Jung-Stillings Familie führte den Kartoffelanbau im Siegerland ein
 
 
Zwei Stellen in Jung-Stillings Werken sind von vielleicht nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Geschichte des Siegerlandes. Bisher konnte man seinen Angaben vertrauen, wie auch die Stelle in der „Lebensgeschichte“ S. 272 zum Ausfall der Kollegia zeigt: Der praktische Arzt Dr. Johann Jacob Spielmann, Sohn von Jacob Reinbold Spielmann, ehelichte an diesem Tag Margarethe Salome von Türckheim, die Tochter des Bankiers Johann von Türkheim. –
 
 
So kann man auch sicher der folgenden Angabe vertrauen. Im Jahr 1784 schreibt Jung-Stilling:
 
 
„Nun wurden in der Schweiz die Wiedertäufer vertrieben, diese brachten sie [die Kartoffeln] nun in Teutschland allenthalben hin, dies geschah im Anfang dieses Jahrhunderts; Von einem solchen Wiedertäufer, bekamen meine seel. Groseltern, ungefehr ums Jahr 1716 etliche Cartoffeln zum Sezzen, der Wiedertäufer wohnte eine halbe Stunde von uns ab; meine Groseltern sezten sie in den Garten, und was sie bekamen sezten sie wieder, und so kamen sie nach und nach dran, von dem Wiedertäufer breiteten sich die Cartoffeln durch mein ganzes Vatterland aus, und sie wurden bald die allgemeine Nahrung für Menschen und Vieh.“
 
 
Eine indirekte Bestätigung bekommt dieser Hinweis, wenn Jung-Stilling in der im Unterschied zur „Urania“ von 1795 erweiterten Erzählung „Sonderbares Beispiel einer Erbsünde“ den Schweizer Mennoniten als Pächter Ulrich in Nassau-Siegen mit dem Herrn von Plönnies sprechen läßt. – Vielleicht lassen sich hier weitere Erkennisse finden, wenn es sich nicht um verdeckte Hinweise auf Jung-Stillings (angebliche) Herkunft aus der Schweiz („Ulli Jung“) handelt.
 
 
 
Anmerkungen:
 
 
Großeltern Jung-Stillings: Johann Ebert Jung, geb. Grund 12.09.1680, gest. ebd. 11.08.1751; ehel. Margaretha Helmes, geb. Helberhausen 14.03.1686, gest. Grund 26.04.1765.
 
Erzählung „Sonderbares Beispiel einer Erbsünde“: Sämmtl. Schr. Bd. 12, 1837, S. 419-431, hier S. 428 ff.
 
Angebliche Herkunft: Vgl. Ortwin Brückel / Günter Weller: Ist das Geheimnis um Jung-Stillings mütterliche Ahnen gelüftet? Kreuztal: Selbstverlag der Verfasser [November] 1995. – Ortwin Brückel: Jung-Stillings Herkunft. – In: Erich Mertens (Hrsg.): Auf den Spuren von Jung-Stilling. Studien zu Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817). Freundesgabe für Alfred Klose zum 70. Geburtstag. Herausgegeben im Auftrag der Jung-Stilling-Gesellschaft zu Siegen. Siegen: Jung-Stilling-Gesellschaft (1998. – ISBN 3-928984-21-7.) S. 93-121.
 
Herkunft aus der Schweiz: Vgl.: Anonymus: Interesse für Familienforschung wächst. 7. Siegerländer Geschlechterbuch erschienen – Stähler als alter Berufsname. – In: Siegener Zeitung v. Samstag, 14.12.1996, S. 41, Unser Heimatland, Sp. 1-3 (m. 1 Abb. des Stammhauses).
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