Jung, Johann Heinrich, (genannt Stilling,) der Weltweisheit und Arzneikunde Doctor, Großherzogl. Badischer geheimer Hofrath, ist geboren den 12. Sept. 1740, im Fürstenthum Nassau=Siegen, in einem Dörfchen des Amts Hilgenbach, im Grund genannt. Im zweyten Jahr seines Alters starb seine Mutter; sein Vater, der ein Schneider und Dorfschullehrer war, erzog ihn streng und sorgfältig, und führte ihn zu seinem Handwerk und zum Schulhalten an. Im 14. Jahr seines Alters wurde er auch Schullehrer, und blieb es sieben Jahre auf verschiedenen Dörfern seines Vaterlandes. Im 22. Jahr seines Alters wurde er Hauslehrer bey Kaufleuten im Herzogthum Berg, wobey er auch auf dem Comtoir arbeitete. Im J. 1770. im 30. seines Alters, gieng er nach Straßburg, um Medicin zu studiren. 1772 wurde er Doctor der Arzneykunde, reiste wieder ins Bergische, und wurde praktischer Arzt in der berühmten Handelsstadt Elberfeld. Im J. 1778 wurde er als Lehrer der Staatswirthschaft auf die neuerrichtete Cameralschule nach Kaiserslautern in der Pfalz berufen, und als dieß Institut im J. 1784 mit der Heidelberger Universität vereinigt wurde, so zog er mit dahin, und auf dem Jubileo 1786 wurde er auch zum Doctor der Philosophie promovirt. Im J. 1787 berief ihn der Landgraf Wilhelm der 9te, der jetzige Kurfürst von Hessen, als Lehrer der Staatswirthschaft auf die Universität Maarburg. Hier lebte und lehrte er 16 ½ Jahr, bis ihn der hochselige Großherzog Karl Friedrich von Baden, im J. 1803, aus allen politischen Verhältnissen herauszog, und ihm auftrug, durch Correspondenz und Bücherschreiben blos zum Besten der Religion und des Reichs Gottes zu wirken. Nun privatisirte er zu Heidelberg bis im Herbst 1806, wo ihn sein Fürst nach Karlsruhe berief, ihm im Schloß Wohnung und Tafel gab, und in täglichem Umgang mit ihm lebte, bis dieser fromme vortreffliche Fürst im J. 1811, Anfangs Juny, das Zeitliche mit dem Ewigen verwechselte; seitdem privatisirt er wieder in Karlsruhe und setzt seine Correspondenz und Schriftstellerei nach dem Willen seines verklärten Fürsten fort.
 

Ein weiterer Lebenslauf aus dem Jahre 1803 - in englischer Sprache - findet sich hier.

 
 
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