Rezensionen zu Jung-Stillings Schrift:
"über den / Revolutions=Geist / unserer Zeit / zur / Belehrung der bürgerlichen Stände"
 
 
Siehe den kommentierten Text von Jung-Stillings Schrift hier.
 
 
O Eine Rezension aus dem Jahr 1794
 
O Eine Rezension aus dem Mai 1794
 
 
 
"Neue allgemeine / deutsche / Bibliothek. / - / Des vierzehnten Bandes erstes Stück. / - / Erstes bis Viertes Heft. / - / Kiel, / verlegts Carl Ernst Bohn, 1795."
"J. H. Jung über den Revolutionsgeist unsrer Zeit, zur Belehrung der bürgerlichen Stände. Marburg, in der neuen akademischen Buchhandlung. 1794. 64 Seiten. 8. 5 X.
Zur Belehrung niederer Stände hätte der Verf. ohne Zweifel sagen sollen; denn unter die Gesellschaft bürgerlicher Verfassung gehört der Holzhacker so gut, wie der Edelmann, der Dorfvogt so gut, wie der Regierungspräsident. - Zur Belehrung derjenigen Volksklassen, die zum großen Glück für sie selbst, noch arbeiten und gehorchen müssen, hat Hr. J. seine erbaulichen Gedanken in dieser Abhandlung unter vier Rubriken gebracht. Im ersten Abschnitt also sucht er die Quellen des immer mehr überhand nehmenden Revolutionsgeistes auf, und findet sie in dem durch übelverstandne erzeug= / B b 2 ten
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ten Stolz und dem daraus erwachsenen Luxus, worunter er auch den moralischen, nämlich die so schwer zu befriedigende Lesesucht, und eine ihrem Kitzel überlassene Pressfreyheit rechnet. Ferner die nicht minder fürchterlich gewordene Sittenlosigkeit, un damit verschwisterte Abneigung gegen positive Religion, welche letztre dennn freylich auch zu Auflösung aller übrigen Bande der bürgerlichen Gesellschaft führet. II. Untersuchung der Klage über den Mißbrauch der regierenden Gewalt: - Klagen, die der Verf., und das nicht mit Unrecht, höchst übertrieben findet. Unvollkommenheit trifft er in allen Regierungsformen an, und das Loos jedes Machthabers, er sey groß oder klein, scheint, näher beleuchtet, ihm weit beschwerlicher, als das der Unterthanen. III. Untersuchung der Freyheit und Gleichheit, als angemaßter Menschenrechte: - wo der Verf. mißmuthige Mitbürger zu überzeugen sucht, daß in unsern deutschen Staatsverfassungen immer mehr und mehr, und das von selbst, auf Heilung aller Gebrechen hingearbeitet werden; daß dem Uebergewicht kluger Regenten schon itzt die wichtigsten Vortheile zu verdanken, uneingeschränkte Freyheit und Gleichheit aber sinn= und zwecklose Chimären sind. IV. Folgen, die aus der Empörung der Unterthanen gegen ihre Obrigkeit entstehen: - und die, wie leicht zu erachten, von der Beschaffenheit sind, daß sie dem Leser unsrer A. d. B. nicht erst vorgezählt zu werden brauchen.
An Aufsuchung der ersten Principien, strenge Prüfung historischer Ueberlieferungen, und hohe Uebersicht des Ganzen ist in dieser Broschüre freylich nicht zu denken. Auch durfte der Verf. seinen Flug so weit nicht wagen, wenn er von derjenigen Klasse seiner Mitbürger, für die er die Feder angesetzt zu haben scheint, noch wollte verstanden werden. Schon deshalb ist Rec. sehr geneigt, die eben nicht correcte Schreibart zu entschuldigen, worin das Tractätchen vom Anfang bis zu Ende abgefaßt ist. Und die von einem so geübten Schriftsteller wohl hätte besser gefeilt werden können und sollen. In Zeitläufen, wie die itzigen, macht ein braver Staatsbürger sich um seine Mitbürger immer noch höchst verdient, wenn er zu wahrer Aufklärung, auch nur seines Weichbildes, beyzutragen den Muth hat. Der Vortrag, worin er denselben sich am verständlichsten macht, ist alsdann der beste; diesen aber nach den Regeln klassischer Büchersprache beurtheilen zu wollen, eine für diesen Fall sehr zur unrechten Zeit angebrachte Kritik.
      Ea."
 
 
 
"Die / neuesten / Religionsbegebenheiten / mit / unpartheyischen Anmerkungen / für das Jahr / 1794. / [Vignette] / Siebzehnter Jahrgang. / - / Fünftes Stück." bringen nach dem "Innhalt:" als lfd. Beitrag "2) Verhalten des Christen bey gegen= / wärtigen Zeitläuften."
"Johann Heinrich Jung über den Revolutions=Geist unserer Zeit zur Belehrung der bürgerlichen Stände, 8. Marburg in der neuen akademischen Buchhandlung 1793. 64 S. Der berühmte und redlichgesinnte Herr Profeßor Jung, welcher auch den meisten unserer unstudirten Lesern durch den unter dem Nahmen Stilling herausgegenen vortreflichen Schriften bekannt seyn wird, sucht die Ursachen des auch in Deutschland so sehr überhand genommenen Revolutions=Geistes in dem Stolz, nach welchem so viele mehr seyn wollen, als sie sind, in dem physischen und moralischen Luxus, unter welchen leztern er auch die Begierde zu lesen, und die Einbildungskraft mit idealischen, überspannten, unerhörten und erstaunlichen Dingen zu unterhalten rechnet, und dann in der Sitten= und Gottlosigkeit, in dem Mangel aller Religion, und einem geheimen Ingrimm gegen Christum und seine Lehre. Aus den lezten Quellen entsteht dann vornemlich der Titanismus, wie er es von den alten Riesen her nennt, die ehemals den Himmel stürmen wollten. Dieser will weder die Herrschaft Gottes noch andrer Mitmenschen über sich / T 3 leiden, [S. 286:] leiden, und tobt gegen alle Obrigkeiten und Vorgesezte, gegen den Adel und gegen alle so genannt Honoratioren. Hier empfiehlt nun der Hr. Verfaßer allgemeines Streben nach sittlicher Vollkommenheit und Veredlung seiner selbst, wobey er unter andern bemerckt, daß man bey Obrigkeiten und Regenten alles in der höchsten Vollkommenheit verlange, und diese doch weder an sich selbst noch in seinem Hauswesen darstelle. Billig sollte man mit der Beßerung und Vervollkommnung seiner selbst anfangen, ehe man andere tadele, selbst untadelich seyn, und zuvor den Balcken aus seine Augen ziehen, ehe man Fürsten und Regierungen den Splitter herausziehen wolle. Ferner empfiehlt er die Vermeidung des Luxus, und eine allgemeine und practische Cultur der reinen und wahren christlichen Religion, wie er sich ausdrückt.
So klein diese Schrift ist, so viel vortrefliche Bermerckungen enthält sie, welche in einer für Bürger verständlichen Sprache vorgetragen, und zuweilen mit sehr paßenden Exempeln erläutert werden; wohin die Materien von Freyheit, Gleichheit, Wahlen und Beystimmungen des Volcks zu Staatsämtern und Geschäften vorzüglich gehören, wir aber hier nicht beybringen können, sondern unsere Leser auf das Schrift= / chen [S. 287:] chen selbst verweisen müßen. Auch widerlegt er diejenigen, welche sich so gerne auf England, Holland und die Schweitz berufen, und zeigt, daß in allen diesen Ländern dasjenige, was unruhige Köpfe verlangen, würcklich nicht Statt finde, und daß die Verfaßungen derselben auch nicht ohne große Mängel seyen; u. s. w. Nun noch einige Stellen zur Probe.
S. 6. ["] Das Wißen blähet auf, und der Grad der Aufklärung, in dem wir uns jetzt befinden, mag wohl die nemlichen Eigenschaften haben. Wir besitzen viele Kenntniße, erstaunlich viele! Alle Wißenschaften sind unläugbar weit vorwärts gerückt; besonders glauben wir, im politischen Fach große Fortschritte gemacht zu haben; jedermann kannegiesert und jedermann dünckt sich geschicjt zu seyn, das Staatsruder zu führen. Eine Menge Zeitschriften athmet diesen Geist, sie zu schreiben und sie zu lesen ist Mode geworden: daher kommts dann, daß man, um seine Belesenheit und seine Kenntniße zu zeigen, in allen Gesellschaften über Obrigkeiten und Regierungsfehler loszieht und declamirt: man fühlt sich durch diese angemaßte Freyheit gleichsam in höhere Sphären versezt, und sucht in diesem Räsonniren den leidigen Ersatz dafür, daß uns die Vorsehung so unverdienter Weise zurück / T 4 gesezt [S. 288:] gesezt und nicht zu Rehenten gemacht hat. Eben durch dieses unaufhörliche Reiben der Geister werden sie erhizt, und je mehr ihre Menge zunimmt, desto mehr wächst das Sehnen nach Revolution."
Ueber die Preßfreyheit denckt Herr P. J. anderst, als der große Schwarm unserer Aufklärer und derer, die ihnen nachschreyen. Er sagt hierüber folgendes:
S. 56: "Die Preßfreyheit überhaupt und die Publizicät insbesondere, sollen die Mittel seyn, wodorch man die Regenten und ihre Dienerschaft zur Abschaffung der Misbräuche bestimmen will; man ist der Wohlthätigkeit jener Mittel so gewiß, daß man entweder hohnlächelt oder aus der Haut fahren will, wenn man nur Bedenkclichkeiten dabey findet; und dem allen ohngeachtet, trete ich vor ganz Deutschland auf und sage laut und unverholen: die Preßfreyheit und die Publizität sind bey dem einzelnen Guten, das sie hin und wieder gewirckt haben mögen [Pressefreiheit], die nächsten, und ich kann mit Grund sagen, die zureichende Ursachen der allgemeinen Unzufriedenheit mit den Regenten, und des allgemein herrschenden Revolutionsgeistes. Durch alle die mancherley Journale, Zeitungen und fliegenden Blätter ist der wahren, langsam fortschrei= / ten= [S. 289:] tenden und gründlich erhellenden Aufklärung unendlich geschadet, hingenen der Sittenlosigkeit, der frechsten Religionsverachtung, und dem Hang zur zügellosesten Freyheit Thür und Thor geöffnet worden. Läugne das wer es läugnen kann! Die ganze Menge des lesenden Publicums findet da jeden Augenblick Fehler, bald dieses, bald jenes, bald seine eignen Regenten aufgedeckt, und gar oft sind solche Erzählungen nicht einmal wahr; indessen glaubt man sie doch, und man wird dadurch nach und nach verdrießlich, mismuthig und unzufrieden mit allen Obrigkeiten, daraus erzeugt sich endlich ein förmlicher Haß gegen sie, und so ist der Revolutionsgeist gebildet. Ist das denn nun der so wohlthätige Zweck, den solche Lehrer der Menschen beäugen? und wird dadurch unsre Staatsverfaßung nach und nach auf eine friedliche Weise verbeßert werden? gerade das Gegentheil.' u. s. w. Denn den würcklich sehr gründlichen Beweis, daß hierdurch gerade das Gegentheil bewürckt werde, müßen wir, um nicht zu weitläufig zu fallen, übergehen, Nach demselben fährt nun Herr P. J. fort.
'Sind denn nun die Preßfreyheit und die Publizität, so wie sie heut zu Tage bey uns üblich sind, friedliche und keinesweges gewaltsame Mittel den Mängeln unserer / T 5 Re= [S. 290:] Regierungs=Verfaßungen abzuhelfen? - Wahrlich nicht! im Gegentheil sie wircken unfehlbar und unaufhaltbar zur gewaltsamen Revolution mit allen ihren schrecklichen Folgen; und wird es denn durch solche Revolutionen nach so viel vergoßenem Bürgerblut beßer werden? - Gewiß nicht! viel lieber will ich mein [das "m" steht auf dem Kopf] Leben auf einer wüsten Insel einsam verseufzen, als unter dem wüthenden Volcks=Despotismus keinen Augenblick meines Lebens und meines Eigenthums sicher seyn.
O es ist um die verbünftige und wohlgeleitete Preßfreyheit und Publizität eine herrliche Sache! aber darinn sind wir doch alle einig, daß Schriften, die offenbar dem Staat und der Religion schädlich sind, unmöglich gedultet werden können. Welche sind aber dem Staat schädlicher, als wenn man die Handlungen der Regenten, sie mögen nun wirklich oder blos vermeyntlich schädlich seyn, öffentlich und ohne Scheu an den Pranger stellt? indem sie die unvermeidliche Wirkung thun, daß sie eine frühere oder spätere gewaltsame evolution bewürcken müßen, wie ich so eben unwiderlegbar bewiesen habe. Und können wohl Schriften für die Religion schädlicher würcken, als solche, die sie auf einer schiefen Seite vorstellen, ein falsches Licht darüber verbreiten und sie auf eine gröbe= / re [S. 291:] re oder feinere Weise lächerlich machen? - und haben wir deren heut zu Tage nicht viele?'
Aber für dieses Urtheil wird man dann nun auch der biedere Mann in unsern beliebten Journalen schon heimgesucht werden. Uebrigens ist man keinesweges, wie Er aus Gutherzigkeit glaubt, darüber einig, daß man keine der Religion und dem Staat offenbar schädliche Schriften dulden solle. Nein! Sehr viele unserer Schriftsteller, und darunter Leute denen man mehr Einsicht zutrauen sollte, und fast alle Journalisten und Recensenten, welche bey einer Einschränckung der Preße ihren Sächelchen den Abgang *) nicht mehr verschaffen könnten, den sie bisher erhalten haben, ver= / fech=
*) Anm. Ist es die dem menschlichen Herzen anklebende Bosheit, oder was ist es sonst, daß die Schriften, worinn andere Leute bitter und beißend getadelt werden, lieber gelesen werden, als diejenigen, in welchen eine ruhige Untersuchung und ein bescheidner Ton herrscht? Das Factum ist indeß gewiß, und unter andern hat auch die Allgemeine deutsche Bibliotheck dadurch gleich ursprünglich vielen Abgang gefunden. Schon vor zwanzig Jahren äußerte ein junger Mann in einer Gesellschaft, er lese diese Bibliotheck sehr gerne, weil darinn die Gelehrten so derb heruntergemacht würden; worauf aber ein bestandner Mann antwortete: Wenn Sie und ich Bücher schreiben könnten, so würden wir anders urtheilen. [S. 292:]
fechten eine ganz nneingeschränckte [sic; recte: uneingeschränckte] Freyheit; und unter disen sind nicht wenige, denen es gerade darum zu thun ist, daß Religion und Staat durch Schriften Schaden leiden und gestürzt werden sollen.
Hätte indeß nur die uneingeschränckte Preßfreyheit, um welcher willen so viel Lärm gemacht wird, würcklich Statt, so wären wir gewißermaßen noch glücklich. Allein wenn gleich die Obrigkeit den Schriftstellern völlig freye Hand läst, und sie, wie es würcklich in den meisten deutschen Ländern der Fall ist, schlechterdings nicht einschränckt: so ist es doch für das Publicum eben so gut, als wenn keine Preßfreheit existirte, da es von den Männern des großen Bundes, von welchem wir im vorigen Jahrgang (11. St.)
16. Jg., Heft 11, S. 499-576 (= ganzes Heft): "Nachrichten / von einem großen aber unsichtbaren / Bund gegen die christliche Religion / und die monarchischen Staaten."; darin zu den Illumniaten Spartakus, Philo (= Knigge), Bahrdt usw.
Nachricht gegeben haben, in der engsten Sclaverey gehalten wird, so wenig der große Haufe desselben sich solches auch nur träumen läst. Denn sie haben beynahe alle Recensenten auf ihrer Seite, welche entweder selbst Mitglieder des Bundes sind, und um das Geheimniß wissen, oder wenigstens als Instrumente gebraucht werden. Diese verschweigen alle Schriften, welche der falschen Aufklärung im politischen und religiösen Fach entgegen arbeiten; und dieses so lange sie nur immer können, weil Schweigen hier sicherer ist, als Tadeln. -
Denn es giebt doch immer einige Leute, / wel= [S. 293:] welche auf die getadelten Schriften, eben deswegen weil sie, und zwar gerade in dieser oder jener periodischen Schrift getadelt worden, aufmercksam werden, und unter der Vermuthung, daß sie eben darum gut seyn möchten, sie wohl gar anschaffen. So wie nun jene Schriften mit Stillschweigen übergangen werden, so wird im Gegentheil alles, was zum Nachtheil und zur Herabwürdigung der Religion und der Obrigkeit, zur Verächtlichmachung der Regenten, zur Veräumdung rechtschaffener Männer oder der Regierungen, zur Untergrabung der Ruhe, der Ordnung und des Friedens, geschrieben wird, und dieses ist nicht Wenig! so gleich aus vollem Halse einmüthig, oder doch von dem größten Theil unter allen möglichen Wendungen angepriesen und auf das dringendste empfohlen. So werden dann Sachen, und vornemlich Grundsätze in großer Geschwindigkeit in Publicum gebracht, welche ewig unbekannt hätten bleiben sollen! Neunzehntheil des gutmüthigen Publicums, die nichts Arges vermuthen, werden also von hinterlistigen Recensenten jämmerlich betrogen! Von Gegenschriften und von guten Büchern überhaupt, wodurch Religion, Ordnung und rechtschaffne Gesinnungen befördert werden könnten, erfahren sie gar nichts; es sey denn, daß die Recensenten merckten, daß solche Schriften anfangen bekannt zu / wer= [S. 294:] werden und empor zu kommen, wo sie derselben dann Erwähnung thun; sie aber in deinem falschen Licht vorstellen, und durch alle mögliche Künste der Verläumdung so anschwärzen, daß sie nicht leicht gekauft werden. Auf diese Art sucht man in Deutschland, wie in Franckreich die Meynungen zu beherrschen, läßt keine in Umlauf kommen, als die den Absichten des großen Bundes gemäß sind, und sucht alle diejenigen, die denselben entgegen seyn könnten, außer Curs zu setzen.
Bey dem allen würden sie es doch zuletzt nicht hindern können, daß nicht gute, religiöse und politische Schriften, als wovon hier nur allein die Rede ist, ins Publicum kommen sollten, wenn solches nicht durch ihre ihnen ergebne und affiliirte Buchhändler gehindert würde. Diese können noch mehr Böses anrichten, und vornehmlich mehr Gutes hintertreiben, als selbst Schriftsteller und Recensenten. Sie sind die eigentlichen Obscuranten, mit welchem Nahmen die sich so nennenden Erleuchteten und Aufklärer alle rechschaffne Männer nunmehr belegen, die ihre vorgebliche Erleuchtung nicht für ein wahres Licht gelten lassen wollen. Denn ursprünglich nennten nur einige katholische Schriftsteller die Exjesuiten in Augsburg, und bald darauf alle übrigen Exjesui= / ten [S. 295:] ten so! Manche Buchhändler schmeicheln sich auch unter die Säulen der Aufklärer gerechnet zu werden; und so strengen sie alle Kräfte an, die Aufklärer unter den Schriftstellern nachzuahmen; wogegen aber auch andere aus Unverstand zu jenen großen Absichten mitwürcken, die Religion und alle Ordnungsmäßige und friedsame Verfaßungen umzustürzen. Noch andere lasen sich auch Furcht vor dem großen Bunde gebrauchen, oder unternehmen wenigstens nichts, das demselben misfällig seyn kann, um nicht etwa Schaden zu leiden. Denn wenn sie auch gleich keine deutliche Begriffe von demselben haben sollten; so erblicken sie doch dessen Gestalt von ferne und gleichsam in einem Nebel, oder ahnden so etwas, weil sie sehen, daß die von ihnen verlegten Schriften, die der Religion und Ordnung in den Staaten das Wort reden, nirgends recensirt, ihnen von andern Buchhändlern, die freylich mehr wissen, zurückgesendet, von keinen Lesegesellschaften und so ferner gekauft werden. Daher wandeln sie dann endlich auch die große Heerstraße mit den Uebrigen.
Ihre Mittel die Bücher außer Curs zu bringen oder zu halten, sind mancherley; unter die bisher bekanntgewordenen gehören folgende: Sie setzen diese Bücher nicht in / ihre [S. 296:] ihre Verzeichniße, wenn sie solche gleich zu Dutzenden in ihren Gewölbern liegen haben, und so bleiben sie manchen Leuten, die keine andere Mittel wissen zur Kenntniß derselben zu gelangen, gänzlich unbekannt. Wird darnach gefragt, so läugnen sie, wo möglich, ihre Existenz, oder stellen sich wenigstens ganz unwissend. Geht dieses aber auch nicht wohl an, so geben sie vor, daß man den Druckort und Verleger nicht wiße, oder daß man schon an fünf sechs Orten hingeschrieben habe, ohne sie zu bekommen, oder nur Nachrichten erhalten zu haben, wohin man sich wenden müße, daß das Buch zwar in dem Meßcatalog angekündigt, aber nicht fertig geworden, oder gar nicht herauskommen werde. Allenfalls heißt es auch, das Buch sey bereits vergriffen, dürfte vielleicht bald wieder von neuem gedruckt werden, man wolle indeß noch einen Versuch machen, und da und dort hinschreiben; wo aber der Käufer so lange warten kann, bis er solches erhält. Diese und ähnliche Sprünge werden nicht nur mit Büchern vorgenommen, auf welche die Aufklärer=Gilde entweder in Recensionen, oder durch geheime Weisungen von Seiten der Ordens [=] Obern an die mitverbundnen Buchhändler das Sieger der Verdammniß bereits aufgedrückt hat; sondern auch bey solchen, wo es noch nicht geschehen ist, die Buchhändler aber aus dem Titel, / eini= [S. 297:] einiger Durchblätterung, oder den Wincken, allenfalls auch dem Achselzucken eines und des andern in ihren Augen großen Mannes vermuthen, daß es noch geschehen dürfte: wo sie dann die Schriften dieser Gattung wenigstens auf einige Zeit zurückhalten.
Vornemlich thun sie dieses mit neuen Zeitschriften; woraus dann leicht abzunehmen ist, warum keine einzige neue Zeitschrift, die den Grundsätzen, welche der große Bund angenommen hat, und ausgebreitet wissen will, nur im geringsten entgegen ist, und nicht mit in das große Horn blasen will, rechten Fuß fassen, und zu Kräften kommen kann, sondern vielmehr nach, oder wohl gar mitten in dem ersten Jahrgange aufhören muß, weil Verleger und Autoren ihre Rechnung nicht dabey finden, und leztere, wenn sie für ihre Arbeit auch gar nichts verlangten, doch ihres Hauptzwecks, um welchen es ihnen eigentlich zu thun ist, die Sachen nemlich ins Publicum zu bringen, verfehlen. Eine sehr auffallende Nachricht befindet sich davon in den fliegenden Blättern dem Französischen Krieg und dem Revolutionswesen unserer Zeiten gewidmet, wo Nro. XXIV. 5. S. 500. unter der treffenden Rubrick: Deutsche Buchhändler=Aristikratie folgendes erzählt wird: / Rel. B. 1794. 5. St. U 'Ein [S. 298:] 'Ein Kunsterfahrner versicherte mir in der gegenwärtigen Leipziger Ostermeße 1794. 'So oft ein neues Journal, das doch immer mehr durch die Buchhandlungen, als durch Posten verbreitet wird, erscheine, so oft pflegte der Theil der in diesen Bund eingeweihten Buchhändler das erste, zweyte und wohl auch dritte Stück diesesn neuen Journals nicht auszugeben, sondern das Daseyn in ihren Buchladen zu leugnen, bis sie sähen, zu welcher Parthey das neue Journal sisch schlage. Sey es der großen Parthey entgegen, so schickten sie es dem Verleger oder Spediteur unter dem Vorwand zurück, daß es kein Mensch verlangte, so oft es auch gefordert worden, oder ließen es bis zur nächsten Meße liegen, wo sie es zurückgäben. [' ']
Hieraus ist auch zugleich ersichtlich, wie es die Verbündeten und ihre Gehülfen machen, um die Verleger der Schriften, die dem großen Bund misfallen, in Zukunft von der Uebernahme ähnlicher abzuschröcken. Sie laßen es jedoch nicht immer bey dem bloßen Zurückschicken oder Zurückgeben auf er Meße bewenden: sondern sie fügen wohl noch allerley verächtliche Urtheile hinzu, wodurch insonderheit junge Buchhändler, nur allzuleicht zurückgescheucht werden; zumal wenn solche Urtheile vonLeuten gefällt wer= / den, [S. 299:] den, die von ihnen für große Lichter für Selbstgelehrte, für Kenne angesehen werden, oder reich sind, und einen ausgebreiteten Handel haben, oder Figur machen, schwätzen, prahlen und aufbinden können. Da fehlt es dann nicht an höhnischen Floskeln, womit man dies Schriften in Gegenwart und ins Angesicht ihrer Verleger herabwürdigt. Hält man dieses aber noch nicht für hinreichend so nimmt man sich wohl gar offenbare Grobheiten gegen den Verleger heraus, nennt ihn, wenn man weiß, daß er ein stiller oder furchtsamer Mann ist, und das Herz nicht hat, um sich zu schlagen, einen Pinsel,, oder wirft ihm seinen Verlags=Artickel vor die Füße, wovon man in letzterer Ostermeße ein Exempel gehabt hat bey einer neuen politischen Schrift, welche weitere keinen Fehler hatten. als daß sie sich gegen das jetzige Revolutionswesen mehrmal erklärt hat. Und dergleichen Handlungen machen sich Buchhändler aus deutschen Provinzen schuldig, deren Fürsten zum Theil und wohl gar in Person mit dem Degen, und zum Theil mit der Feder *) gegen den aus der Hölle gesandten Revolutionsgeist fechten.
/ U 2 Weil
*) S. oben den Anfang dieses Aufsatzes.
[= Die Schrift von Franz Ludwig, Bischof und Fürst von Bamberg und Würzburg. - S. 300:]
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