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Der Streit mit Johann Philipp Becher (1752-1831) 

über das Eisengewerbe im Siegerland

   
Jung-Stilling hatte bereits seine Promotionsschrift über das Siegerländer Eisengewerbe geschrieben. Den vollständigen Text der Arbeit finden Sie hier.
 
Grundlegend zu diesem Streit siehe jetzt siehe den Aufsatz:
 
Karl Heinrich Stamm: „Ein Patriot darf zuweilen Klage füren.“ (Johann Heinrich Jung). Zur Kontroverse zwischen Jung-Stilling und Johann Philipp Becher um die Darstellung des Siegerländer Eisengewerbes. – In: Siegerland. Blätter des Siegerländer Heimat- und Geschichtsvereins e. V. Bd. 80, H. 2, 2003, S. 97-106 (m. 1 Abb. des Geburtshauses S. 102.)
 
Der Aufsatz beruht, wie S. 105 f. gesagt, auf meinen Archivfunden. (Vgl. auch unter dem Ort Dillenburg.)
 
Nun ließ er, vielleicht mit Blick auf eine weitere Laufbahn an der Kameral Hohen Schule, unter anderem drei Aufsätze erscheinen:
 
Geschichte / des / Nassau=Siegenschen / Stahl= und Eisengewerbes. / Von / Johann Heinrich Jung.
  
Erste Fortsezung / von den / Osemund= und Drahtfabriken. / - / Von dem Osemunde.
 
Staatswirthschaftliche / Anmerkungen / über das / Hammerschmieds=Eisen= und / Stahlgewerbe des Siegerlands / nebst / einer Beschreibung der Methode des / Stabschmiedens / von / Dr. Joh. Heinr. Jung. / -
 
Die beiden ersten Texte erschienen S. 160-225 bzw. S. 225-243 in den
 
Bemerkungen / der / Kuhrpfälzischen / physikalisch=ökonomischen Gesellschaft, / vom Jahre 1777. / - / [Vignette] / - / Mit einer Kupfertafel. / - / - / Lautern, / im Verlage der Gesellschaft. / - / 1779.
 
Jung-Stilling bezeichnet diesen ersten Text so:
 
"Es ist dies eine getreue Copie meiner ehemaligen Dissertation, worüber ich in Strasburg öffentlich disputirt habe; und welche den Beifall der gelertesten Chymisten gefunden hat."
 
Er wurde z. B. nachgedruckt mit einer kleinen Einleitung in: Siegener Zeitung Nr. 231, 3. Blatt v. Mittwoch, 3. Oktober 1934, S. 3-4 m. 1. Abb. Jung-Stilling S. 4.
 
Der dritte Text erschien S. 321-378 in den
 
Bemerkungen / der / Kuhrpfälzischen / physikalisch=ökonomischen Gesellschaft, / vom Jahre 1778. / - / [Vignette] / - / Lautern, / im Verlage der Gesellschaft. / - / 1779."
 
Es handelt sich bei diesen drei Texten jeweils um Vorlesungen vor der physikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu (Kaisers)Lautern, wie man z. B. entnehmen kann den "Rheinische[n] / Beiträge / zur / Gelehrsamkeit. / [Vignette] / Erster Jahrgang. / - / Mannheim. / 1777."
 
In diesen "Rheinische[n] Beiträge / zur / Gelehrsamkeit. / - / 2tes Heft. 1777." wird S. 115 f. unter der Überschrift "Vorlesung vom 3ten März 1777." gesagt:
 
Vorlesungen / der ökonomischen Gesellschaft zu Lautern. / In den sechs Wintermonaten werden bei der ökonomi= / schen Gesellschaft in ihren monatlichen Versammlungen / die zum Drucke bestimmten Abhandlungen abgelesen. / Nach dem Beispiele der göttinger königlichen Gesellschaft / hat man verwichenen Winter angefangen, Auszüge aus / denselben in die mannheimer politische Zeitungen, und [S. 116:] / deren gelehrten Artikel zu setzen: da sie aber dort zu viel / Raum einnahmen, mit dem Hornung wieder / aufgehöret. In Zukunft werden diese Auszüge hier je= / desmal Platz finden; und wird gegenwärtig die letzte / Vorlesung vom März noch nachgeholet. / Vorlesung vom 3ten März 1777. Herr J. H. / Jungs staatswirthschaftliche Anmerkungen bei Gele= / genheit der Holznutzung des Siegerlandes. – Wenn […]" /
 
Jung-Stilling kritisierte in diesen drei oben genannten Aufsätzen vorsichtig die Landesregierung, und dies führte dazu, dass es zu einer Auseinandersetzung mit der Landesbehörde kam.
 
Die Regierung hielt sich zunächst bedeckt, legte aber am 27. November 1779 eine von mir aufgefundene Akte ("Reg. Akten. / Wegen der vom Professor Jung, / zu Lautern, geschriebenen Abhand= / lung, über das Siegenische / Stahl= und Eisengewerb. / 1779. / 80./1) an und schickte Johann Philipp Becher (geb. Isabellenhütte bei Dillenburg 26. Dezember 1752, gest. Wiesbaden 27.April 1831) vor. In Schlözers "Briefwechsel" (, der heute auch downloadbar ist) kam es zu einer literarisch-wissenschaftlichen Fehde, in die auch Friedrich Casimir Medicus/Medikus (1736-1808) eingriff.
 
Die vollständigen Texte des "Briefwechsels" finden Sie hier.
 
 
 
August Ludwig Schlözer's Professors in Göttingen der kaiserl. Rußischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, der königl. Schwedischen in Stockholm, und der kurfürstl. Bayrischen in München, Mitglieds Briefwechsel meist historischen und politischen Inhalts - Achter Theil, Heft XLIII-XLVIII, 1781. [Vignette] - Göttingen, im Verlage der Vandenhoekschen Buchhandlung 1781.
 
August Ludwig Schlözer's Professors in Göttingen der kaiserl. Rußischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, der königl. Schwedischen in Stockholm, und der kurfürstl. Bayrischen in München, Mitglieds Briefwechsel meist historischen und politischen Inhalts - Zehender Theil, Heft LV-LX. Nebst vollständigen Registern über das ganze Werk. [Vignette] - Göttingen, im Verlage der Vandenhoekschen Buchhandlung 1782.
 
 
 
Becher gab danach noch anonym heraus:
 
Schreiben / eines Siegerländers / an / Herrn Professor Jung, / in Lautern / zur / Berichtigung seiner Geschichte / des Nassau = Siegenschen Stahl = und / Eisengewerbes. / [Vignette.] / Quid dignum tanto feret hic promissur histu? / Horat. / - / Gießen bey Johann Christian Krieger, / 1780. [36 S.]
 
Neudruck: Johann Philipp Becher: Schreiben eines Siegerländers an Herrn Professor Jung. Von Johann Philipp Becher. (M. e. Einl. v. Wilhelm Güthling.) - In: Siegerland. Blätter des Siegerländer Heimatvereins e. V. 32, 1955, S. 23-33.
 
Der vollständige Text dieses Büchleins von Becher findet sich hier.
 
 
 
Das Motto nach Quintus Horatius Flaccus (Horaz): Epistularum Liber Secundus, Epistula III (bekannt als "Ars Poetica").
 
Nec sic incipies, ut scriptor cyclicus olim:
 
"Fortunam Priami cantabo et nobile bellum".
 
Quid dignum tanto feret hic promissor hiatu?
 
Parturient montes, nascetur ridiculus mus.
 
Quanto rectius hic, qui nil molitur inepte:               140
 
"Dic mihi, Musa, uirum, captae post tempora Troiae
 
qui mores hominum multorum uidit et urbes".
 
 
Vgl. zum lateinischen Text des Horaz z. B. unter:
 
http://home.swipnet.se/~w-41909/arspoet.htm
 
http://www.uah.edu/student_life/organizations/SAL/claslattexts/horace/epistulae203.html
 
http://www.uah.edu/student_life/organizations/SAL/claslattexts/horace/arspoetica.html
 
An Übersetzungen in die deutsche Sprache werden z. B. angeboten unter
 
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/germ4/dichtk/horadi1.htm
 
 
 
"Von Priams Schicksal und dem weitberühmten Krieg
 
begeb ich mich zu singen" - Großgesprochen!
 
Was kann der Mann uns sagen, das, den Mund
 
dazu so weit zu öffnen, würdig wäre?
 
Es kreißte, wie die Fabel sagt, ein Berg,
 
und er gebar, zu großer Lustbarkeit
 
der Nachbarschaft, ein kleines kleines Mäuschen.
 
Um wieviel besser Er, der niemals was
 
unschicklichs vorgebracht: Erzähle mir,
 
 
 
Siehe unter diesem URL erläutert: Horaz, in der Ars poetica (Episteln II, 3, 139) von einem Dichter, der Großartiges verspricht und wenig hält
 
 
 
Die Schriften Jung-Stillings und Bechers werden u. a. genannt in:
 
Wilhelm Albrecht Tiemann: Systematische Eisenhüttenkunde mit Anwendung der neuern chemischen Theorie vorgetragen. [Vignette] Mit sieben Kupfertafeln. Nürnberg, im Verlag der Raspeschen Buchhandlung, 1801.
 
Siehe zu Becher jetzt neu:
 
[Ortwin Brückel / Alfred Marenbach / Erich Mertens:] Johann Philipp Becher – Ein Lebensbild. Sein anonymes Schreiben an Professor Johann Heinrich Jung (-Stilling) löste vor 225 Jahren einen Gelehrtenstreit aus. Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Jung-Stilling-Gesellschaft e. V. vom 15. November bis zum 27. November 2004. Siegen: Univ. Siegen 2004. ISBN 3-9809821-0-6 = Veröffentlichungen der Universitätsbibliothek Siegen Bd. 6. - Ergänzend dazu der Nachruf auf Becher hier.
 
Eine willkommene Ergänzung zu diesem Katalog ist sicherlich der Nachruf aus dem Jahr 1831, der sich auf dieser Seite befindet.
 
 
 
Ergänzende Mitteilung durch Ortwin Brückel: Zwei weitere Werke Bechers sind zu verzeichnen:
 
Ueber die Entdeckung von Kunstprodukten in der Braunkohlenformation auf dem hohen Westerwalde und in Böhmen. – In: Das Gebirge in Rheinland-Westphalen nach mineralogischem und chemischem Bezuge [Hrsg.: Jacob Nöggerath], Bd. 3, Bonn: Weber 1824, S. 174-183.
 
Anleitung zur Abschätzung metallischer Rohstoffe. – In: Karstens Archiv 1829, S. 22-23. = Carl Johann Bernhard Karsten (geb. Butzow in Mecklenburg 26.11.1782, gest. Berlin 22.08.1835): Archiv für Bergbau und Hüttenwesen. Berlin: Reimer 1818 - 1831, dann aufgegangen in: Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hütten-Kunde (mit H. v. Dechen). Berlin 1829-1854. – (Zit.: Fritz Spruth: Die Siegerländer Silber- und Kupferhütten. Ein Beitrag zur Bergbauarchäologie. Bochum: Dt. Bergbaumuseum 1990, ISBN 3-921533-45-7 = Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum zu Bochum Bd. 47, S. 79.).
 
Nicht uninteressant ist sicher auch der Hinweis:
 
„Aus dem Nassau-Dillenburgschen.“ In: Journal von und für Deutschland September 1784, 2. Bd., 9. St., Nr. 19, S. 201-202, hier S. 201, Sp. 2: „19. Aus dem Nassau=Dillenburgschen. Das Fürstenthum Siegen hat seinen Flor, wie dem Handel, so vorzüglich seinem schon sehr alten Berg= und Hütten=Bau zu verdanken. Auch das Fürstenthum Dillenburg ist sehr reich an Bergwerken. Diesen Theil der Naturgeschichte auszuarbeiten, hat der Bergcommissions=Secretär zu Dillenburg, J. P. Becher, übernommen, und sind ihm deshalb von dem Prinzen, auf geschehen Empfehlung der Landesregierung, alle mögliche Hülfsmittel angeboten worden.“
 
 
 
Johann Christian Poggendorff: Biographisch-Literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften … . Bd. 1. Leipzig: Barth 1863, Sp. 125 f..
 
 
 
Ersch: Journale 1790, S. 18.
 
 
 
Nicht unwichtig ist, dass Becher auch Bücher subskribierte. Neben etlichen seiner Kollegen gilt dies für das Werk:
 
"Kirchen= / und / Reformations=Geschichte / der / Oranien=Nassauischen Land. / - / Von Joh. Herm. Steubing, / Consistorial=Rath und Inspector / zu Dietz. / * / - / Hadamar, / im Verlage der Neuen Gelehrten=Buchhandlung. / - / 1804."
 
Mit Johann Hermann Steubing, Dr. theol. h. c. geb. Herborn 6.05.1750, gest. Diez 23.05.1827, hatte Jung-Stilling eine Korrespondenz, über die Karl Heinrich Stamm detailliert berichtete.
 
 
 
Vgl. auch:
 Ortwin Brückel: Johann Philipp Bechers Weiherede zum Baubeginn des Müsener Revier-Erbstollens. Vor 176 Jahren wurde mit dem bedeutsamen Bauwerk begonnen. – In: Siegerland. Blätter des Siegerländer Heimat- und Geschichtsvereins e. V. Bd. 79, 2002, H. 1, S. 41-54 (m. 2 Abb.: Müsen und Grube Stahlberg und Neudruck der Rede).