Immer wieder werden dieselben falschen bzw. unrichtigen Angaben gemacht:

 
 
 
 
 
 
 
 

Nicht von Jung-Stilling sind folgende ihm leider zugeschriebene Schriften:

 
Nicht von Jung-Stilling stammt:
„VI. / Vorschlag / zu zweckmäßiger Erleichterung des Selbstunter= / richts in Sprachen, sonderlich der Lateinischen. / -“
In einem bereits 1793 gedruckten Brief an den Herausgeber der deutschen Monatsschrift vom 1793-04-24 (Edition Schwinge S. 18) schreibt Jung:
"daß ich hierdurch öffentlich bekenne, diesen guten und nützlichen Aufsatz nicht geschrieben zu haben. Zugleich ersucht ich den mir unbekannten Herrn Verfasser, künftig auch seinen Vornamen in öffentlichen Schriften hinzuzusetzen, zu welchem ich mich ebenfalls verpflichte, damit dergleichen Mißverständnisse verhütet werden mögen“.
Damit ist auch die folgende Veröffentlichung zu korrigieren:
Gerhard Schwinge: Der [… grch. Autodidakt …] Johann Heinrich Jung-Stilling Reinhardo Düchting septuagenario litteris Latinis eruditissimo doctissimoque. – In: Reinhard Düchting: Sibi et amicis. Erinnerungen Kleine Studien Schriftenverzeichnis. Mit einem Brief von Georg Ellinger an Fritz Homeyer und Beiträgen von [...]. Hrsg. v. Jolanta Wienlocha. (Heidelberg:) Mattes (1006, ISBN 3-930978-77-6), S. 205-210 (m. 1 Abb. S. 209).
Dieser gelungene Nachweis erfreut, denn seit langer Zeit vermerkte diese web-site:
Dieser Artikel mit dem Titel "Vorschlag zu zweckmäßiger Erleichterung des Selbstunterrichts in Sprachen, sonderlich der Lateinischen." wird gewöhnlich Jung-Stilling zugeschrieben. Zwar war Jung-Stilling 1785 Hofrat geworden, jedoch reicht dies sicherlich zur Zuordnung nicht aus. Ebenso ist der Stil des Aufsatzes unterschiedlich von dem Jung-Stillings.
Die Begriffe Meyerhöfe (siehe jedoch Jünglings-Jahre, LG S. 90) und Korporalstock deuten m. M. n. auch auf eine andere Gegend hin, als auf die, in der Jung-Stilling lebte.
 
Die Anerkennung des eigenen Willens der Knaben im Text ist zu hinterfragen, denn Jung-Stilling äußert sich z. B. in der "Rede über den Werth der Leiden" von 1789 noch anders:
"die Pflicht der Erzieher gegen ihre Zöglinge: Erkenntniß der Pflichten, und vollkommne Geschmeidigkeit, Biegsamkeit, Gehorsam des Willens gegen diese Pflichten, diese beyden Stücke machen alles aus. Wird das Kind von Jugend auf unterrichtet in dem, was recht ist, und wird unaufhörlich sein eigener Wille gebrochen, und gegen seine Pflichten folgsam gemacht, so gelingt die Erziehung gewiß, und wir bilden zuverläßig edle Menschen" [...]";
 "Gehorsam gegen die Pflichten, gegen die ewigen und unveränderlichen Gesetze unserer Glückseligkeit, den können wir von jedermann, dessen Führung uns anvertraut ist, unbedingt fordern".
An einer anderen Stelle meint Jung-Stilling im Jahr 1784:
"Wenn sich aber die Eltern um ihre Kinder nicht bekümmern, wenn sie sie nach der neusten Mode, ihrer Natur nach aufwachsen lasen, ihnen keine Lust und kein Vergnügen wehren, wenn sie ihren eigenen Willen nicht brechen, so wachsen sie auf, ihre Lüste werden Herr über sie, und sie können sich nicht mehr bezwingen,".
Auch wäre dies – nach meiner Kenntnis – einer der wenigen Texte, in denen Jung-Stilling auf die englische Sprache eingeht (die er nicht beherrschte). Dies wäre wiederum in Bezug auf seine Geheimschrift von Bedeutung. (Ebenso ist in diesem Aufsatz S. 206, Z. 2 zu berichtigen "erklärlicherweise bisher unübersetzt": Jung-Stilling selbst ließ 1777 eine Übersetzung seiner Promotionsschrift drucken.)
  
 

Nicht von Jung-Stilling stammt:

"Ueber / die Art / Verbesserungsvorschläge / abzufassen. / - [50 mm; 4 mal: 10 + 5 + 15 + 15 mm] / in der offentlichen [sic] Senats=Versammlung den 9ten / Wintermonat abgelesen. / - [4 x 14 mm = 60 mm] / In welcher zugleich / Herr Johann Heinrich Jung, / D. Professor der Landwirthschaft, Technologie, Handlungs= / Wissenschaft und Vieharzeneikunde, auch Mitglied der / Kurfürstlichen ökonomischen Gesellschaft / als Dekan für das Jahr 1780 bekannt gemacht, / - [3 x 15 mm = 45 mm] / Auch die Geseze der Hohen Schule vorgelesen worden sind. / - [Schmucklinie 109 mm] / Lautern, auf Kosten der Kameral Hohen Schule 1780.
Diese "Verbesserungsvorschläge" von Friedrich Casimir Medicus/Medikus (1736-1808) reichen bis S. 24, auf dieser beginnt die "Schlußrede / des Herrn Dekans.", diese stammt dann tatsächlich von Jung-Stilling. 
  
 

Nicht von Jung-Stilling stammt:

"Ueber den Flachsbau des Oberamtes Lautern. In der öffentlichen Senats-Versammlung den 9ten Wintermonat abgelesen. In welcher zugleich Herr Johann Heinrich Jung, ... als Dekan für das Jahr 1780 bekannt gemacht. Lautern: Kameral Hohe Schule 1780; 28 S."
 
Verfasser ist tatsächlich Friedrich Casimir Medicus/Medikus (1736-1808), wie schon Reiner Ullrich vermutete.
  
 

Nicht von Jung-Stilling stammt:

Nicht von Johann Heinrich Jung-Stilling, sondern von Johann Heinrich Jung: Über Reliquien.
Siehe ausführlich dazu hier unter den Texten und hier!
Der Text aber dennoch unter BDL, ISBN 3-598-51363-1, Box 26, Fiche 11863 als von Jung-Stilling stammend bezeichnet.
  
 

Nicht von Jung-Stilling stammt:

Nicht von Johann Heinrich Jung-Stilling; nur die Vorrede schrieb er zu:
Die Pilgerreise zu Wasser und zu Lande von Johann Christian Stahlschmidt (geb. Freudenberg 3. März 1740, gest. Saarn bei Mülheim/Ruhr 1. Juni 1826 [nicht 1824; nach Steinseifer, der sich auf Kirchenbuchauszüge von Ernst Meyer beruft; begraben 4. Juni.]); BDL, ISBN 3-598-51363-1, Box 17, Fiche 7838-7840 (Siehe auch den Aufenthalt Jung-Stillings bei Stahlschmidt unter 1755.)
Der Text von Jung-Stillings "Vorrede. Berichtigung der gewöhnlichen Begriffe von der Mystik." diente der Einleitung zu Stahlschmidts "Pilgerreise" im Jahr 1799 und findet sich hier.
 
Warum Jung-Stilling nicht der Autor der "Pilgerreise" sein kann:
Es heißt in der Vorrede S. I:
"eines noch lebenden Mannes; dessen wahre Demuth und Bescheidenheit mir verbietet, hier etwas zu seinem Lob zu sagen;" und unterzeichnet ist sie S. XXXVI mit "Marburg den 26. Jun. / 1799. / Dr. Johann Heinrich Jung."
 S. 3, im 2. Brief bekennt der Autor Stahlschmidt von sich:
"Ich bin im Jahr 1740. den 3ten März zu Fr…. im N.. S…..schen [Nassau-Siegenschen] geboren. Mein Vater war Landhauptmann im Fürstenthum S…. [Siegen] von acht Kindern war ich der älteste Sohn.";
also: geboren am 3. März 1740 in Freudenberg in Nassau-Siegenschen, wo der Vater im Fürstentum Siegen amtete. – Auch die Gegenden, die der Verfasser aufsuchte – Indien, Amerika (wo Stahlschmidt von 1770 bis 1779 lebte und dort auch reformierter Prediger war) – schließen eine Autorschaft Jung-Stillings aus, denn Jung-Stilling war nie dort. – In der Fußnote S. 159 und S. 275 wird das "Heimweh" von Jung-Stilling zitiert, S. 159 wird gesagt: "wo dieser [sic] Autor […] schön und gut dargestellt hat."
 
Leider findet sich der Fehler der falschen Zuschreibung in fast allen Bibliographien; so z. B. in:
Gero von Wilpert und Adolf Gühring: Erstausgaben deutscher Dichtung. Eine Bibliographie zur deutschen Literatur 1600-1960. Stuttgart: Kröner (1967) = Kröners Taschenausgaben. [Jung-Stilling S. 640-643, hier Nr. 47].
Siehe auch:
Bernd Steinseifer: Johann Christian Stahlschmidt und seine "Pilgerreise". – In: Freudenberg im Zeitgeschehen (Heft 76), 30. Jg. 1990, Heft 2, S. 17, 19, 21, 23. (Gute Biographie, kurze Auszüge aus der "Pilgerreise”.)
 
Ulrich Bister: Tersteegensche Frömmigkeit und Stillingscher Erweckungsgeist bei Johann Christian Stahlschmidt. – In: Romerike Berge 42, 1992, H. 3, S. 13-17. [Mit Abb. der "Pilgerreise" und Vignette aus deren holländischer Übersetzung aus dem Jahr 1803. 
 
  

Nicht von Jung-Stilling stammt:

Nicht von Jung-Stilling ist das in diesem Jahr erstmals in Ulm erschienene Werk:
"Die / sieben lezten / Posaunen oder Wehen / Wann sie anfangen und aufhören / und von den / 70 Danielischen Wochen / und / 42 prophetischen Monaten: / von der / Zahl 666 als das Mahlzeichen des Thiers; von dem / gläßernen Meer; von den zwey Zeugen; von der / Zukunft Christi, in welchem Jahr und Monat / dieselbe erfolgen soll; von dem tausend= / jährigen Reich und ewigen Evangeli= / um; Gog und Magog und jüng= / stem Gericht; aus der / Heil. Schrift bewie= / sen. / Von Heinrich Jung-Stilling. / - / Reading: / Gedruckt für Charles M'Williams. / 1820."
Nachgedruckt im Oktober 1992 Waltrop: Hartmut Spenner; 1. Aufl. in 200 Expl. ISBN 3-927718-19-X, Format 19,5 x 12, 3 cm. 207 gr.
 
Das Frontispiz mit einer Darstellung des Antichrists in Gestalt des siebenköpfigen apokalyptischen Tieres.
Der Verfasser ist Christian Armbruster, dessen Tod die Allgemeine Literatur-Zeitung Nr. 276, Dezember 1815, Sp. 639 f. in der Rubrik "Literarische Nachrichten. 1. Todesfall." anzeigt und ihn als Verfasser des ".schwärmerischen Buchs: Die sieben letzten Posaunen, wovon in kurzer Zeit einige tausend Exempl. abgesetzt wurden" bezeichnet.
 
Das Antiquariat Uwe Turszynski, 81476 München, nennt die Zuschreibung "wohl eine verkaufsfördernde Maßnahme des amerikanischen Verlages".
 
Jung-Stilling selbst lehnte dies Werk ab. - Äußerst scharfsinnig und akribisch hat Gerhard Schwinge nachgewiesen, dass Jung-Stilling nicht der Autor ist, ohne dabei zu bemerken, dass Jung-Stilling selbst dieses Werk eines anderen Schriftstellers ablehnt:
Populär-Apokalyptik. Zu einem unbekannten, neu faksimilierten Jung-Stilling-Pseudepigraph. – In: Pietismus und Neuzeit. Ein Jahrbuch zur Geschichte des neueren Protestantismus Bd. 18, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1992, S. 187-193.
  
  

"Kameralist" - Die falsche Bezeichnung Jung-Stillings – Besser ist: "Professor für ökonomische Wissenschaften" 

 
Die Bezeichnung "Kameralist" für Jung-Stilling ist zumindest fragwürdig. Dazu schrieb Prof. Dr. Gerhard Merk in einer Auskunft:
"Es ist leider GOttes wirklich grundfalsch, Jung-Stilling als "Kameralisten" zu bezeichnen – auch wenn dies selbst der Karlsruher Ausstellungskatalog so tat. In meiner, unseren Disziplin (der Nationalökonomie) fand so um 1780 bereits die Umbenennung in "Staatswissenschaft" statt. Aus dem "Staatswirt" wurde dann nach und nach der "Volkswirt" (in meiner dogmengeschichtlichen Vorlesung/Übung habe ich diese Entwicklung im einzelnen nachgezeichnet). Das finden Sie in jedem Lexikon erklärt.
Auch Jung-Stilling selbst begründet ausführlich, warum "Kameralwissenschaften" angesichts des neuen Verständnisses vom Staat durch die Aufklärung unzutreffend sei. Sie finden diesen Artikel von Jung-Stilling in der von mir herausgegebenen Sammlung "Sachgerechtes Wirtschaften", 1988 bei Duncker & Humblot erschienen, auf S. 17 ff.
Übrigens behagt JSt schon bei seiner Antrittsvorlesung in Kaiserslautern der Begriff "Kamerawissenschaft" wenig! Er nennt die "ausübenden Kameralwissenschaften" von sich aus "Gewerbewissenschaft". Vgl. hierzu "Wirtschaftslehre und Landeswohlstand" (von mir auch bei Duncker & Humblot herausgegeben), S. 21 f.
Wenn Sie dort S. 139 unten lesen, ("der Begriff, den man vor dem Entstehen unserer Hohen Schule mit dem Wort Kamerawissenschaft verband, schränkte..."), dann sehen Sie, wie wenig sich JSt als "Kameralist" fühlte, und dies auf S. 140 auch begründet. – Den besagten Konflikt habe ich immer dadurch vermieden, dass ich schrieb "Professor für ökonomische Wissenschaften". Das ist in jedem Fall richtig. Selbst die Vieharzneikunde gehörte in einer Zeit zur Ökonomie, als Nutztiere noch ein bedeutendes Investitionsgut waren.
Unsere altehrwürdige "Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft" (in der ich unter anderem einige frühe Arbeiten veröffentlicht habe) ist noch eine Erinnerung an die gute alte Zeit, als die Soziologie, Sozialpsychologie, Politikwissenschaft, Statistik, Staatsrechtslehre usw. unter einem Dach waren. Man findet dort aber (fast) nur noch wirtschaftswissenschaftliche Beiträge. Viele liebe Grüsse"
 
Jung-Stilling schreibt selbst in seiner "Grundlehre" in der unpagierten Vorrede:
"Schade ists für unsere Zeiten, daß man Lesebücher, Skizen, Versuche und Risse von Lehrgebäuden auszischt! Die Sonne der Wahrheit bricht hinter dem Lichtmeere der Erfahrungen hervor, mit der Zeit tagte, und wird es tagen".
Siehe auch hier unter "Kaiserslautern" den Aufsatz von Michael Kesselring.
 
Vgl.: Josef Löffelholz: Geschichte der Betriebswirtschaft und der Betriebswirtschaftslehre. Altertum - Mittelalter - Neuzeit bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Stuttgart: Poeschel 1935 = Betriebswirtschaftliche Abhandlungen hrsg. v. [...] Verantwortl. Hrsg.: W(ilhelm). Kalveram. Bd. XXIII; S, 235:
 
"Auch Jung-Stilling, der Jugendfreund Goethes, spielt in der Geschichte der Betriebswirtschaftslehre eine Rolle." Er verfasste neun Lehrbücher.
   
[richtig: 12 Lehrbücher, siehe hier.]
  
 
  

Nichts mit Jung-Stilling zu tun hat …

das in 250 Exemplaren gedruckte Werk von René Morax:
Le Docteur / Henri Stilling / sa vie er ses œuvres / Texte de MM. René Morax / Reinbold et Henri Stilling / Décoration de P[ierre].-E[ugène]. Vibert [1875-1937] / Paris / Éditions d’Art Édouard Pelletan / R. Helleu, Libraire Éditeur / 125, boulevard Saint-Germain, 125 / - / 1914 [.]
Thema dieses Buches ist – dies wusste bereits Geiger (S. 542, Anm. 5) – der Lausanner Medizinprofessor (Pathologie und Bakteriologie) Henri Stilling (geb. Kassel 1. Oktober 1853, gest. Lausanne 11. Juni 1911); Sohn des Kasseler Chirurgen Benedikt Stilling (geb. Kirchhain 16. März 1810, gest. Kassel 28. Januar 1879. (Ursprünglich dürfte die Familie Levi geheißen haben, und Gerhard Aumüller vermutet, ohne Beweise bringen zu können, dass der Name "Stilling" nach dem Hofrat Jung-Stilling genommen worden ist. DBA NF 1268, 107-108).
 
Von ihm stammt: 
Verzeichnis einer kleinen Sammlung von Originalausgaben deutscher Schriftsteller und Dichter. H[enri]. Stilling. Lausanne: Pache-Varidel [Selbstverlag] 1904, 43 S.; beschrieben werden 240 Erstausgaben von Lessing bis J. V. von Scheffel. – Vorh. u. a.: StuUB Frankfurt, Sign.: K 14/428.
  
 

Nichts mit Jung-Stilling zu tun hat …

der "Jung-Stilling-Report", der häufig unter "Periodika" zu Jung-Stilling genannt wird. Es handelt sich dabei um folgende Publikationen, die, wie eine Autopsie zeigt, nichts (!) zu Jung-Stilling enthalten:
 
Jung-Stilling-Report. Unparteiische Erstausgabe. Zeitung für Hilchenbach. (Hrsg.: Klasse 6 a des Jung-Stilling-Gymnasiums; Chefred.: Till Walter) 1986.
   
Jung-Stilling Report II. Zeitung für Hilchenbach 1987. [2. Titel:] Hilchenbach erinnert sich. Dokumente und Augenzeugenberichte aus der Nachkriegszeit. (Hrsg.: Klasse 7 a des Jung-Stilling-Gymnasiums; verantwortl.: K[atharina]. Nöh, D[agmar]. Kunze) Hilchenbach 1987.
 
Es handelt sich dabei also allein um Schülerzeitungen mit ihrem ganz eigenen Anspruch. Der Name erklärt sich aus dem des Gymnasiums.
  
  
 

Jung-Stilling war nie …

nie "Landwirt in Stade"

Wahrscheinlich stammt diese Fehlinformation von
Wilhelm Kosch: Deutsches Literatur=Lexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch. Bd. 1. Aachen-Kosegarten. Halle (Saale): Niemeyer 1927. [Art. Jung-Stilling Sp. 1123-1124. - Die späteren Auflagen haben dies noch 1981.]
 
Schon Walter Kocher (1180-1952) urteilte: „völlig falsch, da man hier den hannöverrischen Biblioth. u. Historiogr. Joh. Heinr. Jung, 1755-1799 mit Jung-Stilling verwechselte!“ - Wie wahr!
 
So ging diese falsche Nachricht leider auch ein in
Dagmar Rohnke-Rostalski (Bearb.): Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf.. Literarische Nachlässe in Nordrhein-Westfalen. Ein Bestandsverzeichnis. Bearbeitet von Dagmar Rohnke-Rostalski. Projektleitung: Thomas Hilberer. Herausgegeben von Elisabeth Niggemann. Wiesbaden: Reichert (1995) = Schriften der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Herausgegeben von Elisabeth Niggemann. Bd. 24. ISBN 3-88226-851-4.
Sie schreibt zu Jung-Stilling S. 153:
"1755 Lehrer und Schneiderlehre in Zellberg" = Lützel; siehe unter den Orten!
"Landwirt in Stade" weder Beruf noch Ort (westlich von Hamburg) stimmen.
"1769-1772 Studium (Medizin)" Immatrikulation am 24. September 1770.
"1772 Augenarzt in Elberfeld" er war Arzt für Allgemeinmedizin.
"1803 Professor für Staatswissenschaften in Heidelberg" siehe zur Korrektur unter 1803!
 
Dies wird dann erneut - noch immer - von Klaus Haag im Jahr 2008 für den Siegerländer Heimatkalender übernommen; vgl. hier.
  
 

nie "Stahlfabrikarbeiter in Plettenberg"

wie es zu lesen ist in dem biographischen Abriss S. 389 in:
Hans Dietrich von Diepenbroick-Grüter (Hrsg.): Allgemeiner Porträt-Katalog. Verzeichnis einer Sammlung von 30000 Porträts des sechzehnten bis neunzehnten Jahrhunderts in Holzschnitt, Kupferstich, Schabkunst und Lithographie. Mit biographischen Notizen hrsg. [ND der Ausgabe 1931-1933.] Hildesheim: Olms 1967. (Jung-Stilling S. 389, Nr. 13108-13110.)
  
 

nie "Ex-jésuite […und ] Professeur d'histoire ecclésiastique" à Heidelberg et à Mayence"

wie es zu lesen ist in:
Index Librorum Prohibitorum 1600-1966 par J[ésus]. M[artínez]. De Bujanda. Montréal u. Genève 2002, ISBN 2-894-20-522-8 u. 2-600-00818-7 = Index des Livres interdits Bd. XI, S. 477. Ebenso S. 115 unter dem Stichwort "Bazin".
Hier wurde er verwechselt mit Johann Jung, geboren Bingen 1727, gestorben 10. September 1793; siehe Werner in ADB Bd. 14, 1881, S. 695.
(Siehe
"Kurmainzischer Hof= und Staats=Kalender auf das Jahr 1789. – Mit einem Verzeichniß des Erzhohen Domkapitels, auch aller zum k. Hof= und Kurstaate gehörigen Stellen, und Aemter. = Mainz, Im [sic] Druck und Verlage der kurfürstl. gnädigst priv. St. Rochus Hospitals=Bichdruckerey.",
wo er S.166 als Dekan der Theolog. Fakultät genannt ist: "Hr. Johann Jung, erzbischöfl. mainzischer und kurpfälzischer geistlicher Rath, der heil Schrift Doktor, der Kirchengeschichte öffentl. ordentl.. Lehrer, der theologisch= und historischstatistischen Fakultät Beysitzer, Mitglied der pfälzischen Akademie der Wissenschaften, des Kollegiatstifts zu St. Stephan zu Mainz Kapitular." – S. u.
  
  

nie Medikamentenhändler

Wie es in dem online-Lexicon Encarta heißt, wo Jung-Stilling "durch den Handel mit einer Augenarznei die nötigen Mittel für das Medizinstudium" sich erwarb. Sicherlich eine Verwechselung, denn nach der LG S. 240 ff. erhielt er eine geheime Rezeptur gegen Augenkrankheiten, die er anwendete.
 
 

Jung-Stilling wird verwechselt mit … 

dem gerade genannten Mainzer Jung.
  

Jung-Stilling wird verwechselt mit … 

Johann Heinrich Jung, geb. nach Johann August von Eisenhart (1826-1905) in der Allg. Dt. Biographie (ADB; jetzt auch in DBA) Mai 1715 in Osnabrück, gest. 14. April 1799 ("Gothaische / gelehrte Zeitungen / Sieben und dreißigstes Stück, / den 8ten Mai 1799.", S. 320; MEUSEL Bd 12, 1806, S. 347; das Intelligenz-Blatt der Algg. Lit.-Ztg Nr. 116 v. 14.09.1799, S. 931 nennt als Ort Hannover); in der Matrikel der Universität Jena 10. Oktober 1733 als "Osnabrugensis" verzeichnet.
Die Matrikel der Universität Leiden gibt ihn am 14. Juni 1735 als "Oriundus ex Oppido Overschie, 21 Jahre" alt an, also "abstammend aus der Stadt Overschie".
Und noch ein dritter Geburtsort wird angeboten: Detmold. Ihn nennt die Matrikel der Universität Göttingen am 28. Oktober 1740. – DBA 614, 237-264. –
Die Neue allgemeine deutsche Bibliothek vermeldet den Tod des ConsistorialRaths in Hannover in Bd. XLV, Intelligenz-Blatt S. 221.
Im "Allgemeinen Litterarischen Anzeiger." Nr. 170, Freitag, 6. November 1801, Sp. 1647-1648 wird verwiesen auf Nr. 157, Sp. 1310 und dort ausführlich zitiert eine ungedruckte Promotion mit folgenden Hinweisen: Er war Professor iur. und hist. am Gymnasium zu Rotterdam von 1751-1762, schrieb verschiedene akademische Abhandlungen unter anderem Namen. – Ersch/Gruber II, 28, S. 431 f. - Christoph Weidlich: Biographische Nachrichten von den jetzlebenden Rechts=Gelehrten in Teutschland. – Mit einer Vorrede Von [sic] dem gegenwärtigen Zustande der Juristischen Litteratur in Teutschland. Erster Theil. Halle: Hemmerdei 1781, S. 386-391, Nachträge S. 346.
In Jung-Stillings "Sämtlichen Schriften" (Bd. 14, S. 365-399) findet sich die Schrift dieses Johann Heinrich Jung "Über Reliquien". Immer wieder wird so das Werk als eines von Jung-Stilling genannt, spricht doch der Titel von "Herrn Hofrath Jung". Es ist jedoch nicht (!) von Johann Heinrich Jung-Stilling! (Siehe BDL, ISBN 3-598-51363-1, Box 26, Fiche 11863.)
Hier der Nachweis, dass dieser Johann Heinrich Jung der Autor ist:
[S. 1:] "Ueber / Reliquien / - / ein / Auszug / aus dem Lateinischen / des / Herrn Hofraths Jung / - / von / J. A. C. Thon / Predigern zu Oppershausen bey Langensalza / in Thüringen. / [Vignette] / - / Hannover, / Im Verlage der Schmidtischen Buchhandlung. / 1784."
Erst eine Autopsie des Werks schloss dies dann endgültig als ein Oeuvre "unseres" Jung-Stilling aus. – Allerdings hatte schon Stecher S. 4 geschrieben:
"Den hier zu Unrecht abgedruckten Auszug aus dem gelehrten Werk hat ein thüringischer Prediger Thon verfertigt (Gothaische gelehrte Zeitungen 1784, S. 781). Die Verwechslung konnte nur grober Unkenntnis und Unaufmerksamkeit passieren, ist auch durch die genaue Namensidentität nur übel gerechtfertigt, da in dem Auszug einmal der Originalverfasser 'als damaliger königlicher Bibliothekar' bezeichnet wird."
Die Gothaische gelehrte Zeitungen berichten in:
"Gothaische / gelehrte Zeitungen / Sechs und neunzigtes Stück, / den ersten December 1784. / - / Bey Carl Wilhelm Ettinger." S. 781-782.
Dieses Zitat aus der Arbeit von Stecher findet sich in Bd. 14 der "Sämmtlichen Schriften" Jung-Stillings auf S. 379 in der Fußnote:
*) Für diese und folgende Erzählung ist der Hr. Hofrath Jung, als dermaliger königlicher Bibliothekar, selbst Bürge.
  
 

Jung-Stilling wird verwechselt mit … 

Hofrat Franz Wilhelm Jung, geb. Hanau 3. Dezember 1757, gest. Mainz 25. August 1833; DBA 614, 186-197.
Dieser Hanauer Hofrat Franz Wilhelm Jung verfasste u. a. "Klara. Ein Gedicht. Frankfurt am Main 1814" und "Heinrich Frauenlob; ein Gedicht. Mainz 1819" (s. u.), die leider beide Jung-Stilling zugeschrieben wurden und werden.
1809-01-30: Nicht (!) Jung-Stilling schreibt an Jens Baggesen (1764-1826) wie in der Literatur angegeben (und nicht in Edition Schwinge genannt), sondern Franz Wilhelm Jung (1757-1833) schreibt an Baggesen.
(So z. B. Gero von Wilpert und Adolf Gühring: Erstausgaben deutscher Dichtung. Eine Bibliographie zur deutschen Literatur 1600-1960. Stuttgart: Kröner (1967) = Kröners Taschenausgaben. []Jung-Stilling S. 640-643, hier Nr. 65.]; der Goedeke korrigierte die falsche Angabe in späteren Bänden/Auflagen.)
Auch sollte "unser" Johann Heinrich Jung-Stilling als Beitraheg für Johann Ludwig Ewalds Zeitschrift "Urania" verfasst haben
"I. / Probe einer Uebersezung von Glover's / Leonidas. / Erstes Buch. / -"
Beide Angaben betreffen nicht "unseren" Johann Heinrich Jung-Stilling. Die Autopsie in
"Urania für Kopf und Herz, herausgegeben von J. L. Ewald. - Zweiter Band. - Hannover, in der Helwingschen Hofbuchhandlung. 1794."
erbrachte einen anderen Befund. Zwar findet sich in diesem Band der Zeitschrift ein Beitrag Johann Heinrich Jung-Stillings, doch ist diese "Probe einer Uebersezung" in Bd. 2, 3. Stück, S. 193-216 nicht von ihm. Denn S. 216 ist dieser Text unterzeichnet: "Homburg vor der Höhe. / Franz Wilhelm Jung."
Auch das Inhaltsverzeichnis zu "Drittes Stük" auf Blatt 2 recto nennt "Hofrath Jung, zu Homburg vor der Höhe." als Autor.
 
Von ihm stammt ebenso das Werk
"Mein Torso. Bruchstück aus Peter Paul Zwyzkes Leben und Erfahrungen in und außerhalb Zschikkewitzsch. Von ihm selbst beschrieben und zwar unter der Weltherrschaft Napoleon des großen. – Vorläufig in vier Dutzend ungleichen Gaben. Frankfurt a. M. bei Franz Varrentrapp. 1823."
Siehe dazu
Alfred Rosenbaum: Beiträge zum Deutsche Anonymen-Lexikon. In: Zeitschrift für Bücherfreunde Neue Folge 15, 1923, S. 112-128. [S. 125, Nr. 706.]
 
 
Eduard Berend: Beiträge zum Anonymenlexikon. – In: Zeitschrift für Bücherfreunde Neue Folge 4. Jg., 2. Hälfte, 1913, S. 380-382.
Berend schreibt ebd.: "Aus ungedruckten Briefen in seinem [d. i. Jean Paul Friedrich Richter (1764-1825)] Nachlasse geht hervor, dass der Verfasser ein persönlicher Bekannter und Korrespondent von ihm war, der Mainzer Hofrat Franz Wilhelm Jung (1757 bis 1823), Verfasser eines dramatischen Gedichts ‚Odmar' (1814) und einer Ossian-Übersetzung, nicht zu verwechseln mit Jung-Stilling." – Rosenbaum hatte Johann Friedrich Wilhelm Pustkuchen (-Glanzow, 1793-1834) als Autor ausgeschlossen.
 
Das von Nikolaus Vogt (1756-1835) und Johannes Ignatz Weitzel (1771-1837) von 1810-1814 herausgegebene "Rheinische Archiv für Geschichte und Litteratur" (Mainz: Kupferberg und Wiesbaden: Schellenberg) enthält etliche Beiträge dieses "Hofrath Jung in Frankfurt". In Band 6, 1811, S. 31 ff. schreibt ein Neeb aus Niedersaulheim über Jungs metrische Übersetzung des "Ossian". – In Band 9, 1812, S. 89 ff. findet sich hier auch unter den Gedichten "Heinrich Frauenlob; von F. W. Jung." (Bd. 9, 1812, S. 89 ff.; s. o.).
 
Auch ergibt sich, dass Jung viele Vorträge vor dem "Museum zu Frankfurt am Main" gehalten hat, die dann hier abgedruckt werden. So z. B. "Über den Schall" vom Juli 1808 in Bd. 8, 1812, S. 56 ff.
 
Weiterhin hatte Jung Beziehungen zu Lavater, wie Bd. 9, 1812, S. 266 ff. zeigt.
 
Vgl. zu diesem Franz Wilhelm Jung z. B.:
Biographisch=literärisches Lexikon der Schriftsteller des Großherzogthums Hessen im ersten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts. - Berarbeitet und herausgegeben von Heinrich Eduard Scriba. - Erste Abtheilung, die im Jahr 1830 lebende [sic] Schriftsteller des Großherzogthums enthaltend. – Darmstadt: Leske 1831, S. 170 f. – Ders.: Zweite Abtheilung. Die Schriftsteller des Jahres 1843 in theils neuen Mittheilungen, theils in Fortsetzung der in der ersten Abtheilung enthaltenen Artikel, nebst den Nekrologen der von 1800-1843 verstorbenen Schriftsteller des Großherzogthums Hessen enthaltend. – Darmstadt: Jonghaus 1843, S. 361 f. – Man siehe auch den "Goedeke" Bd. 7, 240, 869; Bd. 10, 553; Bd. 11/1, 274. – GV alt Bd. 71, S. 29(-31).
 
Christian Waas: Franz Wilhelm Jung und die Homburger Religionsschwärmer 1792-1794. – In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde zu Bad Homburg v. d. H. 19, 1936, S. 31-80.
 
Maria-Theresia Kirchberg / Rainer Pörzgen (Bearb.): Georg Christoph Hamberger Johann Georg Meusel Das gelehrte Teutschland oder Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller. Register zur 5. Ausgabe von 1796 bis 1834. Mit einem Geleitwort von Reinhard Oberschelp. München usw.: Saur 1979 (ISBN 3-598-10059-0.) S. 192.
 
Vgl. Friedrich Lotz: Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe. Hrsg. v. Magistrat der Stadt. Bd. II: Die Landgrafenzeit. Frankfurt am Main: Kramer 1972, S. 171, Anm. 249.
 
Heinrich Eduard Scriba: Lexikon der Schriftsteller, Darmstadt 1831, S. 170 f.
 
Siehe auch:
Zweimal Johann Heinrich Jung im 18. Jahrhundert. "Hofrat Jung" sorgt für Verwechselungen. - In: Siegerland. Blätter der Siegerländer Heimat- und Geschichtsvereins e. V. Bd. 73, H. 1-2, [Mai] 1996, S. 45-48 (m. 1 Porträt Jung-Stillings von Schröder/Schlemmer S. 47.)
  
 

Jung-Stilling wird verwechselt mit … 

Christian Gottfried Flittner (geb. Düben 6.06.1770, gest. Berlin 6.01.1828) nannte sich ebenfalls F. W. Jung; siehe MEUSEL Nachtrag 19 Tl. 2, 1831, S.165-173, bes. S. 169 ff.
  
 

Jung-Stilling wird verwechselt mit … 

Jakob Stilling und die "Prüfungen des Farbensinns mittels pseudoisochromatischer Farben".
In der kleinen Schrift
Ein Gruß aus Nordamerika zur 300=Jahrfeier der Ev. Gemeinde Müsen. † Herausgegeben mit Nachträgen zu unserer Festschrift "Zwischen Kindelsberg und Martinshardt" vom Evangelischen Pfarramt Müsen. [o. J.; 1927 ?]
liest man:
"Nachtrag zu Jung=Stilling. (Mitgeteilt von Major a. D. Fr. Klein) [.] Neuerdings erhielt der Mystiker Stilling eine ganz moderne Note, indem seine 'pseudo isochromatische Tafeln zur Prüfung des Farbensinnes *)' in der Charakterologie eingeführt wurde. So arbeitet z. B. das psychotechnische Prüfungsinstitut der Werkschulen (Vereinigte Stahlwerke Gelsenkirchen=Schalke) nach dieser Methode.
[Die Anm. lautet:] *) 17. Aufl. herausgeg. v. Geh.=Rat Prof. Dr. Hertel, Univers. Augenklinik Leipzig, Verlag Georg Thieme, Leipzig 1926."
 
Leider war es wieder nicht "unser" Jung-Stilling! Diese Angabe erweist sich bei einer Überprüfung als falsch, da eine Verwechselung auf Grund der Bezeichnung "Stilling" vorliegt:
 
Der Anatom und Chirurg Benedikt Stilling (geb. Kirchhain (Hessen) 22. Februar 1810 [n. A. 22. Oktober 1810], gest. Kassel 28. Januar 1879; imm. Marburg 17. Mai 1828 (DBA NF 1268, 99-102; jüd. Nationalbiog. Bd. 6, 1932) lebte seit 1840 als Arzt in Kassel. Dort wurde ihm von seiner (seit 1838) Gattin Minna Büding sein Sohn Jakob geboren (geb. 22. September 1842, gest. Straßburg 30. April 1915; DBA NF 1268, 110-113). Von ihm existiert auch ein Porträt als "Geh. Sanitätsrat, Brustbild, Hst. 1878, 15x12".
Jakob Stilling wurde 1884 Professor der Ophthalmologie in Straßburg, wo er über Farbensinn und Farbenblindheit arbeitete. Er gab dann heraus (siehe GV alt Bd. 140, S. 198) die "Prüfungen des Farbensinns mittels pseudoisochromatischer Farben".
Ernst Hertel (auch Ernst Härtel, geb. Bad Kösen 19. März 1870, gest. Leipzig 10. März 1943 (DBA NF 570, 361-365) gab davon die 17. Auflage 1926 (6 S., 32 Blatt; überwiegend Illustrationen), die 20. bearbeitete Auflage in Leipzig bei Thieme 1936 (14 S.) unter dem Titel "Farbenproben zur Prüfung des Farbensinnes" heraus. Diesen Ausgaben folgten weitere Auflagen.
 
Es sind die sogenannten Stilling-Hertel-Tafeln (vgl. Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Bd. 22, 1978, S. 581), die auch in englischer Sprache erschienen sind (Stilling's pseudo-isochromatic plates for testing colour perception, 1936).
Umfangreich dazu siehe
Gerhard Aumüller: Benedict Stillings (1810-1879) Untersuchungen über das Rückenmark - ein Wendepunkt in der neuroanatomischen Forschung. - In: Medizinhistorisches Journal. Internationale Vierteljahrsschrift zur Wissenschaftsgeschichte. Hrsg. v. G. Mann u. B. Fabian, E[dith]. Heischkel-Artelt, W. F. Kümmel. Stuttgart u. New York: Fischer, Bd. 19, 1984, [ISSN 0025-8431], H. 1/2, S. 53-69 (m. 3 Abb.).
Hier heißt es S. 56 f. unter Auslassung der Fußnote:
"Woher kam der Name Stilling? Wie oben bereits gesagt, durften die Juden 1808 keine Ortsnamen annehmen. Ich vermute, ohne dies allerdings auch nur im entferntesten beweisen zu können, daß der Name Stilling in irgendeinem Zusammenhang mit Johann Heinrich Jung (1740-1817), genannt Stilling, steht, der von 1787-1803 als Professor der Cameralistik in Marburg ein gesuchter Staroperateur war. Durch seine quietistisch-messianische Re- [S. 57:] ligiosiät hatte Jung-Stilling besondere Beziehungen zu den talmudisch geschulten Juden. 16 Ich nehme deshalb an, daß der Beiname Stilling von der Familie Levi als Zeichen der Verehrung für den bekannten Arzt angenommen wurde. Der Vorname Benedictus ist die lateinische Übersetzung von hebräisch Baruch, d. h. zu deutsch der Gesegnete."
Siehe auch:
Felix A. Theilhaber: Schicksal und Leistung. Juden in der deutschen Forschung und Technik. Berlin: Heine-Bund 1931 = Der Heine-Bund. Eine jüdische Buchgemeinde. Berlin W 57, Pallasstraße 10/11. Darin S. (39-)41-49: "Ein Outsider der medizinischen Zunft [.] Benedikt Stilling". – Text S. 41-39.
  
 

Jung-Stilling wird verwechselt mit … 

Johann Heinrich Jung, der am 13. März 1962 (sic) an der Technischen Hochschule Aachen mit der ingenieurwissenschaftlichen Dissertation "Beitrag zum Problem der Maschinenbelegungsplanung bei einstufiger Fertigung" promoviert wurde (U 62.110).
Die Arbeit wurde im selben Jahr in Bonn publiziert (93, 25 S. mit Abb.; 8°). – Mehrere Kataloge verweisen fälschlicherweise bei Notation seiner Werke auf "Johann Heinrich Jung-Stilling" und notieren ihn unter diesem Namen.
  
 

Jung-Stilling wird verwechselt mit … 

Heinrich Stilling geb. Frankfurt/Main 28. Februar 1883, gest. Lugano 5. Oktober 1947 ist Dramatiker, Erzähler und Lyriker. Zu ihm siehe man:
Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-bibliographisches Handbuch begr. v. Wilhelm Kosch. Fortgeführt v. Carl Ludwig Lang. 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 20: Sternbach-Streißler. Hrsg. v. Hubert Herkommer und Konrad Feilchenfeldt. Red.: Ingrid Bigler-Marschall, Reinhard Müller. Bern u. München: Saur (2000. ISBN 3-907820-25-8) Sp. 203 f.
Vielleicht betreffen ihn auch diese Werke:
Deutsche Literatur in Erstausgaben 1750-1850. Goethe - Schiller - Arnim - Brentano - Heine - Hebbel - Jean Paul - Wieland - Hölderlin - Kleist - Lessing - E. T. A. Hoffmann - Musäus etc. Bibliothek Prof. Dr. H. Stilling. Versteigerung. Katalog 81, Zürich, Geneve: Hellmut Schumann / W. S. Kundig, 1946. 48 S., mit Tafeln, Or.kt. gr.8°. ; verzeichnet 298 Nummern.
 
 
Auch die Übersetzungen z. B. in die englische Sprache (First printed in Great Britain, l984) ordnen ihn "unserem" Jung-Stilling zu (A real English cat or, The book of solitude and the few friends); vorh. z. B. Cambridge, Oxford, Trinity College Dublin, Warwick.
 
 

Keine Verwechselung ist möglich mit dem Johann Heinrich Jung, dessen Todesanzeige sich im September 1814 findet: Der Flößfaktor, Senator und Kaufmann in Meiningen starb am 28. August 1814 nach dreitägiger Krankheit im 50. Lebensjahr. Die Witwe nebst zwei Töchtern verbitten sich Beileidsbekundungen und kündigen an, dass die Barchenthandlung unter der Firma "Joh. Heinr. Jung's sel. Wittwe" fortgesetzt wird.