff. Er wurde Jung-Stilling zum „dieser Satan meines Haußes“, der ihn auch ausrufen läßt: „Gott ich kann ihn nicht mehr schauen!“ Über diesen ungeheueren Vorfall, „diese verhaßte Afäre“, berichtet ausführlich Karl Heinrich Stamm 1997 in den Dillenburger Blättern.

 

Etwas später trug sich eine ähnliche Geschichte wiederum in Marburg zu: Ein Student ging mit dem Federmesser auf die ihn verschmähende Geliebte los und versuchte sich selbst zu töten.

Jung-Stilling berichtet wunschgemäß ausführlich am 1791-09-04 darüber an seine Tante Lubecca Elisabeth Wilhelmine Krafft geb. Duising (1740-1796) in Frankfurt. Er schreibt:

 

Sie verlangen beste Tante! die Wiederholdische Geschichte [Panthel liest „Anschrift“.] zu wissen: sie verhält sich folgendergestalt. Die Mamsell Wiederhold war mit einem jungen braven Menschen versprochen, der auswärts irgendwo Hofmeister ist, beyde wechselten Briefe zusammen, die Jungfer aber schrieb allmälig seltener, und endlich gar nicht mehr, denn ein Heydelberger Student logirte in ihrem Hauße, mit dem hatte sie sich eingelaßen. Der erste [Panthel liest „rechte“] Liebhaber kam also her um zu hören wie es stünde, er sezte die Jungfer zur Rede, sie war bestürzt, machte nun dem Heidelberger wegen seiner Verführung Vorwürfe, und dieser gerieth darüber so in Wuth und Verzweiflung daß er des Nachts auf ihr Zimmer stürzte, ihr ein Messer in den Leib stieß, und sich darauf auch verschiedene Stichte beybrachte. Zum Glück war das Meßer stumpf und nicht scharf, folglich war kein Stich tödlich; er aber war am schlimmsten zugerichtet, sie ward bald wieder besser, und er wurde relegirt; und auch er ist wieder vollkommen wohl.“

 

Der Editor, Panthel, Hans W[alter]., erläutert zwar die Fremdwörter, gibt zu ‚Wiederhold‘ jedoch nur den Hinweis: „Identität war nicht zu ermitteln.“ Hier irrt Panthel – und es gibt eine weitere Darstellung des Vorfalls.

 

Otto Gerland publizierte 1890 den Aufsatz „Aus dem Marburger Studentenleben vor hundert Jahren“ und läßt dort den Studenten „C. L. D.“ zu Wort kommen. Dieser schreibt Quasimodo, den 1791-06-01:

 

,„Den Sonntag, da wir hier ankamen, hat sich eine traurige Geschichte zugetragen. Ein hiesiger Student namens Pf., der im W.’schen Hause [=Wiederhold] wohnte, der nämlich der ehemals in Kassel beständig mit der weißen Kravatte, blauem Überrock und Tabaksbeutel herum ging, machte Cour bei einer von den Demoiselles W. Nun hatte diese aber einen älteren Liebhaber gehabt, der jetzt Kandidat war. Den Sonntag war also ihr Verlöbniß; das verdroß Pf. sehr, er ging also auf des Mädchens Stube, da er wußte, daß sie allein war, hielt es ihr vor und gab ihr und sich mit einem Federmesser verschiedene Stiche. Sie wurde leicht verwundet, er aber hat vier Tage auf den Tod gelegen. Dies wurde angezeigt und Pf. sogleich relegirt; ein Glück für ihn, daß ihm nach einigen Tagen seine Wunden zuließen, sich aus dem Staube zu machen, sonst hätte es gefährlich mit ihm werden können, denn er war bereits dem Kriminalgericht übergeben, nun ist er in Mainz und studiert daselbst.“

 

Aus anderen Veröffentlichungen Gerlands und anderen Quellen lassen sich die Personen identifizieren:

Carl Ludwig Dury ist der sich Immatrikulierende, den die Matrikel so vermerkt:

Dury, Carolus Ludwig, Kassel .--.1692 ; Marburg 06.05.1791 (Nr. 19; Prorektor: K. W. Robert) auch Du Ry.

Vor dem 1791-06-01 reiste Charles Louis / Carl Ludwig Dury ( Du Ry) mit der Postkutsche vom heimatlichen Kassel zur Immatrikulation nach Marburg. In der Postkutsche traf er eine Frau aus Kassel, die sich vom „Hofrat Jung“ - d. h. Jung-Stilling - den „Staar operiren lassen“ will. In Waber stiegen noch drei Marburger Studenten zu, die von einer „Geniereise“ nach Göttingen zurückkehren.

So handelt es sich um Karl Ludwig / Charles Louis Du Ry, geb. Kassel 1771, gest. Neapel 8.11.1797; 17.10.1792 stud. cam.; 1795 mit Stipendium der Kasseler Société des Antiquité Reise nach Italien, dort am Faulfieber gestorben; sein Stammbuch aus den Jahren 1791-1794 befindet sich in Kassel; vielleicht enthält es Einträge Jung-Stillings.

 

Johann Heinrich Wiederholt/Wiederhold (imm. 3.04.1765; gest. 21.11.1813; mehrfach Bürgermeister) war verh. mit Friederica Carolina Dörr (T. d. zu Mannheim verstorbenen Kurpf. Ehegerichtsrats Lt. Johann Christian Dörr; gest. im Alter von 56 Jahren am 1.04.1805) das Ehepaar hatte in 30 Jahren 12 Kinder, darunter 4 Mädchen. Welche der beiden mag hier betroffen gewesen sein?

  1. Helena Catharine, geb. 3.06.1773;
  2. Helena Maria, geb. 13.06.1778;
  3. Caroline Friederica, geb. 23.04.1787, gest. 12.03.1789;
  4. Caroline Friederica, geb. 28.01.1791.

Ein Sohnsoll genannt sein: Christian Wiederhold geb. Marburg 18.01.1775; der von sich sagt: „Nachdem ich auch in den Kameralwissenschaften einige Kenntnisse bei dem Hofrathe und Prof. Jung eingesammelt hatte, nahm ich im J. 1795“ den Dr. iur. an.

 

Wechselkommunion in Marburg

von

Erich Mertens und Petra Mertens-Thurner

 

(Quellennachweise sind im rekonstruierten Original vorhanden!)

  

Fragt man heute, so nennen die Befragten verschiedene Religionen, kommen aber bei Konfessionen schon in Schwierigkeiten: römisch-katholische und evangelische Christen kennt man noch. Bei Altkatholiken und Reformierten sowie Lutheranern wird es schon schwieriger. Da man kaum oder keine Unterschiede benennen kann, fallen Streitigkeiten im Allgemeinen fort.

Heinrich Heppe schreibt 1868: „Die confessionellen Gegensätze bestanden in Hessen bis zum Anfang des neunzehnten Jahrhunderts fast in derselben Schroffheit wie früher. Einen ersten Lichtblick in eine heilsamere spätere Gestaltung der kirchlichen Verhältnisse gewährte i. J. 1789 eine landesherrliche Verfügung, welche durch den gottseligen Professor Jung (=Stilling) 64) zu Marburg erwirkt war.“

Die Spannungen blieben jedoch unterschwellig erhalten, wie die Bemühungen der Marburger Katholiken um den Verbleib ihres Pfarrers Leander (Johann Heinrich) van Eß (1772-1847) z. B. im „Hesperus. Nationalblatt für gebildete Leser“, Nr. 63, 1814-12, S. 504, zeigen.

 

Martin Völkel hat in seiner gegründeten Jung-Stilling-Biographie 2008 das Kapitel „7.4.5 Überkonfessionalität“ entsprechend benannt. Jung-Stillings Problem mit der „Wechselkommunion“ wird dabei nicht ausführlich behandelt. So sollen hier wiederum Materialien dargeboten werden.

 

Wilhelm IX. (1743/1785-1821) bemühte sich sehr um die Universität Marburg, berief zum einen auch neue Lehrkräfte und hatte Erfolg: „Dadurch hob sich die Zahl der Studirenden in Kurzem beträchtlich, so daß in dem einen Jahre 1786 150 neu angekommene Studirende, worunter drei Grafen, sechs Edelleute und 29 Mediziner waren, eingeschrieben wurden.“

Zum Anderen erließ er am 1787-12-21 ein Edikt über die „Verstattung der katholischen Religions=Uebung in Marburg.“. Die Katholiken erhalten damit die Erlaubnis zum Gottesdienst, „damit Katholiken in Marburg ebenfalls studiren könnten“.

Der Text des Edikts findet sich in Konrad Wilhelm Ledderhoses „Kleine Schriften“, 1787, S. 827 ff.

Bernhard August Gärtner, Franz Benjamin Ries und Ludwig Karl Eberhard Heinrich Friedrich von Wildungen bearbeiten dies in Zusammenarbeit mit der Regierung zu Mainz und dem deutschen Orden. Karl Faciola („ein sehr rechtschaffener, friedfertiger Mann“, S. 266), in Mannheim geboren, sein Vater stammt aus Italien und lebte als Kaufmann in Mainz, feiert ab 1. Adventsonntag 1788 mit den 65 Katholiken, darunter 8 Studenten, den ersten Gottesdienst.

 

Das „Journal für Prediger“, Bd. 21, Stück 3, 1789, S. 300 schreibt dazu: „Am dritten Adventsonntage 1788 hat der katholische Gottesdienst zu Marburg, wovon bisher viel Redens und Schreibens gewesen ist, in der Kapelle des Hospitals der heiligen Elisabeth im deutschen Hause würklich seinen Anfang genommen. Man hoffet zum Besten der Universität einen guten Erfolg davon. Als Geistlicher ist Herr Canonicus Falciola von Maynz hieher geschickt worden; von dem man sich eine billige, aufgeklärte Denkungsart verspricht. Ohne diese würde er freylich auch auf einer protestantischen Universität eine erbärmliche Rolle spielen.“

 

Falciola, „der würdige Pfarrer dieser Gemeinde“, durfte dann auch durch „das gnädigste Patent“ des Landgrafen „in der ganzen Katholischen Christenheit, in und außer Hessen, eine Collecte zu ihren Bedürfnissen […} sammlen.“ So berichtet Baldinger in seinem Medizinischen Journal.

 

So hatte sich für die Marburger Katholiken ein Problem gelöst, das für die evangelischen Christen dort weiter bestand.

Bereits im Jahr 1787 fand sich in den „Hessischen Beiträgen zur Gelehrsamkeit“ S. 463 ff. ein Brief mit der Anfrage, ob Lutheraner bei reformierten in katholischen Ländern zum Abendmahl gehen könnten/dürften.

Erst zwei Jahre später, im „Journal für Prediger“, 1789, S. 298, heißt es: „In Marburg ist die Privatbeichte aufgehoben. Auch ist den Eheleuten luth. und reform. Confession verstattet, gemeinschaftlich wechselweise bei Predigern beider Confessionen zu kommuniciren.“

Das „Journal von und für Deutschland“ 1789, 6. Jg., 6.St., druckt S. 590-591 einen „Auszug eines Schreibens aus Marburg den 2ten Junius.“ ab. Anläßlich des Todes von Samuel Endemann (1727-1789) wurde es verfaßt, und am Schluß liest man unter dem Datum 1789-05-31: „Schließlich muß ich doch noch ein sehr nachahmungswürdiges Beyspiel der Duldung von unsern Marburger Honoratioren anführen: Verschiedene Ehepaare, wovon ein Theil lutherisch, der andre reformirt ist, haben nach eingehohlter Erlaubniß von ihren Geistlichen angefangen zusammen zu communiciren, so, daß das eine mahl die Frau mit dem Mann in seiner, und das folgende mahl der Mann mit der Frau in ihrer Kirche zum Abendmahl geht. Möchte das doch allenthalben, wo beyde protestantische Kirchen vermischt sind, eingeführt werden!“

Ein Schreiber „X.“ lobt noch 1800 im „Westphälischen Anzeiger“ diese „Religionsvereinigung“.

So weit, so gut; aber das Problem war anscheinend noch nicht aus der Welt.

In dem Jahresrückblick auf das Jahr 1790 bezieht sich das „Journal für Prediger“, Bd. 23, H. 4, S. 470 in  1791 auf diesen knappen Hinweis des Jahres 1789 und schreibt:

„Viel lermen um nichts! So gings schon oft in der / Welt. So geht’s noch immer. So geht’s auch leider / oft rühmlich sein sollenden Geschichten von Toleranz, und / dadurch wird offenbar der guten Sache viel geschadet. / Dahin gehört auch die Nachricht im 3ten St. Des 22sten / B. des Journals von der wechselseitigen Communion der / Reformirten und Lutheraner in Marburg. Hier die wah= / re Geschichte von jenem Vorfall aus einer ganz zuverlässi= / gen Quelle:

Ein Reformirter in Marburg, der eine lutherische / Frau hat, kam auf den Gedanken, mit seiner Frau wech= / selweise in der lutherischen und reformirten Kirche zum / Abendmal zu gehen. Das hiesige Ministerium fragte / darüber bei dem Consistorio an, welches die Sache an den / Landgrafen gelangen ließ. Nun kam auch - der Ver= / fasser der Geschichte des Herrn von Morgenthau - / auf [S. 471:] auf diesen Einfall, und suplicirte darum; es kam an das / Ministerium ein Rescript, das nur die Fälle namentlich / nannte: diese Ehepaare wären beim Abendmahl zugelassen. / Ersterer ist seitdem von Marburg weggezogen; die luthe= / rische Frau des zweiten [die lutherische zweite Frau, Maria Salome gen. Selma geb. St. George] seitdem gestorben und eine refor= / mirte [Elisabeth Coing] an ihre Stelle gekommen. Die Sache scheint schon / also zu Ende zu seyn, und Niemand hat bisher Lust be= / zeigt, nachzufolgen. - Ist das nun Toleranz? Oder / ists nicht vielmehr bloße Ziererei an einem Orte, wo beide / Kirchen sind?“

 

Der „Verfasser der Geschichte des Herrn von Morgenthau“, Jung-Stilling, sah sich veranlasst, auf diesen Artikel zu reagieren – vor einem größeren Publikum als der Leser des „Journals für Prediger“.

 

„Marburg den 12ten Oct. 1791.“ schreibt Jung-Stilling an den Herausgeber der Journals von und für Deutschland, Siegmund Freiherrn von Bibra:

„Berichtigung und Beantwortung einer Stelle im Journal für Prediger, / im 4ten Stück des 2;sten Bandes, Seite 170. Halle bey Kümmel, / die Wechsel=Communion in Marburg betreffend. / Daß die Zeitschriften, und über= / haupt die Publicität den Zweck haben, / Aufklärung und Belehrung für alle / Stände zu verbreiten, ist eine völlig / ausgemachte Sache; und eben so ge= / wiß ist es, daß auch dieser Zweck auf / eine höchst wohlthätige Weise erreicht / werde, wenn die Einsendere der Nach= / richten redlich und unpartheyisch die [Sp. 2:] Wahrheit sagen. Aber nun fordre ich / auch jeden edlen deutschen Mann, je= / den Freund Gottes, und der Menschen / auf, über die schrecklichen und unab= / sehbaren schädlichen Folgen nachzuden= / ken, die solche Zeitschriften haben müs= / sen, wenn falsche, hämische oder gar / ehrenrührige Nachrichten eingerückt wer= / den, von denen derjenige, den sie be= /        treffen [S. 632, Sp. 2:] 632       XII. Berichtigungen, Antworten und Nachrichten. / treffen, oft gar nicht erfährt, sich / also gar nicht verantworten kann! – / während der Zeit, da er vielleicht im / edelsten Würkungskreis lebt und webt, / schleicht in der Nähe und Ferne jene / Nachricht wie eine Furie in der Nacht / herum, und vergiftet seine Ehre und / guten Namen, an denen doch jedem / rechtschaffenen Manne, vorzüglich wenn / er in einem öffentlichen Amt steht, / nächst seinem Leben alles gelegen ist. / Man antworte mir nicht; der unschul= / dig Leidende könne sich verantworten; / nein! das kann ein Geschäftsmann nicht / immer, er kann bey weiten nicht alle / Zeitschriften lesen, folglich auch nicht / alles erfahren, was im Publico / von ihm gesagt, geschrieben und ge= / läster wird, Ich lese das Journal für / Prediger nicht, und nur durch einen / Freund erfuhr ich etwas von der / Stelle, die diesen Aufsatz veranlaßt. / Freylich ist diese Anzeige nicht so arg, / daß meine Ehre und guter Name dar= / unter leidet, aber doch immer so be= / schaffen, daß sie eine Erinnerung ver= / dient; dem zufolge will ich also die / Geschichte ganz nach der Wahrheit er= / zälen, und sie dann mit der Anzeige / des Prediger=Journals vergleichen. / Ein hiesiger, rechtschaffener Gelehr= / ter, reformirter Religion, heurathete / eine edle brave Person aus der luthe= / rischen Gemeinde; beyde liebten sich / zärtlich, und beyde empfanden etwas / trauriges darinnen, daß sie bey dem / Vereinigungsmahl der Christen, / dessen Zweck es doch ist, das Band / der Liebe immer mehr zu befestigen und / enger zu knüpfen, getrennt seyn muß= / ten, und sie glaubten, es sey schicklich, / und Gott auch wohlgefällig, wenn auch / Ehegatten zusammen communicirten; / sie beschlossen also anzufragen, ob die / wechselseitige Kommunion statt finden / könnte? – Die hiesigen reformirten [Sp. 2:] Geistlichen fanden keinen Anstand, und / der lutherische Prediger hatte ebenfalls / nichts einzuwenden, folglich gieng die / lutherische Frau mit ihrem Manne bey / den Reformirten zum Nachtmahl. Mei= / ne seel. Frau, die auch lutherisch war, / erfuhr das; auch sie hatte es oft mit / Wehmut empfunden, daß sie nicht / mit mir, und ich mit ihr communici= / ren konnte, folglich machte ihr diese / Nachricht viel Freude, und ich muß / gestehen, ich freute mich ebenfalls über / diese Annäherung der frohen Zeit, wo / einmal die verhaßte Scheidewand zwi= / schen den beyden verschwisterten prote= / stantischen Kirchen einstürzen würde. / Ich wendete ich also auch an die lu= / therische Geistlichkeit (denn die refor= / mirte wünschte die Wechselcommunion), / allein ich fand Widerstand; ich machte / also eine Vorstellung ans Fürstliche / Consistorium, und bat um die Erlaub= / niß, daß meine Frau mit mir bey den / Reformirten, und ich mit ihr bey den / Lutherischen communiciren dürfte, zu= / gleich aber erinnerte ich, daß ich wohl / wüßte, daß diese Erlaubnis um der / Ordnung willen, nur allein die ver= / mischten Ehen angehen könne. Das / Consistorium wollte für sich nicht ent= / scheiden, sondern berichtete die Sache / an Serenissimum; darauf erfolgte nun / folgender Extract geheimen Rathspro= / tocolls de dato Weißenstein den 3ten [1789-07-03, s. d.] / Julius 1789, an das hiesige Fürstli= / che Consistorium, welcher von Wort / zu Wort so lautet:

- „Daß es bey vermischten Ehen / „protestantischen Eheleuten gestattet / „seyn solle, das heilige Abendmahl / „nach eigenem Gefallen in der pro= / „testantischen Kirche zu nehmen, wo / „sie wollen.“

Das ist der wahre Hergang der Sa= / che, wobey ich Schwachheiten verschwie= / gen und mit dem Mantel der Liebe be= /        deckt [S. 633, Sp. 1:] XII. Berichtigungen, Antworten und Nachrichten.       633 / deckt habe, weil ich durchaus nie= / mand beleidigen will. Aber nun halte / man die Nachricht im Prediger=Jour= / nal dagegen – Sie lautet von Wort / zu Wort folgendergestalt: / „Ein Reformirter in Marburg, der / „eine lutherische Frau hat, kam auf / „den Gedanken, mit seiner Frauen / „wechselweise in der lutherischen und / „reformirten Kirche zum Abendmal / „zu gehen. Das hiesige Ministerium / „fragte darüber bey dem Consistorium / „an, welches die Sache an den Land= / „grafen gelangen ließ. Nun kam auch / „der Verfasser der Geschichte des / „Herrn von Morgenthau – auf die= / „sen Einfall, und suplicirte darum; / „es kam an das Ministerium ein Re= / „script, das nur die Fälle namentlich / „nannte: diese Ehepaare wären beym / „Abendmahl zuzulassen. Ersterer ist / „seitdem von Marburg weggezogen; / „die lutherische Frau des zweyten seit= / „dem gestorben, und eine reformirte / „an die Stelle gekommen. Die Sache / „scheint also schon zu Ende zu seyn, / „und niemand hat bisher Lust bezeigt, / „nachzufolgen. - Ist das nun Tole= / „ranz? – oder ists nicht vielmehr Zie= / „rerey an einem Ort wo beyde Kirchen / „sind?

Was also von dieser Nachricht grund= / falsch ist, fällt in die Augen:

  1. I) Fragte das lutherische Ministe= / rium nicht an, als der reformirte Ge= / lehrte bey ihm um die Wechselcom= / munion anhielt, sondern seine Frau / communicirte connivendo bey den Re= / formirten.

2) Ich fragte bey dem Consistorio / an, und darauf kam die gnädigste Re= / solution; und

3) sind die Fälle nicht namentlich / genannt; nicht uns beyden Paaren [Sp. 2: ist] die Wechselcommunion ausschließlich / erlaubt worden, sondern alle gemisch= / te Ehepaare können und dürfen in / beyden protestantischen Kirchen com= / municiren wo sie wollen.

Nun wäre es zwar unnöthig weiter / ein Wort hinzuzusetzen: allein man / erlaube mir nur, dem Manne der so / schreiben konnte, ein paar Worte ans / Herz zu legen, und einen Blick auf das / Colorit zu werfen, in welchem die Sa= / che vorgestellt wird.

Angenehm ist mirs, lieber Unbekann= / ter! daß ich Ihren Namen nicht weiß; / ich würde mit bitteren Empfindungen / gegen Sie zu kämpfen haben, wenn / ich ihn wüste, und das ist weit schwe= / rer als Ihre kleine Neckerey zu ertra= / gen. Bleiben Sie also in Ihrem Dun= / kel, damit ich Ihnen mit voller See= / le Liebe erzeigen könne, wo sich Ge= / legenheit dazu darbietet. Aber blicken / Sie einmal tief in Ihre Seele, was da / vorgieng, als Sie schrieben: Nun kam / auch – der Verfasser der Geschichte / des Herrn von Morgenthau – auf / diesen Einfall. – Mir ists zwar sehr / einerley, ob Sie mich so, oder Hein= / rich Stilling oder Professor Jung / genannt haben: war aber Ihr Herz / so, wie es diese Stelle vermuthen läst, / so verzeihe Ihnen Gott! – ich habs / Ihnen längst verziehen. Und die Fra= / ge: Ist das nun Toleranz? oder ists / nicht vielmehr Ziererey u. s. w. was / will die sagen? – Wenn das, was ich / that nicht Toleranz war, so möchte ich / doch wissen, was Sie sich bey dem / Wort denken.

Marburg den 12ten Oct. 1791.

Jung.

 

„Die neuesten Religionsbegebenheiten mit unpartheyischen Anmerkungen“ bringen in ihrer Nr. 11 des Jahres 1791 eine Zusammenfassung der Ereignisse, wobei der Beitrag „III. Ueber das Königl. Preussische Religions-Edict.“ in dem sich das Thema Wechselkommunion ebenfalls findet.

Man liest dort:

„IV. / Toleranz der Reformirten und Lutheraner / in Marburg. /==

In dem Journal für Prediger ( 2 Band 4 St. S. 170.) war eine Nachricht von der Wechsel=Communion der Reformirten und Lutheraner in Marburg gegeben worden, die nicht ganz richtig war. Der berühmte Herr Professor Jung in Marburg, von welchem auch etwas in der gedachten Nachricht befindlich war, das sich nicht ganz so verhielt, ließ deswegen einen Aufsatz in das Journal von und für Deutschland (1791. 7. St. S. 631) einrücken, worinn er jene Nachricht berichtigte. Wir wollen das Wesentliche und den wahren Hergang der Sache mit seinen eignen Worten erzählen:

‚Ein hiesiger rechtschaffner Gelehrter, reformirter Religion heurathete eine edle brave Person aus der lutherischen Gemeinde, beyde liebten sich zärtlich, und beyde empfanden etwas trauriges darinn, daß sie bey dem Vereinigungsmahl der Christen, dessen Zweck es doch ist, das Band der Liebe immer mehr [S. 677:] mehr zu befestigen und enger zu knüpfen, getrennt seyn mußten, und sie glaubten, es sey schicklich und Gott wohlgefällig, wenn auch Ehegatten zusammen communicirten; sie beschlossen also anzufragen: ob die wechselseitige Communion statt finden könnte? Die hiesigen reformirten Geistlichen fanden keinen Anstand, und der lutherische Prediger hatte ebenfalls nichts einzuwenden; folglich gieng die lutherische Frau mit ihrem Manne bey den Reformirten zum Nachtmahl. Meine seel. Frau, die auch lutherisch war, erfuhr. das; auch sie hatte es oft mit Wehmuht empfunden, daß sie nicht [mit; Me] mir, und ich mit ihr, communiciren konnte; folglich machte ihr diese Nachricht viel Freude, und ich muß gestehen, in ich freute mich ebenfalls über diese Annäherung der frohen Zeit, wo einmal die verhaßte Scheidewand zwischen den beyden verschwisterten protestantischen Kirchen einstürzen würde. Ich wendete mich also auch an die lutherische Geistlichkeit (denn die reformirte wünschte die Wechselcommunion,) allein ich fand Widerstand; ich machte also eine Vorstellung ans Fürstliche Consistorium, und bat um die Erlaubniß, daß meine Frau mit mir bey den Reformirten, und ich mit ihr bey den lutherischen communiciren dürfte; zugleich aber erinnerte ich, daß ich wohl wüßte, daß diese Erlaubniß, um der Ordnung willen, nur allein die vermischten Ehen angehen könne [S. 678:] könne. Das Consistorium wollte für sich nicht entscheiden, sondern berichtete die Sache ad Serenissimum; darauf erfolgte nun folgender Extract geheimen Rathsprotocolls de dato Weissenstein den 3ten Julius 1789. an das hiesige Fürstliche Consistorium, welcher von Wort zu Wort so lautet:

‚Daß es bey vermischten Ehen protestantischen Eheleuten gestattet seyn solle, das heilige Abendmahl nach eignem Gefallen in der protestantischen Kirche zu nehmen, wo sie wollen.‘ ‘ “

 

Jung-Stilling und Fouqué

(vgl. zu ihm hier passim) 

 

Anläßlich einer Nettelbeck-Biographie vergleicht er mit Jung-Stilling und schreibt u. a.:

 

„Kühn und sturmesreich ist sein Leben, wie das des wilden Benvenuto, aber wahrhaft und fromm und hell, wie das unsres gottgeliebten Stilling; originell und kräftig ist seine Darstellung, wie die Darstellung jener beiden, und auch wie bei ihnen zieht sich bei ihm eine reiche Ader fröhlichen Witzes durch das Ganze; der Hohn jedoch, welcher oftmals grell aus Benvenutos zorniger Seele hervortaucht, ist unsrem Nettelbeck fremd.“

 

Selbst Goethe hätte sich als Übersetzer Jung-Stilling wie bei Benvenuto betätigt, wäre sein Werk in einer Fremdsprache erschienen.

 

 

1789 in Marburg - Jung-Stilling und Oelrichs

G. A. Benrath veröffentlichte Teile aus Jung-Stillings Notizbüchern. Darin ist von einer Begegnung Jung-Stillings mit dem evangelischen Theologen und Philosophen Johann Georg Arnold Oelrichs (geb. Hannover 8.06.1767, gest. 7.03.1791) die Rede.

Oelrichs studierte in Göttingen und wurde 1787 dort promoviert. Den Winter 1787 verbrachte er daheim in Hannover. Dort beschäftigte er sich damit, was die Neuplatoniker von Gott halten und schrieb dazu das in Marburg 1788 publiziert Werk: „M[agister]. Jo. Ge. Arn. Oelrichs. Commentatio de doctrina Platonis de Deo a Christianis et Recentioribus Platonicis varie explicata et corrupta. = Marburgi. Typis Novae Tipographii Academiae MDCCLXXXVIII.“ (142 S.]

Johann Michael Heinrich Döring (1789-1862) charakterisiert Oelrichs S. 118 so: „Aber seine eigenen Ansichten leidenschaftlich zu vertheidigen, hinderte ihn seine Bescheidenheit. Auf sich selbst, seine Kenntnisse und Talente, legte er einen geringen Werth. Vor einem raschen und übereilten Urtheil bewahrte ihn seine Besonnenheit seines Geistes. Ueberhaupt zeigte sich sein Charakter als Mensch durch Sanftmuth, allgemeines Wohlwollen und ein inniges Gefühl für Freundschaft von einer sehr liebenswürdigen Seite.“

Auf Empfehlung von Christian Gottlob Heyne (1729-1812) ging Oelrichs als Hofmeister eines Studenten nach Marburg. Nach einem Jahr Aufenthalt in Marburg zog er nach Erlangen, weiterhin als Hofmeister wirkend.

Hier in Marburg machte der besonnene junge Mann Bekanntschaft mit dem dortigen Professor Jung.

Was mag geschehen sein, dass sich Jung-Stilling 1789 notiert:

„Gestern Abend erfuhr ich daß Dr Oelrichs einen Widerwillen gegen mich habe. Bemerkung darüber

Es giebt zweyerley Menschen die einen würksamen thätigen die Religion liebenden Mann nicht leyden können

1) solche die Empordrang haben, gern grose Lichter werden möchten, aber nicht Talente genug haben, diese werden griesgrämige Neider [S. 98:]

2) solche die den hohen Wert der Tugend einsehen [S. 36] aber zu schwach sind, sie zu erkämpfen. Diese beneyden andre, die tugendhaft sind, und halten sie für Heuchler und Schwärmer.“

 

 

 

Vorhergehender Text hier.

 

Antritt der Professur – Jung-Stilling in Marburg 1787

von

Erich Mertens und Petra Mertens-Thurner

 

(Quellennachweise sind im rekonstruierten Original vorhanden!)

 

Antritt der Professur

 

Johann Jakob Pfeiffer (geb. Kassel 6.10.1740, gest. Marburg 26.11.1791) wird am 1787-01-01 als Prorektor der Universität eingeführt. Der Prorektor wird jedesmal vom akademischen Senat im November gewählt und tritt sein Amt nach eingegangener Bestätigung durch den Landesherrn, der der Rektor ist, am 1. Januar an. Mit ihm, dem Landesherrn und Curtius hatte es Jung-Stilling also beim Ortswechsel zu tun, denn für Curtius ist ein Briefwechsel im Januar 1787 nachweisbar.

So kommt es am 1787-01-30 zu der Entscheidung: Wir sind „entschlossen, dieses u der Person der zu Heidelberg stehenden Professoris Dr. Jung bewürken zu lassen; So ergehet, zu Erreichung dieser Unserer vorsorglichen Absicht der gnädigste Befehl hierdurch an Euch, von eben bemeldeten Dr. Jung, als Professor der Oeconomie- Cameral- und Finanz Wissenschaften mit einem jährlichen Gehalt von zwölf hundert Rthl, sodann der Versicherung für dessen etwaige künftige Wittib, ante eine Gnaden Pension von jährlich Ein Hundert Rthl und zu seiner Reise nach Marburg bewilligte Zwey hundert Rthl. ohnverlangt zu vociren“.

Die Stelle des verstorbenen Leske erhielt der a. o. Prof. Dr. Christian Friedrich Ludwig (1751-1823) aus Leipzig. Sicherlich ist dies Christian Friedrich Ludwig, nicht dessen Vater Christian Gottlieb Ludwig (1709-1773).

Heinrich Hermelink macht eine interessante Bemerkung zum Gehalt von 1200 Reichstalern: Selchow erhielt 2500, Badlinger 2000, Robert sen. 650 Reichsthaler.

 

So erhält Jung-Stilling das am 1787-02-05 datierte Schreiben von Johann Heinrich Christian von Selchow aus Marburg über seine Berufung Jungs an die Universität Marburg.

„Wohlgeboren Hochgeehrter Herr Professor, Die Universität Marburg erklärt sich glücklich, wenn sie das Teil ihrer Mitglieder durch einen Mann von Ew. Wohlgeboren ausgebreiteten Kenntnissen vermehrt sehen kann. Sie freut sich daher über die von des regierenden Herrn Landgrafen zu Cassel, unsers gnädigsten Herrn Hochfürstl. Durchl. erhaltenen Befehl, Ew. Wohlgeboren zum Professor der Oeconomie, Cameral und Finanzwissenschaft auf hiesiger Universität, mit einer jährlichen Besoldung von 1200 Thalern zu berufen, welches denn hierdurch geschieht. Für eine etwa künftige Witwe sind eine Gnaden Pension von 100 Thalern ausgesetzt, Zu den Reisekosten also sind 200 Thaler bestimmt. Da wir nicht zweifeln, Ew. Wohlgeb. werden den huldreichen Ruf des besten Fürsten folgen, so wünschen wir baldmöglichst eine bestimmte Antwort, welche sowohl als der baldigen Gegenwart unsers künftigen hochachtungswürdigen Collegen wir mit Verlangen entgegen sehen.

Marburg 5. Febr. 1787. / W. C. DD. A. d. UG.

von Selchow.

Ist den 7. Feb. mit der Post von hier abgeg.

Haußmann.“

 

Wenig später, am 1787-02-17 erhält Jung-Stilling aus München seine Dienstentlassung aus dem Heidelberger Amt, um nach Marburg gehen zu können. Es ist dies ein Kurfürstliches Mandat mit eigenhändigen Unterschriften Karl Theodors und seines Ministers Frhr. [Graf seit 1790] v. Oberndorff. Jung-Stillings Nachfolger wird Christoph Wilhelm Gottlob Gatterer aus Göttingen.

 

Dankbar, seiner Lebensmeinung folgend, schreibt Jung-Stilling am 1787-03-06 an Israel Hartmann in Ludwigsburg: „[…] Endlich hat Gott mein langwieriges Leyden geendigt und den Knoten meines merkwürdigen Lebens gelöst; Er sey dafür gepriesen! - Ich habe nie anders als Jesum Christum und Gott in Ihm angerufen, auf Seine Hülfe hab ich getraut, und Er hat mir geholfen. Folglich ist Er wahrer Gott, ein Beweiß, den mir die Pforten der Höllen nicht überwältigen können. Die Universität Marburg hat mich mit einem Gehalt von 1200 schweren Thalern oder 2100 Gulden nebst einer guten Versorgung meiner Frauen, wenn ich sterben sollte, berufen; und ich gehe auf Ostern dahin ab. Mein ganzes Leben soll nun fernerhin so wie bisher zu seiner Ehre gewidmet seyn, nur werde des Strauchlens und Fallens immer weniger. Mein Glaube an Ihn wird mich leiten.“

 

Der Abschiedsbrief Jung-Stillings an den Staatsminister Franz Albert Reichsfreiherr von Oberndorff in Mannheim datiert vom 1787-03-25 und ist gedruckt in der Edition Schwinge S. 131.

Die Abreisezeit aus Heidelberg stellt ein Problem dar. In seinen Notizen (in dem Angang  zur LG) heißt es S. 692: „8.4. 1787 den 8ten April zog ich als Professor der Staatswirthschaft nach Marburg.“ Der Ostertermin fiel 1787 auf den 8. April, Ostermontag war der 1787-04-09. Morgens um 6 Uhr verlassen Jung-Stilling und Familie Heidelberg zwecks Übersiedlung nach Marburg. Während Friedrich von Matthisson in Heidelberg bleibt, erreicht wahrscheinlich Familie Jung noch an diesem Tag in Frankfurt die Familie Krafft. Aber an welchem Tag nun? Nur in seltenen Fällen reiste man am Ostersonntag – wie Jung-Stilling angibt. Am 1787-05-14, einem Montag, schreibt in Mannheim Friedrich Karl von Moser einen Brief an Jung-Stilling. Hier ist der Montag als Reisetag genannt, und Moser gibt dem heutigen Leser noch weitere Informationen, die bisher nicht verifiziert werden konnten. Moser schreibt: „Am Oster=Montag früh um 6 Uhr rief ich meiner Luise zu: Nun sind unsere lieben Freunde Jungs auf dem Wege. […] Nun, Lieber, für alle den guten Anfang, den Sie mir melden, insbesondere auch für die unmittelbare Verbindung mit Ihrem Fürsten, lobe und danke ich Gott, mit Ihnen. Er macht keine halbe Sachen; Er wird auch mit Ihnen seyn ferner, und so lange Sie da seyn sollen. Ich sage: Da, denn wir beide sind doch so eine Art Zugvögel, und es ist mir eben nicht so, daß sie als Professor in Marburg [S. 80:] sterben werden. Von Frankfurt nach Kassel ist Marburg just der halbe Weg. *) Indessen sezen Sie sich da einstweilen im Abendstern nieder und singen:“ Der damalige Editor gibt die Anmerkung: „*) Es war im Project, Stilling von Marburg nach Kassel zu versetzen. d. H.“ Bisher ist davon nicht weiter bekannt geworden.

Tatsächlich betrat Jung-Stilling mit seiner Familie Marburg am 1787-04-13, dem Freitag nach Ostern. Erst am 1787-04-25 bringt die „- ( Nro. XVII ) - / Gemeinnüzige Nachrichten. / - / Marburg den 25sten April 1787. / -“ S. 79, Sp. 2 in  der Rubrik  „Fremde und Einheimische so in die Stadt gekommen.“ Die Anzeige. „Barfüßer Thor. April 13. Hr. Professor Jung nebst Familie, von Heidelberg.“

Mit dem 1787-05-14 hat Jung-Stillings Zeit in Marburg begonnen.

Sofort am 1787-04-15, Quasimodo, schreibt er dem Landgrafen Wilhelm IX. (1743/1785-1821), seinem neuen Landesherrn, daß er „gestern, am Freitag Mittag, [...] auf dem Posten angekommen, auf welchen mich Ew. Hochfürstl. Durchlaucht huldreich berufen haben“. Gleichzeitig kündigt er seine Aufwartung für später an, da er sich auf seine Lehrstunden vorbereiten müsse.

Das von Johannes Bayrhoffer gedruckte „Verzeichniß der Lehrstunden auf der Universität Marburg im Sommer halben Jahr 1787 nach der Ordnung der Wissenschaften“ hat sich, wie alle anderen Vorlesungsveranstaltungen, erhalten. Im Jung-Stilling-Jubeljahr 1990 hat Wolfgang Lück dies faksimiliert.

Nach eben diesem Verzeichnis ist festzuhalten, daß Johann David Busch Osteologie und Physiologie lehrt, sowie „Ueber die Krankheiten der Schwangeren und Wöchnerinnen“ unterrichtet. Michaelis lehrt über Augenkrankheiten und besonders die Operation des grauen Stars.

Busch erinnert sich 1806 und 1819 mit leicht unterschiedlichem Ausdruck an diese Zeit, wenn er in seinem „System der theoretischen und practischen Thierheilkunde. – Zum Behuf akademischer Vorlesungen entworfen.“ Bd. 1. Zoologie und Zootomie. Marburg: Neue akademische Buchhandlung 1806, S. (XI) schreibt: „Als ich […] anfieng, Vorlesungen über die theoretische und praktische Thierheilkunde zu halten, bediente ich mich des (damals einzigen) Lehrbuches meines Freundes und ehemaligen Kollegen Jung“. In der zweiten Auflage im Jahr 1819, liest man S. (III): „Jung (Stilling genannt) meines erprobten Freundes“. . So heißt es sicherlich gegründet 1835 im Nekrolog auf Busch: „Im Jahr 1787, wo Jung Stilling nach Marburg berufen wurde, fing er an, auf dessen Zureden (war bald der Freund dieses redlichen, frommen Mannes geworden), Vorlesungen über die Thierarzneikunde zu eröffnen, und brachte es dahin, daß im Jahre 1788 ein kleines Haus behufs der Zergliederung der Hausthiere erbaut wurde.“

 

Nüchtern vermerkt am 1787-05-14 die „Polizey= und Commerzien=Zeitung.“ in Kassel Jung-Stillings Anstellung mit den Worten: „Civil=Beförderungen. Der bisher zu Heidelberg gestandene Herr Professor Dr. Jung ist zum Professor der Oeconomie= Cameral= und Finanz=Wissenschaften bey der Universität zu Marburg gnädigst bestellt worden.“

Jung-Stilling dagegen schreibt 1787-05-22 aus Marburg an die Weidmannsche Buchhandlung: „Vielleicht wissen Sie schon daß ich diese Ostern mit einem / Gehalt von 1200 Rthlr schwer Geld als / Professor der Oeconomie, Finanz, und Cameral= / Wissenschaften hieher berufen worden bin, zugleich hat / meine Frau wenn ich vor ihr sterbe ein ansehn / liches Wittwen Gehalt.“ Im selben Brief setzt er sich für den Bibliothekar Karl Franz Lubert Haas (geb. Kassel 12.08.1722, gest. Marburg 29.10.1789) ein, der einen Verleger sucht.

 

Die Gesellschaft des Ackerbaus und der Künste in Kassel veröffentlicht in den Gemeinnützigen Nachrichten Nr. 24 und anderen Journalen ihren Jahresbericht, der von Johann Wilhelm Christian Gustav Casparson  unterzeichnet ist. Am 1787-05-28 wurde Jung-Stilling zum Mitglied der Gesellschaft des Ackerbaus und der Künste in Kassel ernannt. Die Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung Nr. 24 v. Mo 1787-06-11, schreibt. „Endlich fand die Gesellschaft es vor zweckmäßig den nunmehrigen durch seine öconomische Kenntnisse und Erfahrungen berühmten Marburger Professor der Cameralwissenschaften Herrn Jung, in dessen Person, des Durchlauchtigsten Beschützers weise und gnädigste Absicht daselbst dem Vaterland einen Lehrer, eines so nothwendigen und gemeinnützigen Unterrichts geben wollte, bey Höchstdenenselben als ordentliches Mitglied in unterthänigsten Vorschlag zu bringen, und den Herrn Hofgerichtsrath und ProfessorSömmerring zu Maynz, als einen auswärtigen Gelehrten von bekanntem Verdienst, zum Ehrenmitgliede. Des Herrn Landgrafen Hochfürstl Durchl. haben solches auch schon gnädigst genehmigt. […]

Cassel den 28ten May 1787.

  1. J. C. G. Casparson,

Rath, P. und der Gesellschaft beständiger Secretair, auch Mitglied der Chursächsischen öconomischen Gesellschaft zu Dresden.“

Diese Ernennung läßt Jung-Stilling Aufnahme finden in den jährlich erscheinenden „Landgräfl. Hessen-Casselischer Staats- und Adress-Kalender auf das Jahr … (1788, S. 111) als Mitglied Ackerbau-Gesellschaft.

Jung-Stilling ist eingebunden in den normalen Verlauf des Dienstes an  der Universität:

Mit Johann Ludwig Völkel erhält Jung-Stilling am 1787-05-29 einen neuen Kollegen; dieser ist jdoch noch bis September 1787 beurlaubt. Erst im Wintersemester 1787/88 wird er lesen; daß er später bei der Erziehung des hessen-kasselischen Kronprinzen eine Rolle spielen wird, ist noch unbekannt.

Anders ist es beim Kollegen, dem späteren Hauptman Karl Franz Schleicher, mit dem am 1787-12-21 an der Universität Marburg die Professur für Kriegswissenschaft gegründet und mit dem charakterisierten Hauptmann Schleicher besetzt wird. Er ist damit ordentlicher Lehrer der Taktik und der sämtlichen Kriegswissenschaften mit Sitz und Stimme in der Philosophischen Fakultät. Erst am 1788-02-12 berichtet das Journal von und für Deutschland“ mit einem Korrespondenzbericht: „Der Lieutenant Schleicher, dessen im achten Stück, vierter Jahrgang, Seite 165 gedacht wird, ist von dem Landgrafen, dessen Absicht es war, auch in Marburg für die militairischen Wissenschaften einen Katheder zu errichten, als Hauptmann und Lehrer, mit Sitz und Stimme in der philosophischen Fakultät, hieher versetzt worden. Ein noch in Cassel von ihm geschriebenes Programm stellt ihn als einen lebhaften und forschenden Kopf dar, von dem die Universität Nuzzen erwarten kann. Er wird hier eben die angezeigten Wissenschaften lehren, die bey dem Kadettencorps sein Fach waren.“

Am 1787-06-15 bestätigt Jung-Stilling durch seine Unterschrift – andere Professoren haben ebenfalls gegengezeichnet – zur Kenntnis genommen zu haben, daß seinem Kollegen Robert Urlaub nach Mainz bis zum Ende des Monats September „gnädigst gestattet“ wurde.

Seine im Druck 32 Seiten umfassende

„Antrittsrede / über den / Ursprung, Fortgang und die Lehrmethode / der / Staatswirthschaft. / - / In / höchster Gegenwart / Sr. Hochfürstlichen Durchlaucht / Wilhelm des Neunten, / Landgraf zu Hessen &. / gehalten / von / Dr. Johann Heinrich Jung, / ordentlicher öffentlicher Lehrer der Oeconomie / Finanz und Cameralwissenschaften, / den 4ten July 1787. / - / Marburg, / in der neuen academischen Buchhandlung.“

hält Jung-Stilling erst am 1787-07-04.

Sie liegt faksimiliert, digitalisiert und im kommentierten Neudruck vor, und „In ihr ging er auf das Wesen, die Anfänge, das Wachstum, den Fortgang und die Lehrmethode der Wissenschaft ein, die er zu lehren hatte, nämlich der Staatswirtschaft. - In der Vorrede betont er seinen Glauben, von Gott an diesen Ort bestimmt worden zu sein und seine Lebensaufgabe erhalten zu haben. WLk“ [= Wolfgang Lück, 1990.

Gerhard Ernst Merk (1931-2020) erwähnt 1988 einen Brief Jung-Stillings vom 1787-09-14 (richtig 1787-11-14) an die Weidmannsche Buchhandlung, und schreibt. „Jung-Stilling hatte gleich im Wintersemester 1787/88 an die sechzig Hörer; „mein Auditorium ist gedrängt und geproft Voll“, schreibt er am 14. September 1787 (handschriftlicher Brief im Besitz meines Freundes Werner Schmidt, Siegen-Seelbach).“

Zugleich konnte Jung-Stilling durch die „Anzeige / der / Leipziger ökonomischen / Societät / in / der Michaelismesse 1787. / [Vignette] / = / Dresden, / gedruckt mit Meinholdischen Schriften.“ erfahren, dass er am 1787-09-29 von dieser Gesellschaft zum „korrespondirenden“ Mitglied gewählt worden war. Nach Nennung von Johann Klefecker, August Friedrich Wilhelm Crome und Eric Nissen Viborg ist zu lesen: „der ordentliche öffentliche Lehrer der Oekonomie=Fi= / nanz= und Kameralwissenschafften in Marburg, / Herr Johann Heinrich Jung der Pfalz=Zweybrückische Hofrath und ordentliche / öffentliche Lehrer auf der Kuhrpfälzischen Staats= / wirtschafts=hohen Schule zu Heidelberg, Herr / D. Georg Adolph Suckow; […]“.

 

Sicherlich wird Jung-Stilling sich darüber gefreut haben, hatte er mit Suckow doch schon einmal sich beworben. – Gefreut haben wird er sich auch nach dem 1787-10-02 über die Ehrung, die seinem Kollegen Ernst Gottfried Baldinger (1738-1804) widerfuhr: dieser war Professor Primarius in der medizinischen Fakultät der Universität Marburg seit dem Sommersemester 1786 und wird nun zum Geheimen Rat ernannt. – Das „Journal von und für Deutschland“ (BIBRA: Journal) 5, 1788, Nr. 2, S. 172 f. bringt einen Auszug aus einem Brief vom 1788-02-12, in dem es heißt: „Daß unser geschätzer Baldinger von den Landgrafen das Prädicat eines Geheimen Rathes erhalten hat, wissen Sie, und ich darf hinzufügen, daß sich ganz Marburg über die Beförderung eines so verdienstvollen Mannes freuet, seit dessen Hierseyn die medicinische Facultät im eigentlichen Verstande zu seyn anfängt. Der Professor Busch nannte ihn bey einer Promotion den Hippocrates unsrer Zeit. Deutschland hat manchen rechtschaffenen und würdigen Arzt, aber nur einen Zimmemann, Weikard und Baldinger, desto mehr Ferry’s u. s. w.“ – Allgemeine Literatur Zeitung, Januar 1788 Sp. 160 schreibt: „BERICHTIGUNG. Die Nachricht von einer Pension für die beiden Töchter des Herrn Geh. Rath Baldinger zu Marburg ist dahin zu berichtigen, daß jede, im Fall sie unverheyrathet blieb, nicht aber beide zusammen 150 Rthlr erhält. A. B. Cassel, d. 28. Dec. 1787.“

 

Ein Professor benötigt Lehrmaterial, das er auch selbst anfertigt und dafür benötigt er einen Verleger. Oben ist bereits die Weidmannsche Buchhandlung genannt worden (1787-05-22).

Im Brief an sie vom 1787-10-01 übersendet er einen Manuskriptteil (sicherlich zum „Lehrbuch der Staats-Polizey-Wissenschaft“ von 1788), kündigt eine weitere Fortsetzung an und erwartet eine schnelle Auslieferung des Werks, denn: „Von heut über 3 Wochen fang ich an zu lesen, in 14 Tagen müßte ich also schon etwas gedrucktes haben, wenigstens ein paar Bogen.“

Im selben Brief bestellt er zugleich für sich Literatur: „Schicken Sie mir doch Krünizens oeconomische Encyclopädie so weit sie fertig ist; dann Montesquieus Geist der Gesezze gut teutsch übersezt, ferner“ die aus dem seit 1743 in Frankfurt existierenden Druckhauses der Gebrüder van Düren aus dem Haag:

 

  • „Rechnung welche dem Könige von Herrn Necker Generaldirector der Finanzen im Monat Jänner 1781. übergeben worden. – Auf Befehl Seiner Majestät gedruckt [.] - nach dem Französischen Original übersetzt. [Vignette] Frankfurt am Mayn 1781 bey den Gebrüdern Van Düren.“

und:

  • Allgemeines, politisches und oeconomisches Administrations-System. Nach dem französischen Original übersetzt. Frankfurt a. M.: Van Düren 1781, kl8, 132 S.

 

Ist das erste Werk nachzuweisen, so gelang dies beim zweiten nicht. Es findet jedoch verschiedentlich Erwähnung:

Verlagskatalog angebunden an: Johann Hermann Dielhelm: Antiquarius des Donau-Stroms oder Ausführliche Beschreibung dieses berühmten Stroms, von seinem Ursprung und Fortlauf, bis er sich endlich in das schwarze Meer ergießet ... bis ins verflossene 1784. Jahr … von J. H. D. Frankfurt: van Düren 1785.

Johann Friedrich von Pfeiffer (1717-1787): „Berichtigungen berühmter Staats= Finanz= Polizei= Commerz= und ökonomischer Schriften dieses Jahrhunderts, von dem Verfasser des Lehrbegriffs sämtlicher ökonomischer= und Cameralwissenschaften. [Motto Voltaire …; Silhouette Necker …] Dritter Band. – Frankfurt am Main, in der Eßlingerschen Buchhandlung 1782.“; darin S. (209)-258. „III. Des Herrn Necker allgemeines politisches und ökonomisches Administrationssystem.“ – Bd. 1-6 1781 bis 1784 erschienen.

Magazin des Buch- und Kunsthandels, welches zum Besten der Wissenschaften und Künste von den dahin gehörigen Neuigkeiten Nachricht giebt. Jahr 1781, H. 7, Leipzig: Johann Gottlob Immanuel Breitkopf 1781, S. 604.

Extrabeilage zur Hanauer Neuen Europäischen Zeitung, Nr. 135 v. Di 1799-08-27, S. 3, Sp. 1.

Sicher nicht das genannnte Werk bei Hensius Bd. 1, Leipzig 1812, Sp. 41: „Administrationssystem, allgem. polit. u. kanonisches &. A. d. Franz. übers. 8. Mannheim, Schwan u. G[oetz].“

 

Am 1787-10-15 gibt er wiederum eine Bücherbestellung auf und dankt für die ihm gelieferten Druckwerke. Am 1787-11-14 drängt er in dem oben schon genannten Brief (vom 1787-09-14 [richtig 1787-11-14]) auf schnelle Lieferung der Autorenexemplare, da er die vielen Studenten ausstatten müsse. Zugleich klagt Jung-Stilling über den hohen Preis der Krünitzschen Enzyklopädie, der ihn in ein Schuldverhältnis zum Verlag bringt. Das Honorar für sein Werk ist nicht so hoch, um das zu ändern. Aber: er wird weiter Bücher publizieren. So folgt das „Lehrbuch der Finanz-Wissenschaft“ im Jahr 1789.

 

Für das Wintersemester immatrikulieren sich am 1787-10-23 in Marburg die Schützlinge Kroebers („Raschmann“). Nur wenig später, am 1787-11-01, erlebt Jung-Stilling die Geburt des siebten Kindes (des vierten aus zweiter Ehe): Carolina Auguste Friederike in Marburg an der Lahn (ledig gest. 10.05.1821 in Rastatt).

„Taufzeugen sind Caroline von Urff, Baron von Rieben, Hofrath Hartmann in Stuttgardt und Matthison“, schreibt Jung-Stilling. Bisher war Baron von Rieben nicht identifiziert. Dies könnte die Lösung sein:

 

Friedrich von Matthisson schreibt an Johannes von Müller: „Heidelberg, den 28. Januar 1787. Hartmann und von Rieben, zwei edle Jünglinge, die sich durch Kenntnisse und Fleiß, vorzüglich aber durch reine Herzendgüte vor allen hier Studirenden auszeichnen, werden nach Mainz kommen, um Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen, mein theurer Müller. Sie verdienen von Ihnen gekannt zu seyn, und deswegen empfehle ich Ihnen diese meine Freunde angelegentlich und herzlich.“

So ist anzunehmen, dass es sich hier - so war schon 1979 Reinhard Breymeyer auf der richtigen Spur - um den Taufpaten August Wilhelm Ludwig von Rieben handelt, geb. 14.04.1766, gest. 21.04.1827, er war später Geheimrat und seit 1787-07-08 in Homburg als Prinzenerzieher tätig; Rieben ehel. 30.10.1791 Caroline Luise von Creutz (1769-1842), war immatrikuliert in Tübingen (Nr. 38124: 07.10.1782) und hinterließ dort einen Stammbucheintrag am 1785-09-01 bei Johann Georg Christoph Müller (1762-1835).

Bei „Hofrath Hartmann“ wird es sich dagegen handeln um Johann Georg Hartmann, geb. Plieningen bei Stuttgart 19.02.1731, gest. Stuttgart 9.06.1811; württembergischer Hof- und Domänenrat.

Unter dem Datum 1787-11-30, einem Freitag, schreibt Friedrich Karl von Moser in Mannheim in einem Brief: „Ihr Beifall, mein Lieber, ihr Amts=Segen und die Volksliebe gegen Sie rühren und freuen mich. Auch das ist Gnade, wie alles, was Er uns thut. Wir leben ja aus Gnaden und Seine Geduld ist unsere Seligkeit; wo? und was wären wir ohne Jesu?“ Er hatte sicherlich wie die Weidmannsche Buchhandlung viel Positives von Jung-Stilling gehört.

 

Das Jahr 1787 schließt mit zwei Ereignissen. Zum einen beantragt Jung-Stilling eine Reise, die am 1787-12-14 genehmigt wird. „Der Prorector, Professor Theologiae Pfeiffer zu Marburg, thut unterthänigte Anzeige von des Professors Jung daselbst vorhabenden Reise vom 23. auf den 31. Dec. und bittet dazu um gnädigste Erlaubnisresc[ript] ad di zugestanden“. Wie schon zuvor werden Jung-Stillings Kollegen dies abgezeichnet haben.

 

Zum Anderen erscheint ein Edikt über die „Verstattung der katholischen Religions=Uebung in Marburg.“ am 1787-12-21. Die Katholiken erhalten damit die Erlaubnis zum Gottesdienst, „damit Katholiken in Marburg ebenfalls studiren könnten“ Gärtner, Ries und von Wildungen bearbeiten dies in Zusammenarbeit mit der Regierung zu Mainz und dem deutschen Orden. Karl Faciola („ein sehr rechtschaffener, friedfertiger Mann“, S. 266), in Mannheim geboren, sein Vater stammt aus Italien und lebte als Kaufmann in Mainz, feiert ab 1. Adventsonntag 1788 mit den 65 Katholiken, darunter 8 Studenten, den Gottesdienst.

 

Fortsetzung 1787 bis 1803 hier.

 

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