Auszug aus einem Entwurf.

Max von Schenkendorf – Porträts - Denkmale - Würdigungen

Grundlegend ist wie immer Hagens Biographie.

HAGEN S. 239 berichtet über vorhandene Bildnisse Max von Schenkendorfs.

„Die Bildnisse Schenkendorf’s sind: ein Miniatur=Gemälde, zwei Zeichnungen und eine Silhouette. Wenn das erste in Königsberg gemacht ist, so wahrscheinlich von J. F. Mäckelburg. Nach Schenkendorf’s Tode hatte die Wittwe die Absicht, danach einen Kupferstich fertigen zu lassen, um ihn in einer neuen Ausgabe der Gedichte vorzusetzen. ‚Herr v. Stein, so schreibt sie, Koblenz 23. November 1819, war auch dafür und ich habe es ihm zugeschickt, um sein Urtheil über die Aehnlichkeit desselben entscheiden zu lassen. Er findet es sehr gut.‘ Eine kleine Tuschzeichnung, Profil=Ansicht, empfing seine mütterliche Freundin von dem Zeichner Grafen E. v. Kanitz 5. April 1821 zum Geschenk. Nach der Aeußerung eines Freundes von Schenkendorf wird in dem Bilde ‚der jugendliche liebenswürdige Uebermuth vermißt, der sich in seinen Zügen ausgesprochen‘. Eine Bleistiftzeichnung stellt etwas unter Lebensgröße das volle Gesicht ganz von vorn dar; sie wurde in Aachen 1814 vom General Grafen v. d. Gröben an einem heiter verlebten Abend gemacht. Obgleich von ihm Karrikatur genannt, wurde das Bildniß von einem Freunde treffend ähnlich genannt, mit Ausnahme der Augen, die stier sind, während sie im Leben etwas Liebgewinnendes hatten und selbst, wenn ein Lächeln durchblickte, Gutmüthigkeit nicht verkennen ließen. Die Silhouette besitzt der Geheime Regierungsrath v. Stockhorn in Carlsruhe, ihm vom Dichter selbst verehrt.“

Mäckelburg: Johann Ferdinand Mäckelburg (auch Meklenburg), geb. Ripkeim bei Wehlau 30.04.1777, gest. Königsberg 24.03.1840; Porträtmaler erhielt an der Berliner Akademie. – Vgl. Krollmann in APB, Bd. 1, S. 415, Sp. 1. – „Der Freimüthige oder Ernst und Scherz“, Nr. 185 v. Mo 1806-09-15, S. 224: „Ueber die Kunstausstellung im Moskowiter=Saal zu Königsb. In Pr. Schreiben eines Reisenden.“ nennt Sp. 1: „Hier lebt noch [… sowie]; die Mahler Wienz, Mäkelburg, Schulz und andere“.

So ergibt sich

ein Miniatur-Gemälde: durch Mäckelburg

zwei Zeichnungen

     a) Tuschezeichnung: als Geschenk 1821-04-05 durch v. Kanitz

     b) Bleistiftzeichnung: Aachen 1814 durch v. d. Gröben

eine Silhouette: Besitz v. Stockhorn.

 

Max von Schenkendorf wird mit Ludwig van Beethoven verwechselt

Theodor Frimmel hatte gerade im Jahr 1888 sein Werk „Neue Beethoveniana“ herausgegeben, dessen Kapitel „Beethoven’s äussere Erscheinung, seine Bildnisse.“ als vollständig und grundlegend gewürdigt wurde. Da tauchte ein neues Bildnis Beethovens im Kreis der Freunde des Komponisten auf und führte zu einer Auseinandersetzung zwischen Fachleuten, an denen sich „Die Redaktion der Zeitschrift Daheim. Ein deutsches Familienblatt mit Illustrationen (27. Jg., (1890-10 bis 1891-07), Nr. 40 v. 1891-07-04, S. 642) ebenso beteiligte wie die Redaktion von „Velhagen & Klasings Neuen Monatsheften“ im August 1891: „Zur Kritik Dr. Frimmels über das neue Beethovenbildnis“ Stellung zu nehmen.

Fimmel geriet damit in eine Konfrontation mit Gerhard von Breuning (geb. Wien 28.08.1813, gest. ebd. 6.05.1892) und Paul von Bojanowski (geb. Schwedt 24.01.1834, gest. Weimar 19.06.1915), die die Beethovenähnlichkeit nahezu beglaubigten. Frimmel dagegen hielt es für ein Porträt Max von Schenkendorfs.

Theodor Frimmel (Frimmel von Traisenau) [geb. Amstetten 15.12.1853, gest. Wien 25.12.1928); DBA 74, 79-197] berichtete umfangreich an verschiedenen Orten über diese Verwechselung, die durch Sir George Henschel, geb. Georg Isidor Henschel (geb. Breslau 18.02.1850, gest. Aviemore, Schottland 10.09.1934) ausgelöst wurde.

Das Beethoven-Haus in Bonn zeigt heute auf seiner web-site kommentiert diese Porträts Max von Schenkendorfs.

Abb.

Im „Heidelberger Fremdenblatt“ publiziert 1958 Walther Eggert dieses Porträt:

Abb.   EGGERT: Max S. 6; im Oval; Unterschrift: "Max von Schenkendorf / Nach einer Tuschzeichnung des / Grafen Karl von Egloffstein-Arklitten".

Eggert, Walther: Max von Schenkendorf in Heidelberg. Im Rückblick auf den 175. Geburtstag des Dichters am 11. Dezember 1958. – In: Heidelberger Fremdenblatt 1958/59, Nr. 18, S. 5-7; Nr. 19 v. 1958 v. 1959-04-01, S. 7-9. = EGGERT: Max.

 

Aus diesem Streit lässt sich Vieles zu Max von Schenkendorf entnehmen.

Am 1891-04-24 las man in einer englischen Zeitung folgenden Bericht:

“The Likenesses of Beethoven.

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The Berlin Allgemeine Musik Zeitung states: that at a meeting held at the Scientific Club, in Vienna, Dr. Theodor Frimmel gave an interesting lecture on Beethoven's likenesses. The speaker showed the cast taken from the relief of a medal made by Leopold Heuberger, uncle of the great composer and a die-sinker. This medal shows Beethoven's bust, nearly seen full-faced taken in his young days, and it seems to be the original of the medal executed later on (in 1827 or 1828) by Kern, the Silversmith. Only a short time ago, Frimmel discovered the connection of this medal with others, and thus could fix its date. The speaker described and spoke of a great number of likenesses, which have been erroneously taken for originals. The most important are: the oil-painting, seen at the Grillparzer Exhibition in Vienna, and the miniature of Kügelgen, belonging to the singer, George Henschel, in London. The painting at the Grillparzer Exhibition represents some contemporary of Beethoven, but not the great master himself— there is a complete want of similarity. — Henschel’s miniature does not represent Beethoven, but the poet Max von Schenkendorf. Frimmel showed one of Schenkendorf's original likenesses which agree in every essential feature with Henschel’s miniature so closely, that it might be considered a copy. Several other Beethoven portraits were discussed. The speaker informed his audience that during his search of the last years, no other original portrait of the composer could be discovered, as he regarded the Heuberger medallion as the only authentic portrait we possessed.”

 

Tatsächlich hatte Erich Prieger (1849-1913), der Herausgeber des Bonner Katalogs in dessen „II. Abtheilung. – A. Originalbildnisse und deren Nachbildungen.“ auf S. 15-16 als Nr. 62 detailliert das Porträt vorgestellt:

Katalog der mit der Beethoven-Feier zu Bonn am 11. - 15. Mai 1890 verbundenen Ausstellung von Handschriften, Briefen, Bildnissen, Reliquien Ludwig van Beethoven's sowie sonstigen auf ihn und seine Familie bezüglichen Erinnerungen. Bonn: Verlag des Vereins Beethoven-Haus 1890; 75 S. (Nachtrag 4 S.).

Es heißt dort:

„791 – 1792   62 ** Miniaturbild (wahrscheinlich von Beethoven's Freund Gerhard von Kügelgen in Bonn gemalt): Beethoven im Alter von 21–22 Jahren.

Nach der mit Beginn der französischen Revolution aufkommenden Mode hängen die Haare über die Stirn, an Stelle des Jabots ist ein grosser Umschlagkragen getreten. Das kleine Meisterwerk stammt aus altem Privatbesitz, wurde in Coblenz (oder Bonn) vor etwa 40-50 Jahren von der verstorbenen Kunst-Sammler Herrn Litzinger (Vater des bekannten Sängers F. Litzinger) erworben, und ging dann in den Besitz des Concertsängers Georg Henschel in London über. Das Bildchen galt stets als Jugendporträt Ludwig van Beethoven's.

Dass es dies wirklich auch ist, dafür seien hier die Worte des gewichtigsten Kenners unter den Lebenden, Dr. G. von Breuning in Wien, angeführt. Derselbe schreibt am 14. Jan. 1886:

‚Auf den ersten Blick habe ich erkannt, dass Ihr mir freundlich übersandtes Bild Beethoven ist. Es kann hierüber durchaus kein Zweifel obwalten. Knochenbau des Kopfes (Schädelformation), Mund und Nase stimmen bei genauster Betrachtung und Vergleiche überdies vollkommen mit der von dem lebenden Beethoven i. J. 1812 durch Klein abgeformten Gesichtsmaske überein. Zumal die Nase ist auf diesem Bilde Kügelgen's so naturgetreu wiedergegeben, wie auf keinem der anderweitigen Porträts Beethoven's. …

Ich erkenne in Ihrem Bilde Beethoven's charakteristische Züge vollkommen wieder, wie sie noch deutlich, wie überhaupt dessen ganze Erscheinung in meiner Erinnerung sind‘ u. s. w.

(Das Original dieses Briefes ist mit ausgestellt.) [S. 16:]

Für die Bezeichnung des Bildes als Werk G. von Kügelgen's spricht

1) der Umstand, dass Beethoven und Kügelgen grade in den Jahren 1789-1792 als Freunde vielfach mit einander verkehrten;

2) dass Kügelgen auch die Angehörigen der Familie von Breuning in ähnlichen Miniaturen damals aufgenommen;

3) die Malweise des Bildchens selbst. Namentlich die Behandlung der Augen stimmt auffallend überein mit der Goethe-Miniatur G. von Kügelgen's, wie dies Dr. von Bojanowski in Weimar, der beide Miniaturen verglichen, bekundet.“

 

Ferdinand August Schmidt (geb. Bonn 25.07.1852, gest. ebd. 14.02.1929) Mitbegründer des „Verein Beethovenhaus“ und später auch Vorsitzender des „Beethovenhauses“ schreibt:

Schmidt, F. A.: Die Beethoven-Ausstellung in Bonn. (Hiezu das Bildnis Seite 757.) – In: Über Land und Meer, Deutsche Illustrirte Zeitung Bd. 64; Nr. 37, Oktober 1889-1890, S. 746, Sp. 3 unten bis S. 747, Sp. 2; mit Abb. S. 757: Porträt Max von Schenkendorf als Beethoven.

„In der freieren Tracht, wie sie mit Beginn der französischen Revolution auch am Rheine sich schnell einbürgerte, erblicken wir sodann den einundzwanzigjährigen Jüngling auf einer köstlichen Miniatur, die wahrscheinlich von G. von Kügelgen, einem Jugendfreund Beethovens, gemalt ist. Dies bisher unbekannte Bildnis ist hier zum erstenmal öffentlich ausgestellt. Dieser Kopf mit seinen etwas verschleierten Augen, en kraftvollen Formen von Nase, Mund und Kinn, übt einen ganz eigenen Reiz aus (siehe unsere Abbildung). Hinter diesem melancholischen Blick schlummert etwas wie verhaltene Leidenschaft und Stärke. Daß wir es hier, trotz des ersten etwas befremdenden Eindrucks, mit einem echten Beethovenbildnis zu thun haben, lehrt ein aufmerksamer Vergleich mit den besten Bildnissen aus seinen kräftigen Mannesjahren.“

Nun folgt noch das was Gerhard von Breuning und Paul von Bojanowski über die Beethovenähnlichkeit im Bonner Katalog nahezu beglaubigten.

Abschließend zu Bild heißt es hier noch:

„Der Verein Beethovenhaus hat dies schöne Jünglingsbildnis in Facsimile=Lichtfarbendruck, sowie in vergrößertem Maßstab in Heliogravüre vervielfältigen lassen.“

Abb.  

 

Am 1891-03-21 widerlegt Frimmel die Zuschreibung, die Bilder parallel setzend, in der Zeitschrift

Daheim. Ein deutsches Familienblatt mit Illustrationen, 27. Jg., Nr. 25, 1891-03-21 [= Jg. 25 v. 10.1890 bis 03.1891], S. 395, Sp. 2 bis S. 396, Sp. 2: Frimmel, Theodor: Das sogenannte Beethovenbildnis von G. v. Kügelgen. [Mit 2 Abb.: Porträt Max von Schenkendorfs.]

Abb.   Das Bild, das

„als Geschenk des Grafen Egloffstein (eines Zeitgenossen Schenkendorffs) an den bekannten Litterarhistoriker Dr. Robert Koenig übergegangen ist. Koenig schreibt darüber: ‚Der verstorbene Graf hat es mir selbst bei Lebzeiten geschenkt und versichert, das es ein gutes Bildnis (Schenkendorffs) sei, was er beurteilen konnte, da er mit Schenkendorff 1813 vor Leipzig gestanden und auch seitdem viel mit ihm verkehrt hatte.‘ Das Bildnis gilt als eine Arbeit des Grafen Egloffstein selbst. ‚Daß der alte Graf das Bildnis selbst gezeichnet,‘ so fährt Koenig fort, ‚hat mir sein in Potsdam lebender Schwiegersohn, Oberst v Schmeling, bestätigt; nur vermochte er nicht zu entscheiden, ob es eine Originalzeichnung oder eine Nachbildung seil Das letztere ist jedoch das Wahrscheinlichere, da der alte Herr sehr viele solcher Kopien gefertigt hat.‘“

 

Damit hat Frimmel hochqualifizierte Zeugen auf seiner Seite.

Dieser Robert Koenig (auch König) ist nicht nur der bekannte Literaturwissenschaftler und langjährige Redakteur der Zeitschrift "Daheim". In Danzig am 15.11.1828 geboren (gest. Potsdam 8.04.1900), gab er 50jährig seine zweibändige Literaturgeschichte heraus, die 1930 in 37. Auflage erschien. Das Herder-Lexikon S. 43, Sp. 1. - Hier auch die 29. Auflage 1903 genannt. Man nennt sie "prot[estantisch].-konservativ", und sie ist durch ihre reiche Illustration bis heute eine Augenweide und Fundgrube. Max von Schenkendorf findet sich z. B. in der 3.-5. Auflage, 1879, S. 550; 8. Auflage, 1880, S. 565 ff.;12. Auflage, 1882, S. 576 ff., 698; 20. Auflage, 1889, S. 583 ff., 699. – Aber noch eine weitere Spur ist zu nennen:

Der älteste Freund Max von Schenkendorfs, Ferdinand von Schrötter, ehelichte im Jahre 1814 Elisabeth Maria Wedeke. Eines ihrer Kinder war die am 28.12.1825 geborene Maria von Schrötter (gest. 12.05.1885). Zweimal war diese Maria verheiratet: Erstmals heiratete sie den königl. preuß. Oberlandesgerichtsassessor [Claudius Heinrich] Robert Maul aus Groß-Waldeck bei Domnau (; 1833 Abitur am Altstädtischen Gymnasium in Königsberg; 1837 als Rechtskandidat befördert zum Auskultator, 1840 vom Auskultator zum Referendar befördert [Amtsblatt der Regierung in Potsdam (1837, 1840 ); HARTUNG: Albertina 1844, S. 110, Ostern 1834, Nr. 11; Karl Ludwig Struwe: Altstädtischen Gymnasium, H. 10, Königsberg 1834]), dann als Witwe in zweiter Ehe Ernst Rothe (geb. Görlitz 3.07.1822, gest. Osche 1.09.1858), Pfarrer in Osche, Kreis Schwetz in Westpreußen von1852 bis 1858. Wiederum verwitwete sie.

 

Aus der ersten Ehe entstammte sicherlich die Tochter Gertrud Maul. Diese ehelichte später in dessen zweiter Ehe Robert Koenig (1.: 1851 oder 04.1854 Adele Mellet, dann deren Freundin. – Hans Ferdinand Helmolt in Anton Bettelheim (Hrsg.): Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Bd. 5, Berlin: Georg Reimer 1903, S. 121-123. – Vgl. Schrötter, Robert (Leopold Otto Erdmuth): Beiträge zur Geschichte der Freiherrlich von Schrötterschen Familie. Berlin: Unger 1905; S. 30; Stammtafel. – Vgl. von Lehnerdt in APB S. 350, Sp. 1.

Einige der Abbildungen in Koenigs Literaturgeschichte sind dem Stammbuch Schrötters entnommen. Wahrscheinlich hat die zweite Gattin dieses wertvolle Buch mit in die Ehe gebracht, wo es der Gatte nun gut zur Bebilderung seines Werkes verwenden konnte. Die Eintragung von Fouqué mit (eigenhändiger) Zeichnung, die Zacharias Werners und die Max von Schenkendorfs belegen den Wert dieses Stammbuchs.

Genannt wird dies als ursprüngliche Tuschezeichnung des mit Max von Schenkendorf befreundeten Grafen Egloffstein-Arklitten. Dies ist der schon mehrfach genannte Carl IX. August Graf von und zu Egloffstein (geb. Weimar 24.10.1795, gest. Arklitten 25.12.1887).

Egloffstein heiratete am 25.06.1823 in Neuwied Charlotte Sophie Freiin von und zu Egloffstein (5.02.1796-23.02.1864 in Arklitten), die Tochter des preußischen Regierungsrates Christian II. August Friedrich Dietrich Rudolf Carl Freiherr von und zu Egloffstein. 83jährig schrieb er als „Carl Graf von Egloffstein, Senior des eisernen Kreuzes.“ Sein „Scheidewort“, in dem er Max von Schenkendorf „Du läßt dich wiedersehen“ zitiert.

Tochter von Carl August Graf von Egloffstein-Arklitten und Charlotte Sophie Gräfin von Egloffstein war die am 5.12.1827 geborene Marie Gräfin von Egloffstein, diese ehelichte 11.10.1853 Wilhelm von Schmeling, k. preuß. Major im Westf. Feldartillerieregiment Nr. 7. – Sie ist Schwester von Henriette Gräfin von Egloffstein und Carl Graf von Egloffstein.

 

Unbekannt ist, wie das Bild in den Besitz von Franz Litzinger (geb. 1855, gest. Düsseldorf 21.12.1913, roter Adlerorden um 1906), gekommen ist, dessen Vater es in Koblenz erworben hatte. – Vielleicht ist dieser Vater Hermann Joseph Litzinger (1803–1887), der 1829-02 von Koblenz nach Essen versetzt und von 1840 bis 1868 Lehrer am Burg-Gymnasium in Essen war und der 1868 in den Ruhestand ging.

 

Im Gegensatz zu Koenig findet sich das Porträt 1887 bei Gustav Könnecke (1845-1920) und 1890 bei Ludwig Bechstein (1801-1860).

Abb.

Könnecke, Gustav:

Bilderatlas zur Geschichte der Deutschen Nationallitteratur. Eine Ergänzung zu jeder Deutschen Litteraturgeschichte. Enthaltend 1675 Abbildungen. Nach den Quellen bearbeitet.

Marburg: Elwert 1887, S. 267 unten.

1895, S. 361 oben, 1912, S. 361 oben.

 Die Beschriftung: Nach der (falschen) Unterschrift:

„Max von Schenkendorf. / Anonymer Stahlstich, welchen der Biograph Schenkendorfs, Professor A. Hagen in Königsberg, nach nicht angegebener Vorlage fertigen ließ.“

Es folgt ein biographischer Abriss.

 

Alexander Drescher, 1873-04-01 aus Krefeld von der städt. Realschule zum Gymnasium nach Mainz versetzt und 1893 zum Professor am Gymnasium in Mainz ernannt, macht 1888 auf eine Tatsache aufmerksam: „es fehlt bis jetzt selbst in den grösseren Litteraturgeschichten von Koberstein, Kurz, König“ ein Faksimile der Unterschrift des Dichters Max von Schenkendorf.

Ein Beitrag zu einer Biographie Max von Schenkendorfs. – In: Programm des Großherzoglichen Gymnasiums zu Mainz. Schuljahr 1887-1888. Mainz: Buchdruckerei H. Prickartz. [4. Jg.] 1888, S. 3-35 = Programm Nr. 596/1888, S. 4 in der Anm.

Er faksimilisiert diese, aber man nahm keine Notiz von dieser Neuerung.

Josef Nadler, (geb. Neudörfl bei Reichenberg, Österreich-Ungarn 23.05.1884, gest. Wien 14.01.1963) österreichischer Germanist und Literaturhistoriker, der insbesondere zur Zeit des Nationalsozialismus als Protagonist einer „neuen nationalsozialistischen Dichtung“ bekannt wurde. – Das Porträt gedruckt z. B. in der 4. Aufl., Bd. 2, S. 620: London, Privatbesitz.

Abb.  Dreihundert Bildnisse und Lebensabrisse berühmter deutscher Männer. Begonnen von Ludwig Bechstein. Neu bearb. Und fortgef. Von Karl Theodor Gaedertz. Die Porträts gezeichnet und geschnitten von Hugo Bürkner. Fünfte verb. Und verm. Aufl. Leipzig: Georg Wigand’s Verlag (1890-09-02), S. 207 Bildnis Schenkendorfs. – Leopold Hugo Bürkner (geb. Dessau 24.08.1818, gest. Dresen 17.01.1897); Karl Theodor Gaedertz (geb. Lübeck 8.01.1855, gest. Berlin 8.07.1912). – Register XVI Karte 077.

Biographischer Abriss; Nennung einiger Lieder, kein Quellenhinweis.

Abb.

Seitdem wird dieses Porträt, zumeist nach Könnecke, gezeigt. So z. B.

  • In Velhagen & Klasings Monatshefte, hrsg. v. Hanns von Zobeltitz und Paul Oskar Höcker, 31. Jg., 1916/1917, H. 4, S. 569-574, den Artikel „Max von Schenkendorf“ von C[arl]. A[lexander]. Pfeffer schmückend,
  • In Das Ostpreußenblatt 9, 1958, Folge 49 v. 6.12.1958, S. 11-12, den Artikel „Wenn alle untreu werden ..." Zum 175. Geburtstag des Freiheitssängers Max von Schenkendorf.“ Von „s-h“ zierend,
  • bei W[aldemar]. Thalmann. Vom Kleinstadtkind zum Reichsherold. Altes und Neues von Max von Schenkendorf und seinen Eltern. (Selbstverlag. Druck: Otto v. Mauderode. Tilsit 1933.)
  • in Band 16, S. 607, Sp. 2; Unterschrift: "Max von Schenkendorf (Stahlstich nach einer Zeichnung von K. v. Egloffstein)". (Brockhaus Enzyklopädie in zwanzig Bänden. 17. völlig neu bearb. Aufl. des Grossen Brockhaus. Bd. 1 - 20. Wiesbaden: Brockhaus 1966-1974, Erg.-Bde. 1974 ff.
  • im Durlacher Tageblatt. Durlacher Wochenblatt, 114. Jg., Nr. 291 v. Fr. 1942-12-11, S. 3, Sp. 2-3, zum Beitrag von Oskar G[eorg]. Foerster: „Sänger des Freiheitskampfes / Zum 125. Todestage Max von Schenkendorfs am 11. Dezember“ mit der Unterschrift: „Unser Bild zeigt Max v. Schenkendorf nach einem Gemälde von Hader. Scherl=Archiv=M.“

 

Häufig wird das Bild mit dem Vermerk „(Gemälde von Hader) / Scherl: Archiv“. LUX: Geburtstag gedruckt. Dazu zählt sicherlich der Vermerk: „Aus dem Verlag der Neuen Photographischen Gesellschaft, Berlin=Steglitz“.

 

Das Bildarchiv der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz besaß ebenso Rechte wie verschiedene andere Archive. Das Mittelrhein Museum Koblenz verwahrt unter der Signatur „G 1972/70“ ein Porträt, eine Xylographie – wie die Berliner – von 1883. Diese hat denselben Ursprung:

Die „Illustrierte Zeitung“ präsentiert am 1883-12-08 auf dem Titelblatt ihrer Ausgabe eine Xylographie des Kopfs von Max von Schenkendorf, der den Aufsatz von Ludwig Salomon ergänzt.

Abb.   Salomon, Ludwig: Zu Max v. Schenkendorf's 100. Geburtstag. - In: Illustrierte Zeitung, Leipzig, Bd. 81, Nr. 2110 v. 1883-12-08, S. 520, Sp. 1-2. = SALOMON: Centenar

Dieses Bild wird häufig im Antiquariatshandel angeboten.

Die Süddeutsche Zeitung hatte diese Rechte entsprechend auch, und Friedrich Neubauer benutzte wohl die gleiche Vorlage:

Abb.   Neubauer, Friedrich: Preußens Fall und Erhebung 1806-1815. Mit zahlreichen Abb. im Text, 19 Karten und 14 Beilagen. Berlin: Mittler 1908; S. 355; Unterschrift: "Gestochen von A. und Th. Weger. / [... Unterschriftfaksimile] / Max von Schenkendorf." = Register XVI Karte 111-112.

Friedrich Neubauer (geb. Erfurt 26.02.1861, gest. 14.04.1953) fügte der Abbildung Max von Schenkendorfs Unterschrift hinzu, die sich deutlich von den bekannten unterscheidet.

 

Auch der Verlag Velhagen & Klasing besaß eine Zeitlang die Rechte für dieses Bild, wie die Quellenangabe beim Bild verdeutlicht. Die Coblenzer Zeitung zeigte das Porträt Max von Schenkendorf  nach „WTB 4792“, wohl Wolff’s Telegraphisches Büro in Berlin.

Abb.   ANON: Egbrink Sp. 2. – Register XVI Karte 30. = Anonymus: Schenkendorf – Feier der Stadt Coblenz. Vaterländischer Abend in der Festhalle aus Anlaß seines 100. Geburtstages [recte: Todestag]. Coblenz, 11. September [sic; unter Mitteilung der Rede von Johannes Heinrich Carl Egbring; m. 1 Abb.] – In: Coblenzer Zeitung Nr. 628. Morgenausgabe v. 1917-12-11, Sp. 2-3; Abb. Sp. 2 = ANON: Egbring Sp. 2.

[Johann] August Weger (geb. Nürnberg 28.07.1823, gest. Leipzig 27.05.1892), Grafiker, Stahlstecher und Drucker; bekannt für seine Bildnisse berühmter Personen, betrieb mit dem Stahl- und Kupferstecher Theodor Weger jun. (1838–1892) ein Atelier in Leipzig, wo sie auch gemeinsam als Drucker fungierten

Ernst Hader (geb. vor 1866, gest. Swinemünde zwischen 1911 und 1922); Porträt- und Genremaler. – Vgl.: Verzeichniß der Werke lebender Künstler, welche in den Sälen des Königl. Akademie-Gebäudes zu Berlin 1866 ausgestellt sind. XLV. Kunstausstellung der Königlichen Akademie der Künste, geöffnet vom 2. September bis 4. November [...]. Berlin: Decker 1866, S. 25 verzeichnet „Ernst Hader in Berlin, Prinzenstr. 57.“ als Nr. 257 und 258.

Heinrich Sanden (geb. Berlin 2.10.1877, gest. Biesdorf/Berlin 28.06.1946) gründete 1919 die Firma Atlantic Photo, ab 1930 „Atlantic“ Photo-Gesellschaft mbH, die erste Firma in Deutschland, die sich ausschließlich mit Pressephotographie beschäftigt, bestand bis 1941.

August Hugo Friedrich Scherl (geb. Düsseldorf 24.07.1849, gest. Berlin 18.04.1921); Pressebildarchiv des Scherl-Verlages in Berlin.

Bernhard (Benda) Wolff (1811-1879) gründete 1849-11-27 in Berlin die „Continental-Telegraphen-Compagnie, Wolff’s Telegraphisches Büro A. G. (WTB)“.

Die IBA, die Internationale Bilder-Agentur, Zürcherstraße 54, CH-8102 Oberengstringen bei Zürich, hatte die Rechte an dem Bild (wie bei Groß 1912 und KÖNNECKE: Bilderatlas S. 361) erworben von der Atlantic Photo Gesellschaft in Berlin. Ein Reproduktionshonorar von 50,00 DM zahlte ich. Die Gesellschaft existierte 1990 anscheinend nicht mehr; sie war unbekannt verzogen.

 

Ein Miniatur-Gemälde: durch Mäckelburg (?)

Karl Friedrich Gustav Könnecke (geb. Kroppenstedt 17.10.1845, gest. Marburg 24.10.1920) publizierte 1909 durch Christian Fürchtegott Muff (1841-191) in seinem „Literaturatlas“ neben der (falschen) Unterschrift diese „Miniatur aus Familienbesitze. Hier zum ersten Male veröffentlicht / (Aus den Sammlungen des Herausgebers.)“

Könnecke, Gustav: Deutscher Literaturatlas. Mit einer Einführung von Christian Muff. 826 Abbildungen und 2 Beilagen. Erstes bis zwanzigstes Tausend. Marburg: Elwert, Wien: Konegen, New York: Stechert & Co 1909, S. IX, Nr. 585-588; S. 125, rechte Spalte (= Sp. 3) im Kapitel „XIX Jahrh., erstes Drittel.“ Im Abschnitt „Körner; Arndt; Schenkendorf.“  = KÖNNECKE: Lit. Christian Fürchtegott Muff (1841-1911); Register XVI Karte 118-121.

Abb. …

Aus dem Besitz von Gustav Könnecke scheint diese Miniatur in das Eigentum des Museums für Literatur am Oberrhein in Karlsruhe übergegangen zu sein.

Abb. …

Katalog zur ständigen Ausstellung des Museums für Literatur am Oberrhein Karlsruhe. Hrsgg. v. d. Literarischen Gesellschaft/Scheffelbund. Karlsruhe 1998, S. 20.

   

Aus der Sammlung Könneckes übernahm dieses Bild 1977 Helmut Motekat und nach diesem Ernst-Edmund Keil im Jahr 1983.

Motekat, Helmut: Ostpreußische Literaturgeschichte mit Danzig und Westpreußen. (München:) Schild Verlag (1977). = Bd. 2 der Publikationsreihe von der Ost- und Westpreußenstiftung in Bayern "Prof. Dr. Ernst Ferdinand Müller" e. V. ISBN 3-88014-053-1; S. 239, wo er auf die Sammlung Könneckes verweist.

(Keil, Ernst-Edmund (Hrsg.):) Ostdeutsche Gedenktage 1984. Persönlichkeiten und historische Ereignisse. [Hrsg:] Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen. (Redaktion: Ernst-Edmund Keil. Druck: Wienand, Köln 1983, S. 144. ISBN 3-88557-027-0.) [Auszug aus MOTEKAT.]

 

Denkmalseinweihung in Tilsit – Sonntag, 21. September 1890 

Der „Express. Journal de Mulhouse” zeigte in seiner Nr. 221 v. 1890-09-21/22 unter „Tilsit, 22 septembre“ an: „On a inauguré hier le monument du poète Max Schenkendorf en présence du premier président M. Schliechmann.”

Die gesamte Festfolge einschließlich der Reden von Wilhelm Baur, Albrecht, Schenckendorff, Lucanus, Agidi, Engelke, Schulenburg, Wittko, Wander, Eulenburg-Prasen, Thesing, Knaake, Schlieckmann, B. Klein, W. Wolff, Schlicht, Tilsiter Abend sind ebenso wie die Festfolge mit Plänen des Festplatzes und des Standortes der beteiligten Gruppen genannt und abgedruckt in  der kleinen Schrift:

Die Feier der Enthüllung des Denkmals für Max v. Schenkendorf in Tilsit am 21. September 1890. Tilsit, 1890. Druck und Verlag von J. Reyländer & Sohn in Tilsit.

 

Die Herme im Berliner Viktoria-Park

Zu Beginn der 1890iger Jahre dachte man in Berlin über eine Ehrung der Freiheitsdichter nach. So lautet eine Journalnotiz am 1891-10-15:

„*** Denkmälerchronik. Den deutsch-nationalen Dichtern Th. Körner, E. M. Arndt, Schenkendorf, Fr. Rückert, Heinrich v. Kleist und Klopstock sollen am Fuße des Kreuzbergs in Berlin Denkmäler errichtet werden. Dem Komitee gehört Fürst Bismarck an.“

1891-09-05 erschien ein Aufruf, der auch dem Verein für die Geschichte Berlins vorgelegt wurde:

Aufruf

zur Errichtung von Denkmälern für

die deutsch-nationalen Dichter in Berlin.

Seitdem Berlin die Hauptstadt des Deutschen Reiches geworden ist, hat es die Ehrenpflicht übernommen, große nationale Verdienste durch Ehrendenkmäler zu verherrlichen. So hat es bereits unsern Dichterheroen, den großen Forschern und Denkern, den epochemachenden Künstlern, den großen Feldherren, Staatsmännern und Königen solche Standbilder geschaffen, nur den deutsch-nationalen Dichtern, den Propheten der Morgenröte eines neuen Tages nach trüber Zeit, die an der Wiederaufrichtung des deutschen Kaisertums festhielten und den Funken der Begeisterung in Millionen zu heller Flamme anregten, ist die Schuld der Dankbarkeit in der Hauptstadt des deutschen Reiches noch nicht abgetragen. Allen voran als der treue Eckwart alles deutsch=nationalen Lebens steht der Dichter des Vaterlandsliedes Ernst Moritz Arndt, den das deutsche Volk bis zu seinem hohen Greisenalter als das ‚deutsche Gewissen‘ mit Recht gepriesen hat. Ihm zur Seite strahlt in ewiger Jugendschönheit der Heldenjüngling Theodor Körner, der sein Herzblut freudig dem Vaterlande zum Opfer brachte und dessen Lieder wie eine Flammensäule unseren Heeren voranleuchteten und sie in allen Kämpfen zu Mut und Todesverachtung begeisterten. Neben ihm ragt zu gleichem Opfertode bereit der Herold des deutschen Kaisertums Max von Schenkendorf, der uns in seinen Liedern für Vaterland, Recht und Freiheit ein unvergängliches Erbe hinterlassen hat, das von Geschlecht zu Geschlecht zu wahrhaft deutschem Sinn und Geist die deutsche Jugend anfeuert. Nicht minder bedeutend erfüllt uns mit gerechter Bewunderung der kerndeutsche Dichter Friedrich Rückert, dessen geharnischte Lieder wie Schwerthiebe sausten, und den Mut und die Entschlossenheit unseres Volkes zum Entscheidungskampfe stählten. Auch Heinrich von Kleist, der an dem Unglücke des Vaterlandes selbst zu Grunde ging, hat in seinen Heldenliedern und patriotischen Dramen die Vaterlandsliebe mit voller Wucht und markiger Sprache gepredigt, und so Herz und Gewissen unseres Volkes zu neuer Thatkraft belebt. Endlich verdient auch der eigentliche Vater des deutsch=nationalen Gedankens, der begeisterte Herold der Vaterlandsliebe Gottlieb Klopstock ein Ehrendenkmal, weil er seine deutsche Gesinnung zuerst in herrlichen und unsterblichen Gesängen zum Ausdruck brachte und dadurch als bahnbrechender Prophet auftrat. Diesen wahrhaft deutsch-nationalen Dichtern wollen wir am Fuße des Kreuzberges, auf dessen Gipfel das Monument zum Gedächtniß an die große Zeit der deutschen Freiheitskriege emporragt, Denkmäler errichten, um damit anzudeuten, daß diese Dichter die Herolde der Erhebung des deutschen Volkes waren, welche Begeisterung in seinem Herzen schufen, so daß es befähigt ward, jene großen weltgeschichtlichen Kämpfe siegreich zu bestehen und endlich das deutsche Kaisertum in vollem Glanze wieder herzustellen. Alle Diejenigen, welche den Eindruck ihrer Dichtungen an sich empfunden haben, in deren Herzen das hohe Gut der Vaterlandsliebe lebendig rege ist, werden aufgefordert, ihr Scherflein zur Errichtung würdiger Denkmäler für diese Propheten und geistigen Bahnbrecher unseres Volks beizusteuern.

Alle Geldeinsendungen ersuchen wir an die ‚Deutsche Bank‘ Berlin, Mauerstr. zu richten, oder an das Bureau des Denkmal-Comités Dr. A. Zehlicke, Berlin S. W., Katzbachstraße 19 II.

Geschäftsausschuß des Denkmal-Comités. E. O. Heinzelmann, Director des Centralbureaus für Landwirtschaft, Berlin., M. Schön, Redacteur, Berlin. Dr. A. Zehlicke, Schriftsteller, Berlin.“

 

Adolf Zehlicke (geb. Ludwigslust 7.07.1834, gest. Berlin 9.04.1904).

Der „Verwaltungs-Bericht des Magistrates zu Berlin für die Zeit vom 1. April 1897 bis 31. März 1898“ zeigt an, dass in der Sitzung vom 1896-07-14 auf Anregung des Stadtverordneten und Baurats Walter Kyllmann (geb. Weyer, Gemeinde Merscheid (heute im Solinger Stadtteil Wald) 16.05.1837, gest. Berlin-Wannsee 10.07.1913) die Aufstellung der Hermen im Viktoriapark beschlossen wurde. Dazu schreibt die

Deutsche Bauzeitung, 30. Jg., Berlin, Nr. 58 v. 1896-07-18, S. 371, Sp. 2: unter der Überschrift „Die Thätigkeit der Berliner städtischen Deputation für Kunstzwecke“ heißt es: „Neuerdings hat die Deputation beschlossen, in dem vortrefflich angelegten und sich schön entwickelnden Viktoriaparke die Hermen der Dichter der Freiheitskriege Ernst Moritz Arndt, Theodor Körner, Kleist, Uhland, von Schenkendorf und Rückert nach einem Plane aufstellen zu lassen, den Hr. Brth. Kyllmann verfassen wird.“

Dies waren dann die Hermen von Ernst Moritz Arndt (1899 von Hans Latt), Heinrich von Kleist (1898 von Karl Pracht), Theodor Körner (1899 von Ernst Wenck), Friedrich Rückert (1899 von Ferdinand Lepcke), Max von Schenkendorf (1899 von Alfred Reichel) und Ludwig Uhland (1899 von Max Kruse). Nur die drei Meter hohen Hermen von Kleist, Rückert und Uhland überstanden  den Zweiten Weltkrieg.

Schöpfer des aus wetterfestem Marmor geschaffenem Denkmals von Max von Schenkendorf was Alfred Reichel (Gnadenfrei 1856 – Berlin 1928) „im Waffenrock der Lützower, eine Schriftrolle in der linken Hand haltend, während die Rechte den Mantel rafft“ (Sier).

Deutsche Kunst. Illustrirte Zeitschrift für das gesammte deutsche Kunstschaffen. Central-organ Deutscher Kunst- und Künstlervereine, hrsg. von Georg Malkowsky, Bd. 1, 1896, S. 53: Beschluss; S. 209: wetterfester Marmor; S. 529.

Richard Sier: Deutschlands Geistes-Helden. Ehren-Denkmäler unserer hervorragenden Führer auf geistigem Gebiet in Wort und Bild. Auf Grund geschichtlicher Unterlagen und authentischer Quellen und Mitwirkung zahlreicher Behörden. Berlin: Verl.-Anst. Universum [1904].

„Die Herme Max von Schenkendorfs von Alfred Reichel erschien im Waffenrock des Lützowschen Freikorps und war mit einer Rolle als Dichter gekennzeichnet; hierin sollte ‚die geistige Spannung des jugendlichen Dichters‘ ausgedrückt werden.“ (Selbmann)

Otto Weddingen schreibt 1904

„Der Dichter, auf dessen Stirn das Haar lockig herabfällt, trägt freie, männliche Züge. Angetan ist er mit dem Waffenrock des Lützower Jägers, darüber der Mantel, dessen Faltenwurf die Linke zusammenhält. Die Rechte faßt in schwungvoller Bewegung eine Rolle, auf der man des Sängers Namen liest.“

Camillo Karl Schneider meint über die „doch nicht übel wirken[den]“ Hermen: „so wünschenswert es an und für sich ist, gute Werke der Plastik in Anlagen aufzustellen, so ist doch im vorliegenden Falle die ganze Art der Unterbringung nicht besonders glücklich erfolgt“.

Schneider, Camillo Karl: Aus deutschen Gärten. Aus dem Viktoria-Parke zu Berlin. – In: Die Gartenwelt. Illustriertes Wochenblatt für den gesamten Gartenbau, Jg. 5, Nr. 24 v. 1901-03-16, S. 277-282, Teil 2: S. 294-296; mit Plänen und Abb. – S. 281: “Auf Magistratsbeschluß wurden vor etwa zwei Jahren sechs Hermen-Bildnisse von Sängern der Freiheitskriege aufgestellt. Auf unseren Bildern ist nur die Körner-Herme […] zu sehen. Ich meine, so wünschenswert es an und für sich ist, gute Werke der Plastik in Anlagen aufzustellen, so ist doch im vorliegenden Falle die ganze Art der Unterbringung nicht besonders glücklich erfolgt“. – S. 282: “Während wir dann noch an den Hermen von H. v. Kleist (3) und Schenkendorf (4), die beide übrigens doch nicht übel wirken, vorbeiwandern, […] möchte ich die Bepflanzungsfrage nochmals berühren.“

 

Literatur:

Selbmann, Rolf: Dichterdenkmäler in Deutschland. Literaturgeschichte in Erz und Stein. Mit 196 Abbildungen. Stuttgart: Metzler 1988; ISBN 3-476-00640-9. – S. 164 Abb. der Herme; S. 163: „Die Herme Max von Schenkendorfs von Alfred Reichel erschien im Waffenrock des Lützowschen Freikorps und war mit einer Rolle als Dichter gekennzeichnet; hierin sollte ‚die geistige Spannung des jugendlichen Dichters‘ ausgedrückt werden.“

Hermann Müller-Bohn: Die Denkmäler Berlins in Wort und Bild: nebst den Gedenktafeln und Wohnstätten berühmter Männer. Ein kunstgeschichtlicher Führer. Spaeth 1905.

 

Drei künstlerische Bildnisse

Zeichnung von Adolf Glattacker aus dem Jahr 1912

Eine Zeichnung der biographischen Episode, Max von Schenkendorf als Wanderer vor der Marienburg und bei Wedeke, existiert. Sie wurde gezeichnet von Adolf Glattacker (geb. Wehr 30.06.1878, gest. Tüllingen 28.06.1971). Beigegeben ist sie dem Werk von Petrich, Hermann: Max von Schenkendorf, Theodor Körner und die Dichter. – In: Ders.: Für Freiheit und Vaterland. – Deutsche Männer, deutsche Frauen, deutsche Schlachten vor 100 Jahren. Mit Originalzeichnungen von A(dolf). Glattacker. Hamburg: Agentur des Rauhen Hauses 1912. S. 145-158.

 

Kupfer des Grafikers und Malers Heinrich Wolff

Nach 1900 schuf der Grafiker und Maler Heinrich Wolff (geb. Nimptsch, Niederschlesien 18.05.1875, gest. München 03.1940) ein Kupfer, dessen Verkaufserlös für den Erhalt der Marienburg bestimmt war. Das Porträt zeigt Max von Schenkendorf mit seinen bekannten Gesichtszügen. Das Archiv der Marienburg verwahrt die Druckplatten zu Wolffs Stich.

Siehe:

Aleksandra Siuciak, Przywracanie historii. Losy malborskich zbiorów po II wojnie światowej. Katalog wystawy czasowej pod redakcją Aleksandry Siuciak. (tłumaczenie Aleksander Masłowski.) Muzeum Zamkowe w Malborku. Malbork 2015, S. 22 f. – Ibid. S. 70 ff., 242 ff., 245 ff.

 

Der Graphiker und Maler Heinz Georg Podehl (geb. 7.04.1919, gest. 30.08.2000; vgl. Das Ostpreußenblatt v. 2000-05-06) publizierte nach diesen Vorlagen ein Porträt im von Georg Hermanowski hrsgg. „Ostpreußen-Lexikon für alle, die Ostpreußen lieben“ [(Mannheim:) Kraft (1980) = Deutsche Landschaften im Lexikon Bd. 3. ISBN 3-8083-1162-2].

 

Die Fenster in Karlsruhe

Siehe dazu:

Die Malerei von Hans Adolf Bühler im Bürgersaal des Rathauses zu Karlsruhe. Text von Jos[eph]. Aug[ust]. Beringer [geb. Niederrimsingen 27.01.1862, gest. Mannheim 6.12.1937]. Karlsruhe: A. Gräff 1926; 12 S. mit 9 [1 farb.] Bildern [auf 8 Taf.] nach d. Orig., mit 1 eingedr. Pl. – Vorh.: BLB Karlsruhe, Signatur: O43B 97

 

Hans Adolf Bühler (geb. Steinen im Wiesental 4.06.1877, gest. Burg Sponeck bei Jechtingen 19.10.1951), Maler und nationalsozialistischer Kulturpolitiker, der die Ausstellung „Regierungskunst 1919-33“, eine Vorläuferin der Ausstellung „Entartete Kunst“ organisierte. 1926: Abschluss der (gemeinsam mit seinen Schülern) 1924 begonnenen Ausmalung des Karlsruher Bürgersaales im Rathaus; an der Westwand das Gemälde: Die Herren von Schenkendorf, Jung Stilling, Hebel, von Reitzenstein, Brauer, Karl Friedrich, Tulla, Drais und Weinbrenner (= Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, 498-1 Nr. 4711).  – DBA NF 16-22.

 

 

Aquarell „Max von Schenkendorf“ von Werner Kroener

1991 erfüllte Werner Kroener den von mir an ihn herangetragenen Wunsch nach einer „Doppelinter-pretation“ des Poeten Max von Schenkendorf durch eine textliche Ergänzung seines Aquarells. Dies hatte Werner Kroener in seiner Reihe „Rheinische Köpfe“ ausgestellt.

Abb.

Vgl. [Katalog zur Ausstellung:] „Werner Kroener. Mittelrhein-Museum Koblenz. 25. Oktober bis 24. November 1985“. – Kurzbiographie S. 47.

 

 Werner Kroener erfüllte meinen Wunsch, tat dies und schrieb den folgenden Text. [Copyright by Werner Kroener.] – In der ganzen Zeit seitdem ist es mir nicht gelungen, einen würdigen Rahmen (Publikationsort) für dieses Werk zu finden. Ich danke Werner Kroener für sein Verständnis, die Erfüllung meine Bitte und die Erlaubnis zur Publikation!

 

„Bitte, malen Sie ein Aquarell von Schenkendorf“

„Soll ich das sein?“

Häufiger und verlegener Vorwurf an den Paßbildautomaten.

Wieso das Hadern mit einem technisch einwandfreien Gerät, dem unzweifelbar Perfekten? Wirklichkeitsgetreue Porträts, aber nicht getroffen.

Die Karikatur: Drei Striche charakterisieren den Präsidenten: getroffen!

Dem realitätsgläubigen Medienzeitalter sei das Wesen des Porträts erinnert, das meint die Schwäche des Dokuments gegen die Potenz der Deutung. Ein Foto er-scheint falsch und ist doch real richtig, eine Karikatur erscheint richtig und ist doch falsch und verzerrt. Dies ist eine einfache und zudem alte Einsicht, daß der momentane vorübergehende Gesichtsausdruck einer wirklichkeitsgetreuen Wieder-gabe enttäuscht, wenn Ausdruck, Charakter und Wesen gesucht werden: Die Haare sind frühzeitig ergraut, die Stirn fragend gerunzelt, spöttisches Lächeln auf eine Frage, plötzliche Arroganz im Blick, Erschöpfung auf Erregung: dieses Gesicht flackert von Augenblick zu Augenblick in vielerlei Gefühlsausdrücken.

Was sollen wir wählen? Und was besagt diese momentane Genauigkeit? Wie merkwürdig schwer fällt es doch dann auch, sich Augenfarbe und Ohrenform selbst von nah bekannten Menschen zu merken.

Das Naturgetreue gerät in den Verdacht des Unwesentlichen.

Begegnung mit Schenkendorf: Was tue ich, wenn ich grotesk verfärbe, was sind angstvolle Verzerrungen, wilde Striche, gewalttätige, vorsichtige, schmerzhafte, ta-stende, bohrende, verrätselnde, fragende Eingriffe? Veränderungen?

Dieser Kopf ist eine Schmiererei: ein Hieb in die Stirn, flackerndes Licht über ungleichen Augen zweier ungleicher Gesichtshälften, der angstvollen introvertier-ten, der hellen visionären, Widerstand und Lauer in der Haltung des Kopfes bei Suche eines weiten Horizonts ...

Oder sehen Sie es anders? Sie sollen es, sollen gefühlsmäßig Anteil nehmen aus Ihrer Person heraus, sich mobilisieren angesichts der Fülle visuellen Materials. Diesen scheinbar sinnlosen Kritzeleien schreiben wir Ausdruck, Affekt und emotio-nale Haltung bei, entsprechend der eigenen Erfahrung, der Menschenkenntnis und des Selbstverhältnisses. Sie reagieren emotional und affektiv, Sie geraten auf die Suche nach Ausdruck und Charakter. Der Betrachter stellt selbst zusammen, son-diert und erfährt.

Zudem: ein poetisches, hier malerisches Porträt heute ist anders als ein Porträt früher. Wer denn ist heute porträtwürdig im Zeitalter demokratischer Gleichheit? Selbst der Papst und die Filmschauspieler scheuen. Nicht Erinnerung, Überliefe-rung, Hervorhebung einer Physiognomie. Der Funktionswandel einer künstlerischen Gattung ist deutlich.

Das Medium ist die message: die Tatsache einen Kopf gemalt zu haben macht sich zur Aussage: das anscheinend unzeitgemäße Medium mutet dem Betrachter eine ungewöhnliche und hochaktuelle Erkenntnisarbeit zu, nämlich die nichtratio-nale Recherche und den emotionalen Nachvollzug. Intuition ist die Aufgabe. Dies wird vor allem da brisant, wo es sich um scheinbar faktisch gesichertes Terrain handelt, die Historie.

Historische Malerei ist eine für heutige Erkenntnisweisen ungewohnte Archäolo-gie.

Die Beteiligung der Phantasie bei der Herstellung (!) der historischen Wahrheit! Welch ein Wahnsinn, welch ein Sinn des Wahns!

So sagt die Postmoderne, und auch das ist nur relativ neu.

„Macht des Bildes - Ohnmacht der rationalen Sprache“ nennt Ernesto Grassi sein Buch über den Humanisten. Lorenzo Medici hielt seine Regierungserklärung noch in Gedichtform. Aktuell ist der Gedanke, eine dürre und emotionslose wissen-schaftliche Wahrnehmung zu entgrenzen und somit auch positivistisches Ge-schichtsverständnis. Emotion liefert Erkenntnisbeiträge zur Geschichte. Foucault, Baudrillard, Lyotard, Bataille, Sloterdijk u. a. lehren heute das Pathos als Mittel der wissenschaftlichen Erkenntnis.

Begegnung mit Schenkendorf. Ich kreuze seinen Weg hier in Koblenz, auf der Promenade am Rhein sah er die malenden Engländer, zur Zeit der literarischen Salons der Bettina von Arnim am selben Ort, er sinnt religiös mystische Lieder um Freiheit und Vaterland, die Realität Napoleon sprengt in seinem Hirn die Empfind-samkeit der späten Aufklärung, kollidiert schmerzhaft mit seinen romantischen Sehnsüchten.

Ich sehe heute den zerschossenen Stumpf des Deutschen Eck, ich sehe heute wie sich überall die Moderne dekoriert: Neonfarben, Lichtschranken, digital gesteuerte Geräte, Bankautomaten, der allgegenwärtige Motorentakt technischer Zivilisation synchronisiert jede Erinnerung. Gegenwart wird zur Folie.

Schenkendorf ist Schütze. (11.12.1783)

Pistolenduell und Ästhetikvorlesungen.

Politische Entschiedenheit und sentimentales Verlorenheitsgefühl.

Er unterwirft sich keiner sozialen Ordnung, gleichwohl bleibt seine Beziehung zur Gesellschaft schwärmerisch abstrakt. Bei allem politischem Idealismus sucht er immer den Selbstausdruck. Er symbolisiert den Sprecher, der leidet. Dualität und Ambivalenz werden zu einer fruchtbaren Haltung bei Schenkendorf: freiheitslie-bend und liebenswürdig, überschwenglich und kämpferisch. Weisheit vor Wissen, Weltverständnis vor Taktik. Er unterscheidet das Reale vom Idealen, ist an Bewußtseinserweiterung mehr interessiert als an Details des Alltagslebens und seinen Zwängen.

So bilden sich meine Gesichter Max von Schenkendorfs, seines kurzen intensiven Zeitrafferlebens, das eines pathetischen Realisten.

Mit denselben Mitteln des Ambivalenten, mit dem gleichen extremen, explosiven, unvereinbaren, unzeitgemäßen Selbstausdruck entsteht sein Bild: Ein historisches Aquarellporträt aus der Perspektive des Jetztzeitalters.

Was tue ich dabei? Es werden Zutaten angerichtet, es werden Farben und Formen serviert: Und Sie beginnen Ihr gefühlsmäßiges Verhältnis zu bestimmen, die Intensität und Hitze der Expression zu übernehmen, Sie beginnen die Suche im vi-suellen Material, die Assoziation, die Einbringung des Subjektiven.

Bei Vermeidung aller momentaner und beliebiger Gesichtsausdrücke sind durch komplexe visuelle Reizmuster eine Menge möglicher Bilder übereinan-dergeschichtet worden. Das Bild wird leichter verständlich und informativer als eine wirklichkeitsgetreue Fotografie.

Hier allerdings beginnt erst die Beschreibung des künstlerischen Handwerks, die Betrachtung eines Gesichts mit abstrakten Mustern, die Findung von Reichtum und Komplexität der Ausdrucksmittel, worin sich erst ästhetischer Wert begründen läßt.

Das zu beschreiben verbietet sich, da es ja sichtbar sein müßte, wie das alte Künstlersprichwort sagt: „Maler male, rede nicht!“

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Denkmal in Königsberg 

Am 1901-03-22 verlas Hermann Ehrenberg (1858-1920) in der Sitzung der Altertumsgesellschaft Prussia (= EHRENBERG: Max S. 488 f.) den Antrag, dass

„Mit Rücksicht darauf, daß die Pietät und das eigenste Interesse der Stadt es gebieten, diejenigen Stätten kenntlich zu machen, wo einst berühmte Männer gewohnt haben, […] nach dem Vorbilde so zahlreicher anderer Städte – Erinnerungstafeln an den betr. Häusern anzubringen.

Vorgeschlagen wurden Kleist, Schenkendorf und Ludwig von Baczko. Zu Max von Schenkendorf liest man:

„Max v. Schenkendorf, der neben dem Hause wohnte, das jetzt Herr Direktor Dr. Albrecht bewohnt (Mitteilung des Herrn Czygan).“

Dieser Antrag endete mit dem Satz: „Der Vorstand wird sich der Sache annehmen.“

 

Ein Aufruf zu einem Denkmal in Königsberg erschien dann im Februar 1917. Es heißt hier:

 

„Ein Ehrenmal für Max von Schenkendorf, dessen hundertjähriger Todestag am 11. Dezember 1917 ist, wird in Königsberg errichtet werden. Professor Czygan hielt neulich in einer Sitzung der Altertumsgesellschaft ‘Prussia’ einen Vortrag über die Beziehungen Schenkendorfs zu Königsberg während seines 14jährigen Aufenthalts in der ostpreußischen Hauptstadt.

Am 16. Februar wurde in Königsberg ein Arbeitsausschuß gebildet und in ihn berufen: Geh. Archivrat Dr. Joachim (Vorsitzender), Prof. Czygan (Schriftführer), Prof. Cauer von der Kunstakademie, dem die Ausführung des Denkmals übertragen werden soll. Provinzialkonservator Prof. Detlefsen, Stadtbaurat Glage, Schriftleiter Dr. Goldstein, Direktor May von der Kunst- und Gewerkschule und Bankier Werner. Den Vorsitz im Ehrenausschuß hat Oberpräsident von Berg übernommen. Als Platz für das Ehrenmal kommt entweder das Haus Kalthöfische Straße 21 in Betracht, wo Schenkendorf längere Zeit gewohnt hat, oder das Gelände Hintertragheim 4. Man ist sich noch nicht darüber einig, ob ein ‘Schenkendorf-Platz’ mit einer Monumentalbank oder nur eine Gedächtnistafel mit dem Relief des Dichters gestiftet werden soll.“

 

Im 1917-03 erschien ein umfangreicher (Sonder)druck, der lautet:

 

„Auf den 11. Dezember dieses Jahres fällt der hundertjährige Todestag unseres Landsmannes Max von Schenkendorf, der Sängers der Freiheitskriege. Uns Königsbergern steht er deshalb besonders nahe, weil er fast die Hälfte seines kurzen Lebens in unserer Stadt zugebracht hat. Hier hat er während der unglücklichen Zeit der tiefsten Erniedrigung des preußischen Staates und des deutschen Vaterlandes unentwegt Mut und Hoffnung auf eine bessere Zeit aufrechterhalten. Während der Freiheitskriege aber erklang seine Stimme freudig und stark in reicher Fülle schöner Lieder und begleitete die Ereignisse der Befreiung Deutschlands mit vollen, herzlichen Tönen. Im ganzen deutschen Vaterlande erklangen schon zu seinen Lebzeiten seine Lieder. Aber nicht nur bei seinen Zeitgenossen fanden sie dankbare Aufnahme, sondern auch bei den Nachlebenden, ganz besonders bei der deutschen Jugend. Gottesfurcht und Freiheit, Vaterland und ein einiges starkes Deutschland, das er sich nie anders als mit einem Kaiser an der Spitze hat denken könne, darin hoch in Ehren die deutsche Muttersprache – dafür schlug sein Herz!

Um alle diese uns so teuren Güter stehen wir nun schon so lange im Kampfe; sie unsern Nachkommen zu erhalten, ist uns allerheiligste Pflicht, ernstester Vorsatz. Und so wirkt der Geist unserer großen Männer aus jener Zeit vor hundert Jahren noch ungeschwächt in uns und unsern Söhnen, Brüdern und Vätern fort; alle Kräfte des Geistes und des Gemütes, der Vergangenheit und der Gegenwart haben sich so zu Schutz und Trutz dabei zusammen gefunden.

Werke des Friedens aber werden auch in dieser Zeit auf allen Gebieten weiter gepflegt. Es erscheint uns daher als eine Ehrenpflicht der Bewohner Königsbergs, den hundertjährigen Todestag des ‚Kaiserheroldes‘ nicht unbeachtet vorüber gehen zu lassen, sondern ihm ein in bescheidenen Grenzen gehaltene Ehrenmal auch hier in unserer Stadt zu begründen, als einen Ausdruck der Dankbarkeit seiner engeren Heimat und seines Vaterlandes und als ein Zeichen dafür, wie nahe verwandt wir unsere Zeit der seinigen fühlen. Eine monumentale Steinbank in unmittelbarer Nachbarschaft des Hauses, in dem Schenkendorf hier gewohnt hat (Ecke Hintertragheim und Nachtigallensteig, Nähe des Oberteiches) soll einen platz zieren, der fortan den Namen des Dichters erhalten wird.

Und so erwarten wir, unsere Hoffnung nicht getäuscht zu sehen, wenn wir selbst in diesen schweren Tagen unsere Mitbürger, arm und reich, hoch und niedrig bitten, ihre Dankbarkeit gegen diesen unsern großen Landsmann zu beweisen, indem sie diese Absicht durch Beiträge unterstützen. Herr Bankier Werner (Samter Nachf., Münzstr.) hat sich erklärt, Beiträge in jeder Höhe entgegenzunehmen. Die Tageszeitungen werden die Beitragsliste s. Zt. Veröffentlichen.

Königsberg, im März 1917.

 

Der Ausschuß für die Errichtung eines Schenkendorf-Erinnerungsmals in Königsberg.

Ehrenvorsitzender:

  1. Berg, Exzellenz, Oberpräsident der Provinz Ostpreußen.

Arbeitsausschuß:

Dr. Joachim, Geh. Archivrat, Direktor d. Königl. Staatsarchivs, Vorsitzender d. Vereins f. d. Gesch. v. Ost= und Westpreußen. – Cauer, Professor an der Kunstakademie. – Czygan, Prof. an der Städt. Oberrealschule, Schriftführer des Arbeistausschusses. – Prof. Dr. Dethlefsen, Baurat und Dombaumeister. – Dr. Goldstein, Schriftl. D. Hart. Zeitung, Vorsitz, des Göthebundes [Goethe]. – Glage, Stadtbaurat. – Prof. May, Direktor der Kunst= und Gewerkschule. – Werner, Bankier, i. F. Samter Nachf.

Ehrenausschuß:

Dr. Armstedt, Geh. Studienrat, Direktor d. Kneiph. Gymn. – Univ.=Prof. Dr. Baumgart, Geh. Reg.=Rat, Vorsitz. D. Königl. Deutschen Gesellschaft. – Graf v. Brühl, Direktor d. Kunstakademie. – Dr. v. Brünneck, Landeshauptmann der Provinz Ostpreußen. – Prof. Dr. Dirichlet, Direktor d. Altstädt. Gymn., Stadtverordnetenvorst. – Artur Ebhardt, Kaufmann. – Gerst, Rektor, Vorsitz. Des Königsberger Lehrervereins. – Dr. Gerschmann, Geh. Re.= und Prov.=Schulrat. – Univ.=Prof. Dr. v. Giercke, Magnifizenz, Prorektor der Alb.=Universität. – Prof. Dr. Hansen, Geh. Reg.=Rat, Direktor des Landw. Instit. D. Alb.=Universität. – Dr. Hoffmann, Oberreg.=Rat. – Dr. Kehlert, Prof. a. d. Städt. Realgymn., Vorsitz. Des Königsb. Philolog.=Vereins. – Dr. Körte, Oberbürgermeister. – Univ.=Prof. Dr. Krauske, Geh. Reg.=Rat. – Dr. Krollmann, Archivar, stellv. Direktor der Stadtbibl. Und des Stadtarchivs. -Listowsky, Hauptschriftsteller d. Hart. Zeitung. – Prof. Dr. Loch, Direktor der Königin=Luise=Schule. – Otto Meyer, Generalkonsul a. D., Obervorsteher d. Kaufmannschaft, M. d. H. – Landesrat Robert Passarge, Geh. Reg.=Rat. -Univ.=Prof. Dr. Peiser, Vors. d. Alt.=Gesellschaft Prussia. – Dr. v. Plehwe, Exzellenz, Kanzler des Königreichs Preußen. – Rosikat, Prof. a, Altstädt. Gymnasium. – Heinr. v. Schenkendorff, Major im General=Stabe des IV. A.=R. – Max v. Schenkendorff, Major, Leiter eines Kompanie=Führer=Kursus. – Schoettler, General=Superintendent d. Prov. Ostpreußen. – Dr. Schultze, Geh. Reg.=Rat, Direktor d. Königl. u. Univers.=Bibl. – Prof. Dr. Walter Simon, Geh. Reg.=Rat, Ehrenbürger der Stadt Königsberg. – Prof. Dr. Stettiner, Stadtschulrat. – Tromnau, Stadtschulrat. – Wyneken, Hauptschriftl. d. Königsb. Allgem. Zeitung.“

 

Ein Aufruf zu Spenden für ein Denkmal für Max von Schenkendorf in Königsberg wird noch im Dezember 1917 im Anschluss an den Artikel von Paul Fischer „Max v. Schenkendorf. Zum 100jährigen Todestage des ostpreußischen Sängers der Freiheitskriege“ gedruckt:

 

„Ein Schenkendorf=Erinnerungsmal soll in Form einer Steinbank mit hoher Rücklehne und einem Relief des Dichterkopfes in Königsberg auf dem ‘Schenkendorfplatze’ errichtet werden. Die Stadtbehörde von Ostpreußens Hauptstadt, in der ja Max v. Schenkendorf fast die Hälfte seines kurzen Lebens zugebracht hat, nannte auf Ersuchen des Denkmalsausschusses (S. S. 116 des Märzheftes 1917 ‘Aus dem Ostlande’) den bisher namenlosen Platz in der Nachbarschaft des Hauses, in dem Schenkendorf gewohnt hat (Ecke Hintertragheim und Nachtigallensteig, in der Nähe des Oberteiches) Schenkendorfplatz. Dem Bildhauer Professor Cauer aus Königsberg wird vom Denkmalsausschusse, an dessen Spitze als Ehrenvorsitzender Oberpräsident v. Berg steht und dessen Ehrenausschuß der Landeshauptmann der Prov. Ostpreußen, Dr. Brünneck angehört, die Ausführung des Denkmals, das einen Kostenaufwand von etwa 6000 Mk. erfordert, übertragen werden. Dem Arbeitsausschuß gehören folgende Herren an: Dr. Joachim, Geh. Archivrat, Direktor d. Königl. Staatsarchivs, Vorsitzender d. Vereins f. d. Gesch. v. Ost- und Westpreußen. – Cauer, Professor an der Kunstakademie. – Czygan, Prof. an der Städt. Oberrealschule [.] – Prof. Dr. Dethlefsen, Baurat und Dombaumeister. – Dr. Goldstein, Schriftl. d. Hart. Zeitung, Vorsitz. des Goethebundes. – Glage, Stadtbaurat. – Prof. May, Direktor der Kunst- und Gewerkschule. – Werner, Bankier.

Der Schriftführer dieses Arbeitsausschusses, Professor Czygan, hat durch Vorträge in der Altertumsgesellschaft ‘Prussia’ (deren Begründer Prof. August Hagen gewesen ist, der Hauptbiograph Schenkendorfs, der 1863 in Berlin ‘Schenkendorfs Leben, Denken und Dichten’ herausgab) in Vorträgen in Lehrervereinen und Schulen, sowie im Oberpräsidium die Teilnahme an der Errichtung des Denkmals besonders erweckt. Ebenso hat ein Schenkendorfabend, veranstaltet im Börsensaale durch den Goethebund, zur Verwirklichung dieses Planes viel beigetragen. Ein Aufruf hat in dieser Zeit der Kriegsanleihen und so vieler anderer Sammlungen noch nicht den erwarteten Erfolg gehabt, obwohl es sich doch um eine sehr bescheidene Summe handelt.

Beiträge in jeder Höhe nimmt noch das Auschußmitglied Bankier Werner (Samter Nachf., Königsberg i. Pr., Münzstr.) entgegen; wir sind überzeugt, daß besonders diejenigen unserer Leser, die Beziehungen zu Königsberg haben, aber auch alle Ostmärker, die jenem schönen Gedanken, dem Sänger der Freiheitskriege, dem ostpreußischen ‘Kaiserherolde’ ein Ehrenmal aus Anlaß des 100jährigen Todestages zu errichten, Beifall geben, ihr Scherflein beitragen werden

Die Grundsteinlegung auf dem Schenkendorfplatze wird am 11. Dezember 1917 stattfinden.“

 

So ließ sich 1917-12-09 sagen: „daß die Hauptstadt Ostpreußens recht daran tut, dem vaterländischen Sänger ein Ehrenmal zu errichten.“

 

Am 1917-12-09 schreibt Paul Czygan auch: „Diesen Platz hat die Stadt nunmehr mit der Benennung Schenkendorfplatz für alle Zeiten unter ihre Schmuckplätze aufgenommen. Die Ausführung aber der auf etwa 5-6000 Mark Kosten durch Professor Cauer veranschlagten und künstlerisch verzierten Bank auf diesem Platz mußte einer späteren Zeit vorbehalten bleiben, da die Zeitumstände die Verwirklichung des Planes an dem bestimmten Tage leider verhindert haben.“

1967 erinnert sich Wilhelm Matull, dass es an der Einmündung des Hintertragheims und des Nachtigallensteiges stand.

Näheres ist mir nicht bekannt geworden; die Reiseführer der Zeit könnten noch Auskunft geben.

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Denkmale und Feiern in Koblenz und Tilsit

Am 1933-12-04 eröffnete Franz Lüdtke (Pseudonym Frank Hinrich Brastatt; geb. Bromberg 5.08.1882, gest. Oranienburg 30.04.1945) im früheren Berliner Warenhaus Jonaß die Ausstellung „Der Osten – das deutsche Schicksalsland“.

„Eine weitere Belebung erhält die Ostausstellung dadurch, daß in ihrem Rahmen besondere Kundgebungen und Feiern veranstaltet werden wie die Schenkendorf=Feier, bei der Dr. Lüdtke aus Anlaß des 150. Geburtstages dieses ostmärkischen Freiheitsdichters er Eigenart und Kraft seiner Lieder gedachte.“ (Ostland. Halbmonatsschrift für den gesamten Osten. Berlin, 14. Jg., Nr. 51 v. 1933-12-16, S. 549, Sp. 2.)

 

Mit dieser Ausstellung sollte der Blick auf den Osten gerichtet werden.

 

Und wie Lüdtke in Berlin des 150. Geburtstags Max von Schenkendorfs gedachte, so fanden ebenfalls in anderen Städten Gedenkfeiern statt.

 

Am Denkmal in Koblenz geschah dies am 13. Dezember 1933, und ein Zeitungsbericht vermerkt:

„Im Anschluß an die Ansprache legte Beigeordneter Klaeber [Rudolf Klaeber(1889-1966)] im Namen des Oberbürgermeisters Wittgen [Otto Wittgen (1881-1941)], der am 150. Geburtstage Max von Schenkendorfs, in dessen Geburtsstadt Tilsit weilt, um dort im Namen der Stadt Koblenz einen Kranz zu Ehren des Dichters niederzulegen, zum Zeichen der engen Verbundenheit zwischen Ost und West an dem Denkmal des Dichters in den Rheinanlagen einen Kranz nieder. Nach der Gedenkrede verschönte die Kapelle des Freiwilligen Arbeitsdienstes die Feier mit einer ausgezeichneten Wiedergabe des Vorspiels aus den „Meistersingern“ von Richard Wagner. Mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes und des Horst Wessellieds fand die eindrucksvolle Gedenkfeier einen würdigen Schluß.“

 

Gleichzeitig fanden die Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag am Denkmal in Tilsit statt. Eine Zeitung berichtet:

Auftakt zu den

Schenkendorf=Feiern in Tilsit

(Eigener Drahtbericht)

 

Ag. Königsberg, 11. Dezember.

Am Sonntag nahmen die Schenkendorffeiern in Tilsit, der Geburtsstadt des Dichters, anläßlich seines 150. Geburtstages ihren Anfang mit einer machtvollen Kundgebung vor dem festlich geschmückten Schenkendorfdenkmal. Die nationalen Verbände, S.A., S.S., Stahlhelm, ferner die Reichswehr und die Schutzpolizei, waren durch größere Abordnungen vertreten.

Gegen Mittag erschienen die Ehrengäste vor dem Denkmal. Unter ihnen sah man den Generalleutnant a. D. Max v. Schenkendorf=Hannover und seinen Sohn Oberleutnant Max v. Schenkendorf, dann den Dichter und Komponisten Leopold v. Schenkendorf aus Berlin, weiter den Oberbürgermeister Wittgen, Koblenz, der Stadt, in der Schenkendorf die letzten Jahre seines Lebens verbrachte und am 11. Dezember 1817 gestorben ist.

Nach einem Musikstück der Kapelle des Reiterregiments hielt Generalleutnant Max von Schenkendorf als der Älteste der Familie eine kurze Ansprache, in der er Gott dankte, daß er uns in Adolf Hitler einen Führer geschenkt hat, der die Ideen und Bestrebungen des Freiheitsdichters Max v. Schenkendorf verwirklicht hat, und es ist eine Freude, daß der 150. Geburtstag dieses Dichters im geeinten Deutschland gefeiert werden kann. Er schloß seine Rede mit dem Wunsche, daß die Lieder Max v. Schenkendorfs in unserem Volke weiterleben möchten und daß seine Taten uns zur Nacheiferung anspornen möchten. Er legte dann einen Kranz an dem Denkmal nieder. Weitere Ansprachen hielten Oberbürgermeister Wittgen und der Oberbürgermeister von Tilsit, Dr. Salge. Anschließend hielt Studiendirektor Dr. Gloger die Festansprache, in der er betonte, daß Schenkendorf für Ostpreußen mehr als der Künder der deutschen Einheit war, denn er war es, der in seinen Werken als erster Ostpreußen als deutsches Reichsland verkündete.

 

Die Rundfunksendung aus Tilsit am 1933-12-17 ist als Mitschnitt nicht im Rundfunkarchiv in Frankfurt vorhanden.

 

Am 1935-01-15 schrieb eine Zeitung:

 

„Das Tilsiter Heimatmuseum.

In Tilsit wurde vor kurzem das Heimatmuseum eröffnet. Damit ist in der nordöstlichsten Stadt Deutschlands eine wertvolle kulturelle Einrichtung geschaffen worden. Vor einigen Jahren schon war ein Heimatmuseum privater Natur geschaffen worden, das jedoch eine für den Laien gänzlich unübersichtliche Sammlung von Ausstellungsstücken geblieben war und jetzt den Grundstock zu dem neuen Städtischen Heimatmuseum gebildet hat. In den Räumen der Stadtbibliothek stehen ihm acht Räume zur Verfügung Durch Ausstellungen bei besonderen Anlässen, wie der Schenkendorf=Erinnerungsfeier und der Erinnerungsfeier an die Befreiung Tilsits von der Russenherrschaft, wurde das Interesse der Bevölkerung an dem Museum geweckt. Es gingen ständig neue wertvolle Stücke ein, die eine Sammlung haben entstehen lassen, die sich getrost neben denen anderer Städte sehen lassen kann. Zur Bearbeitung der Aufgaben des Heimatmuseums wird neben dem Bund Deutscher Osten noch der NS. Lehrerbund tätig sein. Auch werden aus Lehrern und Geistlichen der Umgebung Tilsits überall Vertrauensleute gebildet werden.

Das Museum gliedert sich in drei Hauptabteilungen. In der ersten sind die Natur0 und Erdgeschichte der Heimat vereinigt, wozu noch die Vorgeschichte bis zur kulturellen Besitzergreifung durch den Deutschen Ritterorden kommt. Die zweite Hauptabteilung ist dem Volkstum gewidmet. Sitten und Gebräuche, Volkstrachten und das Bauernhaus werden hier veranschaulicht Die Stadtgeschichte Tilsits und der engeren Umgebung der Stadt wird in der dritten Hauptabteilung dargestellt. Hier werden Dokumente über das Leben der Tilsiter in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht gezeigt, ferner Erinnerungsstücke an die geschichtliche Vergangenheit der Stadt, wie an die Schweden=, Russen= und Franzosen=Stadt werden gezeigt. Geplant ist eine Abteilung, die sich mit dem besonderen Charakter der Memellandschaft befaßt. In ihr sollen durch Bilder die schönsten Teile der engeren Heimat festgehalten werden. Eine Anzahl Bilder des Heimatmalers Muttray und von Frau Sziteck, die in einem Vorraum des Museums ausgestellt sind, bilden den Grundstock für diese Abteilung, die später auch für die Fremdenverkehrswerbung ein wertvolles und reichhaltiges Archiv abzugeben verspricht. — Das Gedenken an bedeutende Persönlichkeiten und ihre Umgebung soll in einer besonderen Abteilung wachgehalten werden. In Erinnerungsstücken an Hermann Sudermann wie z. B. seiner eindrucksvollen Totenmaske, an Johanna Wolf, Max von Schenkendorf und K. T. Thielo ist auch hier bereits der Anfang gemacht.“

 

 

Während mir zu „Frau Sziteck“ nichts bekannt ist so sind die anderen Genannten zu identifizieren:

 

„Heimatmalers Muttray“: Henry Viktor Muttray, geb. Oletzko 24.05.1854, gest. Tilsit 2.01.1941 (vgl. z. B. Tilsiter Rundbrief 30, 2000/2001, S. 42; 32, 2002/2003, S. 104 ff.) – Fritz Brix: Tilsit-Ragnit: Stadt u. Landkreis, 1971, S. 132 : „der Landschaftsmaler Henry Muttray , der am 14. Mai 1854 in Treuburg geboren wurde , aber Tilsit als seine Heimat ansah“.

Hermann Sudermann, geb. Matzicken (Macikai), Kreis Heydekrug, 30.09.1857, gest. Berlin 21.11.1928.

  1. „K. T. Thielo“: d. i. Kurt Midoleit (Mickoleit), geb. Tilsit 11.08.1874, gest. Berlin 4.07.1934, Pseud.: Alwin Theodor Kurt Tielo).

Johanna Wolff, geb. Kielich, geb. Tilsit 30.01.1858, gest. Orselina, Tessin 3.05.1943

 

 

Vielleicht hilft die Beschäftigung mit dem Dichterjuristen Max von Schenkendorf dazu, Caroline Pichlers Freude über Schenkendorfs Wort „Nicht mehr nun trennt uns Süd und Norden“ zu ergänzen durch „Ost und West“, zu einem gemeinsamen Europa zu gelangen.

 

Dazu helfen natürlich Übersetzungen. Lagen schon lange derartige Übertragungen in lateinischer, englischer und französischer Sprache vor, so gilt es nun, eine neue Sprache hinzuzufügen: Seit kurzer Zeit existieren die Translationen von 40 Gedichten Max von Schenkendorfs in russischer Sprache. Max von Schenkendorfs Heimatstadt erinnert sich wieder an den Sohn dieser Stadt. Man gedenkt, das alte Schenkendorf-Denkmal zu erneuern. Bilder des Denkmal-Modells von Andrej Schewzow finden sich in der Zeitschrift Das Ost¬preu¬ßen¬blatt (Preußische Allgemeine Zeitung) Nr. 1 v. 2015-01-03, S. 13, Sp. 5-6.  Der Direktorin des Museums für Stadtgeschichte, Angelika Spiljowa, ist dafür zu danken! Allerdings:  Im Jahr 2018 wurde Angelika Spiljowa entlassen, weil sie nach Meinung der Behörden die deutsche Vergangenheit der Stadt zu sehr herausgestellt habe.

 

 

 

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