Einleitung

 
Texte der „Eudämonia“

 
Wrede an Jung 1797-05-17

 
Jung-Stilling an Wrede 1797-05-20

 
weitere Texte

 
zu Carl Joseph Wreden

 

Der Westfälische Anzeiger

 
Literatur

 


Einleitung

Jung-Stilling setzte sich 1794 und 1797 für einen Bekannten ein, indem er einen Artikel in der „Eudämonia“ korrigierte. Hier heißt es in der seltenen Zeitschrift im Artikel „I. / Die neueren Arbeiten des Illuminatismus / im katholischen Deutschland.“ S. 309 in der Anmerkung der Zeitschrift:

 

Texte der "Eudämonia"

 

„**) Der hier erwähnte Wreden ist ein geistlicher Referendar des so biedern und vortreflichen Kurfürsten Maximilians von Kölln,

Maximilian Franz (Xavier Josef), Erzherzog von Oesterreich, Kurfürst von Köln (geb. Wien 8.12.1756, gest. Hetzendorf bei Wien 27.07.1801; jüngstes und LieblingskKind von Kaiserin Maria Theresia).

den die geheime Kabale des Illuminatismus so gerne hintergehen mögte, wenn sie nur könnte. Dieser Wreden kannte also den hier vorliegenden Brunnerschen Illuminationsplan, umfaßte ihn mit ganze Seele, wollte aus allen Kräften mitarbeiten, und mußte auch ein enger Vertrauter von Nimis seyn, weil dieser den Brunnerischen Brief an ihn senden, und sonstige zur Sache gehörende Bestellungen bei ihm machen sollte.“

 

Johann Georg Nimis geb. Walldürn (Odenwald) 1754, gest. 1811; stud. theol. in Heidelberg und Mainz; 1773-1780 Kapuziner; 1788 Prof. der Popularphilosophie in Mainz; Kollege von Felix Anton Blau (geb. Walldürn (Odenwald) 1754, gest. 1798) und Anton Joseph Dorsch (geb. Heppenheim ; gest. ; bekannt mit Eulogius Schneider, Lehrer im Grande Seminair in Strasbourg). Joseph Brunner wandte sich 9.06.1792 direkt an Nimis, in Mainz eine Akademie zu gründen, was sich durch den Einmarsch der Franzosen jedoch erledigte. – Georg Nimis: Rede an dem Vereinigungsfeste zu Zweibrücken, welches am 19 Ventose (9 März 1798) 6. Jahres der französ. Republik gefeiert worden gehalten von Bürger Nimis. Zweibrücken: Hall und Meinhard 1798, 15. S., Text teilw. in franz. Sprache. – Vgl. Jörg Schweigard: Aufklärung und Revolutionsbegeisterung: Die katholischen Universitäten in Mainz, Heidelberg und Würzburg im Zeitalter der französischen Revolution(1789-1792/93-1803). Grin Verlag; ISBN 3638864510, 9783638864510. – Georg May: Das Recht des Gottesdienstes in der Diözese Mainz zur Zeit von Bischof Joseph Ludwig Colmar (1802-1818). = Das Recht des Gottesdienstes in der Diözese Mainz zur Zeit von Bischof Joseph Ludwig Colmar, Bd. 1. John Benjamins Publishing Company, 1987; ISBN 9060322894, 9789060322895.

 

= Bd. 4, H. 4: S. 287-318, darin S. 309-312 zu Wrede.

 

Im nächsten Heft (Bd. 4, H. 5, S. 456-466) findet sich darauf der Aufsatz:

 

VI.
Wichtige Berichtigung einer Stelle des ersten Aufsatzes im vierten Stück des vierten Bandes der Eudämonia, über die neuern Arbeiten des Illuminatismus im katholischen Deutschland.
Daß eine mächtige und weit ausgebreitet, und noch dazu sehr künstlich und würksam eingerichtete geheime Verbindung, die den Zweck hat, die zwo Grundsäulen alles Menschenglücks, die christliche Religion, und christliche Staatsverfassung zu untergraben und umzustürzen, eine menschenfeindliche, verabscheuungswerthe und [...] könne. *) – Verzeihen Sie mir also, edler unbekannter

--
*) der verdienstvolle Hofrath Jung hat sich hierin nicht in uns geirrt. Es ist eine der Hauptzwecke unsers Journals, daß ein so schädlicher Orden als der Illuminatismus ist, ausser Stande gesetzt werde, einen deutschen Mann zu beflecken, und das beste Mittel dazu ist, daß er und seine Theilnehmer ans Licht gezogen werden. Aber gewiß ist es uns auch lieb, wenn die Ehre eines unschuldigen und würdigen Mannes gerettet, und das falsche Licht, welches Illuminaten dadurch,d aß sie sich auf ihn beriefen, und ihn zu ihrem Mitgenossen machten, auf ihn geworfen hatten, vertrieben wird. Lieb ist es uns, auch in dem eifrigen Protestanten Jung einen warmen Vertheidiger seines katholischen Freundes Wreden, der für die Orthodoxis eines würdigen katholischen Geistlichen ein Zeugniß ablegt, zu sehen. Beides, Katholiken und Protestanten führen eine Sache gegen einen Feind, der der gemeinschaftliche Feind von ihnen und demjenigen ist, den beide als ihren Gott und Herrn verehren. Und haltet zusammen ihr Guten! spricht Häfeli. [Johann Kaspar Häfeli, 1754-1811]

 [...]
Dieser Mann ist Werden, den jeder rechtschaffene Unterthan dieses großen und guten Fürsten segnet; der in den 11 bis 12 Jahren seines Amtes, mehrere Hunderte für dem Illuminatismus gewarnt, zur Verbesserung vieler Kirchen und Schulen höchst thätig, und mit dem besten Fortgang gewürkt, und sich die dankbarsten Seegnungn vieler Armen erworben hat. Ein Mann, der sich laut und ohne Scheu für Christum und sein Evangelium, nach den reinen Grundsätzen seiner Kirche bekennt, und auch im äußern sinnlichen derselben, die richtigsten Begriffe hat, weil er wohl weiß, daß der sinnliche Mensch ohne sinnliches, aber auch zweckmäßiges Vehickel sich nicht zum geistigen erheben  kann. Mit einem Wort also, ein im wahren Sinne, nach den Smbolen seiner Kirche, ächt katholischer Christ; der von jedem rechtschaffenen, auch seinen Symbolen getreuen Protestanten, für einen Bruder gehalten werden kann, und der diesen selber dafür hält. Dieser Edle soll ein Illuminat seyn? - Ich staunte als ich es laß, und doch war das Factum, aus dem es gefolgert wurde, unläugbar; zum Glück konnte ich in dieser Sache bald aufs Reine kommen, weil sich Wreden seit einigen Wochen hier in Marburg aufhält.
Um nun die in mehr als einer Rücksicht, wichtige Ehre dieses rechtschaffenen Mannes und Freundes zu retten, wird es rathsam seyn, die Geschichte meiner Verhältnisse mit ihm vorangehen zu lassen.
Wreden ist der Sohn würdiger Eltern in Mannheim, die aber schon beide todt waren, als ich im Jahr 1784 im Herbst mit der Cameralschule nach Heidelberg versetzt wurde; damals war Wreden etwa 19 Jahr alt, und er studirte vorzüglich die Rechtsgelahrtheit, und verband damit die Theologie seiner Kirche, weil er gerade um die Zeit ein Canonicat in dem Erzstift Cölln erhielt.
Der beispiellose Fleiß, der eine und helle Blick, die so ganz ächt christliche Gesinnung, und hohe Tugend dieses jungen Mannes zog mein ganzes Herz zu ihm hin, und er fühlte gleichfalls einen Zug zu mir, so daß wir also innige Freunde wurden, und er fast täglich die Abendstunden in meinem häuslichen Zirkel zubrachte; bei diesen Gelegenheiten lernten wir und nun beyde genau kennen; er war und blieb immer ein wahrer Catholik, bande sich genau an alle äußere Gebräuche seiner Kirche, aber ohne den geringsten Aberglauben, und Unduldsamkeit gegen diejenigen, die, wie ich, Protestanten waren; mit einem Wort, Wreden war ein ausgezeichnetes Muster christlicher Frömmigkeit, wahrrer Gelehrsamkeit, Sittlichkeit, Freundschaft, und des angenehmen geselligen Umgangs.
Zu der Zeit lebte auch Knigge in Heidelberg, und er war unser beiderseitiger Nachbar; damals blühte auch noch der Illuminatismus, in Bayern, in der Pfalz und andern deutschen Provinzen; damals zeigte er nichts anders als seine schöne Seite, und es befanden sich Männer jeden Standes in diesem Bunde, denen man wegen ihres vorzüglich edlen und rechtschaffenen Characters, Beifall und Ehrfurcht nicht versagen konnte; daß sich auch der damalige Statthalter von Dalberg in diesem Orden befände, wurde für gewiß gesagt, daß er aber auch mit Knigge in Verbindung gestanden, ist mir deßwegen nicht glaublich, weil dieser Mitstifter des Illuminaten=Ordens, zu der Zeit, schon lange von den Oberen desselben war ausgeschlossen worden, und ihn keinOrdensbruder mehr für ein Mitglied erkannte. Daß auch der verehrungswürdige Coadjutor von Dalberg, seit der Bekanntmachung der scandalösen Akten, der bayerischen Illuminaten nicht nur keinen Antheil mehr an den Arbeiten diess Ordens gehabt, sondern ihn von Herzen verabscheuet habe, ließe sich allenfalls beweisen; so viel ist gewiß, daß er bei seinem Informativ=Prozeß in Mainz als er Bischoff wurde, den Antrag, „nie an dem Illumina„tismus Theil zu nehmen, feierlich beschworen hat.“
Wer diesen großen, wahrhaft christlichgesinnten und in jedem Betracht erhabenen Mann kennt, dem wird auch nur der Gedanke nicht mehr einfallen, daß er auch jetzt noch ein Illuminat sey. Diese Digression war ich der Hochachtung und Verehrung, die ich von Herzen gegen Dalberg hege, besonders da ich ihn genau und persönlich kennte, schuldig. Daß er sich selbst nicht rechtfertigt, wird seine gegründete Ursache haben, diese Rechtfertigung wird schon kommen, wenns Noth thut.
Daß es meinem Freunde Wreden und mir, nicht an Gelegenheit fehlte, in den IlluminatenOrden zu kommen, läßt sich leicht denken; indessen hatte es seine Ursachen, daß es nicht geschahe: Wreden hatte einen festen Grundsatz, „nie, in „irgend eine geheime Verbindung zu treten,“ und ich war gewöhnlicher Freimaurer, welches zu der Zeit so viel hieße, als nicht Illuminat seyn. Bei dem Sturm aber, der in Bayern über den Orden ergieng, legten auch die wahren Freimauer [sic; Freimaurer] in der Pfaltz ihren Hammer nieder, ich kam also außer Verbindung, und habe nunmehr auch keine Neigung mehr, in Verhältnisse der Art mich einzulassen, und wenn ich auch noch Lust hätte, so würde ichs doch für eine Todtsünde halten, den Reichsgesetzen, und den Verordnungen meines Landesfürsten schnurgerad entgegen zu handeln.

Nachdem ich ein Jahr lang mit Wreden in einem vertrauten und freundschaftlichen Umgang gelebt hatte, so wurde er nach den Gebräuchen seiner Kirche Priester, und reisete dann nach den Niederlanden, um sein Canonicat anzutretten; bei seiner Durchreise durch Bonn aber, hatte er Gelegenheit dem Churfürsten aufzuwarten, dem er bei einer ziemlich langen Unterredung so wohl gefiel, daß er ihn auf der Stelle zu seinem Lector annahm, und ihn bey sich behielt. Von der Zeit an genießt er das Zutrauen dieses vortreflichen Fürsten, in dessen Cabinet er nunmehr die Stelle als geheimer Referendarius, in Kirchen=, Schul= und Armensachen bekleidet. Im Jahr 1786 im Herbst kam er noch einmal nach Heidelberg, um dem Universitäts=Jubiläum beizuwohnen,

 

„Acta / sacrorum secularium / quum / anno MDCCLXXXVI a die VI. ad IX. novembris / festum seculare quartum / pio solemnique ritu / celebravit / Academia Heidelbergensis. [Vignette; Gedenkmünze, Verhelst fec.] / Heidelbergae / ex Officina Joannis Wiesen, Universitatis Typographi / 1787.“ S. XLVII: „D. Darol. Joseph. Wreden, J. U. L. ad S. Emer. Embricae Canon., Ser. Elect. Colon. a praelectionibus”.

 

nach dessen Ablauf er wieder nach Bonn gieng, und ich folgte im Frühjahr 1787 dem Ruf hieher, nach Marburg. Von der Zeit an, kamen wir nun außer alle Verhältnisse doch erkundigte ich mich bei jeder Gelegenheit nach ihm, und hörte dann jedesmal, zu meinem innigsten Vergnügen, nichts als Ruhm und Preiß seines ebelen Wirkungskreißes.

Durch die traurigen Schicksale, die der Revolutionskrieg nach sich zog, wurde nun sein Fürst, und er mit ihm, gleichsam von einem Ort zum andern geschleudert, und durch eben diese Veranlassung kam er dann auch hieher nach Marburg; natürlicher Weise fanden wir uns bald, und ich bemerkte in der ersten Stunde mit Vergnügen, daß er auf seinem hohen Pfade der Christlichen Vervollkommnung, und zugleich auch der Geschäftskunde sehr weit fortgerückt war. Daß ihm mein Herz nun aufs neue zuflog, und sich wieder fest an ihn anschloß, daß läßt sich leicht denken. Aber eben so leicht läßt sichs auch vorstellen, wie mir werden mußte, als ich nun „die neuen „Arbeiten des Illuminatismus im katholischen „Deutschland in der Eudämonia laß.“–
Da stand ein unläugbares Factum - ein unwiderlegbarer Beweiß, daß Wreden dem Brunnerischen Illuminatenplan Gehör gegeben, und mit Beifall aufgenommen habe. Daß hier ein Irrthum vorgegangen seyn müsse, davon war ich überzeugt, wenigstens glaubte ich davon überzeugt zu seyn, aber die Folgen, die diese öffentlich, vor den Augen des Publici bekannt gemachte Thatsache, bei dem Churfürsten, bei dem gesammten Churcöllnischen Unterthanen, und in dem so wohlthätigen Wirkungskreise meines Freundes veranlassen konnte, brannte mir auf der Seele, ich gab ihm einen Wink, und er besuchte mich; jetzt las in [sic; statt ich] nun den Aufsatz in der Eudämonia mit ihm durch; daß er tief erschüttert wurde, läßt sichleicht denken, aber eben sobald stand er auch wieder mit der Stärke und Heiterkeit da, die das Bewußtseyn der Unschuld gewährt, und nun erzählte er mir den ganzen Verlauf der Sache umständlich, und fügte noch überführende Beweise seiner Unschuld hinzu, die aber, ohne Personen zu kompromittiren, die nie kompromittirt werden dürfen, hier nicht mitgetheilt werden können. Bei seinem Weggehen nahm er die Eudämonia mit, und des folgenden Tages schickte er sie mir mit nachfolgendem Brief wieder, den ich hier nach dem Original abdrucken lasse, und also wörtlich beifügt:

 


Wrede an Jung 1797-05-17

Marburg den 17ten May 1797.
Wohlgebohrner Herr Hofrath,
verehrungswürdiger Freund!
Euer Wohlgebohren bin ich für die Mittheilung des 4ten Stückes der Eudämonia, worin ich einer Theilnahme an dem Illuminatismus beschuldigt werde, nicht wenig verbunden; sie vermehren dadurch kene gegründete Ansprüche auf Dank und Freundschaft, die Sie sich schon ehehin als Lehrer meiner Jugend um mich erworben haben. Gegen Sie hätte ich zwar nicht nöthig, micht zu rechtfertigen, da Sie mich, meine Handlungen, meine Gesin nungen, und meine Grundsätze kennen, aber diese Schrift wird auch in die Hände solcher Leute kommen, die mich nicht so genau kennen, und in dieser Rücksicht bin ich es mir, meiner Ehre und dem Publikum schuldig, mich bestimmt zu erklären.

Nie war ich Mitglied des Illuminatenbundes, und nie werde ich micht werde zu ihm, noch zu irgend einer geheimen Gesellschaft bekennen. Denn, ist ihr Zweck unedel, so ist es gegen die Pflicht eines ehrlichen Mannes sich zu selbem zu verbinden; ist er aber edel: warum hült er sich in den Mante der Verborgenheit? Wer Gutes thut, hat das Licht nicht zu scheuen. Zudem, zu was kann ein solcher Verband mich verpflichten, wozu ich nich schon als Christ, als Bürger des Staats durch weit heiligere Bande, durch weit stärkere Beweggründe verpflichtet wäre? wo giebt es eine Gesellschaft, deren Regeln mir wichtigere Gründe zum Guten geben könnten, als das Evangelium? Diese Bewegursachen, und die billige Besorgniß, daß auch die unschädlichsten Verbindungen schröcklich ausarten können, sind schon im allgemeinen hinlänglich, um gegen jede geheime Gesellschaft zu vereahren, was aber den Illuminatismus insbesondere betrift, so habe ich ihn von jeher aus ganze Seele verabscheuet, und als eine Pest des Staats und der Religion angesehen, mich unzähligemal deutlich darüber erkläret, und bei jeder Gelegenheit dagegen gewarnt.
Die Beweise dieser Behauptung lassen sich in dem Lande, in dem ich lebe, leichtlich finden, und Sie selbst, mein Theuerster, sind Zeuge meiner Aeusserungen. Was nun das Factum betrift, so die Eudämonia anführt, so ist es wahr, daß der Prarrer Brunner mit vor vielenJahren, als ich ihn auf einer Reise in mein Vaterland traf, von einer Akademie sprach, die sich in Deutschland bilden sollte, wahr ist es, daß er mir mehrere ausgezeichnete, gelehrte und religiöse Männer, selbst Vorsteher unserer Kirche nannte, die die Mitgleider derselben werden, und mit vereinten Kräften für die Religion arbeiten sollten, und wahr ist es, daß ich diesen Plan nicht mißbiligte; aber wo war hier von einer geheimen Gesellschaft, wo von Illuminatismus, wo von gefährlichen Absichten die Rede? hätte ich den schändlichen Plan gekannt, wieihn die udämonia vorlegt, so hätte ich auch nur unedle Absichten vermuthet, glauben Sie wohl, mein Freund! daß ich nur ein Wort des Beifalls gesagt haben würde? In der Folge hörte ich nichts mehr von dem ganzen Plane einer Akademie, hielt ihn für Schwärmerei, und vergaß ihn darauf. Den Professor Nimis,, wie man mich beschuldigen will, kenne ich gar nicht, und stehe in gar keiner Verbindung mit ihm. Als Kapuziner habe ich ihn am Ebde meiner Studienjahre eisntens in einem Hause getroffen, aber seitdem sprach und sah ich ihn nicht mehr, noch viel weniger aber wechselte ich mit ihm Briefe. Bei dem allen beruhigt mich mein Bewußtseyn, und das Zeugniß aller, womitich lebe, mag mich rechtfertigen; aber zu wünschen wäre es, daß der Verfasser der Eudämonia bei seiner warmen Liebe zum Guten, bei seinen edlen Absichten und seinen schönen Empfindungen für Religion und Vaterland, vordersamst denjenigen, so durch unglückliche Conjuncturen, oder wie hier der Fall ist, durch gewagte Ausdrücke unbescheidener Menschen in den häßlichen Verdacht des Illuminatismus gekommen sind, ihre Erklärung abforderte, ehe er sich so bittere Folgerungen erlaubt.
Sie, mein Theuerster, dem ich nochmalen herzlich danke, brauchten diesen langen Brief und diese Erklärung nicht; aber benutzen Sie diselbe, wie Sie es für gut befinden; denn wenn es Pflicht ist, dem Gräuel des Illuminatismus entgegen zu wirken, so ist es auch Pflicht die Ehre des Schuldlosen zu retten. Ich bin mit warmer Freundschaft und alter Verehrung
E. Wohlgebohrne
gehorsamster Diener,
Wreden Geheim. Refer.

 


Jung-Stilling an Wrede 1797-05-20

So schrieb mir Wreden, und ich hoffe, daß nun unser beider Zeugniß hinreichend seyn werde, den nachtheiligen und gefährlichen Eindruck, den vorzüglich die Anmerkung ** S. 309 dieses Stücks der Eudämonia, bei dem Publikum gemacht haben muß, gäzlich auszulöschen, und der verehrungswürdige Verfasser dieses Aufsatzes, wird als Christ und Patriot mein Betragen in dieser Sache rechtfertigen, und erkennen, daß ich nach meinen Grundsätzen, sein eben so zuverlässiger Freund seyn würde, wenn ich ihn kennte, als ich es von Wreden bin.
Marburg den 20sten May 1797.
Dr. Johann Heinrich Jung,
Churpfälzischer Hofrath und ordentlicher öffentlicher Lehrer der Staatswirthschaft.

 

[Dieser Brief wird - wie viele andere - nicht in der Edition Schwinge verzeichnet.]

 


weitere Texte

Weiter liest man in der Eudämonia:


Eudämonia Bd. 5, St. 5:

 
IX. / Eine musterhafte Illuminaten= / Erklärung.
[…]
Ich wollte eben meine Vertheidigung gegen den Vorwurf des Illuminatismus im 4ten und 5ten Stück 4ten Bandes der Eudämonia in Druck geben.’
(Bruder Picus irrt sich hier schon sehr. Im 5ten Stück wird er nicht angegriffen, sondern es vertheidigt der Hofrath Jung blos den Geh. Referendar Wreden. Daß Jung Grundsätze in dem Brunnerschen Briefe findet, die höllisch sind und Schauder und Abscheu erregen, und Wreden den darin liegenden Plan höllisch nennt, geht allein jenen Brief an, und Bruder Picus müsste beweisen, daß er entweder jenen Brief nicht geschrieben, oder daß die darin liegenden Plane und Grundsätze ganz anders beschaffen sind, als sie diesen Männern vorkommen.)
[…]
‚Tiefenbach am 1sten September 1797.’ / ‚J. Brunner, Pfarrer.’

 


Eudämonia Bd. 5, St. 6:

 

IX.
Nachrichten.
I.
Den Lesern der Eudämonia wird es erinner= / lich seyn, daß wir uns bereitwillig erklärt haben, / von Männern, die in den Verdacht des Illumi= / natismus gekommen, oder besser, und was dem= / selben anhängig ist, beschuldiget worden, ihre Vertheidigungen in unser Journal aufzunehmen, auch / wo solche uns nicht genugthuend scheinen / mögten. Jenes forderte die Gerechtigkeit, Wahrheits= / liebe und Billigkeit von uns, dieses unser Verhältnis gegen das Publicum, da wir, ohne uns / des Rechts zu begeben, auch unsere Gedanken sagen / zu können, durch Entscheidung dem Urtheile dessel= / ben vorzugreifen nicht gesonnen sind. Dieses haben wir auch seinem ganzen Umfange nach erfüllt, da / wir in das fünfte Stück des 4ten Bandes S. 456. / ff. eine von dem Hofrath Jung eingeschickte Vertheidigung des geheimen Referendar Wreden, / desgleichen in das erste Stück dieses 5ten Bandes / S. 9. ff. eine von einem nahmhaften Verfasser ein= / geschickte Vertheidigung eben dieses Mannes, und / endlich noch in das zweite Stück dieses B. S. 187 / die Vertheidigung aufgenommen haben, die uns / der Professor Feder in Würzburg gegen die ihm / gemachten Vorwürfe zugeschickt. [...]

 

 

zu Carl Joseph Wreden

Bei dem hier genannten Wreden/Wrede handelt es sich um Carl Joseph Wrede, Canonicus an dem Stift in Bonn, an St. Aposteln in Köln, und an St. Martin in Emmerich.
Er ist Sohn des Generalkassierers von Mannheim; kurfürstlicher Vorleser in Bonn; seit 1803/04 als Geheimer Referendar in hessischen Diensten und wurde 1827 von der hessisch-nassauischen Regierung als Bischof für Mainz postuliert.

 

Carl Joseph von Wreden (1761-1829) [je ermittelter Verf. von]: Kurze Beleuchtung der Facultäten päpstlicher Nuntien in Teutschland, zur Erläuterung des Hofdecrets und des Art. IV. des Emser Kongresses Cöln 1789, 110 S. – Der Besitzstand des Römischen Hofes Gesandten mit Gerichtsbarkeit in alle kristliche Reiche, und besonders in Deutschland abzuschicken, Historisch untersucht, und dem deutschen Publikum zur Entscheidung vorgeleget. Bonn: 1789, 81 S. – Frage: Ist der Pabst befugt, ohne Einwilligung der Bischöfe einem deutschen Reichsfürsten die Erlaubniß zu ertheilen, die in dessen Lande gelegenen Güter der katholischen Geistlichkeit zu besteuern? Beantwortet von Franz Biedermann. o. O. u. J. (ca. 1789), 137 S. 4°. – Evtl. Heidelberg, Univ., Diss, 1778 mit Präs. Joannes Kleber als Resp: De notione et certudine evidentiae, disquisitio philosophica [Heidelberg:] Wiesen 1778, 92 S.

 


Die Herkunft und die Lebensdaten sind nicht problemlos zu erfahren, aber alle scheinen abzustammen von

 
Ferdinand Joseph (Maria) Wrede, Landschreiber im Oberamt Heidelberg und Geheimer und Regierungsrat „’von der Gelertenbank’ zu Mannheim“ (von Hefner, 1866, S. 382 f.), während des pfalzbaierischen Reichsvikariats am 17.05.1790 zum Freiherr von Wrede (! ernannt; Otto Titian Hefner (Hrsg.): Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland, hrsg. v. einigen dt. Edelleuten, Bd. 4: Spaur-Z. Manz 1866, S. 229 f. verweist auf die Probleme, die die Namensänderung ergab), geb. Heidelberg 6.01.1722, gest. ebd. 22.01.1793; ehel. Walldorf 21.03.1746 Anna Catharina Jünger, geb. Bruchsal 26.01.1729; diese ehel. in 1. Ehe: NN Pfeffer.
 
Bereits 1866 klagt Otto Titan von Hefner über Ferdinand Joseph (Maria) Wrede:

„Seine Familie scheint ziemlich verbreitet gewesen zu sein in damaligen pfälzischen Diensten, wenigstens kommen […] ausser […] Ferdinand noch ein Joseph Wreden, ‚seit 1761 Hof=Kriegs=Justiz=Rath bei dem Provinzial=Commando zu Düsseldorf,’ ein Friedrich Wreden, kurpfälz. Rath und General=Cassier zu Mannheim und ein Joseph Franz Wreden, kurpf. Hofgerichtsrat und Beigeordneter beim Oberamt zu Heidelberg vor.“

Da dieser Landschreiber Ferdinand Joseph (Maria) Wrede „als Staatsdiener durch die richtige Geschäftsführung und den regsten Eifer, als Privatmann durch unendliche Herzensgüte, geraden teutschen Sinn und vorzügliche Wohlthätigkeit die Herzen seiner Mitmenschen an sich gefesselt [hatte]; Wrede’s Mutter, eine geborne von Jünger, war eine Dame, die durch ausserordentliche Vorzüge des Geistes und des Gemüths eine allgemeine Huldigung verdiente.“ (Joseph Karl von Train, 1831), so ist es nur verständlich, dass Jung-Stilling Kontakt zu der Familie hatte.

Nebenbei: Das 13. Kind aus dieser Ehe – sicherlich auch ein Student Jung-Stillings wie der hier gemeinte Kanonikus – war:

Carl Philipp Joseph Wreden, seit 1790 von Wrede, 1809 französcher Graf, bayrischer Feldmarschall und 1814 Fürst, geb. Heidelberg 29.04.1767, gest. Ellingen 12.12.1838; ehel. Heidelberg 18.3.1795 Gräfin Sophie Agathe v. Wiser- Siegelsbach, geb. Mannheim 23.05.1771, gest. Ellingen 7.05.1837. – Wohnung in Heidelberg war wohl seit 1748 das Haus Karlstraße 4, wo 1775 Goethe hier eingeführt wurde (vgl. Düntzer: Leben S. 259). – 1784-1786 imm. Heidelberg mit Studium der Forstwirtschaft, wo er auch zum Studenten-Marschall ernannt wurde; dann 1792 Hofgerichtsrat in Mannheim und Hofgerichtsrat beim Oberamt Heidelberg, danach Forstmeister, dann 1794 Obrist. (Vehse: Höfe S. 306 ff. - Stumpf: Denkwürdige Bayern 1865.) – Vgl.: http://list.genealogy.net/mm/archiv/hannover-l/2006-11/msg00210.html. – Friedrich Peter Wundt (Hrsg.): Allgemeine pfälzische Bibliothek Bd. 1. Mannheim: Schwan und Götz 1802, S. 49.

 

Der Westfälische Anzeiger

Von diesem hier von Jung-Stilling gemeinten Wreden schrieb später der „Westfälischer Anzeiger“ Nr. 90 v. Di, 1802-11-09:

 

„Verdiente Männer.
Herzogthum Westfalen.
Ein Verlust für diese Provinz.
Der Herr von Wrede, der bey dem vorigen Churfürsten von Köln Maximilian Franz als geistlicher Geheimer Staats=Referendar stand, und bey dem erzstifts=köllnischen Domkapitel während des Interregnums in der nähmlichen Eigenschaft angestellt war, hat den Ruf nach Salzburg erhalten, um die Direction dieser Diöcese zu übernehmen. Er hat ihn angenommen, und ist wirklich abgereiset. Mit Recht genoß er das gänzliche Zutrauen des Churfürsten von Köln. Seinem für alles Gute regen Geiste, der mit jenem unsers Maximilian Franz sympathisirte, verdankt das Herz. Westfalen die trefflichen Anstalten im Kirchen=, Schul= und Armen= [Sp. 1437:] Wesen, wovon die Visitations=Recesse, in welchem der Geist des Evangeliums haucht, die gut eingerichtete Real= und Industrie=Schulen, und mehrere für das Armenwesen erlassene Verordnungen lebende Beweise sind, und bleiben werden, so lange sie aufrecht erhalten und allgemeiner befördert werden. Er war zwar kein Eingebohrner Westfalens, aber dem Herzogthum dieses Nahmens hat er diese wichtigen Diesnte geleistet. Sein Nahme verdient also im Westf. Anz. dieses Denkmahl der Achtung und Dankbarkeit. Es sey ihm hiemit errichtet, und belebe den nähmlichen Geist in demjenigen, der ihm im Amte folgen wird! – dd.“

 

Literaturhinweise:

 

Vgl.:

 
Michael Schlott: Wirkungen und Wertungen. Adolph Freiherr Knigge im Urteil der Nachwelt (1796-1994). Eine Dokumentensammlung. Wallstein Verlag, 1998, ISBN 3892442878, 9783892442875= Das Knigge-Archiv Bd. 1.

 
Meusel, Suppl. Bd. 4, Lemgo 1810, S. 283 und zuvor in Hamberger/Meusel Bd 8, Lemgo 1800, S. 624 f.
 

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