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„Intelligenzblat für Hessen“ - „Intelligenzblatt für Hessen“

 

Text ab Freitag vorhanden

 

 

Vgl. hier.

 

Stillingsfreunde – Stillings Freunde – Stillings Freunde

 

„Liebe Leser und Stillingsfreunde!“

 

Mit dieser Anrede beginnt Jung-Stilling 1804 seine „Lehrjahre“. 1778 benutzte er in der „Wanderschaft“ den Ausdruck „du Stillings-Freund!“ (LG S. 213) 1789 erschien das „Häusliche Leben“, von dem die Anzeigen meinten: „Den Stillingsfreunden wird diese Fortsetzung von Stillings Lebensgeschichte sehr willkommen seyn.“ Darin ist Jung-Stilling der Kaufmann Bauch „ein edler Mann und Stillings Freund“. (LG S. 324; auch S. 441, 513, 536; MERK: Belehrt S. 19, Anm. 3.]

Er griff 1804 damit auf, was er bereits 1781 im Vorwort zu seinem Roman „Florentin von Fahlendorn“ geschrieben hatte:

„ich weiß, daß ich eine gewisse Anzahl Leser in Teutschland habe, die ich gemeiniglich Stillings-Freunde heisse. Wer nun nicht zu dieser Gesellschaft gehöret, der lasse meine Sachen ungelesen; denn er siehet ja schon auf dem Titel, daß Stilling sie geschrieben hat; aber von einem solchen verbitte ich mir auch das Rezensiren; denn Stillings Freunde können, den meisten Stimmen nach, das gerad am schốnsten finden, was dem Herrn Rezensenten gar nicht gefällt; und da hat ihm niemand das Recht gegeben, das Liberum Veto zu schreien.“ [Liberum Veto: das im polnischen Sejm (Reichstag) 1652–1791 geltende Recht, jedes Abgeordneten, sein Veto einzulegen, da Entscheidungen einstimmig gefällt werden mussten. In diesem Fall wurden sämtliche zuvor gefallenen Entscheidungen der Sejmsitzung ungültig.]

 

Bereits 1780 hatte ein Anonymus seinem Buch als Motto vorangestellt: „Freund Stilling ! Lis’ diese Geschichten - und / dann sage, wann du kannst, die Grenzen zwischen Gott / und der Natur - zwischen Geist und Fleisch - zwischen / Licht und Finsternis - zwischen Leib und Seele. Ge= / nug ! alles - sichtbares und unsichtbares, Leben und / Tod - hilft zusammen wirken, daß Gottes Rath voll= / führt werde. - So denkt / Stillings Freund.“

 

1781 kritisiert ein Rezensent des Romans „Florentin von Fahlendorn“: „Wer kann solche Schwärmereyen billigen? Zwar verbittet der Verfasser in der Vorrede alle Recensionen von andern als Stillings Freunden (wie er sie poßierlich nennt).“ […] Ein anderer Rezensent des Romans schreibt nur: „Aber um der Leser willen, die keine Romane lesen, oder keine Stillingsfreunde sind, ist es wohl nicht überflüßig, auch etwas vom Inhalte zu sagen.

 

1787 greift Christian August Vulpius auf die „Vorrede zur Geschichte Florentins von Fahlendorn.“ zu und meint vom Mond: „Aber noch ganz anders sehen ihn die Stillingianer, vom Oberhaupte der Sekte **) selbst Stillings Freunde, benamset.“ Er scheint der erste zu sein, der von einer Sekte sprach. – Vgl. hier.  

1788 hat die LG „einen alten Stillingsfreund, sehr angenehm unterhalten“, und er schrieb aus diesem Gefühl heraus eine Rezension über das „Lehrbuch der Staatspolizey-Wissenschaft“.

 

1799 rezensiert Johann Isaac Berghaus, der Jung-Stilling persönlich kannte, dessen Schrift „Staatswirtschaftlichen Ideen“ und meint: Jung fährt fort darin, „Wahrheiten zu sagen, für die nur Stillings Freunde empfänglich sind“.

 

Am 1815-06-08 erhält Jung-Stilling einen in Sarepta am 27. Mai alten Stils geschriebenen Brief von dem Vorsteher Schleinitz der Brüdergemeine. Dieser Dankt für das schreiben Jung-Stillings vom 1815-02-17 und meint: „Der lehrreiche und erweckliche Inhalt desselben hat mich und alle die zahlreichen Stillingsfreunde in hiesiger Gemeine, denen ich Ihren Brief mitgetheilt habe, innig erbaut, und das Band der herzlichsten Bruderliebe, durch welches wir uns mit Ihnen verbunden fühlen, wo möglich noch fester geknüpft.2

 

1817 wird Stillings „Alter“ unerlaubt nachgedruckt. Jung-Stillings Schwiegersohn Schwarz publiziert dagegen und schreibt: „Wir erwarten aber nunmehr von keinem Stillingsfreunde, daß er zu so etwas die Hand biete, und durch wissentlichen Ankauf des Nachdrucks sich fremder Sünden theilhaftig mache.“

Auf diesen Aufruf bezieht sich am 1818-07-15 ein „M. –“ in seinem Kampf gegen Nachdrucker. Hier liest man. „Und eben so wird sich kein Stillingsfreund mit dem nachgepfuschten Büchlein und Kupfer besudeln, da das Original in einer würdigen Gestalt von den Hinterbliebenen veranstaltet, und von der Verlagshandlung um einen äußerst billigen Preis – nur 36 kr. Theurer, als der versuchte Nachdruck – gegeben werden.“

 

Evtl. ist 1820 eine der Töchter Kirchhofer oder Helena Schlatter-Bernet die Verfasserin des Büchleins, das sich „An ▫ Stillings=Freunde.“ wendet. „Euch, ohne Ausnahme Allen, ihr geliebten, bekannten und unbekannten Stillingsfreunden, die ihr ja auch Christus-Freunde seyd! sind diese Blätter gewidmet.“ hebt das Werk an.

 

1841 Heinrich Gelzer schreibt in seiner Literaturgeschichte: „Man erschrickt, wenn man ihn immer und immer von den ‘Stillingsfreuden’ [sic; Stillingsfreunden] (dies sein Ausdruck), die er dort und hier gefunden, so sprechen hört wie von einer auserwählten Gemeinde.“

 

1851

„Aus jenem Gefühl individueller Vereinsamung stammt auch seine beständige Sehnsucht nach einem Surrogat der verlassenen Kirche, das Bestreben, eine unsichtbare Kirche mit einer gleichgestimmten Gemeinde von „Stillingsfreunden“ herzustellen.“

 

1857 schreibt Amalie Jung aus Mannheim an Prälat von Kapf: „Sodann stehen Sie als Stillingsfreund seinen beiden letzten Töchtern besonders nahe, und Ihre schöne Vorrede zu der letzten Auflage seiner Lebensgeschichte verpflichtet sie zu innigem Danke.“

 

1860 bekennt Max Goebel/Göbel: „daß ich selber mich gern zu den zahlreichen Stillingsfreunden rechne und freudig bekenne, daß Stilling’s Schriften schon in früher Jugend auch auf mich den segensreichsten Einfluß ausgeübt haben, wie ich auch kein deutsches Werk so oft gelesen habe und immer wieder lese, als Stilling’s ‚Jugend‘.“

 

1922 schreibt Alexander Vömel im Vorwort zum ‚Heimweh‘: „Dank der verständnisvollen Mitarbeiter einiger Stillingsfreunde, besonders des Herrn Professor Dr. Eitel in Königsberg, dürfte es gelungen sein, hier eine Neuausgabe des Buches anzubieten, die den Anforderungen der Gegenwart entspricht.“ [Prof. Dr. phil. nat. Wilhelm Hermann Julius Eitel, geb. Frankfurt am Main 6.05.1891, gest. Toledo (Ohio) 20.07.1979.]

 

Am 1934-01-20 wirbt Gastwirt Fritz Engelbert in Hilchenbach: „Stillingsfreunde besuchen vom ‘Florenburg’ seiner Jugend die Stillingsstätten und finden die freundlichste Aufnahme im Gasthof Fritz Engelbert.“

 

Das Problem der Pacht

 

Der Kameralist und Statistiker Johann Daniel Albrecht Hoeck (geb. Gaildorf 13.05.1763, gest. Ansbach 7.01.1839) hatte 1796 einen Ruf als ordentlicher Professor der Philosophie und Kameralwissenschaft nach Erlangen erhalten. Seine Ernennung durch König Friedrich Wilhelm von Preußen stammt vom 3. Februar 1796, aber bereits nach einem Jahr schied er dort aus. Im Rahmen dieser kurzen Professur publizierte er eine Anfrage im

Kaiserlich privilegirter Reichs-Anzeiger 1796, Bd. 2, Nr. 208 v. 1796-09-08, Sp. 5824-Sp. 5825.

Er fragt an nach § 95, S. 181-185 in

„Dr. Johann Heinrich Jungs / der Oeconomie, Finanz= und Cameral=Wissenschaften ordentl. / öffentl. Lehrers in Marburg / Lehrbuch / der / Cameral=Wissenschaft / oder / Cameral=Praxis. / - / - / Marburg / in der neuen akademischen Buchhandlung / 1790.“

worin dieser seine „eigene Idee“ auf den genannten Seiten vorstellt.

Und stellt dies dem Artikel gegenüber, den Johann Beckmann (1739-1811) verfasste in:

„Beyträge zur Oekonomie, Technologie, Polizey und Cameralwissenschaft, von Johann Beckmann. – Sechster Theil, nebst Register über die drey letzten Theile.“ Göttingen: [Anna] Vandenhoeck 1782. – S. 359-370: „IV. Von der Einrichtung und den Vortheilen der Briefgüther.“

Hoeck schreibt:

"Kameralistische Fragen.

Ist in irgend einem deutschen Staate die von dem Hrn. Hofrath und Prof. Jung in Marburg erfundene und in seinem Lehrbuche der Cameralpraxis (8. Marburg 1790.) §. 95 beschriebene Methode einer erblichen Pachtüberlassung mit alljährlicher Bestimmung gewisser von dem Pachtinhaber zu entrichtender Quoten nach dem angeschlagenen Ertrage und den jedesmaligen Marktpreisen von einem Kammercollegio versucht un d wie ist solche in der Ausführung befunden worden? Oder sind die in dem Hessen Darmstädtischen eingeführten lebenslänglichen Verleihungen oder sogenannte Briefgütherleihen, von welchen in Beckmanns Beyträgen zur Oekonomie. 2. B. S. 359. f. nähere Nachricht ertheilt wird, auch in andern deutschen Ländern und mit welchem Erfolge nachgeahmt worden?

Durch Beantwortung dieser Fragen würden mich sachkundige Männer sehr verbinden.

Erlangen            Höck, Professor.“

 

 

Jung-Stilling in Marburg 1787 bis 1803

von

Erich Mertens und Petra Mertens-Thurner

 

(Quellennachweise sind im rekonstruierten Original vorhanden!)

 

Mit dem Tode seines Vaters 31. Oktober 1785 wurde dessen Sohn, der „bisherige Erbprinz von Hessen=Cassel und regierende Graf von Hanau, George Wilhelm“ als Wilhelm IX. (1743-1821) Landgraf von Hessen-Kassel. Er soll damals eines der größten Vermögen Europas geerbt haben; Zeitgenossen sprechen von einem „großen Schatz von 65 Millionen Gulden“. Durch Umrechnung oder andere Quellen sprach man später von einem „Privatvermögen von 30 bis 36 Mill. Thlr.“

Wilhelm IX. nutzte dies Vermögen und „hat seit dem ersten Augenblick seiner angetretenen Regierung, ununterbrochen die deutlichsten Beweise eines guten Fürsten und Vaters seiner Unterthanen gegeben. Den Fond der Universität Marpurg [sic, Marburg] hat derselbe mit 100,000 Gulden vermehrt; […].“

Der Korrespondent des „Journal von und für Deutschland“, der „wieder einmahl ins Hessenland hinüber geschaut“ hat: „Ueber Cassel. Aus Thüringen, den 1ten May.“, greift das Lob aus „Historisches Portefeuille“ und „Manheimer Zeitung auf und schreibt: „Beziehung auf bestimmten Zweck, in Unternehmungen, Anordnungen und Einrichtungen – scheint Zug in Wilhelms Fürstencharakter zu seyn. Wenn Hessens Flor sein Zweck ist, so läßt sich die Klage auswandernder Fremdlinge über ihn begreifen.“ – Die Zeitgenossen sind sich sicher: „Wer aber glaubt, daß Wilhelm irgend eine für das gemeine Wohl wichtige Unternehmung aufgeben könne, der kennt nicht das mindeste von dem Hauptzug seines großen, unermüdeten Geistes“.

Der schon zitierte Korrespondent des „Journal von und für Deutschland“ bringt unter dem 1786-05-10 „Neuigkeiten aus Marburg.“: „Unsere sieben neue Professoren Baldinger, Michaelis, Stegmann, Mönch, Brühl und Tiedemann sind nunmehr wirklich angekommen“, arbeiten wie Michael Conrad Curtius (1724-1802) und übergeben Johannes Bairhoffer [Bayrhoffer, 1777-1795] bzw. später Johann Konrad Christian Krieger (1747-1825) ihre Arbeiten zum Druck. Kurz: „Marburg kann sich in der That glücklich preisen, jetzt in allen Fächern so berühmte als würdige, oder hofnungsvolle Männer zu besitzen“.

Ähnlich formuliert das „Journal von und für Deutschland“: „[...] Marburg kann sich in der That glücklich preisen, jetzt in allen Fächern so berühmte als würdige, oder hofnungsvolle Männer zu besitzen, von denen die Namen eines Endemann, von Selchow, Baldinger, Curtius, Stegmann, Tiedemann, allein hinreichend wären eine hohe Schule zu zieren. So lange der rühmliche Eifer, mit dem Wilhelm die Sache Marburgs, so wie die Sache Hessens überhaupt, übernommen hat, nicht erkaltet, so lange kann es nicht fehlen, daß diese von der Natur und tausend andern Umständen so sehr begünstigte Universität eine der blühendsten und gesegnetesten in Deutschland werde. [...]“

Bereits im Jahr 1785 hatte Johann Georg Heinzmann (1757-1802) Marburgs Vorzüge vorgestellt: „Da Marburg mitten zwischen Frankfurt und Kassel liegt, also mit Ober- und Niederdeutschland, auch noch weiter, auf der einen Seite durch Karlshaven mit Bremen durch Koblenz, auf der andern mit den Niederlanden Verbindung hat, Wetzlar, Hanau, Mainz, Dillenburg, Fulda , die Freyabtey Arnsburg und mehrere Höfe von Fürsten und Grafen um solches herum sich befinden, so gewährt auch dieß Studirenden sowohl, als wie den Eingebornen manche zum Theil beträchtliche Vortheile uud Bequemlichkeiten.“

Aber „Noch war Marburg die hohe Schule nicht“, so urteilt der Reisende im „Journal von und für Deutschland“, „Marburg muß – wenn es im philosophischen und historischen Fach noch Männer und die medicinischen Anstalten, wie in Cassel erhält, – gedeihen. Denn eine lachende Gegend, eine gesunde Luft, ein dienstfertiger Bürger, Menge und Wohlfeile der Lebensmittel und Gesellschaften für den Jüngling – die nicht wie in Göttingen Audienz oder Cour sind, verspricht ihm alles.“

Derselbe Reisende im „Journal von und für Deutschland“ meint: „Marburg ist in seiner romantischen Lage nach am Lahnfluß, ein schon natürlicher Parnaß. Der schönen Aussicht aus den Häusern an der Höhe verzeiht mans, daß sie größtentheils schlecht sind, doch besser als in Gießen – das einen Platz, beßre Universitätsgebäude und eine Straße ausgenommen, immer wie eine Landstadt aussieht.“ Karl Gottlob Samuel Heun (1771-1854, als Pseudonym: Heinrich Clauren) schloß sich 1792 dieser Sicht an und ergänzte:  „man [hat] eine freye Aussicht in das romantische Lahnthal.“

Der Reichtum des Landgrafen, den die „Mannheimer Zeitung Num. IV. Montag, den 9. Wintermonat (Jän.) 1786“ in der Korrespondenznachricht „Aus dem Hessischen“ bestätigte, gab ihm die Möglichkeit, entsprechend anzuwerben; dieselbe Zeitung vermerkt: „Mehrer unserer hiesigen Gelehrten sind mit Vermehrung ihres Gehalts als Lehrer dahin ernannt.“

Wilhelm IX. hatte Erfolg:  „Dadurch hob sich die Zahl der Studirenden in Kurzem beträchtlich, so daß in dem einen Jahre 1786 150 neu angekommene Studirende, worunter drei Grafen, sechs Edelleute und 29 Mediziner waren, eingeschrieben wurden.“

Rückblickend schreibt Philipp Losch in seiner „Geschichte des Kurfürstentums Hessen 1803 bis 1866“ zum geistigen Leben in Marburg bzw. Hessen, das: „wenig entwickelt“ war. Losch schreibt ebd.: „Unter den damaligen Marburger Lehrkräften hatten wenigstens die Namen der Theologen Wachler und Justi, des Philosophen Tennemann, des Botanikers Mönch, des klassischen Philologen Creuzer, des Anatomen Tiedemann, des Gynäkologen Stein, des originellen Mediziners Baldinger und des frommen Kameralisten Jung=Stilling mehr als bloß lokale Bedeutung, Doch vermochte die kleine Universität gerade die besten Lehrer meistens nicht dauernd an sich zu fesseln. Creuzer, Tiedemann und Jung=Stilling, der in Marburg besonders als Staaroperateur gefeiert war, gingen nach Heidelberg, wohin ihnen später auch der Jurist und Paläograph Ulrich Friedrich Kopp folgte, der bis dahin Geheimer Kabinetsrat [sic] in Cassel gewesen war.“.

Zu den für Marburg gewünschten Professoren zählte auch Nathanael Gottfried Leske geb. Muskau 22.10.1752, n. A. 1751, 1757; gest. Marburg 25.11.1786; imm. Leipzig 19.05.1769; dessen Witwe später in Heidelberg 1804 (Georg) Friedrich Creuzer ehelichte.

 

Die „Neue Leipziger Gelehrte Zeitungen XCV Stück.“ zeigen an, daß „Unser Herr Professor Leske“ nach Marburg berufen wurde und nennt nur das Gehalt. Informierter gibt sich die „Allgemeine Literatur-Zeitung“, wenn sie schreibt: „Herr Professor Leske in Leipzig ist von dem regierenden Landgrafen von Hessencassel, als ordentlicher Professor der Kameralwissenschaften und der Oekonomie, mit einem jährlichen Gehalt von 1200 Rthlr., einer Pension von 300 Rthlr. Für seine Gattin, wenn diese ihn überleben sollte, mit Sitz und Stimme im akademischen Senat, und einem ansehnlichen Aequivalent der Reisekosten nach Marburg berufen worden. Zugleich genießt er alle Jura realia und personalia [dingliche und persönliche Sachenrechte] der dortigen Professoren. Es stehet zu vermuthen, daß Herr Professor Leske diesem Rufe folgen werde.“ Diese Vermutung bestätigt die Zeitung dann in „Allgemeine Literatur-Zeitung“: Leske hat den „Ruf nach Marburg angenommen und wird zu Ende des Octobers dahin abgehen.“ - zum Vergleich: Selchow erhielt 2500 Rthlr, Baldinger 2000, Robert senior 650.

Wie sicher der Wechsel war, zeigt diese Meldung: Am 1786-09-29 wird In der „Anzeige der Leipziger ökonomischen Societät in der Michaelismesse 1786“ berichtet, dass Nathanael Gottfried Leske aus Leipzig nach Marburg geht. Er lässt seine Mineraliensammlung durch Herrn Johann Carl Schlipalius (1751-1813)] katalogisieren, denn die Leipziger Gesellschaft übernimmt sie als Geschenk. Heute wird Leskes Naturalienkabinett im National Museum of Ireland aufbewahrt.

Nathanael Gottfried Leske reiste am 1786-11-07 aus Leipzig ab, um dem Ruf nach Marburg zu folgen. Eine knappe Darstellung der Folge geben die Gothaische gelehrte Zeitungen mit ihrem Bericht aus „Marburg. Der zu uns berufene Hr. Professor Leske ist auf seiner Reise hierher unglücklich gewesen. Sein Wagen schmiß um, und er blieb über eine Stunde im Schnee liegen. Er kam sehr krank hierher, und starb den dritten Tag nach seiner Ankunft den 25sten November zum allgemeinen Bedauern, im 35sten Jahre seines Alters. Den 26. November ist er secirt worden. Nach seinem Engagement soll die Wittwe 400 Rthlr. Pension erhalten.“

 

Umfangreicher informieren:

(Christian Philipp Gabriel Löper/Loeper:) „Etwas / zur / Lebensgeschichte / des Herrn / Nathanael Gottfried Leske / Professor der Kameralwissenschaft und / Oekonomie zu Marburg, u. s. w. / von C. P. G. L. / - / Leipzig, 1787. / In der Joh. Gottfr. Müllerschen Buchhandlung.“; auch als: Löper, C[hristian]. P[hilipp]. G[abriel].: „Etwas zur Lebensgeschichte des bisherigen Herausgebers dieses Magazins“ [Nathanael Gottfried Leske.] – In: Leipziger Magazin zur Naturgeschichte [sic] und Oekonomie [Hefttitel], 4. Stück 1786, [= Leipziger Magazin zur Naturkunde und Oekonomie, hrsgg. v. Nathanael Gottfried Leske, 4. Stück, Leipzig: Johann Gottfried Müller 1786, S. 504-520. – Teilnachdruck: Johann Heinrich Voigt (Hrsg.): Magazin für das Neueste aus der Physik und Naturgeschichte, Bd. 15, H. 1, Gotha: Carl Wilhelm Ettinger 1788, S. 178-186. -- AdB Bd. 72, 1. Stück, 1787, S. 305: „Bey dem neulich gemeldeten Absterben des Herrn Professors Leske in Marburg, ist nicht beygefügt worden, daß er einigen, wie wohl geringen, Antheil an der deutschen Bibliothek gehabt hat.“ – Die „Jenaische gelehrte Zeitungen“ zeigen 1786 S. 784 an: „Am 25. Nov. starb zu Marburg Hr Prof. Nathanael Gottfried Leske, wohin er am 18. vorher, bereits äusserst entkräftet, über Leipzig und Kassel gekommen war, im 35. J. seines ruhmvollen Alters.“ – ALZ 1786 Sp. 643 zeigen den Tod an; er war Mitarbeiter der JALZ, die auf das Repertorium für 1786 verweist; diese Information auch in ALZ 1800, Sp. 927. – Samuel Baur: Interessante Lebensgemälde der denkwürdigsten Personen des achtzehnten Jahrhunderts. Zweiter Theil. Leipzig: Voß 1803, S. 369. (Bd. 1-7, 1803-1821.)

 

Nach dem Tode Leskes am 1786-11-25 in Marburg vor seiner Einführung als ordentlicher Professor der Finanzwissenschaft und Philosophie ist diese Stelle wieder vakant und ein Nachfolger muss gefunden werden.

In Göttingen war Johann Beckmann (1739-1811) an Berufungen interessiert, damit es durch Bleibeverhandlungen zur Steigerung seines Gehalts kommen konnte. „1782 wollte ihn der Landgraf von Hessen-Kassel als Kammerrat an seinem Hof holen; 1784 interessierte sich der Kurfürst von Mainz für ihn, und zwei Jahr später [1786] lockte die Universität Marburg mit einem sehr günstigen Angebot.“ (Kaufhold, Karl Heinrich: Johann Beckmann und Göttingen.

 

Beckmann nahm die Berufung nicht an, und so war das Ergebnis die Wahl Jung-Stillings. Wiederum war er nur zweite Wahl, denn bereits im Juni 1784 scheiterte eine Berufung (an unbekannten Gründen):

 

Georg Adolph Succow/Suckow (1751-1813), der älteste Lehrer an der Kameral Hohen Schule in Lautern, begann mit Jung-Stilling Verhandlungen mit einer Kameral-Fakultät an einem nicht bekannten Ort. „Es war eine fixe Besoldung von1000 fl., 8 Ohm Wein, freies Holz, Deputat-Getreide und dergl. in Aussicht gestellt, ein ‚brillanter‘ Antrag, wie Succow sich in einem Schreiben an Hofrat Medicus ausspricht. In eben diesem Briefe schreibt Succow: ‚Herr Professor Jung wird Ihnen vielleicht etwas davon melden; inzwischen beruht alles auf der Erklärung von mir, inwieferne ich auf einen förmlichen Ruf zu kommen gesonnen sei, da Jung nicht ohne mich berufen werden wird …. Da man Celebrität wünscht, ist uns völlige Postfreyheit anerboten … Herr Jung kann nicht viel darinnen beendigen, da es auf meiner Erklärung beruht.’“ (Müller, Emil: Zur Geschichte des höheren Schulwesens.)

 

Unklar ist bei dem folgenden Text, ob er sich auf uns unbekannte Bemühungen Jung-Stillings, über seine Beziehungen zu Friedrich Karl von Moser in Mannheim – so wie sie Leske zu Balldinger hatte – in Marburg frühzeitig sich ins Berufungsspiel zu bringen, oder ob es sich um ein eigenes Anliegen Mosers handelt.

Jung-Stilling erhält Montag, den 1786-05-22, einen von Friedrich Karl von Moser (1723-1798) in Mannheim geschriebenen Brief. Hier liest man: „Mannheim den 22. May 1786. […] Von Kassel habe ich in der bewußten Sache eine auf dem Schnitt vergoldete, eigenhändige Antwort vom Landgrafen bekommen, worin aber das Ja und Nein auf den Schluß des Ordenskapitels ausgesetzt wird. Wann solches gehalten wird, weiß ich nicht, wohl aber so viel, daß ich nun auf dem Stein, worauf ich sitze, noch länger warten muß. Täglich harre ich Sein!“

 

Als Nachfolger Leskes wird nun also Jung-Stilling berufen.

 

Johann Gottlieb Stegmann (1725-1795), für das Jahr 1786 an die erste Stelle der Professoren der Philosophischen Fakultät gesetzt (Hochfuerstl. Hessen-Casselischer Staats- und Adreß-Calender auf das Jahr 1786), schreibt vor dem 1786-12-06 an Jung-Stilling.

 

In den Marburger Universitätsakten findet sich erst unter dem 1787-01-30 eine Notiz: Nach dem Absterben des Leske soll dessen Stelle neu besetzt werden: „entschlossen, dieses u der Person der zu Heidelberg stehenden Professoris Dr. Jung bewürken zu lassen; So ergehet, zu Erreichung dieser Unserer vorsorglichen Absicht der gnädigste Befehl hierdurch an Euch, von eben bemeldeten Dr. Jung, als Professor der Oeconomie- Cameral- und Finanz Wissenschaften mit einem jährlichen Gehalt von zwölf hundert Rthl, sodann der Versicherung für dessen etwaige künftige Wittib, ante eine Gnaden Pension von jährlich Ein Hundert Rthl und zu seiner Reise nach Marburg bewilligte Zwey hundert Rthl. ohnverlangt zu vociren“.

Die „Numero 35. / - / Allgemeine / Literatur-Zeitung / Freytags, den 9ten Februar 1787.“ [1787-02-09] berichtet sogleich: „Hr. Prof. Jung in Heidelberg, ist als Professor mit 1200 Rthlrn schwer Geld Gehalt und mit der Versicherung einer Pension von 200 Rthlrn für seine Witwe nach Marburg gerufen worden.“ Verkürzt findet sich dies in „Jenaische gelehrte Anzeigen“, 17. Stück: „Hr Prof. Jung zu Heidelberg geht, als Professor der Oekonomie, mit einem sehr ansehnlichen Gehalte, nach Marburg.“ 

Landgraf Wilhelm IX. fertigt am 1787-02-20 in Kassel ein Reskript zur Berufung und Bestallung Jungs an die Universität in Marburg. Seine Verpflichtung ist darauf vollzogen. - Jung-Stilling werden 200 Thaler für den Umzug von Heidelberg nach Marburg zugestanden; dies gilt zugleich als Zahlungsbefehl). Am gleichen Tag wird in Kassel ein sog. Versicherungs-Rescript verfügt, daß seine evtl. Witwe eine jährliche Pension von 100 Thalern erhält. Ebenfalls an diesem Tag wird in Kassel ein Besoldungsrescript für Jung-Stilling ausgefertigt, 1200 Thaler, vom 2. Quartal des Jahres an.

 

Jung-Stillings alter Arbeitgeber verzeichnet diesen Abgang 1789 in der „Geschichte der Churpfälzischen Staatswirthschafts hohen Schule und der physikalisch=ökonomischen Gesellschaft bis zu Ende des Jahres 1788.“ in den „Vorlesungen“ mit  den Worten: „Bei den Lehrern der Staatswirthschafts Hohen Schule selbst ereignete sich eine große Veränderung, da zwei, die den Grund derselben legen halfen, und bisher ihre Zierde waren, anderwärtigen Ruf angenommen haben. Der erste derselben war Herr Hofrath Schmid, der in seinem Vaterlande bei der Carls Hohen Schule zu Stuttgard angestellt wurde, der zweitere Herr Hofrath Jung, der einem an ihn ergangenem Rufe nach Marburg folgte. Der erste erhielt seine Entlassung den 29ten Sept. 1786, der zweite den 17ten Febr. 1787. Beide Lehrstellen wurden jedes Mal zu gleicher Zeit, in welcher die Entlassung erfolgte, mit anderen Männern besezt.“ [Erb und Gatterer.]

 

Jung-Stilling – „Die Vorsehung war von jeher mein Führer.“ – sah in dieser Berufung wiederum „eine Veranstaltung der Vorsehung“ und erinnert sich dankbar rückblickend im „Der Christliche Menschenfreund in Erzählungen für Bürger und Bauern […] Viertes Heft. […] 1807“: „Unter allen göttlichen Bewahrungen die ich erfahren habe, sind auch folgende zwo sehr merkwürdig: ich war vom Herbste im Jahr 1778 an, bis in den Herbst 1784. Professor der Cameralwisenschaften in Lautern in der Pfalz: im Jahr 1784. wurde die hohe Schule von Lautern nach Heidelberg verlegt, wir Professoren zogen also dahin. Anno 1786. im Herbst, kamen allerhand wichtige Umstände zusammen,die mich veranlaßten, einen sehr vortheilhaften Beruf als Professor der Staatswirthschaft auf der Universität nach Marburg in Hessen anzunehmen, ich zog also im Frühjahr 1787. dahin. Wenige Jahre nachher brach der schreckliche Revolutions=Krieg aus, in welchem die Pfalz jenseits dem Rhein, also auch Lautern an Frankreich kam, und die ganze Pfalz, besonders Mannheim und Heidelberg sehr geängstigt wurden. Die Professoren in Heidelberg geriethen in grosse Verlegenheit, sie bekamen einige Jahre keine Besoldung: wie unglücklich wäre ich gewesen, wenn ich da geblieben wäre, indem ich kein eigenes Vermögen habe! – In Marburg hingegen war ich wohl versorgt, und lebte dort sechzehn und ein halbes Jahr in Ruhe und Frieden.“

 

 

Fortsetzung 1787 bis 1803 hier.

Degenfeld (Schreibweise differiert: Schomburg, Schonburg oder statt u ein e; auch -d/t oder -dt)

 

In der Lebensgeschichte Jung-Stillings kommen die Degenfelds S. 455, 693 und 741 vor, ohne dass Lebensdaten genannt werden. Dies soll hier nachgetragen werden. Es handelt sich bei diesen Studenten um

Maximilian Johann Christoph (geb. Eybach, Geislingen an der Steige, 1766-06-16, n. A. Eybach, Geislingen an der Steige, 1766-06-19, gest. Ardusat, Rumänien, 1816-09-14)

und

Hans (Johannes) Philipp Christoph von Degenfeld-Schonburg, geb. 26.11.1773, gest. 22.12.1842.

 

Degenfeld oder Stolberg ? Spielt hier Jung-Stilling mit Erinnerungen?  (Oder Alexander Baron von Podmaniczky, in dessen Stammbuch sich Jung-Stilling eintrug und der 1781 abreiste.)

Urania / für / Kopf und Herz, / herausgegeben / von / J. L. Ewald., darin 1. Bd., 1. Stück, S. 32-44: „Gotthard und seine Söhne. / Eine wahre Geschichte.“

 

In Marburg werden am 1787-10-23 die Schützlinge Kroebers („Raschmann“) immatrikuliert – und mit ihnen ein Degenfels. Er dürfte es auch sein, der 1788 – wie Jung-Stilling – die Gedichte Engelschalls subskribierte: „Hr. Graf von Degenfeld=Schomburg dermalen zu Marburg.“ So lautet der Eintrag in der, dem alphabetisch geordnetem Verzeichnis der gewöhnlichen Unterzeichner vorausgehenden Liste der Adligen. In dieser Liste findet sich dann „Jung, Hofrath und Professor zu Marb.“ 

Jung-Stilling war es gewohnt, mit seinen Studenten Exkursionen vorzunehmen. Vielleicht unternahmen diese auch eigenverantwortlich Ausflüge, denn als „Fremde, so in die Stadt gekommen.“ werden am 1789-10-28 die folgenden registriert: durch das Barfüßertor betreten die „Hrn. Grafen von Stollberg und Hr. Graf von Degenfeld, k[ommen]. v[on]. Gießen, kehren allhier ein.“ Marburg. 

In seinem Notizbuch hatte Jung-Stilling unter dem 1789-03-06 notiert: „Freyt. [ag] den 6 sten / Heut kam der Graf Hans von Degenfeld sein Bruder brachte ihn, er ist der jüngere Bruder“

Gustav Adolf Benrath gibt dazu nur die Anmerkung: „Die beiden Brüder wurden Taufpaten eines Sohnes Jung-Stillings (geb. 11.5.1790), vgl. Lebensgeschichte, S. 693.“; dazu unten unter 1790-05-11.

Nur einen Tag später, am 1789-03-07, vermerkt Jung-Stilling im Notizbuch: „Samstag den 7 ten März / Diesen Abend speiste ich in einer grosen Gesellschaft bey den Grafen Stollberg und Degenfeld“.

Zwischen dem Hochschullehrer und seinen (adligen) Studenten bestand also ein gutes Verhältnis. Als dann am 1790-05-11 die Geburt des neunten Kindes (des fünften/sechsten aus zweiter Ehe) erleben durfte, kam die Frage nach Paten für den Knaben „Maximilian Franz Hans Carl Christian Albrecht“ auf. Im Notizbuch vermerkt Jung-Stilling für die Taufe am 1790-05-23: „seine Taufpathen waren Prof. Coing, die beyden Grafen vonn [sic] Degenfeld Max und Hans, die Grafen August Christian und Carl von Stollberg Rosla, der Graf Taube, Hofrath Kröber, der Geheime Rath Rieß und mein Schwager Hohbach“. Leider verstarb das Kind bereits in Marburg 1791-03-15 

Kröber verließ bald darauf mit seinen Zöglingen Marburg (vgl. LG S. 469 f.); er ließ dies alle Marburger wissen durch eine (wiederholte) „Anzeige. Da die Herren Grafen zu Stolberg, Herr Graf von Degenfeld=Schomburg und ich in 5 bis 6 Wochen von hier abreisen; so bitte ich Jeden, der eine noch nicht eingegebene Forderung an uns und unsere Bediente hat, sich binnen acht Tagen bey mir zu melden. Marburg, den 26ten August 1790. Kröber.“

Gerhard Schwinge meint, dass dieser Weggang Jung-Stilling den Weg zum Volksschriftsteller „durch den Fortfall des gefährlich freisinnigen Einflusses“ ermöglichte.

Ein Student Degenfeld blieb Jung-Stilling: In seinem am 1791-01-15 erstellten „Verzeichnis der Studirenden, welche Staatswirthschaftliche Collegia besuchen. Sommer-Cours 1790. - WinterCours von 1790 in 1791. Marburg d. 15ten Jenner 1791. Jung.“ Findet sich „Graf Von Degenfeld [aus] Schwaben“, der eigentlich Jura studiert, aber als „Staatswirtschaftliche Collegia die sie hören.“ angibt „Landwirthschaft“.

 

Nicht zu identifizieren ist der Degenfeld, der am 1792-06-08 von Kassel kam, durch das Elisabethtor Marburg betritt und bei Jung-Stilling logiert.

 

1814 kann dann Max von Schenkendorf dienstliche Beziehungen zu Degenfeld gehabt haben; siehe „Verordnungen für den im General=Gouvernement Frankfurt zu bildenden Landsturm.“ Nr. 1: § 1-22, Frankfurt 1814-01-08; Nr. 2: Dienstvorschrift für die Schutzdeputationen, § 1-15, Frankfurt 1814-01-14 (Gen.-Gouv. Frankfurt und Fürstentum Ysenburg); Nr. 3: Ihme wird Bevollmächtigter, dto. Graf Degenfeld-Schomburg, Frankfurt 1814-01-18; Nr. 4: betr. Mainz und die Banner, Frankfurt 1814-03-02; Nr. 5: Verordnung über die Uebung und weitere Ausbildung des Landsturms im General=Gouvernement frankfurt.“

 

Zusätzliche Notizen: 

Graf August Christoph von Degenfeld-Schonburg (geb. 21.05.1730, n. A. 21.03., gest. Eybach 17.04.1814), wurde Oberst in württ. Diensten. Er ließ von 1785 bis 1788 die Kirche in Ramholz neu errichten und erließ 1800 eine zweite Schulordnung in Ramholz. August Christoph heiratete 18.10.1755 Elisabeth Louise Fhn. Phil. Wilhelmine von Racknitz auf Pernegg (geb. 21.11.1732, gest. 11.06.1757) und am 3.08.1762 in zweiter Ehe die Freiin Friederike Helene Elisabeth von Riedesel zu Eisenbach (geb. Höllrich 14.08.1742, gest. Eybach 3.08.1811), Tochter von Johann Volprecht Riedesel zu Eisenbach; sechs Kinder.  [Kapff S. 59 ff.] – Vgl.: Neues Genealogisches Reichs- und Staats-Handbuch: auf das Jahr MDCCLXXXV. [1785] Frankfurt a. M.: Varrentrapp und Wenner 1785, S. 23 f. – Joh]ann]. Fried[rich]. August Kazner: Leben Friederichs von Schomberg oder Schoenburg. Bd. 2. Zusätze und Beilagen. Mannheim: C. F. Schwan und D. G. Götz 1789; der Band ist den vier Söhnen August Christoph von Degenfeld-Schonburgs gewidmet. – M[agister]. F[ranz]. G[ottfried]. Kapff [1799-1865]: Christoph Martin Freiherr von Degenfeld, venetianischer General-Gouverneur von Dalmatien und Albanien. Nebst einer kurzen Geschichte der Familie Degenfeld. Nach schriftlichen Quellen bearbeitet. Ulm: Ernst Rühling 1844. – Hof- und Staats-Handbuch des Großherzogthums Baden 1834, Karlsruhe 1833, S. 141, 507; und weitere Jg.

 

Sohn a):

Maximilian Johann Christoph (geb. Eybach, Geislingen an der Steige, 1766-06-16, n. A. Eybach, Geislingen an der Steige, 1766-06-19, gest. Ardusat, Rumänien, 1816-09-14), wurde kaiserlicher Kämmerer und Reichshofrat; ehel. Anna Gräfin Teleky von Speck (; Kinder bei Kapff S. 60 genannt). – „Johann Christoph Maximilian oder Johann Philipp Christoph Gf. von Degenfeld-Schonburg, stud.“ Trägt sich in das Stammbuch des Philipp Ludwig Scheuermann, aus Kleinbockenheim, stud. jur., später Hofkammerrat, ein (vgl. https://raa.gf-franken.de/de/suche-nach-stammbuechern.html?permaLink=1787_scheuermann). – Susanne Gmoser: Chronologische Liste der Reichshofräte nach Oswald von Gschließer. Wien 2014 (vgl. http://reichshofratsakten.de/wp-content/uploads/2016/11/Reichshofr%C3%A4tePdf_%C3%9Cberschriften.pdf): „1784-1789 Studium an den Universitäten Göttingen, Marburg und Leipzig; Praktikum beim Reichskammergericht; Hof- und Appellationsgerichsrat in Mainz; 1790 Begleitung der kurböhmischenWahlbotschaft zur Kaiserwahl nach Frankfurt; 1791 Rat bei der vorderösterreichischen Regierung und Kammer in Freiburg sowie beim österreichischen Appellationsgericht in Freiburg.“; Ernennung/Vereidigung „1798 10 14 Verleihung / 1799 02 26 Introduktion“. – Matrikel Marburg: S. 419, Nr. 128: Johannes Christopherus Maximilian von Degenfeld-Schonburg imm. Marburg 1787-10-23, zuvor in Leipzig. – Johann Stephan Pütter: Versuch einer academischen Gelehrten-Geschichte von der Georg-Augustus-Universität zu Göttingen. Bd. 2, Göttingen: Vandenhoek 1788, S. 20 in der Anm.: „1784. Apr. 30. Johann Christoph Maximilian Graf von Degenfeld=Schonburg aus Schwaben“ [1784-04-30].  – Johann Daniel Schulze: Abriß einer Geschichte der Leipziger Universität im Laufe des achtzehnten Jahrhunderts nebst Rückblicken auf die früheren Zeiten -Aus handschriftlichen und gedruckten Nachrichten, Nebst einer vorausgeschickten Abhandlung über die Frage: Hat Sachsen im 18ten Jahrhundert an Denkfreiheit gewonnen? von Karl Adolph Cäsar. Neue ... Ausgabe. Leipzig: J. C. Hinrichs 1810, S. 73. (Max und Hans.)

 

 

Sohn b)

Friedrich Christoph von Degenfeld-Schonburg (geb. Stuttgart 30.09.1769, gest. Ramholz (Schlüchtern) 9.02.1848); mit 16 Jahren Soldat und 1788-90 im Feldzug gegen die Türken; später kaiserlich österreichischer Generalmajor und Kämmerer; von 1831 bis 1833 Mitglied der kurhessischen Ständeversammlung. Degenfeld erhielt mit 15 Jahren eine Unterleutnantstelle im Kürassier-Regiment Anspach. Zur Zeit der Koalitionskriege war er bereits Rittmeister. 1796 wurde er Adjutant des Feldmarschalls Dagobert Sigmund von Wurmser. 1799 diente er als Major bei den Jägern zu Pferde und kämpfte in Italien. Im Gefecht bei Bosco am 24. Oktober 1799 nahm er mit Auszeichnung teil und wurde zum Oberstleutnant befördert. Das Ordenskapitel des Militär-Maria-Theresien-Ordens erkannte ihm für seine Verdienste das Ritterkreuz zu. Verheiratet 1797-11 mit Luise Charlotte von Erbach-Erbach.

 

Sohn c)

Gustav Eugen Friedrich Christoph von Degenfeld-Schonburg (1764-01-20, gest. Heilbronn 1807-06-05 (Fenstersturz); ehel. Marianne von Berlichingen; k. k. Kürass.-Prem.-Ltnt.

 

Sohn d)

Hans (Johannes) Philipp Christoph von Degenfeld-Schonburg, geb. 26.11.1773, gest. 22.12.1842; STAHR: Sippenbuch Nr. 10712: Graf Hans v. Degenfeld-Schonberg [sic], ref., geb. um 1775, konf. 1789, privat; imm. Marburg 9.03.1789. – Friedrich Saalfeld: Versuch einer academischen Gelehrten-Geschichte … Bd. 3, Hannover: Helwing 1820, S. 24 f.: „180) 1792. Dez. 8. Hans Philipp Christoph Graf von Degenfeld Schonburg aus Schwaben.“ – Johann Daniel Schulze: Abriß einer Geschichte der Leipziger Universität im Laufe des achtzehnten Jahrhunderts nebst Rückblicken auf die früheren Zeiten -Aus handschriftlichen und gedruckten Nachrichten, Nebst einer vorausgeschickten Abhandlung über die Frage: Hat Sachsen im 18ten Jahrhundert an Denkfreiheit gewonnen? von Karl Adolph Cäsar. Neue ... Ausgabe. Leipzig: J. C. Hinrichs 1810, S. 73. (Max und Hans.).

 

Sohn e)

Maximilian Friedrich Christoph Martin von Degenfeld-Schonburg, geb. 1797, ehel. 1. Charlotte von Dürkheim-Montmartin, gest. 1832; ehel. 2. Auguste von Normann-Ehrenfels; 5 Söhne.

 

Sohn f)

Ferdinand Christoph, geb. 1802, k. württ. Kammerherr, Gesandter und Minister, itter mehrerer Orden.

 

Tochter a):

Dorothea Luise Marianne von Degenfeld-Schonburg (12.03.1765–1827) 1786 den späteren preußischen Generalmajor Christian Karl zu Erbach-Fürstenau.

 

Tochter b)

 Sophie Henriette von Degenfeld-Schonburg (22.12.1776–1847) heiratete 1797 den preußischen Oberpräsidenten Friedrich zu Solms-Laubach.

 

Weitere Kinder:

 

Eugen Christoph Friedrich Robert, 14.08.1756 bis 6.05.1757.

Maria, 25. Bis 26.05.1755.

Elisabeth Eleonoore, geb. 13.07.1778, gest. 3.09.1782.

Susanna Juliane, 20.09.1771, gest. …

 

 

Freiherr Ferdinand von Degenfeld war Forstmeister in Karlsruhe. Ein Friedrich von Türckheim (1780-1850), Präsident des Augsburger Konsistoriums in Straßburg ehel. 1813 Friederike von Degenfeld-Schonburg (geb. 1796).

 

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