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Matthisson „Der Aschenkrug. An Heinrich Stilling. 1785.“
1785-12 beschloss das „Deutsche Museum“ mit diesem Heft seinen 2. Band für das Jahr. Auf den Seiten 564-566 findet sich als 13. Beitrag das Gedicht „Der Aschenkrug. An Heinrich Stilling. 1785.“
August Wilhelm Anton Neidhardt (ursprünglich: Neithardt) von Gneisenau (geb. Schildau 27.10.1760, gest. Posen 23.08.1831) scheint es sehr gefallen zu haben, denn in seinem Nachlass fand sich eine Abschrift, die Georg Heinrich [Jakob] Pertz (geb. Hannover 28.03.1795, gest. München 7.10.1876) begründet für ein Werk des Grafen hielt. (Das Leben des Feldmarschalls Grafen Neithardt von Gneisenau, Bd. 1, 1760 bis 1810. (Mit einem Kupfer und einer Karte.) Berlin: Georg Reimer 1864; Beilagen, S. 645-647).
Der Lehrer [Ludolph Louis] Theodor Colshorn (geb. Ribbesbüttel bei Gifhorn 13.01.1821, gest. Hannover 1:09:1896) übernahm dies aus Pertz mit der Quelle Gneisenau in sein Lehrbuch „Des Mägdleins Dichterwald. Stufenmäßig geordnete Auswahl deutscher Gedichte für Mädchen. Aus den Quellen. Siebte Aufl., verb. U. verm. Hannover: Carl Rümpler 1875 [auch 1856, 1871], S. 499 ff.
Karl Heinrich Jördens: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten, Bd. 3, Leipzig: Weidmann 1808, S. 461 hatte dieses Gedicht jedoch in seinem Artikel zu Matthisson zutreffen aufgeführt.
Der als Literarhistoriker und Dr. phil. gefallene Landsturmmann im Reserve-Inf.-Reg. Nr. 246, 1. Komp. Gottfried Bölsing (Berlin 5.08.1885, gefallen 25.09.1915 bei der Bellewaarde-Ferme, Flandern; Nachruf im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, Nr. 237 v. 12.10.1915-10-12, S. 1368) war bekannt als Herausgeber von Friedrich Matthissons Gedichten. In dem ersten Band dieser Ausgabe nennt er (Bd. 1, S. 104, Fußnote 81 a) das im „Deutschen Museum“ publizierte Gedicht „Der Aschenkrug. An Heinrich Stilling. 1785.“
Friedrich Matthissons Gedichte. Bd. 1. Die Gedichte von 1776-1794. Nebst einem Anhang. Gedruckt für den Litterarischen Verein in Stuttgart. Tübingen (H. Laupp) 1912, = Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart, Bd. 257 und 261. Tübingen: Litterarischer Verein, 1912 und 1913
Hier der Text:
Deutsches Museum.
Zwölftes Stück. Dezember, 1785
--
[S. 564 ff.]
564
________
13.
Der Aschenkrug.
An Heinrich Stilling. 1785.
---
Was schimmert einsam dort, wo sich der Bach im Thal
Durch Thränenweiden schlingt, im goldnen Abendstrale?
Die Schwermuth leitet mich auf düstrem Pfad hinab.
Ist hier Arkadien? Ein blumenvolles Grab !
Ein kleiner Aschenkrug, den eine fromme Hand
Voll heilger Zärtlichkeit mit Trauerlaub umwand
Im dämmernden Gebüsch !
An seinem Marmorfuß, wo junge Rosen wanken,
Blinkt eine goldne Schrift durch dunkle Epheuranken :
„ Ihr Haine flüstert sanft ! weh leiser Frühlingslust !
Ein edles Mädchen ruht in dieser stillen Gruft.
Sie glaubte, liebte, litt. Du fromme Dulderin,
Die Tugend blieb dein Glück, dein Reichthum und Gewin,
Da Alles dich verließ!“
Heil ! dir, Vollendete, du hast daen Kranz errungen,
Den dir die Tugend wand. Durch trübe Dämmerungen
Drangst du mit Himmelskraft empor zum ewgen Licht.
Dich schreckte selbst die Nacht am Scheidewege nicht !
Ein Schimmer jenes Heils, das dort am Wonneziel
Der guten Seelen stralt, erhob dich zum Gefühl
Der Unvergänglichkeit.
Und dies Gefühl, vor dem das rasende Gewimmel
Der Erdenstürme schweigt, das einen ganzen Himmel
Stillheitrer, sanfter Ruh* in edle Seelen gießt,
Ist der erhaben Lohn der aus der Tugend fließt!
Wo
Wo diese Gottheit wohnt, blüht Engelseligkeit,
Wallt spiegelrein und still der Strom der Lebenszeit
Durch Paradiesesau’n.
Es mag umhüllt von Nacht und grausen Ungewittern,
Vom Donnersturm umras’t, des Erdballs Axe zittern,
Der Elemente Kampf Tod und Vernichtung dräun,
Und stolzer Flotten Macht wie dürres Laub verstreun :
Wo diese Gottheit wohnt erheitert, sich die Luft,
Die Fluren im Gesang und Kühlung weht und duft
Aus stiller Haine Grün.
Es mag am jähen Rand verlaßner , wilder Küsten,
Auf rauher Felsenbahn, in menschenleeren Wüsten
Der müde Wandrer gehen ; schon brach sein Pilgerstab,
Schon dpnkt die Schöpfung ihm ein weites , ofnes Grab :
Wo diese Gottheit wohnt, verschönt sich jeder Pfad
Wo ihres Lieblings Tritt voll Zuversicht sich nacht,
Zum Schattengang der Ruh’.
Es mag des Todes Arm, im Vollgenuß der Freuden
Erhabner Sympathie , den Freund vom Freunde scheiden,
Der, sanft und fest und treu, am Abgrund der Gefahr
Wie auf der Bahn des Glücks, ihm Alles, Alles war :
Wo diese Gottheit wohnt, Verlaßner ! da erhellt
Der Zukunft Mitternacht ein Stern der bessern Welt
Mit sanfter Hofnung Glanz.
Es mag (wenn rungsumher die Rosen sich entfärben,
Des Jünglings Scherze fliehn, des Mannes Freuden sterben)
Der lezte süße Ton der Liebe selbst verwehn
Und jedes goldne Bild der Täuschung untergehn:
Wo diese Gottheit wohnt, reicht die Erinerung
Dem Allvergeßnen noch den lezten Labetrunk
Wenn schon sein Auge bricht.
N n 3 Kein
566 14. Iziger Werth des spanischen Geldes
Kein Stundenschlag ertönt , kein Tropfen Zeit
entfluthet,
Wo nicht ein edles Herz um edle Herzen blutet,
Kein Abendstern erscheint, kein Morgenroth beginnt,
Wo nicht der Wehmut Schmerz auf frühe Gräber rinnt :
Wo diese Gottheit wohnt, hebt über Grab und Zeit
Und Trennung das Gefühl der Unvergänglichkeit
Des Dulders Geist empor!
Matthisson.
Eine zeitgenössische Rezension von „Henrich Stillings Jünglings-Jahre“, 1178
Gelehrte Sachen.
Wir wollen itzt einige Romane, die wir diese Messe erhalten haben, auf einmal anzeigen, weil der guten Bücher zu viel sind, als daß man bey jetzigenKriegsläuften zu einzelnen Recensionen für jedes Platz hätte.
Leipzig. Geschichte Carls von Burgheim und Emiliens von Rosenau. […] Man wird indeß auf den folgenden sehr begierig gemacht, wenn man diesen gelesen hat. Die Vorrede handelt von dem Nutzen solcher Romane sehr gut, und macht dem Herzen des V. Ehre. […]
Johann Martin Miller (geb. Ulm 3.12. 1750, gest. ebd. 21.06.1814) Theologe und Schriftsteller; bekannt durch seinen Roman „Siegwart. Eine Klostergeschichte“ (einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Romane des 18. Jahrhunderts; Geschichte Karls von Burgheim und Emiliens von Rosenau. 4 Bände (1778).
Berlin. Henrich Stillings Jünglings=Jahre. Eine wahrhafte Geschichte. Bey Decker 1778. klein 8. 14 Bogen. Wer hat nicht Stillings Jugend gelesen? hier [sic] ist die Fortsetzung von demselben Verfasser, Herrn Jung. So klein das Büchlein auch ist, so sehr interessant ist es doch, und oft bis zu Thränen rührend; voll so wahrer Schilderungen aus dem niedern Leben, wie es unter dem Druck des höhern seufzt, und gleich diesem von seinen Leidenschaften beunruhigt wird. Stillings Charakter entwickelt sich ganz natürlich aus der Ansage, die seine Jugend zeigte, und wir werden ihn nun bald als Mann ausser seinem Vaterlande, woraus er durch seine Neigungen und Widersacher verdrängt war, handeln sehen. Hier ist noch mehr Bild des wahren Lebens, und eben so Deutsche Charaktere und Sitten, als im ersten Theile.
Berlin bey Voß. Lebensläufe nach aufsteigender Linie […]
Theodor Gottlieb Hippel, ab 1790 von Hippel (geb. Gerdauen/Ostpreußen 31.01.1741, gest. Königsberg 23.04.1796) Staatsmann, Schriftsteller und Sozialkritiker der Aufklärung; Mitglied der preußischen Landrechtskommission, Stadtrat, Oberbürgermeister und Stadtpräsident von Königsberg; Freund Immanuel Kants; setzte sich für die rechtliche Gleichstellung von Frauen ein.
Text folgt
Die „Szenen aus dem Geisterreich”
Jung-Stilling und 14 Studenten, Varrentrapp, von Salis,
Christian Gottlob Barth: „Stillings Siegesfeyer“
Jung-Stilling: „Eickels Verklärung“
Liste der in diesen Schriften vorkommenden ‚Akteure‘
Drei Bündner in Marburg ⇑
Nach dem 1795-06-25 erhielt Jung-Stilling den an diesem Tag von Johann Caspar Lavater in Mönchhof bei Zürich geschriebenen Brief. (EDITION SCHWINGE S. 21, 174). Der Brief beginnt:
„Lieber Bruder Jung!
Zwei mir von Person unbekannte, aber von einem wackeren Mann mir als gesittet empfohlene Bündner sind gesinnt in Marburg zu studieren - und wünschen bei Jung=Stilling in die Kost zu gehen - wenigstens seinem besonderen Schutz empfohlen zu sein. Herr Ulysses von Salis bittet mich, Dir deswegen zu schreiben. - Es ist mir leid, daß ich Dich, Beladener, bemühen muß - und lieb, wenn ich eine befriedigende Antwort erhalte.“
Jung-Stilling schrieb antwortend unter dem 1795-07-12 an Lavater (EDITION SCHWINGE S. 21, 177-179.)
"An Lavater
Marburg d. 12ten Jul. 1795.
Mein theuerster Bruder Lavater!
Schreibe dem wackern Ulysses von Salis, den ich sehr schätze, daß ich der beiden Bündtner Vater, Freund und Schuz von Hertzen gern seyn wollte, in Kost und Logis kann ich sie nicht nehmen, weil mein Geist Ruhe um sich her heischt und ich dies Gesuch allen meinen Freunden und Verwandten abgeschlagen habe. Die beyden Schweitzer solten aber nichts dabey verlieren, ich werde sie in eben so sichere Hände bringen, als die Meinigen sind.“
An beiden Stellen des Druckes (vgl. hier zu S. 174, 177) fehlen die Angaben zu diesen beiden Graubündner Personen. Ein Blick in die von Theodor Ulrich Birt (geb. Wandsbek, heute zu Hamburg 22.03.1852, gest. Marburg 28.01.1933) herausgegebene Marburger Matrikel (1778-1795, S. 457, Nr. 50-52) gibt die Antwort:
Hier sind zwar drei Graubündener aufgeführt, aber zwei davon halten besonders zusammen.
Durch die Aufzeichnungen von Johann Ulrich Dietegen von Salis-Seewis (geb. Schloß Bothmar bei Malans 16.05.1777, gest. 15.01.1817, jüngster Bruder des Dichters Johann Gaudenz von Salis-Seewis) sind wir gut unterrichtet über dessen Marburger Zeit – und damit auch über Jung-Stilling in dieser Zeit.
Am 1795-09-15 brechen die drei Studenten zur Reise von Malans nach Marburg auf; ihre Ankunft findet am 1795-10-06 statt.
„Gleich in den ersten Tagen wurde bei Jung-Stilling Antrittsvisite gemacht, welcher die jungen Leute mit der wärmsten Freundschaft empfing und ihnen versprach, sich ganz ihrer anzunehmen.“ Johann Ulrich mietet sich Klavier und Klaviermeister, tritt in die „Musikgesellschaft“ ein und besucht regelmäßig die Abonnements-Konzerte. Zugleich wird er Mitgied der Lesegesellschaft
Siehe dazu Thomas Sirges: Lesen in Marburg 1758-1848. Eine Studie zur Bedeutung von Lesegesellschaften und Leihbibliotheken. Marburg 1991 = Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur [Bd.] 37.
Er hört bei Jung Staatswirtschaft und Polizeiwissenschaft, dazu noch „Geschichte der Menschheit“ und Tierarzneikunde. Weitere Lehrer waren ihm Tiedemann und Justi. Jung-Stillings Sohn und Melchior Kirchhofer werden seine Freunde; er lernt Friedrich Ehrenberger, Friedrich Christian von Motz und Friedrich Karl von Savigny kennen. Im März 1796 ist das Semester zu Ende und eine vierwöchige Erholungszeit nutzen die drei zu einer ‚Vakanzreise‘ nach Frankfurt‘. Nach der Rückkunft trennen sich die drei Studenten räumlich. Johann Ulrich und der Vetter aus Grüsch beziehen eine neue Wohnung, Salis-Samanden bleibt in der bisherigen Unterkunft. Auf der Rückreise verweilt man drei Tage in Echzel bei Schwarz und genießt dort die Zeit mit Jung-Stilling. Johann Ulrich schlägt seinem Vater vor, aus Erkenntlichkeit Hofrat Jung „allenfalls Käse, Schabzieger oder dergleichen“ zu übersenden. Die Ferien im Mai 1796 benutzt man, um mit Jung eine Studienreise nach Kassel zu unternehmen. Besichtigt werden wie gewöhnlich der Weißenstein mit seinen Wasserwerken, ein Naturalienkabinett und verschiedene Fabriken. Von der besuchten Zitzfabrik meint von Salis, dass sie keinen Vergleich mit der des Schwagers Salis-Soglio in Stockach aushalte; die Stockacher sei größer und moderner. Neben seinem Studium und den Belustigungen wie z. B. den Weinfesten „in Geerens Garten“ las von Salis viel. Helvetische Geschichte lag ihm an, und bei den wenigen Büchern der Bibliothek gefiel ihm Johannes von M üllers Werk am besten; sein „väterlicher Freund“ Hofrat Jung lieh es ihm.
Gerhard Schwinge: Jung-Stillings Lektüre. Zur Rezeption von Druckwerken des 17. bis 19. Jahrhunderts durch den Arzt, Staatswirtschaftler und religiösen Schriftsteller Johann Heinrich Jung gen. Stilling (1740-1817). – In: Pietismus und Neuzeit. Ein Jahrbuch zur Geschichte des neueren Protestantismus, Bd. 28, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2002, S. 237-260.
Die Kriegsereignisse stören sehr die Kommunikation und die Ruhe der Marburger, denn die Stadt wird von Flüchtlingen überflutet. Im September haben sich die Franzosen an den Rhein zurückgezogen, aber sie hatten geplündert und gebrandschatzt. Dies stellen die Studenten auf eine Reise vom19. bis 28. September fest. Wiederum empfiehlt Johann Ulrich seinem Vater, Jung Käse zu schenken, denn da man ihn in Marburg nur selten bekommt, ist er hoch angesehen. Über das weitere Studium sind wir gut informiert; zu Ostern 1797 erhält Jung-Stilling wiederum Käse aus der Schweiz, und der junge von Salis studiert nun die Pandekten. Am 24. September 1797 verlassen zwei Bündner Marburg, in Schaffhausen besuchen sie Kirchhofer, um dann am 20. Oktober 1797 wieder in der Heimat zu sein.
In Grundzügen schreibt Georg von Wyß (geb. Zürich 31.03.1816, gest. ebd. 17.12.1893) ADB 30, 1890, S. 248 in dem ADB-Artikel zu Johann Ulrich Dietegen von Salis-Sewis: „bezog 1795 die Universität Marburg. An Jung-Stilling empfohlen, fand er bei demselben freundlichste Aufnahme und empfing von Jung=St. wissenschaftliche und religiöse Anregungen, die seine Verbindung mit demselben auch später fortdauern ließen. Unter seinen Mitstudenten und Bekannten waren Savigny und Melchior Kirchhofer (s. A. D. B. XVI, 11), an den er sich vorzüglich anschloß."
Die „Szenen aus dem Geisterreich” ⇑
Im Jahr 1795 waren ohne Nennung des Autors im Buchhandel erschienen die
„Scenen / aus dem / Geisterreiche. / - [eL 28 mm] / In meines Vaters Haus giebts viele Wohnungen. / - [eL 75 mm; darin mittig verschlungenes Initial aus V und W] / Frankfurt am Main, / bei Varrentrapp und Wenner / 1795.“
Eine zweite Auflage wurde notwendig, und am 1800-09-22 druckt der „Reichs-Anzeiger“ (Nr. 219, Sp. 2800) eine verstümmelte Verlagsanzeige zu den „Szenen aus dem Geisterreiche“, die zuvor schon vollständig im „Intelligenzblatt der Allgem. Literatur-Zeitung Numero. 125. – Sonnabends den 16ten August 1800.“, Rubrik „Literarischer Anzeiger.“, Sp. 1067, gedruckt worden war:
„Bey Varrentrapp und Wenner in Frnkfurt / am Mayn ist erschienen: / Scenen aus dem Geisterreiche von Heinrich Stil= / ling. 1r Band 2te vermehrte und verb. Aufl. 1800. / 1 Rthlr. 4 gr. / Er enthält vierzehn [sic, fehlt: Szenen]: das große Erwachen, die / Naturforscher, das frohe Wiedersehen, die Hölle, / der arme Mann, die Fatalisten, die Ueberraschung, / der Antiquarius, der christliche Stoicker [sic; Stoiker], der Tri= [Triumph] / umph, das große Geheimniß, das Geheimniß der / Zukunft, die Hierarchie und die christlichen Phari= / säer. – / Bey der ersten Auflage, welche 795 [sic; 1795] erschien, / war es uns nicht erlaubt, des Hrn. Verf. littera= / rischen Namen auf den Titel zu setzen, sie hat da= / her den Beyfall so sie erhielt, nicht dessen Namen, / sondern den interessanten Gegenständen und ihrem / innern Gehalt zu verdanken. Für die so schon ei= / niges von Hrn. Heinrich Stilling gelesen, wäre es / unnütz irgend was zum Lobe der Schrift zu sagen, / um Aufmerksamkeit zu erregen, und für die, so / noch nichts von demselben gelesen, wird der schnelle / Absatz der ersten Auflage am besten beweisen, wie / sehr sie interessirt. – /“
Varrentrapp ⇑
Gerhard Schwinge schreibt in seinem Aufsatz „Jung-Stilling und seine Verleger. Von Deinet in Frankfurt bis Raw in Nürnberg.“ (2002) nur: „dies war wohl vor dem Kontakt zu Raw verabredet worden“.
Auch die dortigen Angaben zu Varrentrapp lassen sich ergänzen:
Auch die dortigen Angaben zu Varrentrapp lassen sich ergänzen: Franz Varrentrapp, Bürger und Buchhändler in Frankfurt am Main, Hofbuchhändler in Mainz, kam nach Frankfurt (geb.) 30.11.1706, gest. Frankfurt 18.09.1786, ehel. Frankfurt 10.03.1734 Johanna Maria Moors (get. Frankfurt 15.07.1706, gest. ebd. 10.05.1752. Sein zweitältestes Kind Catharina Jacobaea (30.11.1734-8.05.1787) vermählte sich 10.11.1767 mit Johann Conrad Wenner aus Crumstadt; ursprünglich Theologe, wurde Wenner dann Buchhändler; er starb 13.05.1803. (Ein anderer Johann Friedrich Wenner 1772-1835). – Siehe Werner Constantin von Arnswaldt: Aus der Geschichte der Familie Varrentrapp. Frankfurt a. M.: Knauer in Komm. 1908, bes. Tafel IV. – Alexander Dietz macht in seiner Handelsgeschichte (4.2, 1925) deutlich: Varrentrapp & Wenner richtig Varrentrapp Sohn und Wenner; Johann Friedrich Varrentrapp (geb. 3.09.1742, gest. 14.05.1814) ehel. 10.11.1772 Maria Eva Mergenbaum (geb. 3.02.1748, gest. 4.01.1834); erstes Kind war Maria Eva (geb. 17.09.1773, gest. Darmstadt 27.12.1841); man bewohnte das Haus zum Falken, Buch- und Falkengasse in Frankfurt. – Vgl. 1803-03-16, wo Jung-Stilling ein Paket dieser Firma erhielt.
Jung-Stilling und 14 Studenten, Varrentrapp, von Salis ⇑
Gelegenheiten zu derartigen Verabredungen gab es reichlich. Nur ein Beispiel aus dem Jahr 1795, wie es in jedem vorherigen Jahr hätte geschehen können. Wie im Juni 1794 mit 14 Studenten war Jung-Stilling im Jahr 1795 wiederum mit Studenten auf Exkursion in Kassel. Am 1795-05-26 ist diesmal der Student Melchior Kirchhofer mit dabei, als man gemeinsam mit dem Frankfurter Buchhändler Varrentrapp und dessen 30jähriger Tochter Kassel besichtigt. Kirchhofer notiert in seinem Tagebuch:
„Diesen Morgen machten wir den Anfang um die Merkwürdigkeiten von Cassel zu sehen. Unsere Gesellschaft wurde durch den Buchhändler Varrentrapp von Frankfurth und seine Tochter einem dreissigjährigen Frauenzimmer in Citrongelbem Gewand vermehret; ihrer Reize wegen hätte sie getrost unter einer noch größeren Anzahl junger Herren auftretten dürfen.“
Sicherlich Maria Eva Varrentrapp (geb. 17.09.1773, gest. Darmstadt 27.12.1841). Nebenbei: Goethe schreibt in DuW von den alten Fräulein Lauth; Ferdinand Dollinger meint dazu: „Elles avaient 41 et 47 ans, Goethe en comptait 21: cet âge est sans pitié!“ Vgl. o.
Wie dem auch sei: die
„Scenen / aus dem / Geisterreiche. / - [eL 28 mm] / In meines Vaters Haus giebts viele Wohnungen. / - [eL 75 mm; darin mittig verschlungenes Initial aus V und W] / Frankfurt am Main, / bei Varrentrapp und Wenner / 1795.“
erschienen auf dem Buchmarkt.
Scenen / aus dem / Geisterreiche / von / Heinrich Stilling. / - [eL 29 mm] / Erster Band. / Dritte vermehrte und verbesserte Auflage. / - [L 44 mm] / In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen, / - [eL 66 mm] / Frankfurt am Main, / bey Varrentrapp und Wenner / 1803.
Scenen / aus dem / Geisterreiche / von / Heinrich Stilling. / - [eL 29 mm] / Zweyter Band. / Zweyte vermehrte Auflage. / - [L 44 mm] / In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen, / - [eL 66 mm] / Frankfurt am Main, / bey Varrentrapp und Wenner / 1803.
Die später in der nächsten Auflage eingefügten Fußnoten stammen von Jung-Stilling selbst.
Jung-Stilling: „Lavaters Verklärung“ ⇑
Das traurige Schicksal Lavaters lässt Jung einen weiteren Text dieser Art schreiben:
Lavaters Verklärung / - [eL 18 mm] / besungen / von / Heinrich Stilling / - [eL 32 mm] / - [eL 79 mm] / Frankfurt am Main / in der Hermannischen Buchhandlung / 1801
Im zweiten Band der „Szenen“ gibt Jung-Stilling in der vierten Szene, S. 115, seiner Leserschaft zu wissen
„Die vierte Scene.
Jesus Christus in seinem menschlichen Charakter.
---
Siona hatte mir Lavaters Verklärung
in die Feder dictirt, und meine geliebten Brüder
und Schwestern haben dies Gedicht mit Vergnügen
und Seegen gelesen. […]“
„U. P. A. v. S. M.“ ⇑
Nach diesem großen Vorbild der „Szenen“ schrieb 1801 eine Tochter von Ulysses von Salis-Marschlins solches Karmen auf den toten Vater:
„Denkmal / der / kindlichen Ehrfurcht und Liebe, / Herrn Ulysses von Salis Marschlins, / dem ältern, / errichtet / von Seinen verwaisten Töchtern , / U. P. A. v. S. M. / [Vignette]/ –– / Zürich, / bei Orell, Füßli und Compagnie. / 1801.“
Hinter den Buchstaben „U. P. A. v. S. M.“ verbirgt sich Ursula Perpetua Adelheid von Salis-Marschlins (, über die ich keine Daten habe). – Im Jahr 2011 brachte Nabu Press dies Buch unter der ISBN 1247429571, 978-1247429571 neu heraus.
Der Nürnberger „Verkündiger“, 46. Stück, Jg. 5, vom 1801-06-09, bringt Sp. 361-364 einen Bericht über „Freyherr Ulysses von Salis Marschlins.“ Es ist dies ein Auszug aus „Denkmal … von seiner Tochter“
In diesem Denkmal findet sich
Der Triumph des Glaubens.
Eine Scene aus der Geisterwelt.
(Ein kleiner Versuch nach Stilling=Jungs großem Muster.)
(Zuerst stellt die Scene ein schwach erleuchtetes Zimmer vor;
im Hintergrunde desselben ein Sterbebett. Obaddon, der
Engel des Todes, und Ernst Uriel, stehen noch unsicht=
bar am Bette des Sterbenden.)
Theophil (kämpfend mit gen Himmel gerichtetem Blicke.)
Jesu , hilf siegen, du Fürst des Lebens !
Ernst Uriel (mit sanfter Stimme , indem er dem Kämpfenden
sichtbar wird.)
Sey getrost, mein Sohn ! du bist im Kleinen
treu gewesen, des Große soll dir- anvertraut werden […]“
hebt der Text an.
Christian Gottlob Barth: „Stillings Siegesfeyer“ ⇑
Auf das mit nur einem Stigmonym versehene Karmen
Stillings / Siegesfeyer. / Eine / Scene aus der Geisterwelt. / - / Seinen Freunden und Verehrern. / Von ....r.. / - / - / Stuttgart, / bey Joh. Friedr. Steinkopf. / 1817.
dessen Autor Christian Gottlob Barth (1799-1862) ist, siehe man hier unter diesem URL .
Jung-Stilling: „Eickels Verklärung“ ⇑
Hingewiesen sei auch auf „Eickels Verklärung“
Eickels / Verklärung / eine Scene / aus der Geister Welt. / Zum freundschaftlichen Andenken / von / Johann Heinrich Jung. / - / - / - / Elberfeld / bey C. W. Giesen, Buchhändler. / 1788.
Handschriftlich hat sich erhalten:
Eickels Verklärung / Eine Scene / Aus der Geisterwelt / Zum freundschaftlichen Andenken / von / Jung / 1788. / ManuParLui zu Auferhaltung
1788 erschien ein Druck von Eickels Predigten mit Gedichten auf ihn nach seinem Tod, darunter auch Jung-Stillings Gedicht:
Sammlung / einiger / Predigten / wegen ihrer Gründlichkeit und / geistlichen Erfahrungen aufgeschrieben / und zum Druck befördert / von / ungenannten Freunden. / [Vignette: Doppel (Post)Horn mit Blüten] / Zweyte verbesserte Auflage. / = / Elberfeld / bey Christian Wilhelm Giesen, Buchhändler. / 1788.
68, IV, 460 S., dann IV, (46) S. –– Darin:
/ Eickels / Verklärung / eine Scene / aus der Geister Welt. / Zum freundschaftlichen Andenken / von / Johann Heinrich Jung / der Weltweisheit und Arzneygelahrtheit Doctor, Churpfäl= / zischer Hofrath, und der Staatswirtschafts ordentlicher / Professor in Marburg.
Hier noch eine Liste der in diesen Schriften vorkommenden ‚Akteure‘: ⇑
Eickel: Elim; Salem; Johannes; Lebbäus; Seraphime; Petrus; Paulus; Eickel; Todesengel; der HErr; Chor
Szenen: Abdiel; Abiel; Abitob*; Adin; Adoniel*; Adramelech*; Adriel; Ahabdalim*; Alima; Alnabon*; Alnabon*; Alon; Ameniel*; Anna L; Aramia; Arnfried*; Assaph*; Avith; Azuriel; Benthemuthah*; Betjalel*; Braia; Chanania; Chilion; Deguel; Delaja; Ebion*; Ekron; Eleonore*; Elidad*; Elnathan; Elon; Gadiel; Gadol*; Gejon*; Guel; Hanniel; Hanon; Hasiel; Hasmon; Hillel; Huel; ich*; Ismene*; Israel Lavater; Jahdiel; Jathir; Jedidja; Jeriel; Jesanjah Heinrich Heß; Johanna*; Josanna*; Kunigunde*; Laeda; Loschabeth*; Mahbilah*; Mahlon; Malachiel*; Maria H; Maria*; Merah*; Meraja; Merothai*; Misthoriah*; Naemi*; Nathan*; Noschang*; Paltiel; Pelon; Phanuel*; Philophrast*; Raschang*; Salem*; Schabathon‘; Schealthiel*; Seluniel; Seraja; Seraphim*; Siona*; Tabrimon; Thamim*; Timeus; Tobam*; Ubier*; Uriel; Usiel; Warnfried*; Zalmon; Zareda; Zedekiel*; Zuriel +
Lavater: Chöre; Der HErr; Eldad (Pfenninger); Elgamar; Elnathan; Israel; Jerusalems Bürger; Lavater; Schirijah (Felix Heß); Stephanus
Salis: Obaddon; Ernst Uriel; Theophil; Palmire; Hasael; Hanniel; Serena; Seraphine; Eloni; Engel; Hasael; Jeresia; Zuriel; Eloa; Salmay; Abdiel; Nathanael; Ithuriel; Azaria; Misael; Abia; Jehova; Lavater hat vollendet; Ischchail: - Mann der Kraft; Israel: - Gottes Kämpfer; Betachjah: - der auf den Herrn vertraut; Ohephiah: - der Gott liebt.
Barth: Elgamar: Gott hat vollendet; Ischchail: Mann der Kraft; Israel: Gottes Kämpfer; Betachjah: der auf den Herrn vertraut; Ohephiah: der Gott liebt.
OAMDG
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