August Friedrich Ferdinand von Kotzebue

(geb. Weimar 3. Mai 1761, gest. Mannheim 23. März 1819)
zitiert Jung-Stilling
 
Dieser "Vielschreiber" mit russischem Dienstadel wurde in seiner Wohnung von dem Jenenser Burschenschafter Karl Ludwig Sand (1795-1820) ermordet.
 
Es gibt keinen Nachweis für einen persönlichen Kontakt zwischen Kotzebue und Jung-Stilling. Aber in seinem 1795 in Leipzig erschienenen Lustspiel „Armuth und Edelsinn. Ein Lustspiel in drey Aufzügen.“ erwähnt Kotzebue Jung-Stillings Erlebnis mit dem Erscheinungstermin und dem Honorar der „Jugend“ (Lebensgeschichte, S. 342 ff.). - Auch in einem weiteren Stück wird Jung-Stilling genannt.
 
In einer Ausgabe aus dem Jahres 1810 dieses Schauspiels heißt es, gesprochen von Frau Rose S. 37 im 1. Akt, 8. Szene, im Gespräch zwischen Josephine, der Tochter des Peter Plum, Frau Rose, einer Predigerswitwe, die in Peter Plums Haus der Wirtschaft vorsteht, und ihrer vermeintlichen Tochter Josephine:
"Armes Kind! trau auf Gott! Morgen ist auch ein Tag. Man muß nie verzweifeln. Erdennoth ist keine Noth. In einer Minute kan sich vieles ändern. Da hab ich noch neulich ein Buch gelesen, ein schönes Buch, ein gewisser Stilling hat es geschrieben, der war arm, blutarm, und sollte Schulden bezahlen, das Feuer brannte ihm auf die Nägel. Nun, was geschieht? Eines Morgens - um zehn Uhr sollt er bezahlen - er geht in seinem Kämmerlein auf und nieder. Er bethet recht inbrünstig zu Gott. Es schlägt ein Viertel auf zehn, noch keine Hülfe; es schläg halb zehn, noch keine Hülfe; ach! da wird ihm angst und bange. Es schlägt drey Viertel, poch! poch! da klopft jemand an die Thür. - Herein! - wer war es? der Postillion. Was bringt er? einen Brief schwer mit Geld beladen, ich weiß nicht mehr wofür? aber er hatte gar nicht darauf [S. 38:] gerechnet. Da spürte er Gottes Finger, und verzweifelte nie wieder, wenn er in Noth war."
 
 
Am 1. März 1804 schreibt Jung-Stilling aus Mannheim in einem bisher ungedruckten Brief, dass er keine größere Prostitution und Schmach kenne, als auf dem Theater öffentlich bekannt gemacht zu werden. Anlass war hier die Aufführung dieses Stückes im Mannheimer Theater. Allerdings: Der Theaterintendant Freiherr Wolfgang Heribert Tobias Otto Maria Johannes Nepomuk von Dalberg (1750-1806) hatte genau diese Passage bei der Aufführung gestrichen.
 
 
In dem Katalog der Ausstellung: „Europa, wie Goethe es sah“. Katalog herausgegeben von Volkmar Hansen [,] Goethe-Museum Düsseldorf [,] Anton- und-Katharina-Kippenberg-Stiftung [,] in Verbindung mit Gonthier-Louis Fink [,] Societé Goethe de France [,] und Alberto Destro [,] Università di Bologna [.] Düsseldorf • Saverne • Bologna 1999 (ISBN 3-9805383-2-X.) findet sich S. 80 eine Abb. des Mannheimer Komödienhauses, Kupferstich von E. Klauber, Blatt 22 einer Folge.
 
 
Nebenbei sei bemerkt, dass sich in der Universitätsbibliothek in Bonn unter der Signatur Ka 1029/9 etliche seltene Werke zu und von Kotzebue finden; so unter der Signatur KA 1039/2, Nr. 4: "Rußlands Triumpf ...", Heft 3, 1813.
 
 
Das genannte Theaterstück erschien - wie auch viele Werke Jung-Stillings - in niederländischer/holländischer Sprache:
Armoede en grootheid, tooneelspel in drij bedrijven, gevolgd naar het hoogduitsch van den heer A. von Kotzebue door Cornelis Loots (1765-1834). Te Amsteldam by Pieter Joh. Uylenbroek, 1795. [Weitere Ausgaben 1796, 1799, 1822.]
 
 
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